Darstellung von Brandkugeln. „Vollenkommene Unterweisung, wie Raketen, Feuer-Wasser-Sturm-Kugeln, Granaten, Pech-Sturm-Kräntze, und allerhand Lust und Ernsthaffte Feuer-wercke zubereiten., Sampt gründlicher Anleitung zur Artillerie = Praxis Artolloriae Pyrotechnicæ“, Osnabrück, 1660. © Österreichische Nationalbibliothek

Technologische Innovationen entscheiden in Zeiten des Krieges über Macht, Schutz und Zerstörung – eine Erfahrung, die die Menschheit bis heute begleitet. Mit dem Buch „Praxis Artolloriae Pyrotechnicæ“ aus dem Jahr 1660 präsentiert die Österreichische Nationalbibliothek ein eindrucksvolles Zeugnis militärisch-technischer Innovationen des 17. Jahrhunderts. Das Werk stammt aus der Privatbibliothek von Kaiser Franz II./I. und ist derzeit als „besonderes Objekt“ zu sehen. Ein begleitender Expertenvortrag findet am Dienstag, 27. Jänner statt.

Während des Dreißigjährigen Kriegs führten die Belagerungen europäischer Städte zu weitreichenden Experimenten in der Artillerie. Neue Waffen wie Geschosse mit Sprengköpfen oder mit Pech getränkte, entzündete Strohkränze stellten eine massive Bedrohung für die bis dahin gängigen Stadtbefestigungen mit ihren hohen, schmalen Mauern und Türmen dar. Die verheerenden Auswirkungen dieser Entwicklungen machten eine grundlegende Neuausrichtung der Festungsbaukunst erforderlich: Stadtmauern wurden verstärkt, Zeughäuser ausgebaut und Verteidigungssysteme neu konzipiert.

Das wachsende Interesse an Artillerie und Pyrotechnik spiegelt sich in der Fachliteratur des 17. Jahrhunderts wider. Das 1660 in Osnabrück, Deutschland, erschienene Buch mit dem vollständigen Titel: „Vollenkommene Unterweisung, wie Raketen, Feuer-Wasser-Sturm-Kugeln, Granaten, Pech-Sturm-Kräntze, und allerhand Lust und Ernsthaffte Feuer-wercke zubereiten., Sampt gründlicher Anleitung zur Artillerie = Praxis Artolloriae Pyrotechnicæ“ dokumentiert dieses Wissen detailliert und veranschaulicht die technischen Möglichkeiten und Gefahren der damaligen Kriegsführung. Verfasst wurden derartige Traktate meist von Büchsen- oder Zeugmeistern, die ihre praktischen Erfahrungen systematisch festhielten und weitergaben.

Im Rahmen der Reihe „Das besondere Objekt“ präsentiert die Österreichische Nationalbibliothek außergewöhnliche Werke aus ihren Beständen. Eine Auswahl wird von den Sammlungsdirektor*innen kuratiert, ein breites Publikum stimmt online darüber ab, welches Objekt im Prunksaal für einen begrenzten Zeitraum ausgestellt wird.

Der kostenlose Vortrag zur „Praxis Artolloriae Pyrotechnicæ“ bietet spannende Einblicke in eine Epoche tiefgreifender militärischer, technischer und gesellschaftlicher Umbrüche und findet am Dienstag, dem 27. Jänner um 18 Uhr statt.

Quelle und Foto: Österreichische Nationalbibliothek / ÖNB

Bitte beachten Sie auch diese interessanten ÖNB–Artikel bei uns:

www.onb.ac.at

Back to Top