Bestätigte 1985 die absolute Mehrheit der ÖVP, Dr. Josef Ratzenböck. Foto: © Landespresse OÖ

So wie am morgigen 26. September 2021 stand auch am Sonntag, 6. Oktober 1985 eine OÖ-Landtagswahl im Bundesland Oberösterreich an. Die damals insgesamt achte in der Geschichte der Zweiten Republik. Es ging darum, die 56 Abgeordneten zum OÖ-Landtag zu bewerten, zu wählen und genau genommen gehörig durcheinander zu würfeln. Des Volkes Stimme zählte und ward gewichtig – an jenem Tag, und heute ist es nicht anders.

Wahl-Sonntage im Hause des Verfassers waren seit jeher gewissermaßen Feiertage. Die Politik wurde nicht nur eines Observers gleich von allen Familien-Mitgliedern beobachtet und begleitet, sie war auch oft sonntägiges Tischgespräch zu Mittag, wenn sich die Familie bei Suppe, Fleischspeise und süßem Nachtisch einfand. Dabei prallten auch Welten und Anschauungen aneinander, aber es wurde nie laut, sondern sachlich über all die Probleme der Welt – und seien es auch „nur“ jene eines einzelnen Bundeslandes – diskutiert. Dabei wusste man als Teenager nie, wer wo und gerade warum welches Kreuzerl am Stimmzettel setzte. Man hatte gewiss eine gewisse (Vor)Ahnung, jedoch Gewissheit gab es nie. Auch nicht, als die Großtanten meist vor Wahl-Sonntagen anriefen und einer Laudatio gleich einen Aufruf des kollektiven Kreuzerlsetzens bei einer gewissen Partei starteten. Dies wurde zwar familienintern bemurmelt, aber wer letzten Endes wo „auf das JA beim Joker“ nicht vergaß, blieb ein stetes (Wahl)Geheimnis.

Die Mutter wählte bereits vor Tau und Tag in der örtlichen Hauptschule zu Leonding. Nach ihrer Wiederkehr gab es ein zünftiges Sonntags-Frühstück. Die Großeltern pilgerten nach Linz in die Kreuzschwesternschule, um Nomen est omen dort ihre Kreuze zu verrichten. Im Anschluss an diesen festlichen Akt ging es meist zum Gottesdienst der Evangelischen Pfarrgemeinde A.B. Linz/Innere Stadt. Ob dort Stoßgebete für einen etwaigen Gewinn der Lieblingspartei ausgesprochen wurden, lässt sich heute nicht mehr nachvollziehen. Zur Feier des Tages gönnte sich die Familie einen Tisch im Restaurant des Linzer Hauptbahnhofes im 1. Stock. Dort gab es neben Fisch und Wildbret natürlich nur ein Thema – die OÖ-Landtagswahl!

Der Großvater wurde dann allerdings bereits leicht nervös und er verzichtete an jenem Sonntag sogar auch auf seine ihm lieb gewordenen „Reise-Achterln“, stets in Weiß gehalten, als Abschluss des Festmahls. Die Zeit drängte und er musste ins Büro. An jenem Tag durfte der 15jährige Handelsschüler mit von der Partie sein, denn neben dem Schulalltag versuchte er sich bereits als so genannter Jung-Redakteur und blickte dabei seinem alten Herrn (Großpapa) über die breiten Schultern der Arbeits- und Journalistenwelt.

Dr. Josef Ratzenböck als ÖVP-Landeshauptmann saß in jenen Jahren fest im Sattel, die Zügel um die Geschicke Oberösterreichs streng angezogen. Zuerst Dr. Rupert Hartl und später abgelöst durch Dr. Karl Grünner von der SPÖ waren die beiden Vize-LHs, die sich an der absoluten Mehrheit der ÖVP jedoch stets die Zähne ausbissen. Dann kam lange nichts und die FPÖ verlor von 1979 auf 1985 sogar einen Sitz im OÖ-Landtag, man rückte von 4 auf 3 Sessel zusammen.

