Ein Gemälde hält die Geschichte lebendig: die Proklamation, also die Verkündigung der Sklavenbefreiung durch Präsident Abraham Lincoln (dritter von links) vom 22. September 1862. Drei Jahre später, am 18. Dezember 1865, wurde das Verbot der Sklaverei als 13. Zusatz in der US-Verfassung verankert.
Ein Gemälde hält die Geschichte lebendig: die Proklamation, also die Verkündigung der Sklavenbefreiung durch Präsident Abraham Lincoln (dritter von links) vom 22. September 1862. Drei Jahre später, am 18. Dezember 1865, wurde das Verbot der Sklaverei als 13. Zusatz in der US-Verfassung verankert.

18. Dezember 1865: Der 13. Zusatzartikel zur amerikanischen Verfassung tritt in Kraft. Er beendete vor 150 Jahren nach einem lang anhaltenden und blutigen Bürgerkrieg in den Vereinigten Staaten von Amerika die Sklaverei. Die Narben des zum Himmel schreienden Unrechts sind jedoch bis in die heutige Zeit aktuell.

Ranjan Batra, ein indischstämmiger US-Amerikaner, kam 2012 aus dem Kino, in dem er zuvor Steven Spielbergs Historiendrama „Lincoln / Der Bürgerkriegs-Präsident“ gesehen hatte, und begann via Internet zu recherchieren. Dabei stellte der Kino-Besucher fest, dass der US-Bundesstaat Mississippi als einziger den 13. Verfassungszusatz von 1865 nie anerkannte und ratifizierte. Ein bürokratisches Versäumnis, so hieß es schnell, die Ratifizierung wurde alsbald nachgeholt.

Gemäß der Geschichtsbücher scheint eben jener 18. Dezember von 1865 auf, an dem das wohl dunkelste Kapitel in der Historie der Vereinigten Staaten zu Ende ging. Seinerzeit trat der Verfassungszusatz in Kraft, der die Sklavenhaltung verbot. Zuvor segneten drei Viertel der Bundesstaaten diesen Zusatz ab.

Jahrzehntelang wurden Schwarze, die aus Afrika verschleppt wurden, ausgebeutet. Diese mussten auf den Baumwoll- und Tabak-Plantagen oftmals unter unmenschlichen Bedingungen schuften. Die von der in den Südstaaten ansässigen Pflanzer-Aristokratie beschworene „kleine, heile Welt des Südens“, in der „Sklave“ and „Master“ in einem loyalen Verhältnis zueinander stehen würden, war mehr als nur eine Illusion. Wie Vieh wurden die Sklaven auf den Märkten feilgeboten, verkauft und wechselten den Besitzer. Die „billigen“ Arbeitskräfte waren ihren „Herren“ auf Gedeih und Verderb ausgeliefert. Und dies in einer Nation, die in ihrer Unabhängigkeitserklärung die Gleichheit aller Menschen stets gerne betont. Für die schwarze Bevölkerung sollte dieser Grundsatz aber noch sehr lange „ein uneingelöster Scheck“ (Zitat: Martin Luther King jr., * 1929, † 1968) bleiben.

Der Sieg des Nordens gegen den Süden in jenem Bürgerkrieg von 1861 bis 1865 bereitete so jedoch den fruchtbaren Boden für die komplette Abschaffung der Sklaverei. Heute vergisst man darüber hinaus, dass dieser Krieg innerhalb eines Landes, zumindest zu Beginn, weniger ein Konflikt um die Abschaffung der Sklaverei, denn vielmehr ein Krieg um die Macht und die Rechte der US-Staaten gegenüber der Bundesregierung war. Es ging vorab darum, ob der Kongress in Washington darüber entscheiden durfte, ob in den neu eroberten Territorien im Westen des Kontinents Sklaven gehalten werden sollten, oder ob diese Entscheidung der Bevölkerung vor Ort oblag.

