Aufnahme des Wächterhäuschen, vermutlich nach 1945. Copyright: Schönbrunn Group


Warum heißt das Engelstor in Schönbrunn eigentlich Engelstor?

Wer durch das Engelstor in Schönbrunn geht, könnte sich durchaus fragen, woher die historische Toranlage ihren Namen hat. Die Antwort findet sich im Detail: Auf den Torpfeilern der linken Durchfahrt befinden sich Skulpturen von jeweils zwei sich umarmenden Putten. Streng genommen sind die kindlichen Figuren allerdings keine Engel, denn ihnen fehlen die charakteristischen Flügel. Dennoch setzte sich im Laufe der Zeit die Bezeichnung „Engelstor“ durch.

Ursprünglich trug die in den 1890er-Jahren im Zusammenhang mit der Wienfluss-Verbauung und der Errichtung der Stadtbahntrasse entstandene Anlage den wesentlich nüchterneren Namen „Neue Ausfahrt“.

Heute rückt dieses historische Tor wieder besonders in den Mittelpunkt: Nach umfassender Sanierung und der Errichtung einer neuen Portierloge nach historischem Vorbild wurde das Engelstor im Schlosspark Schönbrunn feierlich wiedereröffnet.

Damit erhielt nicht nur ein bedeutender Zugang zum Schlosspark sein historisches Erscheinungsbild zurück. Das Engelstor verbindet heute wieder auf besondere Weise die Geschichte Schönbrunns mit den Anforderungen der Gegenwart.

Ein neuer Weg führt direkt in den Schönbrunner Schlosspark: Mit der heutigen feierlichen Öffnung des Engelstors steht ab sofort ein zusätzlicher Zugang zum Schönbrunner Areal zur Verfügung. Das neue Tor liegt unmittelbar bei der Kennedybrücke und schafft damit eine direkte Verbindung zwischen einem der wichtigsten öffentlichen Verkehrsknotenpunkte im Westen Wiens und dem Schlosspark. Das Gemeinschaftsprojekt des Tiergarten Schönbrunn, der Schönbrunn Group, des KHM-Museumsverbands und der Österreichischen Bundesgärten wurde im Beisein von Prof. Mag. Dr. Gerhard Schmid, Dritter Präsident des Wiener Landtags, als Vertreter von Wiens Bürgermeister und Landeshauptmann Dr. Michael Ludwig offiziell eröffnet.

Die Stadt Wien hat die Umsetzung des Projekts maßgeblich unterstützt. Dahinter steht auch das basisdemokratische Engagement vieler Bürgerinnen und Bürger und ihrer Vertreterinnen und Vertreter auf kommunalpolitischer Ebene. Damit wird der Zugang zu den Einrichtungen in Schönbrunn deutlich erleichtert und darüber freuen wir uns ganz besonders. Das wird auch für die Hietzingerinnen und Hietzinger positive Auswirkungen haben“, so Prof. Mag. Dr. Gerhard Schmid, Dritter Präsident des Wiener Landtags.

Auch auf Bundesebene wird die Öffnung des historischen Zugangs als wichtiger Schritt für das Schönbrunner Areal begrüßt.

Die Öffnung des Engelstores erleichtert wesentlich den Zugang für Besucherinnen und Besucher und schafft damit einen deutlichen Mehrwert für alle Institutionen am Areal Schönbrunn. Zusätzlich berücksichtigt das Projekt das historische Umfeld des UNESCO-Weltkulturerbes ‚Schloss und Gärten von Schönbrunn‘, das heuer sein 30-jähriges Jubiläum feiert. Das Projekt ist ein Beleg für das laufende Engagement des BMWET, das kulturelle Erbe Österreichs langfristig zu bewahren und weiterzuentwickeln“, sagt Dr. Severin Gruber, LL.M., Generalsekretär im Bundesministerium für Wirtschaft, Energie und Tourismus.

Im Bezirk Hietzing war die Öffnung des Engelstors ein großes Anliegen. Mit dem neuen Zugang entsteht für die Bewohnerinnen und Bewohner des Bezirks eine zusätzliche Verbindung zum Schlosspark, einem der bedeutendsten Erholungsräume Wiens.

