Als im Jahre 1978 das Buch „Piroschka, Sorbas & Co.“ von Dietmar Grieser erschien, mit dem der bekannte Autor den Versuch unternahm, den leibhaftigen Urbildern populärer literarischer Gestalten auf die Spur zu kommen, erreichten ihn eine Vielzahl an Zuschriften und Leserbriefen. Und dies schien für Grieser nicht weiter verwunderlich: Zu erfahren, dass das „Modell“ des Knaben Tadzio aus Thomas Manns „Tod in Venedig“ als inzwischen verarmter Greis in der Nähe von Warschau vegetierte, dass sich hinter der Teta Linek aus Franz Werfels Roman „Der veruntreute Himmel“ niemand anderer als Alma Mahler-Werfels ehemalige Köchin Agnes Huizd versteckte und dass ein Pariser Clochard, der – ohne erkennbares Motiv – im Jänner 1938 ein Messerattentat auf Samuel Beckett verübt hatte, den Dichter zur Figur des Landstreichers Wladimir im Theaterstück „Warten auf Godot“ inspiriert hat, mussten für Literaturfreunde, die sich für die geheimnisvollen Zusammenhänge von Realität und Fiktion interessieren, Aha-Erlebnisse der besonderen Art sein. Doch die Briefe, die Grieser erhielt, bezogen sich fast allesamt auf zwei andere Figuren. Nicht auf Tadzio, Teta und Wladimir. Und auch nicht auf den Milchmann Tewje, den streitbaren Pfarrer Don Camillo oder das Käthchen von Heilbronn. Sondern auf Theodor Fontanes Effi Briest, deren „Abstammung“ von der märkischen Freifrau Else von Ardenne bis dahin ein strenggehütetes Familiengeheimnis gewesen war. Und auf eine Figur, die bei Grieser gar nicht vorkam: „Die Milchfrau in Ottakring“.

In Ottakring …

Es waren vor allem ältere Leserinnen aus dem Großraum Wien, die Dietmar Grieser auf diese einstige Milchfrau aus dem XVI. Hieb aufmerksam machten und den Autor buserierten, doch bitteschön dieser verwehten Spur einmal nachzugehen. Grieser´s Interesse wurde geweckt: Wer verbarg sich hinter diesem ominösen Namen? Was ist aus dem „Original“ geworden? Hat sie tatsächlich gelebt?

Was Grieser anhand dieser Leserbriefe positiv in Erinnerung blieb war der leidenschaftlich engagierte Tonfall. Vor allem die älteren Briefschreiberinnen ließen durchblicken, welch´ aufwühlende Erfahrung es für sie gewesen sei, vom Schicksal dieser Figur zu hören, mit welcher Erschütterung sie das Buch verschlungen hätten – damals in den 1930er Jahren. Die „Milchfrau in Ottakring“ schien in der lebhaften Erinnerung der Leserschaft Züge anzunehmen, die man heutzutage wohl als Kultfigur bezeichnen würde.

Vergriffenes Druckwerk

Dietmar Grieser, der hellhörig geworden war, gab zu, dass ihm dieser Name nichts sagte. Er kannte weder „Die Milchfrau in Ottakring“ noch die Autorin Alja Rachmanowa, also besorgte er sich das Buch. Doch bereits da haperte es. Der Roman war nicht aufzutreiben. Weder im Buchhandel, noch in Bibliotheken und schon gar nicht in Antiquariaten. Grieser ging der Sache auf den Grund, warum gerade dieses Buch nicht mehr aufzutreiben sei. Und stelle dabei fest: Das Werk war zweimal von Amts wegen aus dem Verkehr gezogen worden. Zuerst von den Nationalsozialisten, die der Autorin aufgrund ihrer religiösen Gesinnung den Zutritt zur Reichsschrifttumskammer verwehrten und nach 1945 von der sowjetischen Besatzungsmacht. Während es für vom NS-Regime verfolgter Schriftsteller der Regelfall war, dass sie nach dem Zusammenbruch der Nazi-Diktatur umso triumphaler auf den Büchermarkt zurückkehrten, blieb bei Alja Rachmanowa der Bann auch nach dem Zweiten Weltkrieg aufrecht: Erst 1950 ließen die Sowjets von ihrem „Njet“ ab.

