1. Mai 1928: Dampflok am Hauptbahnhof kurz nach der Eröffnung. Foto: Archiv Liliputbahn

„Woarst als Gschropp nie im Proda?“

Mit diesen Worten entführte einst ein g´standener Wiener seine schüchterne Eroberung aus den Weiten Niederösterreichs stammend an der Hand in den „Wurstelprater“ und zeigte dieser dort die damals bereits 70jährige „Wiener Liliputbahn“.

Abseits des Trubels, der Jahrmarkthektik und des Getöses tuckert eine kleine Eisenbahn entlang der Hauptallee durch die grüne Lunge der Stadt und tauscht dabei den Duft der Langos durch jenen von verbrannter Kohle und Diesel.

Die kleinen Wägelchen des Zuges sind offen und somit von allen Seiten gut belüftet, die schmalen Schienen nett anzusehen und die kleine Bahn zieht so seit nunmehr 95 Jahren ihre nimmermüden Runden durch den grünen Prater-Park, der das größte Erholungsgebiet der Wienerinnen und Wiener ist.

Die Österreichische Bundeshauptstadt Wien verfügt über zahlreiche Sehenswürdigkeiten und Attraktionen. Eine davon ist mitunter auch die Wiener Liliputbahn im Prater, wenngleich diese bei weitem nicht so bekannt und berühmt ist, wie beispielsweise das Riesenrad.

Die Inhaberin Anna Kleindienst und ihr Geschäftsführer Alexander Ruthner freuen sich über zahlreichen Besuch. Foto: Liliputbahn

Auszug aus dem „Extrablatt“

Erst gestern, am 1. Mai 1928, wurde die neue Liliputbahn im Wiener Prater unter reger Teilnahme der Bevölkerung eröffnet. Zwei veritable Dampfrösser zogen die bis auf den letzten Platz gefüllten Züge durch den prachtvoll grünen Prater.

Dank einiger im Prater ansässiger Wahrsager dürfen wir dem p. t. Publikum aber schon jetzt bekannt geben, dass diese Bahn alle Krisen, Kriege und Katastrophen, die da kommen mögen, überdauern und in 95 Jahren – also im Jahre 2023 – noch immer fröhlich schnaufend ihre Runden ziehen wird.

Die Liliputbahn wird so einiges erleben. Diese Bahn wird wahrlich viel zu erzählen haben, sie wird schließlich Kulturgut von Wien, lebendige Geschichte der Stadt und ein Stück Wiener Gemütlichkeit werden.

Wer weiß schon was in 95 Jahren einmal sein wird? Ein Blick so weit in die Zukunft ist gewagt. Doch eines scheint gewiss: Die Fahrt in den offenen, luftigen Waggons durch den Wurstelprater und den Auwald des grünen Praters ist Entspannung und Abenteuer zugleich. Sie erfreut schon heute Jung und Alt gleichermaßen und wird das noch für viele Generationen tun. Vielleicht werden die Dampfloks eine Tages durch solche mit Explosionsmotor oder gar durch Elektrizität angetriebene ergänzt? Aber im Herzen der Wiener Bevölkerung bleibt die Dampfbahn wohl immer die Lieblingsbahn.

Vom Prater-Hauptbahnhof zum Stadion und zurück. Blick auf den Lageplan der Liliputbahn. Grafik: Liliputbahn

Vor 95 Jahren fing alles an

Die Liliputbahn verbindet Tradition mit Innovation. Am 1. Mai 1928, anlässlich des 55. Jubiläums der Wiener Weltausstellung von 1873, des anstehenden 100. Todestages von Franz Schubert und des an diesem Tag stattgefundenem „10. Deutschen Sängerbundtreffens“ als großes Gesangsfestes im Prater wurde die erste Lok auf einer Strecke von zwei Kilometern in Betrieb genommen. 1942 konnte bereits die dritte Lokomotive in den Dienst der Liliputbahn gestellt werden und besiegelte seither den anhaltenden Erfolg dieser nunmehrigen knapp 100jährigen Wiener Institution.

Es hatten jedoch nicht alle Freude an den schnaubenden Lokomotiven. Künstler des „Varietés Leicht“, an dem die kleine Bahn pfeifend vorbeituckerte, beschwerten sich oftmals bei der Betriebsleitung, da ihre Pointen auf der Bühne vom vorbeiknatternden Zug schlichtweg übertönt wurden. Das Varieté ist in den Kriegswirren 1945 abgebrannt und heute kaum noch bekannt.

Eine der beiden historischen Dampflokomotiven in voller Fahrt. Foto: Liliputbahn / Durstmüller

Alles einsteigen, es lohnt sich

In der Remise der Liliputbahn stehen Dampf- und Dieselloks mit jeweils 6 Waggons und einer maximalen Geschwindigkeit von 22 km/h bis 30 km/h zur Abfahrt bereit. Die Anlage ist eine Schmalspurbahn mit einer Streckenlänge von fast 4 Kilometern. Die Fahrzeit beträgt zirka 20 Minuten, wobei der Zug Platz für 95 Personen bietet. Dies ist oft sehr dankbar, wenn man zuvor schon ein wenig im Vergnügungs-Prater gefeiert hatte, dann aber zu faul ist, die zwei Kilometer Fußmarsch zum Stadion zu bewältigen.

So fährt man bequem und locker bei der Haltestelle „Ernst Happel-Stadion“ vor und schlendert dann zu großen Spielen oder Konzerten ins nahe gelegene Praterstadion-Oval.

Zug der Liliputbahn mit Diesellokomotive D4 auf der Fahrt durch den Wiener Prater. Foto: Liliputbahn / Michlmayr

Zukunfts-Perspektive

Die Liliputbahn wird erhalten bleiben, wenngleich erst kürzlich wieder ein Besucher hörbar zu einem der Lokführer rief, er solle doch dieses stinkende Ungetüm zum Alteisen geben. Ein älteres Ehepaar meinte jedoch hocherfreut, dass bitteschön diese schönen alten Lokomotiven weiter verwendet werden sollten, denn gereade dieser Zug würde die beiden sehr lebhaft an ihre Kindheit und Jugend erinnern. Diese Wiener Institution kann man nicht so einfach wegtun. Außerdem sind die Dieselloks auf biologisches Pflanzenöl umgerüstet worden. Es wird somit kein CO2 mehr ausgestoßen.

Ab 10 Uhr täglich wird alle 10 bis 15 Minuten – bis zum Einbruch der Dunkelheit – losgetuckert. Der Saisonbetrieb läuft von Mitte März bis Anfang November.

www.liliputbahn.com 

Quelle: Redaktion www.oepb.at

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