Match-PlakatEs passieren immer wieder Fußballspiele, die aus geneigter Fan-Sicht bereits im Vorfeld gewonnen scheinen, noch ehe diese überhaupt gespielt worden sind. Man vergisst dabei meist auf die altbewährten Floskeln, wie, dass der Ball rund ist, der Gegner detto über 11 Mann verfügt und ein Spiel im Regelfall 90 Minuten andauert. Es wird einfach über die Höhe des Sieges des Lieblings-Vereins philosophiert und man spielt am Tresen in Gedanken mit dem Krügerl in der Hand schon einmal die dann im Spiel hoffentlich umsetzbaren tollsten Spielzüge durch. Und dennoch kommt es meistens anders, als man denkt …

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4.600 Zuschauer - und damit um knapp 2.000 Besucher mehr, als der bisherige Saison-Durchschnitt - pilgerten ins Wiener Neustädter Stadion zum Spiel gegen Austria Wien. Foto: oepb
4.600 Zuschauer – und damit um knapp 2.000 Besucher mehr, als der bisherige Saison-Durchschnitt – pilgerten ins Wiener Neustädter Stadion zum Spiel gegen Austria Wien. Foto: oepb

Eine violette Fan-Karawane machte sich am vergangenen Samstag um die Mittagszeit aus Wien kommend in Richtung Süden auf, um den überlegenen Tabellenführer FK Austria Wien beim abstiegsbedrohten SC Wiener Neustadt 08 stimmgewaltig zum nächsten Sieg, den siebenten in Folge, zu treiben. „Es könne gar nichts schief gehen und die Meisterschafts-Punkte 61 bis 63 würden bestimmt im Vorbeigehen einzusacken sein.“, so der gut gemeinte Glaube der Viola-Fangemeinde.

Austria-Trainer Peter Stöger warnte allerdings im Vorfeld, dass gerade solche Spiele stets mit Vorsicht zu genießen seien, da Gegner, die mitten im Abstiegssumpf stecken, zu ungeahnten Kräfte-Freilegungen imstande sind. Er muss es schließlich wissen, stand er noch im Vorjahr auf der Wiener Neustädter Kommando-Brücke und impfte den Blau-Weißen eine gewisse Nicht-Abstiegs-Euphorie ein. Sein Pendant, Heimo Pfeifenberger, SCWN-Coach, sah das Ganze kämpferisch: „Wir müssen versuchen, das Kollektiv zu bändigen, benötigen Glück und eine überragende Laufleistung, dann könnte etwas gehen.“

Gut die Hälfte der Zuschauer stand im violetten Lager. Foto: oepb
Gut die Hälfte der Zuschauer stand im violetten Lager. Foto: oepb

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Ein Blick in die Statistik:

Am 30. August 1950 kam es in Wiener Neustadt zum ersten Aufeinandertreffen in der Bundesliga – der damaligen Staatsliga – gegen die Austria, das die Wiener mit 6 : 1 erfolgreich für sich entscheiden konnten. Bis zum 3. Juni 1967 verbuchte man in Wiener Neustadt folgende Bilanz: 2 Siege und 6 Niederlagen, Torverhältnis: 10 : 21. Seit dem Aufstieg der Wiener Neustädter im Sommer 2009 sieht die Bilanz an der Stadionstraße ausgeglichener aus: 2 Siege, 3 Remis und 2 Niederlagen bei einer Trefferquote von 9 : 9.

Finstere Mienen auf der Austria Bank. V.l.: Trainer Peter Stöger, sein Co Manfred Schmid, Tormann-Trainer Franz Gruber, Athletik-Trainer Martin Mayer, sowie die Sport-Therapeuten, unter anderem Christian Hold. Foto: oepb
Finstere Mienen auf der Austria Bank. V.l.: Trainer Peter Stöger, sein Co
Manfred Schmid, Tormann-Trainer Franz Gruber, Athletik-Trainer Martin Mayer,
sowie die Sport-Therapeuten, unter anderem Christian Hold. Im Vordergrund: Schiedsrichter Dieter Muckenhammer. Foto: oepb