Ich freue mich sehr, dass das Engelstor nun geöffnet ist und damit ein lang ersehnter Schritt für Hietzing umgesetzt wurde. Der neue Zugang schafft kürzere und sicherere Wege zum Schlosspark und zum Tiergarten und ist damit eine echte Verbesserung für die Hietzingerinnen und Hietzinger ebenso wie für die vielen Besucherinnen und Besucher Schönbrunns. Mein Dank gilt allen Beteiligten, die die Öffnung ermöglicht haben“, so Bezirksvorsteherin Mag.a Johanna Zinkl.

Für alle, die mit U-Bahn, Straßenbahn oder Bus nach Schönbrunn kommen, wird der Weg deutlich kürzer und komfortabler. Statt entlang der stark frequentierten Straße führt der neue Zugang unmittelbar in den denkmalgeschützten Schönbrunner Schlosspark. Von dort aus sind der Barockgarten sowie die weiteren Attraktionen und Einrichtungen des Schönbrunner Areals direkt erreichbar.

Die Koordination des Projekts erfolgte durch den Tiergarten Schönbrunn, der auch als Bauwerber auftrat. Für Dr. Stephan Hering-Hagenbeck, CEO/Geschäftsführer der Schönbrunner Tiergarten-Gesellschaft m.b.H., schließt sich mit der Öffnung des Engelstors ein Kreis: „Als ich vor meiner Zeit als Tiergartendirektor lediglich als Tourist in Schönbrunn war, wunderte ich mich über den umständlichen und zum Teil auch gefährlichen Weg zum Tiergarten. Dieses Projekt anzustoßen, war mir als Direktor daher ein großes Anliegen. Aus einer Idee ist heute ein neuer attraktiver Zugang zu Schönbrunn geworden. Ein großer Dank gilt der Stadt Wien. Das Projekt unterstreicht die erfolgreiche Zusammenarbeit mit unseren Partnern am Areal.“

Das Engelstor ist nicht nur ein neuer Zugang zum Schlosspark, sondern stärkt auch die Verbindung zwischen den unterschiedlichen Einrichtungen des Schönbrunner Areals.

Kulturerbe zu bewahren, heißt für uns nicht, es stillzustellen, sondern sorgsam und partnerschaftlich in die Gegenwart zu führen. Mit der Öffnung des Engelstors rückt Schönbrunn ein Stück näher an die Menschen. Genau das ist unser Auftrag: Diesen einzigartigen Ort verantwortungsvoll weiterzuentwickeln und seine Geschichte den Menschen zugänglich zu machen“, sagt Mag. Klaus Panholzer, CEO/Geschäftsführer der Schönbrunn Group.

Für die Kaiserliche Wagenburg, eine Einrichtung des KHM-Museumsverbands, verbessert sich die Erreichbarkeit deutlich. Sie liegt nur wenige Gehminuten vom neuen Eingang entfernt.

Unsere Sammlung in der Wagenburg beschäftigt sich mit der Frage, wie man von A nach B kommt. Früher brauchte man dafür Pferde, Kutschen, Personal – und im Idealfall war man Kaiser. Heute braucht man dafür weder Pferde noch einen Hofstaat. Heute genügt die U-Bahn. Dass wir nun ein historisches Tor wieder öffnen, gibt dem Anlass eine zeitgemäße Bedeutung: Aus einem Ort des höfischen Zugangs wird ein Ort des öffentlichen Zugangs“, sagt Jonathan Fine, Ph.D., Generaldirektor des KHM-Museumsverbands.

v.l.: Architekt DI Georg Töpfer; Dr. Stephan Hering-Hagenbeck, CEO/Geschäftsführer der Schönbrunner Tiergarten-Gesellschaft m.b.H.; Mag. Klaus Panholzer, CEO/Geschäftsführer der Schönbrunn Group; HR Ing. Dipl.-HLFL-Ing. Gerd Koch MBA, Dienststellenleiter HBLFA für Gartenbau und Österreichische Bundesgärten; Jonathan Fine, Ph.D., Generaldirektor des KHM-Museumsverbands

Neue Portierloge nach historischem Vorbild

Ein wesentlicher Bestandteil des Projekts war die Errichtung einer neuen Portierloge innerhalb der Schlossparkmauern beim Engelstor. Die Portierloge wird von den Österreichischen Bundesgärten besetzt.

