Extreme Rechenpower braucht Ressourcen. (Hier im Bild allerdings kein AI-Datenzentrum, sondern der VSC-4 an der TU Wien) © derknopfdruecker.com

Der rasante Ausbau künstlicher Intelligenz lässt den Energiebedarf von Rechenzentren deutlich steigen. Forschende der Technischen Universität Wien beschäftigen sich mit der Frage, wie sich diese Entwicklung mit einer zuverlässigen und nachhaltigen Stromversorgung vereinbaren lässt. Ihre zentrale Erkenntnis: Künftig müssen sich Rechenzentren stärker an die Möglichkeiten der Stromnetze anpassen – und nicht umgekehrt.

Wenn der Strombedarf zur Herausforderung wird

Künstliche Intelligenz verändert zunehmend unseren Alltag. Ob in der Medizin, in der Industrie, in der Forschung oder bei digitalen Dienstleistungen – immer mehr Anwendungen greifen auf leistungsfähige Rechenzentren zurück.

Doch hinter den technologischen Fortschritten steht eine Infrastruktur, die enorme Mengen an elektrischer Energie benötigt. Besonders das Training großer KI-Modelle und der dauerhafte Betrieb entsprechender Systeme stellen die Stromversorgung vor neue Herausforderungen.

Wie schwierig die Situation werden kann, zeigte sich beispielsweise im US-Bundesstaat Mississippi. Dort sollten Gasturbinen für ein großes KI-Rechenzentrum betrieben werden, um dessen Energiebedarf zu decken. Der Fall verdeutlicht, welche Dimensionen die Stromversorgung solcher Anlagen mittlerweile erreichen kann.

Ein internationales Forschungsteam unter Beteiligung der Technischen Universität Wien hat deshalb untersucht, wie sich der Ausbau von KI-Rechenzentren besser mit bestehenden Stromnetzen vereinbaren lässt.

Rechenzentren müssen flexibler werden

Bislang wurden Rechenzentren bei der Planung der Stromversorgung häufig wie gewöhnliche Großverbraucher behandelt. Sie benötigen kontinuierlich Energie, und das Stromnetz muss die entsprechende Leistung bereitstellen.

Mit dem rasanten Wachstum der KI-Branche stößt dieses Prinzip jedoch zunehmend an seine Grenzen.

Die Forschenden schlagen deshalb einen grundlegenden Perspektivenwechsel vor: Nicht ausschließlich die Stromnetze sollen an den steigenden Energiebedarf angepasst werden. Vielmehr müssen auch Rechenzentren lernen, ihre Betriebsweise flexibler zu gestalten.

Das bedeutet beispielsweise, besonders energieintensive Rechenaufgaben nach Möglichkeit in Zeiten zu verlagern, in denen ausreichend elektrische Energie zur Verfügung steht.

Gerade beim Training großer KI-Modelle könnten solche zeitlichen Anpassungen dazu beitragen, Belastungsspitzen im Stromnetz zu reduzieren.

Intelligente Steuerung statt ständiger Netzausbau

Ein weiterer Ansatz betrifft die Zusammenarbeit zwischen Rechenzentrumsbetreibern und Energieversorgern.

Durch entsprechende Vereinbarungen könnten Betreiber eine garantierte Grundversorgung erhalten und darüber hinaus zusätzliche elektrische Leistung nutzen, wenn das Netz ausreichend Kapazitäten bietet.

Bei einer drohenden Überlastung würde dieser zusätzliche Verbrauch vorübergehend reduziert.

Solche Modelle könnten dazu beitragen, vorhandene Netzkapazitäten effizienter einzusetzen und kostspielige Erweiterungen der Strominfrastruktur teilweise zu vermeiden.

Entscheidend ist dabei eine bessere Abstimmung zwischen den technischen Möglichkeiten der Rechenzentren und den tatsächlichen Bedingungen im Stromnetz.

Auch Informationen über die verwendete Hardware und die jeweiligen Betriebszustände könnten den Netzbetreibern helfen, den Energiebedarf genauer einzuschätzen.

Welche Auswirkungen haben Rechenzentren auf ihre Umgebung?

Neben den technischen Herausforderungen stellt sich auch die Frage, welchen Nutzen große Rechenzentren für die Regionen bringen, in denen sie errichtet werden.

Zwar können solche Anlagen Investitionen anziehen und wirtschaftliche Impulse auslösen. Gleichzeitig entstehen jedoch nicht zwangsläufig viele dauerhafte Arbeitsplätze.

Hinzu kommen mögliche Belastungen durch den hohen Stromverbrauch und notwendige Investitionen in die Energieinfrastruktur.

Die Forschenden sprechen sich deshalb für klare Vereinbarungen aus, damit die Kosten eines erforderlichen Netzausbaus nicht ausschließlich von der Allgemeinheit getragen werden.

Auch die Nutzung der entstehenden Abwärme könnte eine interessante Möglichkeit darstellen, Gemeinden unmittelbar von der Ansiedlung eines Rechenzentrums profitieren zu lassen.

Künstliche Intelligenz braucht eine nachhaltige Energieversorgung

Die Entwicklung künstlicher Intelligenz wird auch in den kommenden Jahren weiter voranschreiten. Damit wächst die Bedeutung einer leistungsfähigen und zugleich nachhaltigen digitalen Infrastruktur.

Die Untersuchung unter Beteiligung der TU Wien zeigt, dass technologische Innovation und eine stabile Energieversorgung gemeinsam betrachtet werden müssen.

Flexible Betriebsmodelle, intelligente Steuerungssysteme und eine engere Zusammenarbeit zwischen Rechenzentrumsbetreibern und Netzbetreibern könnten entscheidend dazu beitragen, die Herausforderungen zu bewältigen.

Die Zukunft der künstlichen Intelligenz hängt somit nicht allein von immer leistungsfähigeren Computern ab, sondern auch davon, wie verantwortungsvoll und effizient mit den verfügbaren Energieressourcen umgegangen wird.


Quelle: Technische Universität Wien, Presseaussendung vom 28. September 2026: „KI-Rechenzentren: Herausforderung für das Stromnetz“.

Wissenschaftlicher Hintergrund: R. El Makrourm et al., Governing AI infrastructure on decarbonizing grids, Joule (2026).

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