Was war es wohl, das diese Exilrussin und österreichische Neubürgerin so gefährlich machte? Wie kam es, dass sie mit ihren Büchern zwischen allen Stühlen saß? Nun, die Lektüre gab darüber Aufschluss, denn inzwischen war es Dietmar Grieser gelungen, doch noch ein Exemplar aufzustöbern. Sein erster Eindruck: Kein „Zauberberg“ und auch keine Strudlhofstiege“. Nichts, was sich der hohen Literatur zuschlagen ließ. Doch dies war für Grieser kein Problem, denn in seinem Kunstbegriff hatten alles seinen Platz. Und „Die Milchfrau in Ottakring“ – dieses Stück erlebte Zeitgeschichte in Wien der Zwischenkriegszeit – war für Grieser, und genaugenommen auch für jeden, der diesen Roman einst gelesen, ein Passionsdrama par excellence.

Ein Frauenschicksal

Was Jahrzehnte später – vor allen Dingen im Zuge der Aufarbeitung der NS-Vergangenheit -auch auf dem Buchmarkt einen Boom auslösen sollte war hier – am Beispiel einer Frau, die sich mit den Ihren, aus der bolschewistisch gewordenen Heimat vertrieben, im Österreich der späten 1920er Jahre heroisch durchs Leben schlug – aufs fesselndste hinweggenommen. Und vorweggenommen war auch die in den 1980er Jahren in Mode kommende Protokoll-Literatur, die sich der löblichen Aufgabe unterzog, den ganz normalen Alltag des sogenannten kleinen Mannes für künftige Zeiten und Generationen festzuhalten, von Helfern per Tonband eingefangen, niedergeschrieben und in Form gebracht.

Davon konnte freilich bei Alja Rachmanowa und der „Milchfrau in Ottakring“ keine Rede sein. Hier war nichts „normal“, hier war keine unbeholfene Zeitzeugin ins Verhör genommen worden, hier war kein schriftstellerischer Laie am Werk, sondern ein Profi, dem man höchstens Naivität anlasten konnte, hausbackenen Stil mit Neigung zu Pathetik und Schwulst. Doch konnten solche Einwände überhaupt ins Gewicht fallen angesichts der Dramatik dieses Frauenschicksals?

Die Zeitzeugin lebt

Während sich also Grieser noch von dem Sog, der von 332 Tagebuchaufzeichnungen ausging in die Lektüre der „Milchfrau“ hineinziehen ließ, trafen laufend weitere Leserzuschriften bei ihm ein. Es meldeten sich Leute, die in jungen Jahren Alja Rachmanowa selber begegnet, die bei ihrem Gatten, dem gebürtigen Salzburger Deutschprofessor Arnulf Hoyer in die Schule gegangen oder die zusammen mit ihrem Sohn Jurka in den Krieg gezogen waren. Und dann, plötzlich, die elektrisierende Nachricht aus der Schweiz: Alja Rachmanowa lebt. Zurückgezogen, hochbetagt und sterbenskrank. Aber sie war am Leben.

Grieser beschaffte sich die Adresse samt Telefonnummer: Ettenhausen im Kanton Thurgau. Doch ein Kontakt zwischen Grieser und Rachmanowa kam nicht mehr zustande. Die über Neunzigjährige hob den Hörer nicht ab und ließ auch die Post unbeantwortet. Sie war mit jedem Handgriff auf die Pflegerin aus dem Nachbarhaus angewiesen, in deren Armen die „Milchfrau in Ottakring“ am 11. Februar 1991 auch ihr Leben aushauchte, knapp fünf Monate vor ihrem 93. Geburtstag. Ihr Leichnam wurde aus der Schweiz, ihrer vierten und letzten in die dritte Wahlheimat Salzburg überstellt und auf dem Kommunalfriedhof bestattet.

Aber wer war nun diese Alja Rachmanowa, um die es hier geht?

Perm – eine russische Industriestadt im mittleren Ural – zählt heute eine Million Einwohner. Zwischen 1940 und 1957 war sie auf den Namen eines der Mächtigsten der sowjetischen Herrscherriege umgetauft: Molotow. Hier kommt am 27. Juni 1898 Alexandra Galina Djuragina zur Welt – das Pseudonym Alja Rachmanowa, unter dem sie über 30 Jahre später berühmt werden wird, legt sie sich im österreichischen Exil zu, um die in der russischen Heimat Verbliebenen ihrer Familie nicht zu gefährden.

