Bestätigte 1985 die absolute Mehrheit der ÖVP, Dr. Josef Ratzenböck. Foto: Landespresse OÖ
Bestätigte 1985 die absolute Mehrheit der ÖVP, Dr. Josef Ratzenböck. Foto: Landespresse OÖ

So wie am heutigen Tage stand auch am Sonntag, 6. Oktober 1985 eine Landtagswahl im Bundesland Oberösterreich an. Die damals insgesamt achte in der Geschichte der Zweiten Republik. Es ging darum, die 56 Abgeordneten zum OÖ-Landtag zu bewerten, zu wählen und genau genommen gehörig durcheinander zu würfeln. Des Volkes Stimme zählte und ward gewichtig – an jenem Tag, und wohl so auch heute.

Wahl-Sonntage im Hause des Verfassers waren seit je her gewisser maßen Feiertage. Die Politik wurde nicht nur eines Observers gleich von allen Familien-Mitgliedern beobachtet und begleitet, sie war auch oft sonntägiges Tischgespräch zu Mittag, wenn sich die Familie bei Suppe, Fleischspeise und Schoko-Pudding einfand. Dabei prallten auch oft Welten und Anschauungen aneinander, aber es wurde nie laut, sondern sachlich über all die Probleme der Welt – und seien es auch nur jene eines Bundeslandes – diskutiert. Dabei wusste man als Teenager nie, wer wo und gerade warum welches Kreuzerl machte. Man hatte gewiss eine gewisse (Vor)ahnung, jedoch Gewissheit gab es nie. Auch nicht, als die Großtanten meist vor Wahl-Sonntagen anriefen und einer Laudatio gleich einen Aufruf des kollektiven Kreuzerl bei einer gewissen Partei starteten. Dies wurde zwar familienintern bemurmelt, aber wer letzten Endes wo „auf das JA beim Joker“ nicht vergaß, blieb ein stetes (Wahl)geheimnis.

Die Mutter wählte bereits vor Tau und Tag in der örtlichen Hauptschule zu Leonding. Nach ihrer Wiederkehr gab es ein zünftiges Sonntags-Frühstück. Die Großeltern pilgerten nach Linz in die Kreuzschwesternschule um nomen est omen dort ihre Kreuze zu verrichten. Im Anschluss ging es zum Gottesdienst der Evangelischen Pfarrgemeinde A.B. Linz/Innere Stadt. Ob dort Stoßgebete für einen etwaigen Gewinn der Lieblingspartei ausgesprochen wurden, lässt sich heute nicht mehr nachvollziehen.

Zur Feier des Tages gönnte sich die Familie einen Tisch im 1. Stock des damals noblen Bahnhofs-Restaurant des Linzer Hauptbahnhofes. Dort gab es neben Fisch und Wildbret natürlich nur ein Thema – die OÖ-Landtagswahl!

Der Großvater wurde dann allerdings schon nervös und verzichtete an jenem Sonntag sogar auch seine ihm lieb gewordenen „Reise-Achterln“, stets in Weiß gehalten, als Abschluss eines Festmahles. Die Zeit drängte und er musste ins Büro. An jenem Tag durfte der 15jährige Handelsschüler mit von der Partie sein, denn neben dem Schulalltag versuchte er sich bereits als so genannter Jung-Redakteur und blickte seinem alten Herrn (Großpapa) über die breiten Schultern der Arbeits- und Journalistenwelt.

Dr. Josef Ratzenböck als ÖVP-Landeshauptmann saß in jenen Jahren fest im Sattel, die Zügel um die Geschicke Oberösterreichs streng angezogen. Zuerst Dr. Rupert Hartl und später abgelöst durch Dr. Karl Grünner von der SPÖ waren die beiden Vize-LHs, die sich an der absoluten Mehrheit der ÖVP jedoch stets die Zähne ausbissen. Dann kam lange nichts und die FPÖ verlor von 1979 auf 1985 sogar einen Sitz im OÖ-Landtag, man rückte von 4 auf 3 Sessel zusammen.

