Der Traum von Unsterblichkeit; Stellen Sie sich vor, Heimito von Doderer, Erich Fried, Leo Perutz, Friedrich Torberg und Stefan Zweig treffen einander im Café Central in Wien. Dort kommt es zu einer folgenschweren Entscheidung: Sie gründen eine Altherren-WG, um gemeinsam an ihrer Unsterblichkeit zu arbeiten. Ob das gut geht? Und vor allem wie lange?

Können die hochbetagten Schriftsteller die Schatten der Vergangenheit überwinden und ihren gemeinsamen Traum von der Unsterblichkeit verwirklichen? Als plötzlich einer nach dem anderen ermordet wird, stellt sich die Frage, ob hier ein irrer Literatenkiller am Werk ist …

Reinhard Gnettner gibt sein herrlich schräges Krimidebüt! Leben und Sterben in der Literaten-WG: ein spannender und lustiger Blick in die Seele der berühmten Schriftsteller.

Über den Autor

Reinhard Gnettner wurde 1957 in Bremen geboren. Er genoss eine Ausbildung als Oboist, arbeitete als Musiker und studierte in Berlin. Von dort verschlug es ihn Anfang der 1980er Jahre nach Wien. Hier mutierte er beruflich und privat zum Wiener. Er war Mitbesitzer einer der zehn größten Werbeagenturen des Landes und gewann als Texter nationale und internationale Auszeichnungen. Nach Beendigung seiner Werbekarriere machte er eine Ausbildung als Altenpfleger und begann sich literarisch zu betätigen.

oepb-Rezension:

Leben wir nicht alle den Traum von der Unsterblichkeit?

Nach einem Symposium sitzen sie noch gemeinsam in einem Wiener Kaffeehaus beisammen: Heimito von Doderer, Erich Fried, Leo Perutz, Friedrich Torberg und Stefan Zweig. Doch das Café Central, wie sie es kannten, gibt es längst nicht mehr. Nun füllen Lärm und Hektik der Touristenströme das berühmte und geschichtsträchtige Etablissement zu Wien I in der Herrengasse 14. So beschließen sie an diesem 10. Oktober Anno Domini Neuzeit ihre Idee endgültig in die Tat umzusetzen. Sie gründen eine Wohngemeinschaft und das gemeinsame Wohnzimmer wird ihr privates Kaffeehaus. Rasch ist eine geeignete Wohnung im 9. Wiener Gemeindebezirk, zu dem sie alle eine besondere Beziehung haben, gefunden, und Ella aus Krakau wird als Haushälterin und Pflegerin eingestellt. Nun wollen sich die betagten Herren endlich wieder ihrer Passion, dem Schreiben hingeben, bevor sie endgültig in Vergessenheit geraten. Doch erst, als sie ein gemeinsames Buch planen, kehrt auch die Freude am Schreiben zurück. Da wird plötzlich und unerwartet Heimito von Doderer tot aufgefunden und bald darauf folgt schon der nächste Unfall – oder war es doch ein Mord? Die Meldung verbreitet sich wie ein Lauffeuer und ganz Wien spricht schon von einem gefährlichen Literatenkiller …

Dieser literarische Kriminalroman mit Regionalbezug spielt in Wien. Im Mittelpunkt steht die „Selbsthilfegruppe der vergessenen Literaten“ bestehend aus fünf berühmten Schriftstellern a. D., die eine WG gründen. Die einzelnen geschilderten Persönlichkeiten werden beim Lesen sofort lebendig, jeder auf seine Art authentisch und erkennbar. Dies zeigt, wie intensiv sich der Autor Reinhard Gnettner mit den einzelnen Werken und Biografien beschäftigt hat. Gekonnt vermischt er Fakten und überlieferte Zitate mit seinen eigenen Gedanken und Ideen.

Die aktuellen Ereignisse finden zwischen Oktober und April statt und spielen in unserer Zeit. Großartig zu lesen ist der Alltag und die Gespräche der alten Literaten, ihre auflebenden Erinnerungen und die kleinen Streitereien. Dazu das urwienerische Ehepaar, in dessen Haus sie die Wohnung gemietet haben und der Kommissar, der in diesen letzten Wochen bis zur Pensionierung eigentlich seine Ruhe haben wollte. Wunderbar beschrieben sind das Servitenviertel, die Porzellangasse und die berühmte Strudlhofstiege, allesamt in Wien-Alsergrund. Der Fall ist eigenartig, geheimnisvoll und in Verbindung mit Humor und dem Charme Wiens ergibt dies eine Geschichte, die man mit einem vergnügten Schmunzeln auf den Lippen liest.

Der aus dem hohen Norden stammende Autor Reinhard Gnettner kennt und versteht sie gut, die fünf charakterstarken Wiener! Grandios ist auch die Wahl der Todesarten, mittels derer er sie im Roman ins Jenseits befördert hat. Jeder einzelne Tod ist speziell auf den, der ihn jeweils erleidet, zugeschnitten. Ein Quellenverzeichnis samt Kurzbiografien mit ausgewählten Werken der fünf Schriftsteller am Ende des Buches stellt eine interessante Ergänzung dazu dar.

Wenn man in diesem Buch liest und die darin beschriebenen und wieder zum Leben erweckten fünf Herren liebt, dann möchte man gar nicht, dass die Erzählung endet – es könnte schier einfach immer so weiter gehen. Ein Kompliment dem Autor verbunden mit gleichzeitigem Dank für die so kurzweiligen wie anregenden Lesestunden, die er uns mit diesem Buch ohne Fehl und Tadel beschert hat.

Dieser Wiener Literaturkrimi ist ein unterhaltsames Lesevergnügen. Ein Buch nicht nur für das eigene Bibliothek, sondern auch das perfekte Geschenk für Literaturfreunde.

Auf, dass die Herren aus dem XI. Hieb ein wohlverdientes Revival erleben dürfen – und ihre Unsterblichkeit damit behalten mögen!

Nur der Tod ist unsterblich
Ein mörderischer Literaturkrimi von Reinhard Gnettner
200 Seiten, Taschenbuch, € 16,00
Erschienen bei ueberreuter
www.ueberreuter.at
ISBN 978-3-8000-9006-8

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