Ein bemerkenswertes Artefakt aus dem 7. Jh. n. Chr. erwartet Besucher*innen aktuell im Prunksaal: Der „Kauf von 1.350 Litern Wein“ ist eine antike Notarsurkunde von 18. März des Jahres 638 n. Chr. die von der Österreichischen Nationalbibliothek in ihrer Papyrussammlung verwahrt wird. Dieses neue besondere Objekt wurde vom Publikum per Online-Abstimmung gewählt. Foto: © ÖNB

Im Rahmen der Reihe „Das besondere Objekt“ zeigt die Österreichische Nationalbibliothek / ÖNB außergewöhnliche Werke aus ihren Beständen. Die Objekte werden dabei immer von einem breiten Publikum online ausgewählt und für jeweils zwei Monate ausgestellt.
 
Die Urkunde über den Kauf von 1.350 Litern Wein ist bis 26. Mai 2024 neben der aktuellen Ausstellung „Anton Bruckner. Der fromme Revolutionär“ im Prunksaal der Österreichischen Nationalbibliothek zu sehen.

Im byzantinischen Ägypten war das Geschäftsmodell „Lieferungskauf“ sehr beliebt: Der Käufer bezahlte im Voraus den Preis für das Produkt, das dann zu einem späteren Zeitpunkt geliefert wurde. Das nun präsentierte Schriftstück ist Zeitzeuge eines solchen Handels. Der Weinverkäufer Aurelios Danielis bestätigte den Erhalt des vollständigen Kaufpreises, der jedoch nicht beziffert wird. Das ist zwar auffällig, muss jedoch kein Verschleierungsversuch gewesen sein – der Preis wurde nicht mehr schriftlich festgehalten, da keine Forderung offen war. Die Verpflichtung des Verkäufers zur Weinlieferung unmittelbar nach der Ernte ist jedoch sehr ausführlich geregelt, ebenso wie die Qualität des Weines: „Und wenn er sauer, unausgegoren oder kahmig befunden werden sollte von da an bis zum Monat Tybi [= Dezember/Jänner] desselben Indiktionsjahres, erkläre ich, ihn Dir umzutauschen in guten Wein ohne Verzug.“ Bemerkenswert ist auch die große Kaufmenge – 250 Metra entsprechen in etwa 1.350 Litern Wein.
 
Neben dem Käufer Aurelios Kiamul und dem Winzer Aurelios Danielis waren noch vier weitere Personen an der Errichtung der Urkunde beteiligt: Aurelios Isaak, der den Text für Danielis niederschrieb („Ich habe für ihn geschrieben, da er die Buchstaben nicht kennt“), Johannes und Christodoros als „Ohrenzeugen“ sowie der ausfertigende Notar Leontios, dessen stilvolle Unterschrift in der letzten Zeile sich deutlich vom restlichen Text abhebt.
 
Der Expertenvortrag zu diesem außergewöhnlichen Papyrus findet am Dienstag, 2. April 2024 um 18 Uhr statt. Dr. Claudia Kreuzsaler, stellvertretende Direktorin der Papyrussammlung der Österreichischen Nationalbibliothek, präsentiert dabei hochinteressante Details zum Objekt.

Quelle und Foto: Österreichische Nationalbibliothek / ÖNB

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www.onb.ac.at

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