Gerhard Steinkogler erlebte vor 40 Jahren im violetten Dress des FK Austria Wien seine absolute fußballerische Sternstunde. Foto: © oepb

Wer sich bei dieser Überschrift nun verwundert die Augen reibt, dem sei fairerweise gesagt, dass es zwar keinen Sieg, aber zwei Remis in Form von 0 : 0 (in Wien) und 1 : 1 (im Camp-Nou) gab und die Wiener Austria durch die Auswärtstorregel ins Semifinale des Europapokals der Pokalsieger aufgestiegen war.

Am 16. März 2023 jährte sich dieser Husarenritt zum 40. Mal. Und der FC Barcelona war auch ohne Lionel Messi im Jahre 1983 bereits eine Weltklasse-Elf. Damals standen Superstars wie der Deutsche Bernd Schuster, der aufstrebende Argentinier Diego Armando Maradona, sowie die spanischen Nationalspieler Victor Munoz, Jose Ramon Alexanko, Jose Vicente Sanchez, Francisco Jose Carrasco und Enrique Castro Quini, um hier nur einige zu nennen, in den Reihen der Katalanen. Als Feldherr auf der Betreuerbank agierte der argentinische Weltmeistermacher von 1978, César Luis Menotti, der den Deutschen Meistertrainer Udo Lattek beerbte. Dieser bot seinem Jungstar Maradona die Stirn … und verlor. Der Trainer-Wechsel in Barcelona fand genau in dieser Zeit der Europapokal-Begegnungen mit dem FK Austria Wien statt.

In der nationalen Meisterschaft erreichten die Wiener Violetten in der Herbst-Saison 1982 den zweiten Rang. Mit 23 Zählern aus 15 Spielen (bei 2-Punkte-Regel für den Sieg) hielt man Tuchfühlung auf den Herbstmeister und Stadtrivalen SK Rapid Wien, der lediglich zwei Punkte mehr aufzuweisen hatte. Als Kuriosum galt, dass das Wiener Hinspiel gegen Barca am 2. März 1983 stattfinden sollte, just zu einem Zeitpunkt also, an dem die heimische Meisterschaft noch ruhte.

Eintrittskarte vom Hinspiel FK Austria Wien gg. FC Barcelona (0 : 0) vom 2. März 1983. Sammlung: oepb
 

So unternahmen die Veilchen in der Wintervorbereitung eine Vielzahl an Testspielen – unter anderem beim AC Cesena (1 : 5), in und beim ZTE Zalaegerzeg (2 : 2), sowie gegen die Ungarische Nationalmannschaft (0 : 4) – um für den großen Gegner gewappnet zu sein. „Auch Barca kocht nur mit Wasser!“ impfte Austria-Trainer Wenzel Halama vor „dem Spiel des Jahres“ seinen Schützlingen ein.

FAK-Kapitän Robert Sara (links) begrüßt sein Pendant vom FC Barcelona Jose Sanchez (Nr. 2). Aus FK Austria Wien gg. FC Barcelona (0 : 0) vom 2. März 1983 im Wiener Praterstadion. Foto: © oepb

25.000 Besucher pilgerten am Mittwoch, 2. März 1983 um 19 Uhr ins Wiener Praterstadion und erspähten keinen Diego Maradona, der an Gelbsucht erkrankt war. Ganz im Gegenteil, Barcelona erblühte im Prater nicht. Beide Teams agierten aus einer gesicherten Abwehr heraus. Der pfeilschnelle Austrianer Gerhard Steinkogler konnte zwar Teilerfolge des Tüchtigen für sich verbuchen, das Glück zu einem Torerfolg war jedoch weder ihm noch dem blutjungen Anton „Toni” Polster an jenem Abend hold. Ins Rampenlicht konnte sich der Winter-Neuzugang aus der Südstadt, Josef „Pepi” Degeorgi, spielen. Und Friedl Koncilia hielt das Austria-Tor rein, das torlose Unentschieden war gerecht.

