Vor 40 Jahren, am 11. November 1981, ereignete sich in Sofia ein 0 : 0 der erfolgreichen Art und Weise. Österreich qualifizierte sich damit erneut für eine Fußball-Weltmeisterschaft. Im Bild von links: Reinhold Hintermaier, Walter Schachner, Kurt Jara, Herbert Prohaska, Roland Hattenberger, Hans-Dieter Mirnegg, Heribert Weber, Bernd Krauss, Bruno Pezzey, Herbert Feurer, sowie Teamkapitän Hans Krankl. Foto: privat / Sammlung oepb  

Die Österreichische Fußballnationalmannschaft in Form des ÖFB und die Endrunde einer Fußball-Weltmeisterschaft gehen im Moment schöne, aber getrennte Wege. Es bleibt spannend und David Alaba und Co. spannen die rot-weiß-roten Fußball-Anhänger ganz schön auf die Folter, inwieweit sich der aktuelle ÖFB-Kader noch in Richtung 22. WM-Endrunde Katar 2022 bewegen kann und wird.

Dass Österreich allerdings ein Ticket für dieses fußballerische Großereignis buchen kann, das wurde in den letzten Jahrzehnten immer wieder eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Wenn auf eine erfolgte Qualifikation vier Jahre später die neuerliche Teilnahme folgte, dann herrschte naturgemäß riesengroße Vorfreude und Euphorie hierzulande.

Ein Blick in die Geschichte beweist allerdings auch, dass eine zweimalige Qualifikation en suite innerhalb von vier Jahren nur äußerst selten stattfand. Aber sie kam vor. 1938 in Frankreich zum Beispiel, nachdem Österreich 1934 in Italien WM-Vierter geworden war. In jenem unsäglichen 1938er Jahr trat Österreich jedoch aufgrund der politischen Umstürze als „Deutschland“ an. 1954 wurde Österreich Dritter in der Schweiz – bis heute die beste Platzierung überhaupt – und qualifizierte sich 1958 erneut für die WM in Schweden. 20 Jahre später mit dem berühmten Spitz von Izmir war Österreich wieder einmal im Konzert der Großen in Argentinien mit dabei, ebenso 1982 anlässlich der Fußball-Weltmeisterschaft in Spanien. Dann wieder 1990 in Italien und zuletzt 1998 in Frankreich. Seit nunmehr bald 24 Jahren findet allerdings dieses weltweite fußballerische Groß-Ereignis ohne rot-weiß-rote Beteiligung statt.

Dass ein ÖFB-Teamchef allerdings nach einer erfolgreichen WM-Qualifikation auch schon einmal den Stecken bekommen kann, das soll diese Geschichte erzählen;

Bangen um Koncilia

Vor 40 Jahren, bis Mitte der 1980er Jahre, war der 33-jährige Friedl Koncilia die unumstrittene Nummer 1 unter den österreichischen Teamtorhütern. Um den Kronprinz-Platz ritterten Erwin Fuchsbichler (29 Jahre), Herbert Feurer (27 Jahre) und neuerdings auch der 24-jährige Klaus Lindenberger. Beim 1 : 1 des FK Austria Wien im Europacup der Landesmeister bei Dynamo Kiew am 4. November 1981 erlitt Koncilia allerdings eine 10 Zentimeter lange und bis auf den Knochen reichende Rissquetschwunde unterhalb des linken Knies. Sein Einsatz für das letzte WM-Qualifikationsspiel des ÖFB stand mehr als nur auf der Kippe. Der Friedl biss jedoch sämtliche Zähne zusammen, bestand den Fitnesstest und wurde von Teamchef Karl Stotz in den 16 Mann-Kader für Bulgarien aufgenommen.

11. November 1981

Die Österreichische Fußball-Bundesliga, damals bezeichnet als 1. Division, ruhte zum Wochenende um den 6. bis 8. November 1981. Die Nationalmannschaft bereitete sich mit den Legionären Herbert Prohaska, Reinhold Hintermaier, Kurt Jara, Walter Schachner und Kurt Welzl in aller Ruhe in der Karl Beck-Sportschule im niederösterreichischen Lindabrunn auf das alles entscheidende und letzte Qualifikationsspiel der Gruppe 1 vor. Bulgarien lautete der Gegner, das Levski-Stadion zu Sofia um 17.30 Uhr MEZ der Spielort und der besonnene französische FIFA-Referee Michel Vautrot war für diese Begegnung als Schiedsrichter nominiert.

Es gab gegen die Bulgaren kein Durchkommen. Kurt Jara, Hans Krankl und Reinhold HIntermaier (von links) können sich gegen Plamen Nikolov (Nr. 2) und Konsorten nicht durchsetzen. Foto: privat / Sammlung oepb  