Wohlbehütet und in großbürgerlichem Luxus wächst sie auf, ihr Vater ist ein angesehener Arzt, um den Elementarunterricht kümmert sich die Mutter – eine gebildete Frau, die es ihr Leben lang beklagen wird, keine Universität besucht zu haben. Dafür wären zu jener Zeit nur Moskau und St. Petersburg in Betracht gekommen, und die 2.000 Kilometer Anreise – zum Teil noch hoch zu Ross – waren einem auch noch so emanzipierten Mädchen schwerlich zuzumuten.

Noch bevor Alexandra mit 18 Jahren das Gymnasium verläßt, beginnt sie etwas, woran sie in ihrem gesamten ferneren Leben festhalten wird: sie führt ein Tagebuch. Und hat dabei bald alle Hände voll zu tun: Mehr als andere Familien sehen sich die  Djuragins in die politischen Umwälzungen jener Tage hineingezogen. Oktoberrevolution, Bürgerkrieg, Klassenkampf, Terror der geheimen Staatspolizei. Zweimal wird Alexandras Vater von den Bolschewisten verhaftet und eingesperrt, als gebrochener und vor der Zeit gealterter Mann kehrt er zu seiner Familie zurück, die in der Zwischenzeit ihrer Habe enteignet nach Sibirien flieht.

Flucht aus Sibirien …

In Irkutsk am Baikalsee erscheinen ihnen die Bedingungen für einen Neuanfang günstiger als in Perm. Alexandra lässt sich an der Universität einschreiben, studiert Psychologie und Literaturwissenschaft, wenngleich ihr eigentlicher Berufswunsch die Malerei war und verdient sich als Bibliothekarin ihr erstes Geld. Auch privat ist alles bestens, da sich Alexandra in einen um sieben Jahre älteren Mann verliebt, der genau wie sie eine wissenschaftliche Laufbahn anstrebt, jedoch sein Studium – verhindert durch den Weltkrieg – erst verspätet beginnen kann. Die Eheschließung erfolgt am 7. Februar 1921, ein Jahr später kommt Sohn Jurka zur Welt.

Doch so vollkommen das junge Eheglück auch wirken mag, über der trauten Dreisamkeit ziehen dunkle Wolken auf. Alexandras Gatte ist Österreicher, ein Fremdling aus dem ehemaligen Feindesland und erst vor kurzem aus russischer Kriegsgefangenschaft entlassen. Und – Arnulf Hoyer entstammt einer Aristokraten-Familie und ist damit ein „rotes Tuch“ in der inzwischen von den Bolschewisten ausgerufenen Sowjetunion. Ein Klassenfeind also. Auch der Umstand, dass er perfekt russisch spricht hilft ihm nichts. Gegen Ende des Jahre 1925 wird die junge Familie ohne weitere Angabe von Gründen aus der Sowjetunion ausgewiesen und ohne Papiere und beinahe mittellos über die polnische Grenze abgeschoben. Und auch das von Arnulf verfasste Manuskript, deren Inhalt ihn um Kopf und Kragen bringen könnte, wanderte in die Flammen.

In solchen Barackenlagern der 1920er Jahre verbrachte die Flüchtlingsfamilien die erste Zeit in Wien. Foto: © oepb

… bis nach Wien

Mit 235 Schillingen an Bargeld in der Tasche klettern Arnulf, Alexandra und Klein-Jurka am 17. Dezember 1925 in Wien aus dem Zug, mit der Gewissheit ausgestattet, dass sie auch hier, in Arnulfs Geburtsstadt einen schweren Weg vor sich haben, denn für Intellektuelle wie sie ist im selber von Arbeitslosigkeit und Not gebeutelten Österreich dieser Jahre kein Platz.

In einem billigen Hotel in der Laxenburgerstraße verbringen sie die erste Nacht, danach folgen zwei Monate in einem der Barackenquartiere im sogenannten „Negerdörfel“, einem von der „Gesellschaft für Notstandswohnungen“ im Bezirk Ottakring errichteten Auffanglager für Obdachlose mit Kleinkindern. Dann der nächste Schock: Mit den in Russland abgelegten Prüfungen kann Arnulf Hoyer hier in Österreich nichts anfangen. Er muss aufs Neue die Universität besuchen und sein gesamtes Studium wiederholen. Doch wovon wird man in der Zwischenzeit leben? Und vor allen Dingen wo?

