effenbergStefan Effenberg – ein Mann, an dem sich die Geister scheiden. Genie und Wahnsinn – die Breite eines Streichholzes oftmals voneinander entfernt. Oftmals. Wer war dieser Stefan Effenberg? Oder genaugenommen muß man sagen, wer ist Stefan Effenberg? Er weilt ja unter uns, ist ein junger Mann von 35 Jahren und veröffentlichte dieser Tage in Berlin seine Autobiografie.

Stefan Effenberg ist Sportler, Berufssportler. Gegen das runde Etwas zu treten war seine Leidenschaft. Aus der Leidenschaft wurde Beruf. Er wurde zum Profi-Fußballspieler. Zur beruflichen Tätigkeit kam der Erfolg. Er wuchs zur Galionsfigur für eine Generation heran. Der “Effe” wie er oft genannt wird, wurde zu einem großen Spieler, einem Führungsspieler in all seinen Mannschaften, in denen er ballesterte. Sei es für das junge Mönchengladbach Ende der Achtziger Jahre, später bei den Bayern in München, dann wieder Mönchengladbach, wiederum später nach Florenz zum AC, heim – nach Mönchengladbach, dann wieder die Bayern in München, ehe er in die Provinz nach Wolfsburg ging, das er sich genau genommen hätte sparen können. War das noch nötig für einen Spieler seiner Größe und Klasse?

Egal. Stefan Effenberg begeisterte die Massen, riß die Meute mit, war oft und oft Thema Nummer Eins an den Stammtischen nach den jeweiligen Runden der Bundesliga. Er war Teamspieler – für Deutschland. Flog aus dem Kader, weil er den Teamchef beleidigt hatte – das sollte er doch nicht tun – zeigte den Fan den berühmten Mittelfinger, zerriß sich auf dem Platz für seine Mannschaft, war stets anspielbar, scheute nie die Gefahr und ging auf die Welt offen zu. Auch auf seine Mitspieler. Die Gegner achteten und respektierten ihn. Er versprühte Energie, Ehrgeiz und einen unbändigen Siegeswillen. Das war – ja, man muß leider war dazu sagen – Stefan Effenberg als Fußballspieler.

Seine Karriere ist vorüber. Beendet. In Deutschland zumindest, nach 370 Spielen und 71 Toren. Einer der letzten Großen dankte ab. Heimlich still und leise verließ er im April dieses Jahres Wolfsburg – ohne Volkswagen – und kehrte der Deutschen Bundesliga, die ihm viel zu verdanken hat, die ihn aber auch groß gemacht hatte, den Rücken für immer. Was bleibt ist die Erinnerung an einen Mann, der sein Herz oftmals auf der Zunge trug und sich dadurch naturgemäß nicht nur Freunde schaffte, der dafür aber auf dem Platz ein ehrlicher Mensch war, der stets für seinen Verein das sprichwörtliche letzte Hemd gab.

In seiner Biographie läßt er sein bisherigen noch junges Leben Revue passieren, schildert die Meilensteine seiner Laufbahn, aber auch Privates kommt nicht zu kurz. Der Effe gewährt Einblick in seine Familie und plaudert ein wenig aus dem Nähkästchen. Er wird uns fehlen in den Stadien und den diversen Sportstudios und Sportschauen. Der große freche Blonde, der eigentlich nie erwachsen wurde, er ist verschwunden von der grünen Spiel- und Bildfläche, die für viele dieser Welt die Welt bedeutet.

Stefan Effenberg
Ich hab`s allen gezeigt
350 Seiten, 46 Abbildungen
Rütten & Loening
EUR 19,90
ISBN 3-352-00646-6
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