Was hat der Schauspieler, Autor, Regisseur und Verfasser von unzähligen Drehbüchern Fritz Eckhardt (* 30.11.1907 in Linz, † 31.12.1995 in Klosterneuburg) mit dem tatort zu tun?

Nun, eine ganze Menge, war doch der Oberinspektor Viktor Marek vom Wiener Sicherheitsbüro, den Fritz Eckhardt dereinst im „tatort Wien“ verkörperte, der erste österreichische Beitrag für diese jahrzehntelange Erfolgsgeschichte im TV.

Der Marek war zuvor bereits „am tatort“

Und seine Dienstzeit war lange. Von 1963 bis 1992 ermittelte Viktor Marek auf den Straßen Wiens, bestach dabei mit Charme, List und Tücke und führte mit dem sprichwörtlichen und heute leider beinahe völlig abhanden gekommenen Wiener Schmäh so manch Kleinkriminellen, aber auch den einen oder anderen dicken Fisch der Wiener Unterwelt hinter Schloss und Riegel.

Waschmittel Fritz Eckhardt

Wie beliebt der Wiener „tatort“ auch in Deutschland war, bewies in den späten 1970er Jahren eine Meinungsumfrage. Den Oberinspektor Marek – „Wie heißt der doch gleich in Wirklichkeit, Heinz-Dieter? Ach ja, Fritz Eckhardt“ – kannten 80 Prozent der deutschen Bundesbürger. Der bekannte Schauspieler dazu im Klartext: „Ich gebe offen und ehrlich zu, dass ich froh und glücklich bin, weil man mich kennt, dass praktisch jedes Kind im deutschsprachigen Raum weiß, wer der Fritz Eckhardt aus Wien eigentlich ist. Nur meine Frau bleibt skeptisch. Sie meint, der Bekanntheitsgrad ist beinahe so hoch wie der eines Waschmittels aus der Fernsehwerbung.“

Die Idee wurde verwirklicht

Eines schönen Tages im Jahre 1961, spät am Abend: In den Büros des Österreichischen Fernsehens in der Wiener Innenstadt, gleich hinter dem Ronacher brannte noch Licht. Ein Magistratsbeamter namens Friedrich R. vom Wiener Marktamt verfasste ein Film-Manuskript und sandte es ein. Der Titel lautete: „Die Vorladung“. Es spielte im kleinbürgerlichen, gemütlich amerikanischen Vorstadtmilieu. Die Hauptfigur war ein älterer und sympathischer Oberinspektor. Von Seiten des ORF wurde überlegt: „Wenn man die ganze Geschichte ins Wiener Milieu umsetzen würde und einen Wiener Kommissariatsvorsteher namens Marek agieren ließe, dann hätte das Ganze sicher gute Chancen beim österreichischen Fernsehpublikum.“ Und man war sich sehr rasch einig: „Diesen Marek könne nur da Eckhardt Fritzl spüln.“

Marek wurde real

Der Auserwählte war von der Idee nicht sofort restlos angetan. Eckhardt war aber Schauspiel-Profi genug, um sich die Sache durch den Kopf gehen zu lassen. Er las das Drehbuch, besprach die Sachlage mit seiner Frau und obwohl, oder vielleicht gerade deswegen die Gattin dagegen war, entschied sich Eckhardt, den Marek zu spielen. Die Zeitspanne, die er diese Figur mit Leib und Seele verkörperte, nämlich wie bereits oben erwähnt von 1963 bis 1992, ist bekannt und avancierte binnen kürzester Zeit zur Erfolgsgeschichte. Eckardt ließ es sich natürlich nicht nehmen, bereits beim dritten Fall das Drehbuch selbst dafür zu verfassen. Und so war der Viktor Marek, der seine Feuertaufe am 3. Oktober 1963 mit dem Titel „Vorladung“ bestanden hatte, bis 26. November 1970 in acht Kriminalfällen erfolgreich im Einsatz, ehe diese Figur nahtlos in die Gemeinschaftsproduktion des ORF mit der ARD und dem neu geschaffen Fernseh-Krimi „tatort“ einfloss. Am 7. November 1971 ermittelte Marek nun erstmals auch in der ARD, „Mordverdacht“ lautete hier der Titel.