Der denkmalgeschützte Schlosspark Schönbrunn zählt zu den bedeutendsten Gartendenkmälern Europas und ist Teil des UNESCO-Weltkulturerbes, das wir als Österreichische Bundesgärten mit viel Aufwand und traditionellem Fachwissen erhalten und weiterentwickeln. Jährlich kommen rund 12 Millionen Menschen nach Schönbrunn, neben internationalen Gästen zählt der Schlosspark auch zu einem der bedeutendsten Naherholungsräume für viele Wienerinnen und Wiener. Die Bedeutung großer gesunder Grünflächen mit einem vitalen Baumbestand haben wir in den letzten Wochen aufgrund der extremen Hitze erfahren. Mit dem Engelstor erhält einer der bekanntesten Barockgärten der Welt nun einen weiteren Eingang, der von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Bundesgärten betreut wird“, betont HR Ing. Dipl.-HLFL-Ing. Gerd Koch MBA, Dienststellenleiter HBLFA für Gartenbau und Österreichische Bundesgärten.

Die Architektur der Portierloge orientiert sich an einer historischen Wachstube, die sich früher an dieser Stelle befand. Das ursprüngliche Gebäude bestand später nicht mehr und wurde nach Kriegsschäden vermutlich im Zusammenhang mit der Neugestaltung des Bereichs rund um die heutige Kennedybrücke abgetragen. Die Planung wurde unter besonderer Berücksichtigung des sensiblen historischen Umfelds und des UNESCO-Weltkulturerbes entwickelt.

Architekt DI Georg Töpfer: „Bei der Portierloge standen wir vor der besonderen Herausforderung, ein Gebäude anhand sehr weniger historischer Grundlagen zu rekonstruieren. Im Wesentlichen dienten uns zwei historische Fotos als Ausgangspunkt für die Planung. Gleichzeitig war die neue Portierloge baurechtlich wie ein Neubau zu behandeln und musste alle heutigen Auflagen erfüllen. Entscheidend war für uns, diese Vorgaben mit dem Anspruch zu verbinden, das historische Erscheinungsbild und den Charakter des Ortes so weit wie möglich zu bewahren.“

Die neue Portierloge wurde in traditioneller Bauweise als Ziegelbau mit Kalkmörtelputz und Holzdachstuhl errichtet. Gleichzeitig wurde das Innere an die Anforderungen eines modernen, ganzjährigen Betriebs angepasst und unter anderem mit Sanitär- und Kommunikationsinfrastruktur ausgestattet. Zusätzlich zur neuen Portierloge wurde beim Engelstor aufgrund sicherheitstechnischer Vorgaben eine Polleranlage installiert, wie sie bereits bei anderen Toren des Schlossparks eingesetzt wird. Das Engelstor steht Fußgängerinnen und Fußgängern offen und ist zugleich so ausgeführt, dass eine Zufahrt für Einsatzfahrzeuge möglich ist.

Projektkosten

Die Projektkosten wurden mit rund 650.000 Euro budgetiert. Darin enthalten sind die Kosten der Polleranlage, die zur Gänze von der Schönbrunn Group übernommen wurden. Die übrigen Kosten werden vom Tiergarten Schönbrunn, der Schönbrunn Group und dem KHM-Museumsverband getragen.

DAS ENGELSTOR AUF EINEN BLICK

Eröffnung:
25. August 2026

Lage:
Schlosspark Schönbrunn, in unmittelbarer Nähe zur Kennedybrücke in Wien-Hietzing

Funktion:
Zusätzlicher Zugang zum Schlosspark für Fußgängerinnen und Fußgänger sowie Zufahrtsmöglichkeit für Einsatzfahrzeuge

Projektpartner:
Tiergarten Schönbrunn
Schönbrunn Group
KHM-Museumsverband
Österreichische Bundesgärten

Projektkoordination und Bauwerber:
Tiergarten Schönbrunn

Architektur der Portierloge:
Atelier Architekt DI Georg Töpfer

Projektbudget:
Rund 650.000 Euro

Finanzierung:
Tiergarten Schönbrunn, Schönbrunn Group und KHM-Museumsverband. Die Kosten der Polleranlage werden zur Gänze von der Schönbrunn Group getragen.

Alle Fotos Copyright: Daniel Zupanc

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