Der Spielfilm:

Ganz in Weiß (Austria) – frei nach Roy Black – traf auf ganz in Blau (Wr. Neustadt). Nach dem Spiel-Anstoß der Heimischen nahm der Gast bereits sehr früh das Heft in die Hand und riss die Initiative an sich. Die beiden violetten AlexanderGorgon und Grünwald – kurbelten im Mittelfeld unermüdlich und trieben das eigene Team stets in den Angriff. Die Vierer-Abwehrkette der Wr. Neustädter stand jedoch sicher und davor agierte der Slowake Peter Hlinka – bis zum vergangenen Sommer selbst noch in Diensten der Austria aktiv – und bereitete die Bälle wiederum für seine Angreifer mehr und mehr für und in die Hälfte der Austria vor. Viel Sand im Wiener Neustädter Stadionrasen ließ auch den einen oder anderen Ball-Fehler auf beiden Seiten passieren. In der 11. Minute nahm sich Philipp Hosiner, der mit 25 Treffern Führende in der Torschützenliste, ein Herz und prüfte mit einem satten Weitschuss aus gut 20 Metern den Liga-Debütanten im Tor der Heimischen, Thomas Vollnhofer, der im Nachsetzen hielt. In der 21. Minute pflückte

Debütant Thomas Vollnhofer hielt seinen Kasten sauber an jenem Samstag Nachmittag. Weiters im Bild: Dario Tadic, Manuel Ortlechner (Nr. 14), Fabian Koch (Nr. 30), Christian Ramsebner (Nr. 25) und Dominik Hofbauer (Nr. 8). Foto: oepb
Debütant Thomas Vollnhofer hielt seinen Kasten sauber an jenem Samstag Nachmittag. Weiters im Bild: Dario Tadic, Manuel Ortlechner (Nr. 14), Fabian Koch (Nr. 30), Christian Ramsebner (Nr. 25) und Dominik Hofbauer (Nr. 8).
Foto: oepb

besagter Vollnhofer einen Kaja Rogulj-Kopfball aus der Luft. Sechs Minuten später blieb dem Austria-Anhang der Torschrei förmlich im Halse stecken. Tomas Jun, emsig und aktiv wie eh und je, legte im 16 Meter-Raum auf Hosiner vor, der den Ball volley übernahm und knapp über das Tor der Wr. Neustädter knallte. In der 36. Minute dann eine gute Möglichkeit für Wr. Neustadt: Daniel Offenbacher servierte auf Herbert Rauter im Strafraum, sein Schuss, den Veilchen-Goali Heinz Lindner wohl nicht mehr ereilt hätte, strich um Haaresbreite neben der Torstange ins Aus. Zwei Minuten vor der Pause bediente Fabian Koch Alex Gründwald, Volnhofer bändigte jedoch auch diese Torschuss-Möglichkeit.

Ein so genantes Geduldsspiel aus Sicht des Meisterschaft-Aspiranten Austria ging in die zweite Spielhälfte. In der 52. Minute geschah der erste Eckball dieser Begegnung, die Austria konnte allerdings nichts Zählbares dabei ernten. Nach 58 Minuten nahm sich der Austrianer Markus Suttner ein Herz und ballert aus vollem Lauf nach einem kurz abgespielten Freistoß von Alex Gorgon darauf los … daneben. In dieser Phase wogte das Match hin und her, gute Ballstafetten wurden von Fehlpässen abgelöst und auch Wiener Neustadt war bestrebt, mehr für die Offensive zu tun, um eventuell zu einem Torerfolg zu gelangen. Dies wäre wohl die Sensation des Spieltages gewesen! Die Austrianer mühten sich weiter, es kamen auch frische Kräfte. Roman Kienast für Grünwald, Tomas Simkovic für Jun und Dare Vrsic für Hosiner. Auf der Gegenseite ersetzte Osman Bozkurt Stefan Rakowitz, Christoph Martschinko beerbte Arvedin Terzic und Daniel Wolf löste Dario Tadic ab. Nun, Pfeifenberger-Spielerwechsel, die beinahe Früchte tragen sollten. Das Spiel stand in der vierminütigen Nachspielzeit, brachte zwei Eckbälle in Serie – 3 : 4 gesamt während der ganzen Partie – für Wiener Neustadt mit sich und bedurfte einer hervorragenden Tat von Heinz Lindner, der einen Wolf-Fersler nach einer Kopfballvorlage von Rauter reflexartig noch über das Tor drehte. Unmittelbar darauf wurde die Partie vor 4.600 Besuchern von Schiedsrichter Dieter Muckenhammer, einem guten und unauffällig agierenden Referee an diesem Nachmittag, beendet.

