„Dieser Band ist der letzte Teil meiner Flucht-Trilogie. Es geht darin um die Rückkehr der Flüchtlinge in ein Land, in dem man sie beraubt hat, aus dem sie vertrieben wurden, in dem man ihre Lieben ermordete. Wie wird man sie empfangen? Haben Krieg und Shoah jene bekehrt, die lachend dabeigestanden sind, als Juden die Gehsteige schrubben mussten? Jene, die am Heldenplatz oder im Spalier ihrem „Führer“ zujubelten und nichts dabei fanden, sich ein wenig in den Wohnungen der vertriebenen Nachbarn „umzusehen“?, so Autor Herbert Lackner in seinem Vorwort zu Band III.

Nur ein Teil der 440.000 vor den Nazis aus Deutschland und Österreich Geflüchteten kehrt nach 1945 in die alte Heimat zurück. Willkommen sind sie nicht immer. In diesem Buch geht es um die Rückkehr der vertriebenen Dichter und Denker in eine Gesellschaft, die sich oft hartnäckig weigerte, ihre jüngere Geschichte aufzuarbeiten. Es geht um Willy Brandt, Thomas Mann, Robert Stolz, Bruno Kreisky, Alma Mahler-Werfel, Bertolt Brecht und viele andere.

Es ist der dritte Teil von Herbert Lackners Kulturgeschichte-Trilogie. Bereits erschienen: „Als die Nacht sich senkte. Europas Dichter und Denker am Vorabend von Faschismus und NS-Barbarei“ und „Die Flucht der Dichter und Denker. Wie Europas Künstler und Wissenschaftler den Nazis entkamen.“

oepb-Rezension:

Heimat? Fremde Heimat! Rückkehr in eine Heimat, die keine mehr ist; Mit diesem Buch schließt Autor Herbert Lackner seine großartige Trilogie über die Dichter & Denker während der NS-Herrschaft ab. Es geht darin um die Rückkehr der Flüchtlinge in ein Land, in dem man sie beraubt hat, aus dem sie vertrieben wurden, in dem man ihre Liebsten ermordet hat – so der Autor.

In einem der ersten Kapitel beschreibt der Autor die Schicksale der Heimkehrer Karl Farkas, Hermann Leopoldi und Robert Stolz. Sie alle verbuchten großartige Erfolge, sprachen aber nie über ihre Vertreibung (wobei Robert Stolz freiwillig vor der Hitler-Barbarei geflüchtet war). Allerdings konnten so manche Vertriebenen gar nicht mehr zurückkehren, weil sie inzwischen verstorben waren – etwa Franz Werfel, Sigmund Freud, Joseph Roth, Walter Benjamin, Stefan Zweig und seine Frau Lotte, Robert Musil, Max Reinhardt, Alexander Roda-Roda und – leider nicht im Buch erwähnt – Anton Kuh, einer der glänzendsten und scharfsinnigsten Publizisten seiner Zeit.

Der Autor schildert auch den regelrechten „Kulturkampf“ nach 1945 – nämlich das „Hineinwachsen der Eliten des autoritären Ständestaates in die Zweite Republik.“ Sie erhielten den „Österreichischen Staatspreis für Literatur“. Nicht erhalten haben den Preis etwa Max Brod, Hermann Broch, Alfred Polgar, Vicki Baum und Elias Canetti (dieser dafür den Nobelpreis für Literatur 1971).

Es gäbe noch so viel zu berichten über dieses informative, hochinteressante und stellenweise sehr bedrückende Buch. Kompliment an Autor Herbert Lackner, dem es mit seiner Trilogie gelang, einen in der Menschheitsgeschichte relativ kurzen aber fürchterlichen Abschnitt perfekt bis ins kleinste Detail aufzuarbeiten. Eine Geschichte, die noch gar nicht so lange her ist und die sich wiederholen kann. Mit anderen Protagonisten zwar, aber nach wie vor mit großem Hass, Neid und Missgunst versehen. Und genau dieser Umstand sollte in einer zivilisierten Gesellschaft endgültig der Vergangenheit angehören. Lernten wir bisher aus unser aller Geschichte? Diese Frage kann sich jeder selbst beantworten. Fakt ist aber auch, dass es gerade die Vertriebenen waren, die in der Musik, im Kabarett, im Sport, in der Politik, der Kultur und auch Architektur große Spuren hinterlassen hatten auf Wegen, die heute noch gegangen werden. Die Handschriften dieser „Geächteten“ sind in Österreich und Deutschland noch allgegenwärtig – und das ist auch gut so.

Wir dürfen die Trilogie von Herbert Lackner in jedem Falle wärmstens empfehlen, denn es ist doch die Geschichte unserer Vorfahren, die uns alle ausmacht.

Rückkehr in die fremde Heimat
Die vertriebenen Dichter und Denker und die ernüchternde Nachkriegs-Wirklichkeit
Von Herbert Lackner
200 Seiten, gebunden mit zahlreichen s/w Abbildungen
Zum Preis von € 22,95
ISBN 978-3-8000-7765-6
Erschienen bei ueberreuter
www.ueberreuter.at

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