Neben COVID-19, Influenza und zuletzt auch RSV gehen die Pneumokokken-Infektionen als weitere potenziell gefährliche, aber impf-präventable Atemwegserkrankung in der öffentlichen Diskussion ein wenig unter. Dabei gibt es eine Vielzahl von Erkrankungsfällen. Die sogenannten invasiven Pneumokokken-Erkrankungen fordern jedes Jahr etliche Todesopfer. Außerdem können auch dauerhafte Folgeschäden auftreten. Pneumokokken-Erkrankungen belasten nicht nur das Gesundheitssystem, sondern sie haben auch (volks)wirtschaftliche und gesellschaftliche Folgen. Pneumokokken-Infektionen treten mitunter auch nach viralen Infektionen wie COVID-19 oder Influenza auf. 

Erhebliche Krankheitslast

In Österreich erkranken jährlich etwa 30.000 Menschen an einer Pneumokokken-Infektion. Die häufigste Folge einer solchen Infektion ist eine Lungenentzündung. In seltenen Fällen entwickeln die Erkrankten auch eine sogenannte invasive Pneumokokken-Erkrankung (IPE), die schwere Folgen wie Blutvergiftung (Sepsis) oder Gehirnhautentzündung (Meningitis) mit sich bringen kann. 2022 wurden in Österreich 562 solcher Fälle registriert, 49 Personen sind daran verstorben. Diese Zahlen stellen allerdings nur die Spitze des Eisbergs dar – nicht invasive Pneumokokken-Erkrankungen werden nicht ausreichend erfasst, daher gibt es zu diesen und ihren Folgen keine genauen Erkrankungszahlen. Laut WHO-Schätzungen sterben jährlich ca. 1,6 Mio. Menschen weltweit an den Folgen einer Pneumokokken-Infektion.  

„Mittlerweile sind die Zahlen der Pneumokokken-Infektionen, inklusive der invasiven Pneumokokken-Infektionen, wieder fast auf dem Niveau wie vor der COVID-19-Pandemie“, erläutert Mag.a Renée Gallo-Daniel, Präsidentin des Österreichischen Verbandes der Impfstoffhersteller (ÖVIH). „Es ist zu befürchten, dass die Anzahl der invasiven Erkrankungsfälle und auch der Todesfälle noch weiter ansteigen wird.“

Schutz für alte und junge Menschen notwendig

Eine Pneumokokken-Erkrankung kann sowohl alte als auch junge Menschen treffen, die Übertragung erfolgt durch Tröpfchen-Infektion. „Beide Gruppen müssen gut geschützt sein“, betont Mag.a Sigrid Haslinger, Vizepräsidentin des ÖVIH. „Während die Pneumokokken-Impfung für Säuglinge und Kleinkinder dank des österreichischen Kinder-Impfprogramms kostenfrei erhältlich ist, gibt es für Erwachsene kein öffentliches Impfkonzept.“ Die Durchimpfungsraten sind niedrig und liegen bei ca. 20 Prozent für Erwachsene ab 18 Jahren. Haslinger: „Nur ein flächendeckendes Erwachsenen-Impfprogramm für Personen über 60 Jahre sowie für Risikogruppen in allen Altersgruppen (Personen mit COPD, Asthma, Diabetes, Herzkreislauf-Erkrankungen, onkologischen Erkrankungen) kann viele Erkrankungsfälle inklusive Komplikationen (IPD, Todesfälle) verhindern und die Durchimpfungsrate erheblich steigern.“

Vorbeugen ist besser als therapieren

Pneumokokken-Erkrankungen sind grundsätzlich mit Antibiotika behandelbar. Allerdings wurden 2022 auch in Österreich erste Antibiotika-Resistenzen nachgewiesen. „Präventivmaßnahmen wie Impfungen sind daher das Mittel der Wahl, um Resistenzen gar nicht aufkommen zu lassen“, erklärt Haslinger. Oftmals kommt die Behandlung mit Antibiotika auch zu spät, da die betroffene Person nicht rechtzeitig zum Arzt beziehungsweise zur Ärztin geht und/oder die Erkrankung nicht rechtzeitig diagnostiziert wird. 

Positive Kosten-Nutzen-Rechnung

Die Pneumokokken-Impfung zahlt sich nicht nur medizinisch, sondern auch wirtschaftlich aus. Jeder in die Pneumokokken-Impfung investierte Euro erspart laut Berechnungen des Instituts für pharmaökonomische Forschung der Gesellschaft EUR 1,92 – davon EUR, 1,66 im Gesundheitswesen. Bei gleichbleibender Durchimpfungsrate von knapp 20 % entspricht dies im Fünfjahreszeitraum von 2023-2027 einer Einsparung von EUR 21,3 Mio. „Bei einer höheren Durchimpfungsrate könnte dieser Effekt noch deutlich gesteigert werden, was eindeutig – wie auch für andere empfohlene Impfungen im Erwachsenenalter – für die Aufnahme in ein öffentlich finanziertes Impfprogramm spricht“, stellt ÖVIH-Präsidentin Gallo-Daniel fest und ergänzt: „Außerdem wären viele Arbeitsausfälle durch eine rechtzeitige Impfung vermeidbar.“

Pneumokokken-Infektionen treten oft als Sekundärinfektionen nach Influenza- und COVID-19-Infektionen auf. „Eine solche Mehrfach-Infektion ist dementsprechend auch mit einem schwereren Krankheitsverlauf verbunden, wie man schon seit der Spanischen Grippe weiß“, erläutert ÖVIH-Vizepräsidentin Haslinger. 

Bewährtes Zuschussmodell bei einzelnen Krankenkassen 

ÖVIH-Vorstandkollegin Haslinger ergänzt: „Bereits jetzt erstatten BVAEB, KFA Graz, KFA Wien und SVS Personen ab 50 Jahren einen (geringen) Teil der Kosten für die Pneumokokken-Impfung.“ Der ÖVIH begrüßt diesen Schritt und unterstützt das Reformziel des SV-OG, eine einheitlich gute Leistungsqualität über alle Bundesländer und Kassen zu erreichen.

Foto: © Pixabay

Quelle: Österreichischer Verband der Impfstoffhersteller

Und noch eine ganze Menge mehr Artikel zum Thema IMPFEN und VORBEUGUNG finden Sie – wie immer – bei uns bitte hier;

www.oevih.at

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