Anstoss zur 2. Spielhälfte. Im Bild: Philip Hosiner und Florian Mader, sowie Dario Tadic. Im Hintergrund: Alexander Gorgon. Foto: oepb
Anstoss zur 2. Spielhälfte. Im Bild: Philip Hosiner und Florian Mader, sowie Dario Tadic. Im Hintergrund: Alexander Gorgon. Foto: oepb

Das alles in allem gerechte Remis hilft Wiener Neustadt insofern, da man nun mit 21 Zählern das Tabellenende an Admira/Wacker (20 Zähler) überlassen konnte – die 61 Punkte der Austria bringen zur Stunde einen Vorsprung von 12 Zählern auf Verfolger Salzburg (die Mozartstädter haben jedoch ein Spiel weniger am Konto) mit sich. In der 26. Runde fährt Wiener Neustadt zum Wolfsberger AC, die Austria ist beim SV Mattersburg zu Gast. Das nächste Heimspiel in Wiener Neustadt steigt am Samstag, 30. März 2013. Um 18.30 Uhr hat man den SK Sturm Graz zu Gast.

Die Stimmen zum Spiel:

Heimo Pfeifenberger, Wr. Neustadt-Coach: „Wir brauchen den Punkt und Peter Stöger tut er nicht weh.

Thomas Volnhofer, Wr. Neustadt-Debütant: „Ich habe mir vorgenommen, zu Null zu spielen. Jetzt bin ich froh, dass mir das gelungen ist. Ein großes Lob an die Mannschaft, die gekämpft und mir so die Brust freigehalten hat.“

Manuel Ortlechner, Kapitän der Austria: „Jeder glaubt, wir kommen und gewinnen 4 : 0. Nun, dem ist nicht so. Wir sprechen aber auch nicht von einem Rückschlag, dies wäre respektlos gegenüber jeder anderen Mannschaft.“ Und auf den vielen Sand im Rasen angesprochen: „Spielst Du den Ball flach, versandet er, möchtest Du ihn hoch spielen, haut man halb in den Sandhaufen. Aber auf den Boden reden wir uns nicht aus.“

Eine Spiel-Impression aus Halbzeit Zwei. Foto: oepb
Eine Spiel-Impression aus Halbzeit Zwei. Foto: oepb

Heinz Lindner, Austria-Keeper: „Natürlich müssen wir durchschnaufen, dass wir hier einen Punkt mitgenommen haben. Die Platzverhältnisse waren nicht gut, der viele Sand hat es uns nicht leicht gemacht. Wichtig ist, dass wir kein Tor erhalten und den einen Punkt erzielt haben.“

Markus Suttner, Austria: „Spätestens jetzt weiß jeder, dass noch gar nichts erreicht ist.“

Tomas Simkovic, Austria: „Wr. Neustadt hat die Räume sehr gut dicht gemacht, sie waren hervorragend eingestellt.“

Die dritte und letzte Ecke für Wiener Neustadt knapp vor Schluss hatte es in sich und brachte um ein Haar den Heimsieg. Foto: oepb
Die dritte und letzte Ecke für Wiener Neustadt knapp vor Schluss hatte es in sich und brachte um ein Haar den Heimsieg. Foto: oepb

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Somit bleibt zum Schluss die alte Weisheit von Ernst Happel bestehen, der stets meinte, zu Hause gewinnen zu müssen und auswärts zu remisieren, dann holt man den Titel …

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www.scwn.at

www.bundesliga.at

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