Bei einem der zahlreichen Streif- und Erkundungszüge durch die große und fremde Wiener Stadt hat Alexandra die Idee, das Leben doch mit dem Betreiben eines kleinen Milchgeschäfts zu bestreiten. Arnulf gelingt es auch, bei einem alten Freund aus gemeinsamen Kriegstagen das dafür nötige Startkapital von 3.500 Schillingen aufzutreiben. Man erwirbt ein leerstehendes Geschäft in der Hildebrandgasse in Wien-Währing samt dazugehöriger Ein-Zimmer-Wohnung. Und während sich Arnulf auf sein Studium konzentriert, steht Alexandra hinter dem Verkaufstisch und versorgt die Kunden mit Milch, Butter, Käse und Brot.

Der Tagebuch-Inhalt wird gedruckt

Als Ausländerin – man sieht Alexandra an, dass sie nicht von hier ist und auch ihr Deutsch ist gebrochen – wird sie angefeindet, schikaniert und auch betrogen. Und zu allem Überfluss auch noch vom Sowjetischen Geheimdienst observiert. Und dennoch – die kleine Flüchtlingsfamilie aus Sibirien findet ihr Auskommen. Und darüber hinaus tragen die Monate der „Milchfrau“ vom 15. Februar 1926 bis zum 25. Juli 1927 literarische Früchte: Im Zuge der im August 1927 erfolgenden Übersiedlung in Arnulfs Heimatstadt Salzburg kommt man mit dem dort ansässigen Pustet-Verlag ins Gespräch, der sich zwar vorsichtig, aber dennoch auch weitsichtig zu einem gemeinsamen Projekt bereit erklärt, das ab dem Jahre 1931 auf dem nationalen und auch internationalen Buchmarkt für Furore sorgen wird.

Alexandras Tagebuchaufzeichnungen, von ihrem Gatten Arnulf ins Deutsche übersetzt, werden gedruckt. Das reichhaltige Material wird auf drei Bände aufgeteilt: Auf „Studenten, Liebe, Teschka (geheime Staatspolizei) und Tod“ folgen „Ehen im roten Sturm“, sowie „Milchfrau in Ottakring“.

Buch-Cover einer der älteren und vergriffenen Ausgaben von „Der Milchfrau in Ottakring“. Sammlung: oepb

Ganz besonders der Schlussroman dieser Trilogie „Milchfrau in Ottakring“ erreicht einen durchschlagenden Erfolg. Der österreichischen Erstauflage folgen Übersetzungen in 21 Sprachen und das Autorenpseudonym Alja Rachmanowa avanciert zum Markenzeichen. Leser rund um den Erdball – außer in der Sowjetunion – bewundern die Kraft dieser Frau, die oftmals ganz auf sich allein gestellt, da der Gatte die ganze Kraft seinem Studium widmet, die Familie am Leben erhält, und das in Zeiten, die wahrlich alles andere als rosig waren. Neben der Sprachbarriere musste sie auch die zahlreichen Anfeindungen ertragen, die Hinterlist und Gleichgültigkeit ihrer Kundschaft ebenso. Aber, Alja Rachmanowa stand wahrhaft ihren Mann und war schlichtweg nicht kleinzukriegen, wenngleich sie sich oft einsam, auf sich allein gestellt und ach doch so weit weg von ihrer geliebten Heimat Russland sah.

Die unbändige Kraft einer Frau

Das Schicksal dieser starken Frau spendete unzähligen anderen Menschen jener Jahre Kraft, Trost und Zuversicht, wie es gelingen könnte, den eigenen Existenzkampf zu beschreiten und auch zu bestehen. Sagenhafte 600.000 Exemplare wurden bis 1938 von der „Milchfrau in Ottakring“ aufgelegt und verkauft. Die Hoyers hätten natürlich bequem von den Verkaufserlösen leben können, doch dies widersprach ihrem Stil. Arnulf war glücklich über seine Stelle als Gymnasiallehrer in Salzburg und Alexandra fand eine Dozentur für Kinderpsychologie. Ganz nebenbei führte sie ihre schriftstellerische Arbeit fort, unter anderem verfasste sie Romanbiographien über die Großen ihrer alten Heimat: über Tolstoi und Dostojewski, über Turgenew und Tschaikowski, über Puschkin und Tschechow. Ebenso auch über die Mathematikerin Sofja Kowalewskaja. Der Roman „Die Fabrik des neuen Menschen“ wird als „Bester antibolschewistischer Roman der Gegenwart“ mit dem französischen Akademiepreis ausgezeichnet.

