Wien weist im Vergleich zu anderen Städten eine sehr hohe Wildbienen-Diversität auf. Grund dafür sind die klimatischen Bedingungen, die geographische Lage und ausreichend vorhandene naturnahe Lebensräume. Nun wird im Rahmen eines aktuellen Forschungsprojekts auch das Gelände des Verschiebebahnhofs Breitenlee untersucht, in dem sich seltene Wildbienen-Arten aufhalten. Im Bild eine Steppen-Buntbiene Camptopoeum frontale auf Flockenblume. Foto: © Sylvia Wanzenböck

In Wien wurden bisher über 450 Arten von Wildbienen nachgewiesen, was 66 % der gesamten Artenzahl in Österreich darstellt. Ein hinsichtlich Wildbienen-Diversität bisher wenig untersuchtes Gelände stellt der Verschiebebahnhof Breitenlee dar, ein zu Beginn des 20. Jahrhunderts begonnenes und wenige Zeit später aufgegebenes Verkehrsprojekt im 22. Wiener Gemeindebezirk. Das ehemalige Bahnhofsareal, auf dem heutzutage eine zusammenhängende Fläche aus Trockenrasen, Gehölzen und naturnahen Teichen besteht, stellt mit ca. 90 Hektar das wichtigste Naturbiotop in Wien zwischen Bisamberg und Lobau dar.

In dem Forschungsprojekt der NHM-Wissenschaftlerinnen Sabine Schoder, MSc. und Dr. Dominique Zimmermann, gefördert durch Arcotel Hotels, wird aktuell die Bienenfauna des Gebietes erforscht. Das Gebiet ist reich an Wildbienenarten und beherbergt auch etliche seltene Arten: 

Eine sehr seltene Art ist etwa die Steppen-Buntbiene Camptopoeum frontale, die ausschließlich aus dem pannonischen Raum bekannt und in Wien bisher nur durch wenige Exemplare nachgewiesen ist. Sie benötigt den Pollen von Disteln und Flockenblumen (Carduoideae) zur Aufzucht ihres Nachwuchses, nistet in kahlen bis schütter bewachsenen Löss- oder Sandböden und benötigt trockenwarme Standorte als Lebensraum.

Eine weitere besondere Art ist die Kleine Holzbiene Xylocopa iris. Während die anderen zwei Holzbienenarten (Blauschwarze Holzbiene Xylocopa violaceaund Schwarzfühler-Holzbiene Xylocopa valga) in Österreich häufig und weit verbreitet vorkommen und mit ihrer beachtlichen Größe für Naturliebhaber*innen auffällig sind, ist die Kleine Holzbiene wesentlich seltener. Das liegt unter anderem an ihren besonderen Nistansprüchen: Sie nistet in selbst genagten Gängen in markhaltigen wie auch in hohlen Stängeln. Die Art leidet besonders unter ausgeräumten, intensiv bewirtschafteten oder zu gut gepflegten Landschaften, da diese zu wenig Nistmöglichkeiten für sie bieten. Für alle drei in Österreich heimischen Holzbienenarten sind die schwarz-blau schillernde Körperoberfläche und die Flügel charakteristisch.

Naturbelassene Flächen spielen durch eine Vielfalt an Lebensräumen, die ansonsten in unserer Landschaft rar geworden sind, eine besonders wichtige Rolle für viele Wildbienenarten. „So dienen beispielsweise unbewachsene, offene Bodenstellen, dürre, verholzte Stängel selten gemähter Wiesen, oder von Käfern angefressenes Totholz als wertvolle Nistplätze für unterschiedliche Arten, während die Blütenvielfalt nährstoffarmer Böden Nahrungsspezialisten unter den Wildbienen Pollen liefert“, so Sabine Schoder, MSc., Projektmitarbeiterin am NHM Wien. Dadurch sind Areale wie aufgelassene Bahnhofsgelände geradezu Hotspots der Bienen-Diversität, während sie gleichzeitig der Bevölkerung als Naherholungsgebiet dienen.

Die Dokumentation besonderer Wildbienenarten auf dem Verschiebebahnhof Breitenlee spricht für eine nachhaltige Sicherung des Gebietes als freie Stadtwildnis und zeigt auf, wie wichtig auch Stadtgebiete zum Erhalt der Biodiversität sind. 

www.facebook.com/Naturhistorisches.Museum.Wien

Quelle: NHM / Naturhistorisches Museum Wien

Lesen Sie noch mehr über das Naturhistorische Museum bei uns bitte hier;

www.nhm-wien.ac.at

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