tatort-Titelmelodie

Wenn diese Erfolgsproduktion nun ihren 50. Geburtstag feiert, dann darf nicht unerwähnt bleiben, dass auch die Titelmelodie samt Vorspann in all den Jahren nie abgeändert wurde. Jazz-Ass und Filmkomponist Klaus Doldinger („Das Boot“, „Ein Fall für Zwei“, „Die unendliche Geschichte“) schrieb 1970 die „tatort-Titelmelodie“. An deren Anfang setzte er eine Fanfare, die alten Jäger-Signaltönen nachempfunden ist. Bei Probeaufnahmen des Stücks spielte Udo Lindenberg am Schlagzeug, jedoch nicht in der Endfassung. Die Melodie blieb in all den Jahren unverändert, lediglich der Sound wurde 1979 und 2004 leicht modernisiert. Und auch der vermeintliche Täter rennt im Vorspann seit 50 Jahren ins Nirwana, in sensationeller körperlicher Verfassung.

Vorspann

Den im Kern bis heute nie veränderten „tatort“-Vorspann erfand 1970 der TV-Redakteur Peter Hoheisel. Zu sehen sind das Augenpaar und die am Münchner Flughafen Riem gedrehten dahinlaufenden Beine von Schauspieler Horst Lettenmayer. Kristina Böttrich-Merdjanowa ging als Grafikdesignerin des Vorspanns in die Geschichte ein. Beide sollten nicht unerwähnt bleiben, da beide im „tatort“-Vorspann namentlich unerwähnt geblieben sind.

Am Sonntag Abend wird gemordet

Wie meinte doch kürzlich der RB Leipzig-Trainer Julian Nagelsmann nach dem 0 : 6 der DFB-Auswahl gegen Spanien so treffend: „Der tatort habe eine größere Einschaltquote im TV als die Deutsche Fußball-Nationalmannschaft. Dieser Umstand stimmt mich nachdenklich!“ Nun, eine berechtigte Überlegung, wenngleich das Krimi-Format, seit Ewigkeiten angesetzt am Sonntag Abend um 20.15 Uhr, natürlich auch eine riesengroße Fangemeinde aufweisen kann. Im schmucken deutschen Stadterl Mainz beispielsweise gibt es ein Lokal – derzeit Coronabdingt leider geschlossen – da geht man hin, da trifft man sich, dort schaut man im Kollektiv bei Bier und Wein den „tatort“-Krimi in der ARD, am Sonntag Abend. Wie viele Krimifans sich dann am finsteren und eventuell auch einsam abgelegenen Nachhauseweg fürchten, ist hier nicht überliefert.

Taxi nach Leipzig

Ein Titel, der heute völlig normal klingt, war vor 50 Jahren, ausgestrahlt am Sonntag, 29. November 1970 um 20:20 Uhr in der ARD, insofern Novität, da sich das Geschehene in Hamburg in der BRD abspielte, Leipzig jedoch hinter dem Eisernen Vorhang in der DDR lag. Der hanseatische Kommissar Trimmel, gespielt von Walter Richter, bestand seine Feuertaufe, das neue Fernsehformat war somit geboren. Die 1.000 Folge, ausgestrahlt im Jahr 2016, trug übrigens den gleichen Titel: „Taxi nach Leipzig“.

Schimanski

Wer an den „tatort“ denkt, der kommt zweifellos an einer Figur nicht vorbei: Horst Schimanski. Götz George verkörperte ab dem Jahre 1981 den rüpelhaften-Ruhrpott-Kieberer in sehr anschaulicher Art und Weise und auch die Schimpfkanonaden, die er im Zuge seiner Ermittlungsarbeit immer wieder vermehrt einfließen ließ, feierten damals im Fernsehen fröhliche Urständ. Schimanski führte uns meist durch das Arbeiter-Milieu von Duisburg, seine Fälle waren oft in eher einfachen Kreisen angesiedelt, wenngleich später auch die Ruhrpott-Schickeria von ihm nicht verschont wurde. Schimanski galt als Frauenschwarm, für den Gesetze und Verbote Ungültigkeit besaßen. Er bewegte sich oft auf dünnem Eis und brach umso mehr darauf ein. Es war gerade dieser Um- und Zustand ausschlaggebend dafür, dass der „Schimanski-tatort“ zwischen 1981 und 1991 zu den erfolgreichsten Formaten zählte.

