ÖFB-Teamtorhüter Walter Zeman (Bildmitte mit Mütze) stand unter Dauerbeschuss, doch kein Schotte konnte ihn bezwingen. Der „Panther von Glasgow“ ward somit geboren. Kampfszene aus Schottland gegen Österreich (0 : 1) vom 13. Dezember 1950. Von links: Rudolf „Rudi“ Röckl (Österreich, weiße Dress), der schottische Angreifer John McPhail, Walter Zeman, sowie Gerhard Hanappi (Österreich). Foto: Archiv des oepb

Vor 70 Jahren, am Mittwoch, 13. Dezember 1950 schrieb eine Auswahl der Österreichischen Nationalmannschaft fußballerische Weltgeschichte. Die Mannen um ÖFB-Bundeskapitän „Sir“ Walter Nausch gewannen in Glasgow gegen Schottland mit 1 : 0. Ein unerwarteter Triumph im Hampden Park vor 68.000 Zuschauern, der wahrlich in die Geschichts-Bücher einging.

Glasgow im Jahre 1872

Heute weiß man, dass am Samstag, 30. November des Jahres 1872 in Glasgow das erste offizielle Länderspiel in der weltweiten Geschichte des Fußballsports über die Bühne ging. Schottland und England trennten sich brüderlich mit einem 0 : 0. In Österreich fand das erste offizielle Ländermatch erst 30 Jahre später statt. Am 12. Oktober 1902 traf Österreich am Wiener Athletiksport Club-Platz in der Rustenschacherallee im Prater erstmals auf Ungarn. Die Begegnung wurde zuerst allerdings als Städtespiel Wien gegen Budapest gewertet. Die Wiener gewannen glatt mit 5 : 0.

227. ÖFB-Länderspiel, viertes Aufeinandertreffen mit Schottland

Die Länderspielstatistik Österreichs sah bis 13. Dezember 1950 – gerechnet ab 12. Oktober 1902 – wie folgt aus: 226 Begegnungen, 111 Erfolge, 39 Remis bei 76 Niederlagen. Tordifferenz: 549 : 429. Das österreichische Aufeinandertreffen mit Schottland war der vierte offizielle Vergleichskampf zwischen diesen beiden Ländern bis dahin.

Auszug aus der Tagespresse, 14. Dezember 1950

Beim gestrigen Sieg im Glasgower Hampden Park vor knapp 70.000 Zuschauern handelt es sich um einen der größten Erfolge in der Fußballgeschichte Österreichs! Als erster Kontinentalmannschaft gelang es unserem Team, die Schotten auf eigenem Terrain zu besiegen! Dieser Erfolg wurde in erster Linie durch das hervorragende Spiel unserer Abwehr errungen, wobei unser Keeper Walter Zeman der Hauptteil am Erfolg zuzusprechen ist. Der Kampf wurde zwar mit restlosem Einsatz beider Mannschaften geführt, stand aber technisch infolge des vereisten Bodens nicht auf dem erwarteten Niveau. Ein Durchbruch Ernst Melchiors, dem ein Longpaß von Turl Wagner vorausgegangen war, führte in der 26. Minute zum Führungstreffer. Den ständig angreifenden Schotten gelang es in der zweiten Hälfte nicht, den Ausgleich zu erzielen. Die Abwehr um Rudi Röckl und Ernst Happel lief zur Höchstform auf und Walter Zeman im Tor lieferte mit seinem 25. sein wohl bestes Länderspiel ab. „Panther von Glasgow“ titelten die schottischen Tageszeitungen. Der Torhüter, der eigentlich nicht spielen sollte,  wurde zum Vater des Sieges. Teamchef Nausch hatte zuerst auf Josef Musil gesetzt, der in den letzten Meisterschaftsspielen bei RAPID Zeman vorgezogen wurde.

Schottische Meldung

We were still without a win, and it was further denied us at Hampden in 1950, when we went down by the only goal of the match. It was played on a frostbound ground which we believed would favour us. Not at all. The light-footed Austrians mastered the conditions and though our boys put up a magnificent display, it wasn´t sufficient to bring us the verdict.

Übersetzung

Wir waren immer noch ohne Sieg, und er wurde uns in Hampden 1950 weiter verweigert, als wir durch das einzige Tor des Spiels untergingen. Es wurde auf einem gefrorenen Boden gespielt, von dem wir glaubten, dass er uns begünstigen würde. Keineswegs. Die leichtfüßigen Österreicher beherrschten die Bedingungen und obwohl unsere Jungs eine großartige Leistung zeigten, reichte es nicht aus, für uns den Sieg zu bringen.

Kampfszene aus Schottland gegen Österreich (0 : 1) vom 13. Dezember 1950. Von links: Ernst Stojaspal (Österreich, weiße Dress), der schottische Keeper Jimmy Cowan, sowie Theodor „Turl“ Wagner (Österreich). Foto: Archiv des oepb

Laudatio an den Gold-Torschützen

Melchior der Erste, genannt der G´scherte –

spielte in Glasgow wie es sich gehörte.

Obwohl Boden und Ball beinhart waren,

führte Er zum Siege Österreichs Scharen.

Darum ein Sport Heil dem alten Kämpfer –

denn dies war für die Schotten ein starker Dämpfer.

Und die Moral von der Geschicht´

trink Hochquellwasser, aber Whisky nicht.

Gewidmet dem „Sieger von Glasgow“ – von Gottlieb Pavlicek

16. Dezember 1950

Platz 1 in Europa

Es gab damals zwar noch keine offizielle Rangliste, aber „World Sports“ stufte gemeinsam mit Sportjournalisten-Koryphäe Dr. Willy Meisl Österreich zum  Jahreswechsel 1950/51 auf Platz 1 vor Ungarn, Spanien und England ein. Und die Ergebnisse der ÖFB-Auswahl belegten diesen Umstand: 3 : 3 gegen die Schweiz in Wien (19. März 1950), 1 : 0 gegen Italien in Wien (2. April 1950), 5 : 3 gegen Ungarn in Wien (14. Mai 1950), 7 : 2 gegen Jugoslawien in Wien (8. Oktober 1950), 3 : 4 gegen Ungarn in Budapest (29. Oktober 1950), 5 : 1 gegen Dänemark in Wien (5. November 1950) und eben ein 1 : 0-Triumph in Glasgow gegen Schottland (13. Dezember 1950).

Erfolg einer kontinentalen Mannschaft auf der Insel

Jener 13. Dezember 1950 durchbrach eine knapp 80-jährige Phalanx. Jenen Umstand nämlich, dass Nationalteams von der britischen Insel ab 1872 – bis eben 1950 – zu Hause ungeschlagen geblieben waren. Bis eben zu jenem Tag vor genau 70 Jahren, als die Österreicher kamen. Die Helden von damals sollten hier nochmals vor den Vorhang gebeten werden.

Tor: Walter Zeman (SK Rapid Wien);

Abwehr: Rudolf Röckl (Wiener Sport Club), Ernst Happel (SK Rapid Wien);

Mittelfeld: Gerhard Hanappi (vereinslos), Ernst Ocwirk (FK Austria Wien), Leopold Gernhardt (SK Rapid Wien);

Angriff: Ernst Melchior (FK Austria Wien), Karl Decker (First Vienna FC), Theodor Wagner (SC Wacker Wien), Ernst Stojaspal (FK Austria Wien) sowie Lukas Aurednik (FK Austria Wien).

Quelle: oepb

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