Naturgemäß groß war der Jubel um Landesvater Josef Ratzenböck im Pressezentrum des Presseclubs im Landeskulturzentrum Ursulinenhof, Landstraße 31. Dort traf sich die Hautevolee der wahlwerbenden Parteien zur ersten Hochrechnung ab 17 Uhr, um anhand der ersten Interviews, geführt von „Polit-Hochrechner vom Dienst“ Prof. Gerhart Bruckmann, in Jubel-Choräle oder eben Stimmung bei Kerzenschein zu verfallen. Der ÖVP gelang die Bestätigung der absoluten Mehrheit, die SPÖ verlor. Die Roten führten dies auf die Stahlkrise und den drohenden Personalabbau in der VÖEST-Alpine zurück. Und die FPÖ war – und blieb damals – klein und gemein und konnte aufgrund der geringen Personaldecke Parteitage weiterhin in der Telefonzelle abhalten.

Diese und andere Meldungen wurden vom Jung-Redakteur damals aufgeschnappt und man war Zeuge, als die zahlreich anwesende Journalisten-Schar die ersten Meldungen und Interviews in bereit gestellte Koffer-Schreibmaschinen hämmerten, oder aber den kompletten Artikel via Telefon in die Redaktionen diktierten. Ja, so wurde damals, 1985, gearbeitet: kein Handy und keine e-mail, lediglich riesige Kästen, die die Bezeichnung Computer trugen, mit Wahl-Hochrechnungen zur An- und hoffentlich späteren Einsicht für die Allgemeinheit waren aufgestellt, so wurde seinerzeit eben gewerkelt.

Später dann, nach weiteren ohrgelauschten unzähligen Interviews, ging es für den Jung-Redakteur mii x-fachen Informationen und Eindrücken eingedeckt artig nach Hause, war doch am darauf folgenden Montag wieder Schulzeit angesagt. Der Großvater zog jedoch weiter und besuchte die einzelnen Parteien noch in ihren Zentralen, um für seine Schriftsteller- und Zeitzeugen-Tätigkeit die nötigen Bonmots und Geschichterln zu erhaschen.

Heute lebt der Großvater nicht mehr und die Firma hat den Sitz von Ober- nach Niederösterreich verlagert. Die Aussage des aktuellen OÖ-LHs allerdings, Dr. Josef Pühringer, „klein, schwarz und stark“ zu sein, hätte den einstigen Doyen unter der oberösterreichischen Journalistenschar nicht nur einen herzhaften und lang anhaltenden Lacher beschert, sondern wäre auch überaus dienlich für einen kräftigen Aufmacher seiner allwöchentlichen Polit-Kolumne „Splitter & Späne aus der Klosterstraße 7“ gewesen.

Seit März 1995 regiert Dr. Josef Pühringer / ÖVP in Oberösterreich. Er ist damit nicht nur der erst vierte Landeshauptmann in der Geschichte der Zweiten Republik, sondern nach Dr. Heinrich Gleißner, ÖVP (1945 bis 1971) bereits der am zweitlängsten dienendste LH von OÖ. Dr. Erwin Wenzel, ÖVP (1971 bis 1977), sowie Dr. Josef Ratzenböck, ÖVP (1977 bis 1995) waren seine politischen Ziehväter und Vorfahren.

Nichts desto trotz erinnert man sich gerne an den Beginn der eigenen beruflichen Arbeitswelt zurück und wird ganz in Memoriam heute ab 17 Uhr die erste interessante Hochrechnung aus dem Bundesland Oberösterreich vernehmen. Die Sitze-Verteilung im OÖ-Landtag wird mit jener aus dem Jahre 1985 nicht mehr zu vergleichen sein.

www.land-oberoesterreich.gv.at

 

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