Und so sind Alja Rachmanowas Jahre in Salzburg gute und glückliche Jahre, wenngleich neue Schicksalsschläge drohen. Mit dem politischen Anschluss 1938 an Deutschland kommt der österreichische Kulturbetrieb unter die nationalsozialistische Fuchtel. Alja, tiefreligiös und darüber hinaus auch noch Russin, fällt in Ungnade, ihre Bücher werden aus den Bibliotheken entfernt. Dies hindert die Machthaber des Regimes jedoch nicht, Jahre später, als sich die Niederlage des „Tausendjährigen Reichs“ an der Ostfront abzeichnet, ihre Werke ins russische zurückzuübersetzen und ohne Zustimmung der ursprünglichen Autorin als antibolschewistisches Propagandamaterial an der Front im Osten einzusetzen.

Das Kind verloren

Zu allem Überfluss fiel auch noch Jurka am 1. April 1945 im Raum um Wiener Neustadt beim beginnenden Kampf um Wien gegen die vorrückende „Rote Armee“. Jurka hätte, wie sein Vater, studieren sollen. Nach dem Krieg greift Alexandra wieder zur Feder. Ihr erstes Buch war ihrem gefallenen 23-jährigen Sohn Jurka gewidmet und in seinem Andenken lautete ihr Titel: „Einer von vielen.“

Doch abermals heißt es Flucht und Vertreibung, denn das Geteilte Österreich und unter den Sieger- und Besatzungsmächten aufgeteilte Land bot für sie als Russin keinen sicheren Hafen mehr. Das Ehepaar flieht in die Schweiz und lässt sich nach einem Zwischenstopp in Winterthur in Ettenhausen nieder. Nach Sibirien, Wien und Salzburg der vierten Wohnsitz-Versuch, mit der Hoffnung, nun doch endlich in aller Ruhe Fuß fassen zu können.

Wahlheimat Schweiz

In der Schweiz führen Arnulf und Alexandra ein überaus zurückgezogenes Leben. Zahlreiche Haustiere sollen dem Ehepaar den verlorenen Sohn ersetzen, und können es dennoch nicht. Als der geliebte Gatte Arnulf am 26. September 1970 für immer seine Augen schließt, war auch die schriftstellerische Karriere von Alexandra beendet. Ihr wurde nicht nur ihr Lebensmensch genommen, sondern auch der unermüdliche Übersetzer all ihrer Aufzeichnungen und Schriften. Alexandra, inzwischen 73-jährig, verlebte bis zu ihrem Tode 20 Jahre später ein noch zurückgezogeneres Leben, geprägt von Gebrechen und Krankheiten.

Dank der Initiative der Damen Roswitha Büll, Marjatta Hakanen, Irene Krauss, Renate Saller, Edith Weiss und Christine Zak wurde in Wien im Jahre 1996 diese Gedenktafel enthüllt. Foto: © oepb

Andenken in Wien

Während allerdings die österreichische Bundeshauptstadt Wien im Jahre 1996 der „Milchfrau in Ottakring“ anhand der Anbringung einer Tafel am Originalschauplatz des Buches, das Alja Rachmanowa berühmt gemacht hatte,  gedachte – die auch klarstellt, dass die Autorin den authentischen Handlungsort im Bezirk Währing aus Gründen literarischer Verfremdung nach Ottakring verlegt hat – ging man in der Schweiz mit dem Erbe der Schriftstellerin weniger freundschaftlich um. Die Eidgenossen hatten nichts Besseres zu tun, als den testamentarisch zugesprochenen Besitz zu veräußern und der neue Eigentümer planierte in einem Aufwachen das gesamte Anwesen.

Alja Rachmanowas Lebensspuren sind somit verwischt. Dennoch tat dies der Amalthea-Verlag nicht und legte im Jahre 1997 die „Milchfrau in Ottakring“ (ISBN 978-3-85002-923-0) neu auf. Im Jahre 2007 erfolgte eine Sonderproduktion. Ein feiner Zug des Amalthea Signum Verlages aus Wien, der damit einen  – seinen – wertvollen Beitrag dazu leistete, dass ein gelebtes und erlebtes Leben nicht umsonst verlebt wurde und dass Entbehrung, Verzweiflung, aber auch Hoffnung, Treue und Zuversicht weiterhin hinausgetragen wird bis in unsere heutige Zeit. Das Leben und Wirken der „Milchfrau in Ottakring“ sollte nicht vergessen werden.

Quelle: oepb    

Apropos Ottakring: Der große Kurt Sowinetz entstammte auch dem XVI. Hieb. Mehr dazu bei uns online bitte hier;

Bitte beachten Sie auch diese Rezensionen aus dem Amalthea-Verlag bei uns;

www.amalthea.at

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