Die Handlung im Laufe der Zeit

Der Verfasser ist so alt wie der Jubilar „tatort“ selbst. Und dennoch kennt er dieses TV-Format bereits seit über 40 Jahren. „Na geh, es gibt scho wieda an Tatort im Fernsehen. Haben die nix anderes, der ist ja mops fad.“, so ein herrlich nostalgisches Zitat aus grauer Vorzeit der späten 1970er Jahre der Großmama. Nun, Geschmack ist verschieden und über die unterschiedlichsten Geschmäcker lässt sich bekanntlich streiten. Der Vorteil des voranschreitenden Alters ist doch, dass irgendwann im Leben ohnehin alles erlaubt ist und wenn dann auch noch uralte „tatort“-Folgen wiederholt werden, man sehr wohl in den Genuss von „Mord und Totschlag“ im TV aus früheren Jahren kommen kann, zu deren Erstausstrahlung man als Kind natürlich nicht eingeladen worden war. Dabei fällt auf, dass sich früher vieles in der Hautevolee abgespielt hatte, im Laufe der Jahre sich aber die Handlung den Begebenheiten und Gepflogenheiten des echten und aktuellen Lebens angepasst hatte. Es gab und gibt kein Metier, in dem in dieser Krimi-Reihe nicht schon erfolgreich ermittelt worden war. Und das ist auch gut so, denn die Unterschiedlichkeit des Ganzen hält die Angelegenheit fit und aktiv.

Polizeiruf 110

Als Pendant zum „tatort“ im West-Fernsehen, gab es in der DDR den „Polizeiruf 110“. Auch dieses Format erfreut sich jahrzehntelager Beliebtheit, bis heute. In der heutigen Zeit ist es zum Beispiel so, dass sich der „Polizeiruf“ und der „tatort“, was die Einschaltquoten anlangt, auf Augenhöhe befinden. Auch hier sind die Drehbücher gut und die Schauspieler rufen immer wieder perfekte Leistungen vor der Kamera ab.

Erfolg bis heute

Der „tatort“ war und ist die beliebteste deutsche Krimiserie. Das liegt neben den perfekten Drehbüchern und den wunderbaren Schauspiel-Leistungen auch an der großen Realitätsnähe. Diese hält dieses TV-Format sehr dicht an der Wirklichkeit. Drogenhandel, Wirtschaftskriminalität, Schlepperunwesen, Migration und so weiter, die aktuell von 80 meist männlich und weiblich besetzten Teams durchstreifen diese fiktiven Orte des Geschehens. Diese Kombination macht den härter und eindringlicher gewordenen „tatort“ abwechslungsreif, spannend und fasziniert dabei auch heute noch Millionen von Krimifans im gesamten deutschsprachigen Raum.

Drehorte

Im Laufe der Jahre und spätestens nach der Deutschen Wiedervereinigung im Jahre 1990 explodierten förmlich die Städte, in denen „tatort“-mäßig ermittelt wurde. Waren früher Hamburg, Essen, Stuttgart, Berlin und München und später dann Duisburg (statt Essen), Düsseldorf (statt Duisburg) und Köln (statt Düsseldorf), Saarbrücken, Münster, Ludwigshafen und Hannover die gängigsten Orte des Geschehens, kamen im Laufe der Jahre Erfurt, Dresden, Leipzig, aber auch Nürnberg, Dortmund und Konstanz hinzu. Ebenso wurde in wird in der Schweiz ermittelt, sowie seit 1971 auch immer wieder in Wien (siehe bitte oben).

