Die siegreiche Rapid-Mannschaft vom 22. Juni 1941 in Berlin! Im Bild von links: Franz Wagner, Johann Pesser, Hermann Dvoracek, Stefan Skoumal, Wilhelm Fitz, Stefan Wagner, Heribert Sperner, Leopold Gernhardt, Georg Schors, Franz Binder sowie Rudolf Raftl. Foto: privat

„Als Böhmen noch bei Österreich war – vor 50 Jahr´, vor 50 Jahr´- und RAPID Deutscher Meister war, vor …Na ja, nunmehr sind´s bereits über 80 Jahr´;

So sangen lautstark die Jeans-Kutten tragenden RAPID-Fans, die damals alles andere, nur keine Ultras waren, in den 1980er Jahren in den jeweiligen Stadien bei den Auswärtsfahrten der Hütteldorfer ihre Hymne auf den Gewinn der Deutschen Kriegs-Meisterschaft aus dem Jahre 1940/41.

Über 80 Jahre ist das nun her, als ein baumlanger Bursche aus St. Pölten mit drei Volltreffern auf der großen europäischen Fußballbühne zu noch größerem Ruhm gelangte. Franz Binder, Spitzname „Bimbo“ – genannt der Bomber – erlebte im Berliner Olympiastadion vor 100.000 Zuschauern seine absolute sportliche Sternstunde.

„Knappen“-Kapitän Ernst Kuzorra (links) begrüßt den Rapid-Spielführer Franz „Bimbo“ Binder. Man beachte bitte die Körpersprache der beiden. Wie zwei Soldaten bei der Meldung stehen sie sich gegenüber, mit gegenseitigem Respekt und Hochachtung. Aufmerksamer Beobachter im Hintergrund der Szene, Schiedsrichter Adolf Reinhardt. Foto: privat

Sonntag, 22. Juni 1941: Das Deutsche Reich und mit ihm auch Österreich befand sich mitten im Krieg. Der Zweite Weltkrieg steuerte auf seinen traurigen Höhepunkt zu. Die Deutsche Wehrmacht startete mit dem „Unternehmen Barbarossa“ ohne jedwede Kriegserklärung an die UdSSR den Russland-Feldzug. Dieser sollte bis zur vernichtenden und kriegsentscheidenden Schlacht von Stalingrad Ende Jänner 1943 anhalten. Ab diesem Zeitpunkt war die Deutsche Ostfront komplett aufgerieben und allerorts nurmehr auf dem Rückzug.

Die Berliner, und natürlich auch die Wiener Bevölkerung wusste zwar vom gestarteten “Russland-Überfall”, war aber vom Fußballsport euphorisiert. Und so zogen an die 100.000 Menschen ins Berliner Olympiastadion, um dem Endspiel um die zweite Deutsche Kriegsmeisterschaft beizuwohnen. Der heute noch in Deutschland praktizierte Schlachtruf in Anlehnung an die Hoffnung zur Teilnahme am DFB-Pokal-Endspiel in Berlin: „Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin!“ war bereits damals allgegenwärtig. RAPID griff nach der „Viktoria“ – der höchsten Trophäe im deutschen Fußball. Und so rollten Züge voller fußballbegeisterter „Ostmärker“ aus Wien und anderen Gauen der Ostmark ins so genannte „Altreich“ nach Berlin.

Der ruhmreiche FC Schalke 04 wurde an jenem Tag vom SK Rapid Wien zu Fall gebracht. Foto: © oepb

Der FC SCHALKE 04 war in den damaligen Jahren am Zenit des Seins. Nie mehr wieder konnten die „Knappen“ aus Gelsenkirchen eine derartige Mannschaft stellen, die jedweden Gegner in Grund und Boden spielte. Der sprichwörtliche „Schalker Kreisel“, perfekt intoniert von Ernst Kuzorra und seinem Schwager Fritz Szepan, die für das „königsblaue Märchen“ verantwortlich zeichneten, waren einfach das Um und Auf des Ruhrpottvereins. Dieses Team zu schlagen schien beinahe unmöglich zu sein.

Nun, RAPID war mehr als nur gewarnt. Schalke schoss Admira Wien (1971 zu Admira/Wacker fusioniert) zwei Jahre zuvor, 1939, mit 9 : 0 aus dem Olympiastadion. Und, man wusste natürlich um die Stärke der Königsblauen aus Gelsenkirchen / Westfalen.

