Peter Handke an der Donau in Zemun bei Belgrad, 1999. Foto: © ÖNB / Zlatko Bocokić

Die Österreichische Nationalbibliothek / ÖNB konnte ihre umfangreiche Sammlung zum österreichischen Literaturnobelpreisträger Peter Handke um weitere bedeutende Manuskripte erweitern. Anlässlich des 80. Geburtstags Handkes am 6. Dezember 2022 findet im Literaturmuseum der Österreichischen Nationalbibliothek eine Lesung mit Gespräch statt. Die erste Version einer digitalen Edition von Handkes Notizbüchern ist online einsehbar.

Bedeutende Bleistiftmanuskripte

Das Literaturarchiv der Österreichischen Nationalbibliothek beherbergt eine Reihe von bedeutenden und vielfältigen Handke-Sammlungen: Dazu zählen der sogenannte Chaville-Vorlass von 2007, die umfangreiche Dauerleihgabe von Handkes Salzburger Freund Hans Widrich und mehrere Konvolute  – u. a. der Briefwechsel mit dem französischen Dichter René Char und die Fotosammlung seines langjährigen Reisebegleiters Zlatko Bocokić. Im Herbst 2022 wurden diese Bestände um das zentrale Prosawerk „Die Obstdiebin“ sowie um weitere wesentliche Manuskripte der letzten Jahre, darunter das bei den Salzburger Festspielen und am Burgtheater gezeigte Stück „Zdeněk Adamec“ ergänzt. Damit befindet sich der überwiegende Teil der literarischen Werke, viele Lebensdokumente sowie spezielle thematische Sammlungen am Literaturarchiv der Österreichischen Nationalbibliothek. 

„Die Handke’schen Bleistiftmanuskripte besitzen nicht nur einen hohen ‚magischen Wert‘, sondern sind aufgrund der Abweichungen vom gedruckten Text auch von großem Interesse für die Forschung. Sie werden auch für zukünftige Generationen zum besonders schützenswerten kulturellen Erbe gehören“, so ÖNB-Generaldirektorin Dr. Johanna Rachinger.

Digitale Edition der Notizbücher 

Derzeit wird im Rahmen einer Forschungskooperation zwischen der Österreichischen Nationalbibliothek und dem Deutschen Literaturarchiv Marbach eine » Digitale Edition von 22 Notizbüchern Peter Handkes aus dem Zeitraum 1976–1979 entwickelt. Die Notizbücher sind ein bislang größtenteils unveröffentlichter Werkkomplex Handkes. Sie sind Handkes wichtigstes Arbeitsmittel, mit dem er Werke vorbereitet, seine Poetik entwickelt oder Lektüren und Reisen literarisch reflektiert. Das Projekt ist auf drei Jahre (2021–2024) angelegt. Aktuell ist ein erster Prototyp mit zwei Notizbüchern online einzusehen. Anlässlich des 80. Geburtstags Peter Handkes wird eines dieser Notizbücher erstmals auch in einer Druckversion im Suhrkamp Verlag veröffentlicht: „Die Zeit und die Räume“, herausgegeben von Ulrich von Bülow, Bernhard Fetz und Katharina Pektor.

Peter Handke: Notizbuch „Ins tiefe Österreich“, 1976. Foto: © ÖNB

Gespräch und Lesung am 1. Dezember 2022

Ebenfalls anlässlich des Geburtstags lädt die Österreichische Nationalbibliothek am 1. Dezember 2022 ins Literaturmuseum zu einer Abendveranstaltung unter dem Titel „Gehen mit Peter Handke. Zum 80. Geburtstag“ ein. Der Direktor des Literaturarchivs und Literaturmuseums der Österreichischen Nationalbibliothek, Dr. Bernhard Fetz, spricht mit der Schriftstellerin Ann Cotten, dem Schriftsteller und Kulturwissenschaftler Jan Röhnert und dem Literaturwissenschaftler Norbert Christian Wolf. Die Schauspielerin Bibiana Beglau liest ausgewählte Texte Peter Handkes. Im Mittelpunkt steht Handkes jahrzehntelange Praxis des Gehens und Notierens, die eng mit der Werkbiografie verbunden ist. Gespräch und Lesung finden im Rahmen eines Symposiums zu Peter Handke statt, das vom Institut für Germanistik der Universität Wien von 1.-3. Dezember 2022 veranstaltet wird.

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Quelle: Österreichische Nationalbibliothek / ÖNB

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www.onb.ac.at

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