Verkrampft bei Eiseskälte

Es war kalt im Levski-Stadion. Bitterkalt. Das Thermometer zeigte bei eisigem Wind Minus 2 Grad Celsius und die ÖFB-Elf trat teilweise auf wie das Kaninchen vor der Schlange. Es war zwar kein Angsthasenfußball, aber zwingend war es auch nicht, was die 11 „gstanden“ Fußballer da am Rasen, der noch kurz zuvor von einer Schneedecke befreit worden war, fabrizierten. Und – Herbert „Funke“ Feurer stand im Tor der Österreicher, Friedl Koncilia nahm auf der Ersatzbank Platz. Feurer hatte es sogleich mit einer Wiener Derby Konstellation zu tun, denn der Bulgare Tschavdar Zvetkov – damals in Diensten der Wiener Austria – prüfte den Rapid-Keeper, der den strammen Schuss nur mit Mühe bändigen konnte. Die Offensive der Österreicher ließ an jenem Abend einige Wünsche offen. Weder Walter Schachner noch Hans Krankl konnten sich entscheidend in Szene setzen. Beide vermissten allerdings auch brauchbare Vorlagen aus dem Mittelfeld. Roland Hattenberger und Kurt Jara rackerten unermüdlich, aber der harte Boden ließ kaum spielerische Akzente zu, also verlagerte man sich auf beinharten Kampf. Und Karl Stotz ließ noch eine Novität folgen, nämlich jene, als er in der 72. Minute Hans Krankl vom Feld holte. Der Kapitän und Goleador wurde in seinem 59. Länderspiel erstmals ausgetauscht. Für ihn kam Max Hagmayr, der zwei gute Tormöglichkeiten vorfand, beide jedoch nicht nützen konnte. Und nach dem Schlusspfiff dieser 0 : 0-Begegnung gab es folgende Pikanterie: Während für Österreich die Qualifikation zu Ende war, hatte Bulgarien noch am 22. November 1981 in Düsseldorf gegen Deutschland anzutreten. Würden die Bulgaren dort mit 5 : 0 gewinnen, hätte das ein Entscheidungsspiel zwischen Bulgarien und Österreich heraufbeschworen. Mit diesem Resultat rechnete niemand, also feierte man in Österreich die erfolgreiche WM-Qualifikation für 1982 in Spanien. Bulgarien verlor im übrigen 11 Tage später die Begegnung mit der Bundesrepublik mit 0 : 4.

Ende gut, alles gut. Im Bild jubeln die Österreicher Walter Schachner, Herbert Feurer, Heribert Weber und Roland Hattenberger (von links) nach der geschafften WM-Qualifikation. Foto: privat / Sammlung oepb  

Stotz hat seine Schuldigkeit getan, Stotz kann gehen

ÖFB-Präsident Bautenminister Karl Sekanina war ein allgewaltiger Politiker und Sport-Funktionär. Und – der gesellige Niederösterreicher war stets für Überraschungen gut. Was genau der Präsident wollte, stand nicht in der Presse-Einladung Anfang Dezember 1981 zu lesen, nur, dass in einem Restaurant im niederösterreichischen Ybbs an der Donau, der Heimatstadt von Sekanina, eine ÖFB-Pressekonferenz stattfindet und der Präsident dafür eigenes einen Bus für die Wiener Journalisten zur Anreise ab Wien bereitstellt. In Ybbs platzte dann die Bombe. Sekanina verkündete voller Stolz, Karl Stotz fristlos entlassen zu haben. Als Grund hieß es, dass es zwischen ihm und dem Teamchef unüberwindbare Differenz gegeben hätte. Welche die genau waren, blieb im Dunkeln. Sekanina spekulierte mit Ernst Happel als ÖFB-Teamchef für die WM in Spanien. Dieser war vorerst nicht bereit dazu, da er seinem alten Freund Stotz nicht in die Quere kommen wollte. Dann war Stotz weg und Hermann Neuberger, seines Zeichens DFB-Präsident strikt dagegen, da seiner Meinung nach Happel nicht gleichzeitig den Hamburger SV und die Österreichische Nationalmannschaft trainieren könne. Also wurde die typischste aller österreichischen Lösungen gefunden, der ewige Co, Georg „Schurl“ Schmidt wurde zum Teamchef erkoren, ihm zur Seite stellte man als Co-Trainer Felix Latzke, der sich wiederum dermaßen gut verkaufen konnte, dass man als Außenstehender sehr bald bemerkte, dass hier wohl Latzke der Teamchef und Schmidt der Co-Trainer ist.

Sekanina versus Stotz

Der einstige Torhüter der Kapsch-Firmenmannschaft und spätere Baulöwe Karl Sekanina und der 42fache Teamspieler Karl Stotz passten nicht zueinander. Was beiden fehlte, war der – wie man heute sagen würde – intensive Austausch untereinander. Stotz kümmerte sich neben seiner Teamchef-Tätigkeit um sein berufliches Standbein einer Büromaschinenvertretung. Dies war beim ÖFB nicht gerne gesehen. Darüber hinaus schien Stotz für einige Journalisten nur schwer erreichbar, was nicht unbedingt nachvollziehbar ist, da er anderen Journalisten wiederum – so auch dem oepb – immer wieder gerne und bereitwillig Auskunft gab. Sekanina wollte – gemäß eigener Aussage – die Nationalmannschaft mit einer vorzeitigen Stotz-Entlassung nicht verunsichern. Also wartete er die WM-Qualifikation ab. Dass diese dann erfolgreich verläuft, damit rechnete er, stieß sich allerdings nicht weiter daran, einen erfolgreichen Teamchef vor die Tür zu setzen. Andere Zeiten, andere Sitten …

Österreich fuhr demnach 1982 nach Spanien, errichte dort nach Siegen über Chile und Algerien die Zwischenrunde und kehrte als Achtplatzierter von der Weltmeisterschaft wieder nach Hause zurück. Geblieben ist jedoch die Tatsache an ein Match vor 40 Jahren, das trotz aller Widrigkeiten gepaart mit einem torlosen Remis erfolgreich verlaufen war und der heutigen Generation Mut und Zuversicht machen sollte, mit aller Kraft den Versuch zu starten, sich doch endlich wieder einmal mit den rot-weiß-roten Farben für ein derartiges Großereignis zu qualifizieren. 1998 und Frankreich zuletzt ist viel zu lange her.

Quelle: Redaktion www.oepb.at

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