Es schien daher nicht weiter verwunderlich, dass Schalke nach nur 8 Minuten mit 2 : 0 und nach 57 Minuten gar mit 3 : 0 führte. Niemand mehr in der weiten Betonschüssel im Berliner Stadtteil Westend setzte auch nur eine müde Reichsmark auf die Wiener. Was dann geschah, hatte etwas mit Sternstunde und Fußball-Märchen zu tun. Ein Märchen mit einem Ausgang, mit dem niemand mehr gerechnet hatte.

Franz „Bimbo“ Binder, der „Lange“ aus der Hütteldorfer Stürmerreihe hatte, nachdem er noch in der 40. Minute einen Elfmeter vergeben hatte, seinen ganz großen Auftritt. Nach dem Anschlusstreffer zum 3 : 1 durch Georg Schors in der 60. Minute traf der St. Pöltner über 1,90 Meter Mann in nur acht Minuten dreimal. 3 : 2 in Minute 62 aus einem Freistoß, 3 : 3 nach 63 Minuten aus einem Elfmeter und das 3 : 4 in der 70. Minute aus einem abermaligen Freistoß.

Die Schalker waren perplex, mit einer derartigen Leistungs-Explosion beim Gegner hatte niemand mehr gerechnet. Die hohe blau-weiße Kunst des Fußballs zerbrach im Augenblick des torreichen Triumphs unter den nicht mehr erwarteten Blitzschlägen der Wiener.

Die deutschen Tageszeitungen wussten im Wortlaut folgendes zu berichten: „Der 22. Juni wird in der Erinnerung Wiens ewig ein Fußball-Festtag bleiben. Und bei der großartigen einmaligen Geschichte dieser Fußballstadt will das etwas heißen. Wie reich an beispiellosen Triumphen, trunkenen Freudenfesten steht seine Chronik uns vor Augen. Aber dieser Triumph überschattet im Augenblick alles. Zum erstenmal nach drei enttäuschungsreichen Jahren Meister im Reich zu werden, dazu gegen das berühmte Schalke – das muß an der Donau einen Freudenrausch auslösen.“

Gewissermaßen lag eine Komik in der ganzen Sache, dass RAPID gegen einen Widersacher triumphierte, der alles das feiner, reifer und zauberhafter demonstrierte, was man in der Welt als “Wiener Stil” rühmte: Schalke spielte „wienerisch“ – aber RAPID trug die Klugheit der nüchternen Vernunft, des Nach-Erfolg-Strebens zum Meisterthron empor. Schalke wurde das Opfer seines übertriebenen Offensivspiels. RAPID fragte nur nach dem Zweck. So erteilten sich die beiden großen Mannschaften wichtige Lektionen für die Zukunft.

Nun, Schalke holte im Jahr darauf gegen den First Vienna FC mit 2 : 0 die Meisterschaft, dann noch einmal 1958 und wartet seither auf einen neuerlichen Triumph. RAPID gewann in Österreich nach dem Zweiten Weltkrieg 18 Meisterschaften und hat somit gegenüber Schalke ganz klar die Nase vorne.

Die NS-Propaganda-Maschinerie wusste den RAPID-Erfolg 1941 auch richtig zu vermarkten, als es hieß, “…dass nun der Führer und Reichskanzler Adolf Hitler endlich seinen Meister aus der Ostmark hätte.”

Der „Schalker Kreisel“ jedoch hatte seinen Höhepunkt überschritten und konnte, wie bereits erwähnt, nur noch einmal, 1942, aufzeigen. Franz „Bimbo“ Binder ging mit RAPID unbeirrt seinen Weg weiter und sollte nach dem Ende seiner Laufbahn den Hütteldorfern auch noch als Sektionsleiter und Trainer vorstehen. Mit dem Ableben Binders am 24. April 1989, sowie Ernst Kuzorra auf Seiten von SCHALKE 04 am 1. Jänner 1990 verließen zwei großartige Protagonisten jener Jahre die Bühne des Lebens.

In der niederösterreichischen Landeshauptstadt St. Pölten erinnert heute eine Straße an Franz „Bimbo“ Binder. Foto: © oepb

Geblieben ist die Erinnerung an sportlichen Erfolg und Misserfolg, just an einen Tag geheftet, der so vielen Familien und Menschen in Europa ein noch größeres Leid bescheren sollte – der Zweite Weltkrieg, er steuerte auf seinen unrühmlichen Höhepunkt zu, die sinnlosen Opfer-Zahlen stiegen bis zum Kriegsende am 8. Mai 1945 ins Unermessliche hin …

Quelle: Redaktion www.oepb.at

www.skrapid.at

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