Rudolf Tonn-Stadion, Eingang5. März 2011

Ein wahres Mekka für Fußball-Nostalgiker und Freude der Geschichte des runden Ledersports bietet immer wieder ein Ausflug in das so genannte Fußball-Unterhaus. Abseits von Pyrotechnik-Gesetz, verstopften Zufahrtsstraßen, krakeelenden Beleidigungen jugendlicher Anhänger für die Gastmannschaft und Leichtbier, bot sich am gestrigen Freitag die Möglichkeit, in der Regionalliga Ost einen Vergleichskampf zwischen dem SV Schwechat und dem Wiener Sportklub zu besuchen. Auch in der Regionalliga ist der viel zu lange anhaltende Winterschlaf zwischenzeitlich Gott Lob beendet.

Beide Vereine haben ihren fußballerischen Zenit seit Jahren verlassen, dennoch lebt gerade auch in der Braustadt die Tradition und wenn dann noch ein Gegner eines Kalibers des Wiener Sportklubs, der prädestiniert ist, seine zahlreichen „Freunde der Friedhofstribüne“ mitzubringen, antanzt, dann reibt sich auch der Kassier des SVS freudestrahlend die Hände.

Die Anreise aus Wien kommend über die S1 verlief zügig und geruhsam, anhand der Ausfahrt „Rannersdorf“ vermehrte sich jedoch rasant ein Glücksgefühl in der Bauchgegend, erspähte man doch bereits von weitem die vier leicht gebeugten Flutlichtmasten, die hell erleuchtet bis weit ins Land erstrahlten und darauf hinwiesen, dass es sich hier noch um ein Stadion alter Schule handelt und dass dort darüber hinaus heute auch noch gekickt werden würde. Herrlich, Fußball-Herz, was willst Du mehr!

Einladende und ...Zahlreiche Kreisverkehre später lenkte man auf einen Parkplatz ein, der noch jede Menge Platz bot. Auch das Bild an den Kassen war vermehrt gähnend denn stauend. Gut, die Hernalser mussten ihren Bezirk verlassen und wer das goldene Wiener Herz kennt und schätzt, der weiß, dass der Wiener dieses Procedere nur sehr ungern auf sich nimmt, aber waren doch im Herbst noch gut 1.000 WSK-Leute am Ostbahn-Platz zu Wien-Simmering zugegeben, so „verirrten“ sich diesmal lediglich 300 schwarz-weiße Freaks nach Schwechat-Rannersdorf. Darunter auch ein hoch erfreuter und überaus freundlich grüßender Udo Huber, der als Präsident der Schwarz-Weißen nach wie vor ein wenig mit dem Aufstieg in die Bundesliga-Hitparade zweiter Spielklasse liebäugelt.

Zum Stadion sei gesagt, dass das Areal im Mai 1980 eröffnet wurde – die Wiener Austria bog vor 6.500 Besuchern die VIENNA mit 3 : 0. Im Juni 2003 strömten gar geschätzte 8.000 Besucher ins weite Rund, als der SVS sehr vehement zur Tür der Bundesliga angeklopft hatte. Diese durchschritt damals jedoch der Gegner aus Tirol, der FC Wacker Innsbruck. Heute verirren sich leider nur meist zwischen 100 und 200 Zuschauer nach Rannersdorf, am geschilderten Freitag waren es Dank der Sportklub-Anhänger wenigstens 450 Besucher. Dennoch besticht das „Rudolf Tonn-Stadion“ – benannt nach dem seinerzeitigen Schwechater Bürgermeister – mit einer herrlichen Haupttribüne, die sehr einladend und geläufig ist. Rund herum bietet eine leicht abfallende Wiese Freunden des Stehplatzes die Möglichkeit, das sprudelnde Schwechater Krügerl eben im Stehen einzunehmen. Ein VIP-Bereich in einem waggonähnlichen Bau ist auf der Gegenseite installiert. Und über alle dem ranken vier Lichtmasten in den finsteren Abendhimmel. Aus den in Wien-Schwechat ankommenden Flugzeugen bietet sich ein wunderherrlicher Ausblick über das gesamte Stadion-Areal, umso mehr bei Nacht.

Zum Spiel:
Der SVS bot seinen Anhängern einen durchwachsenen Herbst. Der drittletzte Tabellenplatz mit 13 Punkten aus 15 Spielen war enttäuschend. Der WSK wiederum rechnete sich mit 6 Punkten Rückstand (24 Zähler aus 15 Spielen) auf den Aufstiegsplatz noch berechtige Möglichkeiten für die Rückkehr in die Bundesliga aus. Und dennoch verlief das Match alles andere als so, wie es sich die Hernalser vorgestellt hatten. Die Heimischen taten von Anbeginn an mehr für ihre Offensive und waren auch stets zwingender und gefährlicher. Dennoch ging der Sportklub in der 34. Minute durch Christoph Hevera – dem Sohn des leider bereits verstorbenen VIENNA-Urgesteins Rudolf Hevera – in Führung. Diese gleichzeitige Pausenführung wurde in der 75. Spielminute von Thomas Hirsch aus einem Strafstoß egalisiert. Und in der Schluss-Viertelstunde überschlugen sich die Ereignisse. Wurde zuerst Jürgen Csandl (WSK, 74. Minute, Rot Karte wegen Beleidigung) von Schiedsrichter Alain Hoxha frühzeitig brausen geschickt, passierte das gleiche auch mit Patrick Wunderbaldinger vom WSK, 93, Minute, detto wegen Beleidigung. Da in der 66. Minute der Schwechat-Spieler Reinhard Schefcik Gelb-Rot wegen Foul-Spiels präsentiert bekam, wurde das Spiel mit 10 gegen 9 Mann beendet. In all dem Trubel gelang erneut Thomas Hirsch das 2 : 1 für Schwechat.

Diese Niederlage rief die Schwarz-Weißen auf den Plan. Für sie ward in Schiedsrichter Hoxha der Allein-Schuldige alsbald gefunden. Man pochte auf zwei strittige Elfmeter-Situationen für den WSK, die nicht gegeben wurden und auch die beiden Ausschlüsse an Sportklub-Spielern waren umstritten. Dazu WSK-Trainer Norton Radaj: „Ich bin jetzt noch stinksauer und konnte die ganze Nacht nicht schlafen. Der Schiri hat alles bewusst kaputt gemacht.“

Schwechat verschaffte sich mit diesem Sieg in den unteren Regionen etwas Luft, der Sportklub erlitt zwar einen Dämpfer, das Kapitel Aufstieg sollte man dennoch in Dornbach nicht aus den Augen verlieren.

www.svs-fussball.at

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