Singende Kommissare

Auch das gab es in 50 Jahren „tatort“: Das langjährige Hamburger Ermittlerduo Paul Stoever und Peter Brockmöller – herrlich gespielt von Manfred Krug und Charles Brauer – ermittelte im März 1996 auf Neuwerk, einer zur Freien Hansestadt Hamburg gehörenden Vogelinsel in der Elbmündung. Eine Gegend, die fast menschenleer ist. Da kann man nach Drehschluss nicht einfach an die Currywurstbude oder in den „Dennis Swing Club“ um´s Eck gehen. Also musizierten die beiden Freunde und Liebhaber der guten, alten Swing- und Jazzstandards der 1950er und 1960er Jahre selbst. In der Dreh-Unterkunft stand ein Klavier in der Ecke und von da an war es geschehen: „Wie findest Du den?“, oder „Haste schon mal so ´Somewhere Over The Rainbow´ gespielt?“ Die Idee war geboren, von da an machten die beiden meist dann Musik und sangen auch dazu, wenn der Fall erfolgreich abgeschlossen war und der eine oder andere Delinquent zuvor selbst „gesungen“ hatte.

Nie wieder Oper

Das österreichische „tatort“-Format führte nach Fritz Eckhardt, Kurt Jaggberg, Bruno Dallansky, sowie dem unvergleichlichen Michael Janisch einen Dornröschenschlaf, ehe im Winter 1998/99 mit der ORF-Produktion „Nie wieder Opfer“ in Wien neuerlich durchgestartet wurde. Seit damals spielt Harald Krassnitzer den Chefermittler Moritz Eisner, treu zur Seite steht ihm Bibi Fellner, gespielt von Adele Neuhauser. Die Wiener Folge „Sternschnuppe“ vom 7. Februar 2016 erreichte einen Marktanteil von 34 Prozent, die Einschaltquote verbuchte in Österreich 1,169 Millionen Fernsehzuschauer.

Rot – rot – tot

Als absolut erfolgreichste „tatort“-Ausstrahlung bis heute – Stand 28. November 2020 – gilt die Folge 83. „Rot – rot – tot“ verfolgten 1978 in Deutschland 26,57 Millionen Menschen, der Markanteil lag bei sagenhaften 76 Prozent. Der unvergessene Curd Jürgens verkörperte dabei perfekt den gehörnten Ehemann, der auch als Mörder auftrat. Ebenso ganz vorne mit dabei ist die Folge 73, „Reifezeugnis“, aus dem Jahre 1977. Nastassja Kinski und Christian Quadflieg spielten dabei die Hauptrollen.

Einschaltquoten

In den 1980er Jahren blieben im deutschen Fernsehen die Einschaltquoten mit zwischen 13 und 20 Millionen Zusehern pro Krimifolge hoch. Anfang der 1990er Jahre sank diese Quote ob der aufkommenden Konkurrenz des Privatfernsehens. Seit den 2000er Jahren verfügt der nunmehrige 50-jährige Jubilar allerdings über einen festen Kundenstock von durchschnittlich neun Millionen Zuschauern, alleine in Deutschland. Und auch das Duo Krassnitzer-Neuhauser erfreut sich in Österreich in den letzten 20 Jahren in 12 Fällen über eine Einschaltquote von weit jenseits der 1 Millionen-Marke.

Marke „tatort“

Der „tatort“ hat sie alle überlebt: Ob es „Der Kommissar“ mit Erik Ode war, später dann „Derrick“, gespielt von Horst Tappert, oder aber „Der Alte“ mit Siegfried Lowitz zu Beginn in der Hauptrolle, allesamt wurden in die Ermittler-Pension geschickt. Der „tatort“ allerdings, der blüht und gedeiht und freut sich einer anhaltenden Einschaltquote. In Deutschland sogar einer noch größeren Beliebtheit, als es das DFB-Team derzeit aufweisen kann, wie wir weiter oben im Artikel bereits erfahren haben. Dieses Fernseh-Format ging den gesellschaftlichen und strukturellen Wandel der letzten 50 Jahre mit, ist aktuell und zukünftsträchtig. Dieser Umstand bringt mit sich, dass – egal ob im TV oder als Internet-Stream – dieses Krimiformat ganz bestimmt noch sehr lange erhalten bleiben wird.

Jubiläumssendung

Zum morgigen Geburtstag strahlt der ORF, als auch die ARD den ersten Teil des Zweiteilers „In der Familie“ aus. Wann? Wie gehabt um 20.15 Uhr. Der zweite Teil erfolgt dann eine Woche später, am Sonntag, 6. Dezember 2020. Ermittelt wird vom Dortmunder und vom Münchner Team gemeinsam.

Quelle: oepb

www.tatort.de

Back to Top