GEPA-2502121205426. Feber 2012

Zählt es zu den Überraschungen im Fußballsport, wenn der Letztplatzierte der Liga einen Titelfavoriten – und noch dazu auf dessen Platz – schlägt? Gibt es Spiele, wo bereits im Vorfeld lediglich über die Höhe des Sieges fachgesimpelt wird, um am Ende festzustellen, dass nichts vorhersehbar ist, schon gar nicht im Fußball? Nun, es passiert immer wieder und genau solche Resultate und Ergebnisse sind die Würze dieses ach so faszinierenden Ballsports.

Im gegenständlichen Fall geht es um die Wiener Austria, die im Moment als gefallener Riese bezeichnet werden darf. An und für sich ist es müßig, ständig die alte Kalauer zu bemühen, dass im Winter zwei höchst aktive Leistungsträger (Nacer Barazite zu AS Monaco und Zlatko Junuzovic zum SV Werder Bremen) die Veilchen verlassen hatten. Dazu trat mit dem völlig unerwarteten Trainer-Wechsel von Karl Daxbacher zu Ivica Vastic jene Phrase auf, die besagt: „Wer mitten im Fluss die Pferde wechselt, kann sich leicht nasse Füsse holen.“ Dies soll bedeuten, dass es für den geneigten Zuseher und Anhänger nach wie vor nicht nachvollziehbar ist, warum der – für Austria-Verhältnisse – Langzeit-Coach Karl Daxbacher anhand eines Vorstands-Beschlusses geschasst worden ist. Anstatt dessen setzt man nun auf die Geschicke von Neo-Trainer Ivica Vastic, der zwar als Fußballer überdurchschnittliche Leistungen gebracht hatte, als Neo-Trainer jedoch nun auf überaus glattem Parkett tanzt. Gewiss sollte jeder Mensch seine Chance erhalten und fielen im Laufe der Zeit noch nie Meister vom Himmel, aber dennoch stößt diese Aktion des Austria-Vorstandes bis heute vielen Austria-Fans sauer auf. Der Auftaktsieg gegen SV Ried mit 2 : 0 und das torlose Remis gegen RAPID im Wiener Derby täuschten darüber hinweg, dass Spielwitz und Eleganz der Austria im Moment noch im Winterschlaf sind. Positiv sei zu erwähnen, dass die Abwehr gut positioniert ist und es bis dato im Frühjahr erst einen Gegentreffer gab, jenes Tor, erhalten aus einem Hand-Elfmeter, jedoch auch gleichzeitig für die größte Blamage auf Seiten der Violetten sorgte.

GEPA-25021212049Der Kapfenberger SV reiste zum „Spiel der letzten Chance“ nach Wien. Man hatte auf Seiten der Steirer in diesem Jahr noch kein Bewerbsspiel in den Beinen, mannschaftlich wurde der gesamte Kader von Neo-Trainer Thomas von Heesen ordentlich durcheinander gewirbelt. Sechs Spieler-Zugänge stehen ebenso viele Abgänge gegenüber. Kapfenberg wird als abgeschlagenes Tabellenschlusslicht von der Liga bereits abgeschrieben und hat keine Chance – und genau die möchten sie nützen.

Zum Spiel:
Die Austria begann dort, wo sie eine Woche zuvor im Ernst Happel-Stadion gegen RAPID aufgehört hatte – ängstlich, destruktiv und dem Gegner Ball und Raum überlassend. Der KSV erkannte bald, dass man an diesem Abend in Wien etwas holen könnte. So wurde das Spiel der „Böhlerwerker“ auch angelegt: Frech, spritzig, aggressiv, schnell und stets den Drang zum Tor suchend. Die Austria ihrerseits wiederum agierte verhalten, ein wenig ängstlich und absolut nicht als gewohnter Herr im Haus. In der 44. Spielminute segelte der Ball zur Hand von Georg Margreitter und Schiedsrichter Thomas Gangl entschied sofort auf Hand-Elfmeter. Der Brasilianer Nathan ließ sich die Chance zum Torerfolg nicht entgehen – er bezwang Veilchen-Keeper Heinz Lindner zweimal. Der erste Versuch wurde wiederholt, da ein KSV-Spieler zu rasant in den Strafraum geflitzt war. Eine Minute später schwächten sich die Steirer selbst – Haruna Babangida bekommt binnen 5 Minuten zum zweiten Mal die Gelbe Karte präsentiert, folglich Gelb-Rot für die Kapfenberger Neuerwerbung.

Die Austria hätte nun eine komplette zweite Hälfte Zeit gehabt, den Rückstand gegen nur mehr 10 Gegenspieler zu egalisieren. Und nun schlug die Ungerechtigkeit zu. In der 55. Minute gelang Alexander Grünwald ein Abstauber-Tor – Dario Tadic´s Schuss konnte KSV-Keeper Raphael Wolf nur wegschlagen und der violette Mittelfeldspieler glich zum vermeintlichen 1 : 1 aus – Schiedsrichter-Assistent Roland Riedel dachte jedoch an Abseits und hob seine Fahne. Zu Unrecht, wie sich herausstellen sollte. Der in der 62. Minute eingewechselte agile Michael Liendl – bis 2009 selbst in den Reihen des Kapfenberger SV aktiv – sorgte vermehrt für Unruhe und Gefährlichkeit. In der 70. Minute parierte Wolf einen guten Schuss von ihm, in der 75. Minute strich ein Freistoß Liendl´s nur sehr knapp an der Kreuzecke vorbei. Raphael Wolf hatte in der 89. Minute auch noch etwas gegen einen Markus Suttner-Schuss einzuwenden und Dario Tadic hatte Pech in der Nachspielzeit mit dem Pfosten, an dem sein Torschussversuch gescheitert war.

Dann war es vorüber und die Überraschung einerseits, als auch Blamage andererseits ward perfekt.

Stimmen zum Spiel:
Thomas von Heesen, KSV-Trainer: „Wir haben in der ersten Halbzeit hervorragend gespielt und sind verdient in Führung gegangen. Die zweite Hälfte zählt statistisch nicht für mich. Bei 25 Torschüssen der Austria griff unser Tormann nur dreimal ein. Jetzt weiß jeder, dass wir noch da sind.“

Ivica Vastic, FAK-Trainer: „Leider haben wir ein reguläres Tor nicht bekommen. Wäre der Treffer gegeben worden, hätten wir das Spiel mit der zweiten Luft noch gewonnen. Es kann nicht sein, dass der Schiedsrichter so das Spiel entscheidet. Kapfenberg ist eine gute Mannschaft und mit jener vom Herbst nicht mehr zu vergleichen.“

Fotos vom Spiel:

www.fk-austria.at

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