Abraham Lincoln war der Mann der Stunde
Auch ein Mann, dessen Name heute untrennbar mit der Abschaffung der Sklaverei verbunden ist, wollte den Südstaaten die „eigentümliche Einrichtung“ – wie es seinerzeit sehr wohlwollend hieß – partout nicht sofort und ohne finanzielle Kompensation nehmen. Dem 16. Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika, Abraham Lincoln (* 1809, † 1865), ging es vorab um die Wiederherstellung der Einheit der Nation. Als jedoch Erfolge und Siege gegen die Konföderation der Südstaaten ausgeblieben waren, ließ sich der Präsident breit schlagen und gab Forderungen eines Flügels seiner republikanischen Partei nach, den Krieg unter ein großes moralisches Ziel zu stellen. „Vor 87 Jahren gründeten unsere Väter auf diesem Kontinent eine Nation, in Freiheit gezeugt und dem Grundsatz geweiht, dass alle Menschen gleich sind …“, so begann Abraham Lincoln seine flammende Ansprache bei Gettysburg.

Das Bekenntnis zur unwiderruflichen Abschaffung der Sklaverei galt auch als taktischer Schachzug, gelang es Lincoln doch, so einen endgültigen Schlussstrich unter weitere Überlegungen Englands und Frankreichs zu ziehen, die auf Seiten des Südens intervenieren wollten. Einen Krieg für Sklaverei hätte die westeuropäische Bevölkerung nicht mitgetragen, Lincoln war dies bewusst.

Für über 4 Millionen Sklaven bedeutete der Sieg des Nordens über den Süden zwar die Freiheit, aber auch die Ungewissheit und letzten Endes große Unsicherheit. Viele standen vor den Trümmern ihrer Existenz, hatten sie doch gar keine. Jahrelange Ausbeutung und Unterdrückung sorgten dafür, dass den Sklaven lediglich die Kleider, die sie am Körper trugen, gehörten, sonst aber so gut wie nichts. Es blieb ihnen somit gar nichts anderes übrig, als wieder auf die Farmen zurückzukehren und dort weiterzumachen wie bisher. Dies war der Ursprung einer Debatte über die Fragestellung, wie aus Befreiung wahre Emanzipation werden kann. Eine Frage, die in den USA bis in die heutige Zeit allgegenwärtig ist.

„Der 13. Verfassungsschutz war notwendig, er war aber nicht ausreichend!“, betont etwa der aktuelle und 44. US-Präsident Barack Obama, um fortzufahren: „Befreite Sklaven konnten nicht wählen und konnten sich nicht vor Gewalt und Erniedrigung schützen.“ – so der erste schwarze US-Präsident der Geschichte. Selbst 2015 spielt die Hautfarbe nach wie vor eine große Rolle. Und zwar immer dann, wenn es um Übergriffe durch die Polizei geht. Oder aber um Perspektiven für ein auskömmliches Leben. Dazu der aktuelle Präsident: „Wir würden denen, die gegen die Sklaverei kämpften, einen Bärendienst erweisen, wenn wir leugneten, dass die Narben der ursprünglichen Sünden noch immer zu sehen sind.“

Mit Gesetzen wurde nach dem Bürgerkrieg eine Rassentrennung festgeschrieben. Diese galt in Schulen, in Restaurant und überall im öffentlichen Raum. Beinahe 100 Jahre lang. Bis, ja bis sich im Jahre 1955 eine mutige Frau namens Rosa Louise Parks (* 1913, † 2005) in einem Linienbus weigerte, ihren vorhandenen Sitzplatz für einen Weißen zu räumen. Der Grundstein für das Ende der Segregation und damit verbunden die freie Bürgerrechtsbewegung war somit gelegt.

Ja, man kann es so sehen: Rosa Parks war erschienen, um den Scheck der Unabhängigkeitserklärung einzulösen ….

In der aus drei Staffeln bestehenden Serie Fackeln im Sturm“ aus den Jahren 1985 und 1986 wurde dieser Sezessionskrieg der Jahre 1861 bis 1865 wunderbar auf die Filmleinwand gebannt. In den Hauptrollen stehen sich die seit Jugend-Tagen an befreundeten Generäle Patrick Swayze (* 1952, † 2009) und James Read (* 1953) gegenüber, deren innige Bande in diesem Krieg mehrmals vor der Zerreißprobe steht. Derzeit wird diese Serie täglich in ZDFneo um 17.25 Uhr ausgestrahlt.

 

 

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