Naturgemäß groß war der Jubel um Landesvater Josef Ratzenböck im Pressezentrum des Presseclubs im Landeskulturzentrum Ursulinenhof, Landstraße 31. Dort traf sich die Hautevolee der wahlwerbenden Parteien zur ersten Hochrechnung ab 17 Uhr, um anhand der ersten Interviews, geführt von „Polit-Hochrechner vom Dienst“ Prof. Gerhart Bruckmann, in Jubel-Choräle oder eben in Stimmung bei Kerzenschein zu verfallen. Der ÖVP gelang die Bestätigung der absoluten Mehrheit, die SPÖ verlor. Die Roten führten dies auf die Stahlkrise und den nun drohenden Personalabbau in der VOEST ALPINE zurück. Und die FPÖ war – und blieb damals – klein und gemein und konnte aufgrund der geringen Personaldecke Parteitage weiterhin in der Telefonzelle abhalten.

Diese und andere Meldungen wurden damals vom Jung-Redakteur aufgeschnappt und man war Zeuge, als die zahlreich anwesende Journalisten-Schar die ersten Meldungen und Interviews in bereit gestellte Koffer-Schreibmaschinen hämmerten, oder aber den kompletten Artikel via Telefon in die Redaktionen diktierten. Ja, so wurde damals, im Oktober 1985, gearbeitet und „Tageszeitung gemacht“: kein Handy und keine e-mails, lediglich riesige Kästen, die die Bezeichnung Computer trugen, mit Wahl-Hochrechnungen zur An- und hoffentlich späteren Einsicht für die Allgemeinheit waren aufgestellt, so wurde seinerzeit eine Wahl publizistisch begleitet und gewerkelt.

Später dann, nach weiteren unzähligen ohrgelauschten Interviews, ging es für den Jung-Redakteur mit x-fachen Informationen und Eindrücken eingedeckt artig nach Hause, war doch am darauf folgenden Montag wieder Schulzeit angesagt. Der Großvater zog jedoch weiter und besuchte die einzelnen Parteien noch in ihren Zentralen, um für seine Schriftsteller- und Zeitzeugen-Tätigkeit die nötigen Bonmots und Geschichterln zu erfahren.

Heute schreibt der Großvater für den „Himmlischen Beobachter“ und die Firma hat den Sitz von Ober- nach Niederösterreich verlagert. Eine spätere Aussage des Ratzenböck-Nachfolgers Dr. Josef Pühringer, nämlich„klein, schwarz und stark“ zu sein, hätte den einstigen Doyen unter der oberösterreichischen Journalistenschar nicht nur einen herzhaften und lang anhaltenden Lacher beschert, sondern wäre auch überaus dienlich für einen kräftigen Aufmacher seiner allwöchentlichen Polit-Kolumne „Splitter & Späne aus der Klosterstraße 7“ gewesen.

Von März 1995 bis April 2017 regierte Dr. Josef Pühringer / ÖVP in Oberösterreich. Er war damit nicht nur der vierte Landeshauptmann in der Geschichte der Zweiten Republik, sondern nach Dr. Heinrich Gleißner, ÖVP (1945 bis 1971) bereits der am zweitlängsten dienende LH von OÖ. Dr. Erwin Wenzel, ÖVP (1971 bis 1977), sowie Dr. Josef Ratzenböck, ÖVP (1977 bis 1995) waren seine politischen Ziehväter und Vorfahren. Für seinen Nachfolger auf dem OÖ-Thron Dr. Thomas Stelzer steht morgen die erste Landtagswahl an. Man darf gespannt sein, wie sich die politischen Dinge im drittgrößten Bundesland Österreichs entwickeln werden.

Nichtsdestotrotz erinnert man sich heute gerne an den Beginn der eigenen beruflichen Arbeitszeit zurück und wird ganz in Memoriam morgen Nachmittag die erste interessante Hochrechnung aus dem Bundesland Oberösterreich vernehmen. Die Sitze-Verteilung im OÖ-Landtag wird mit jener aus dem Jahre 1985 nicht mehr zu vergleichen sein.

Quelle: Redaktion www.oepb.at

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