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Der 9. November zählt zu den dunkelsten Daten der österreichischen und deutschen Geschichte. In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 und in den darauffolgenden Tagen wurden jüdische Menschen Opfer organisierter Gewalt, ihre Geschäfte geplündert, Wohnungen verwüstet und Synagogen zerstört. Die Novemberpogrome markierten eine weitere dramatische Eskalation der nationalsozialistischen Judenverfolgung.
Eine Nacht des Terrors
Nach dem sogenannten „Anschluss“ Österreichs an das nationalsozialistische Deutsche Reich im März 1938 waren jüdische Bürgerinnen und Bürger bereits massiver Ausgrenzung, Entrechtung, Demütigung und Gewalt ausgesetzt.
Im November 1938 erreichte die Verfolgung eine neue Dimension. Nationalsozialistische Organisationen und ihre Unterstützer überfielen jüdische Einrichtungen, zerstörten Geschäfte und Gotteshäuser, misshandelten Menschen und verschleppten Tausende in Konzentrationslager.
Die Gewalt war keineswegs ein spontaner Ausbruch des Volkszorns, wie es die nationalsozialistische Propaganda behauptete. Sie wurde vom NS-Regime gezielt angestoßen und organisiert.
Auch in Wien und anderen österreichischen Städten hinterließen die Pogrome eine Spur der Verwüstung. Zahlreiche Synagogen und Bethäuser wurden zerstört, jüdische Geschäfte geplündert und Menschen aus ihren Wohnungen vertrieben.
Aus Nachbarn wurden Verfolgte
Besonders erschütternd ist, dass die Opfer zuvor selbstverständlicher Teil der Gesellschaft gewesen waren. Es waren Nachbarn, Arbeitskollegen, Geschäftsleute, Ärztinnen, Künstler, Lehrer und Familien, die innerhalb kürzester Zeit ihrer Rechte, ihrer wirtschaftlichen Existenz und zunehmend auch ihrer Freiheit beraubt wurden.
Viele Menschen sahen zu. Andere beteiligten sich an den Übergriffen, profitierten von Enteignungen oder unterstützten die Verfolgung. Die Novemberpogrome waren ein entscheidender Schritt auf dem Weg zur systematischen Ermordung der europäischen Jüdinnen und Juden im Holocaust.
Erinnern ist mehr als ein jährliches Gedenken
88 Jahre nach den Novemberpogromen bleibt die Erinnerung an diese Verbrechen unverzichtbar. Sie mahnt uns, wie gefährlich es ist, wenn Menschen aufgrund ihrer Herkunft, Religion oder Identität ausgegrenzt und entmenschlicht werden.
Antisemitismus beginnt nicht erst mit körperlicher Gewalt. Er zeigt sich auch in Vorurteilen, Verschwörungserzählungen, Hassbotschaften und der Verharmlosung historischer Verbrechen. Eine demokratische Gesellschaft trägt Verantwortung dafür, solchen Entwicklungen entschieden entgegenzutreten.
Die Würde jedes Menschen achten
Der 9. November ist deshalb nicht nur ein Tag des Rückblicks, sondern auch ein Auftrag an die Gegenwart. Er erinnert daran, dass Freiheit, Menschenwürde und ein friedliches Zusammenleben niemals als selbstverständlich betrachtet werden dürfen.
Erinnern bedeutet, den Opfern ihre Namen, ihre Geschichten und ihre Würde zu bewahren. Und es bedeutet, Verantwortung dafür zu übernehmen, dass Hass und Ausgrenzung keinen Platz in unserer Gesellschaft finden.
Redaktion Österreichisches Pressebüro – www.oepb.at