„Das Rückspiel zu Barcelona könne ja heiter werden.“, dachte sich der violette Anhang, umso mehr, da man in der Zwischenzeit in Linz beim Liga-Abstiegskandidaten LASK in der 3. Runde des ÖFB-Cups (zwar erst im Elfmeterschießen, aber letzten Endes doch) mit 1 : 3 ausschied.

Friedl Koncilia (Nr. 1) war einmal mehr der Turm in der Schlacht der violetten Hintermannschaft. Hier im Bild klärt er vor den Barca-Spielern Angel Pichl Alonso und Enrique Moran. Aufmerksamer Beobachter links ist der Austrianer Josef Degeorgi. Aus FK Austria Wien gg. FC Barcelona (0 : 0) vom 2. März 1983 im Wiener Praterstadion. Foto: © oepb

„Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen!“, so wird wohl der Leitspruch des FAK-Trosses gewesen sein, der aufbrach, um am Mittwoch, 16. März 1983, einen der wohl größten internationalen Erfolge – nach dem zweimaligen Mitropacup-Sieg 1933 und 1936, sowie der Teilnahme am Cupsieger-Finale 1978 – in der Klubgeschichte des FK Austria Wien einzufahren. Die Zuschauerzahl von damals schwankt zwischen 40.000 und 50.000. Fakt ist jedoch, dass der zu diesem Zeitpunkt 23jährige Grazer Gerhard „Copa” Steinkogler seine Sternstunde für Violett verbuchen konnte. In der 37. Spielminute, gerade als der Druck der Spanier – mit dem genesenen Diego Maradona – in der Austria-Hälfte unerträglich zu werden drohte, sauste Gerd Steinkogler nach einem Zuckerpass von Felix Gasselich Barcelonas letztem Mann Jose Alexanco auf und davon und vollendete aus spitzem Winkel unhaltbar zum 0 : 1.

Stille im weiten Oval!

Kurz vor der Halbzeit nahm der düpierte Alexanco grimmige Revanche. Er drückte nach einem gefinkelten Freistoß-Ball Schusters, der mit dermaßen viel Effekt (mit einer „Fettn“ auf gut wienerisch) getreten war, sodass Ernst Baumeister und Friedl Koncilia daneben fuhren, zum 1 : 1-Ausgleich ein.

In der zweiten Halbzeit war es erneut Felix Gasselich, der die größte Chance der Austria schuf: Doppelpass mit dem dynamischen Ernst Baumeister und dieser stürmte alleine auf das von Lorenzo Lemos Amador gehütete Gehäuse zu. Der Ernstl wollte den Keeper überheben, schoss aber schlecht und weit daneben. Neben diesen beiden zog auch ein weiterer Winter-Neuzugang, der Kroate Dzemal Mustedanagic, geschickt die Fäden im violetten Mittelfeld. Die dichte Abwehrreihe der Austria um Erich Obermayer, Robert Sara, Franz Zore und Josef Degeorgi stand felsenfest. Erst gegen Ende des Spiels geriet der violette Aufstieg ein wenig ins Wanken: Maradona lupfte einen Freistoßball an die Querlatte und vergab unmittelbar darauf nach einem Sololauf kläglich.

Als der DDR-Schiedsrichter Adolf Prokop das Europapokal-Spiel mit dem aus Wiener Sicht erlösenden Schlusspfiff beendete, lagen sich die ganz in weiß gekleideten Wiener Veilchen jubelnd in den Armen. Jeder Austria-Spieler erhielt als Lohn der Arbeit 45.000 Schilling (umgerechnet € 3.270,-).

Der Steier Gerhard Steinkogler (rechts) bewegte sich vor 40 Jahren im Dress des FK Austria Wien am Zenit seiner fußballerischen Laufbahn. Aus FK Austria Wien gg. FC Barcelona (0 : 0) vom 2. März 1983 im Wiener Praterstadion. Foto: © oepb

Besagter Gerhard Steinkogler erzielte darüber hinaus in dieser Europacup-Saison bereits am 15. September 1982 ein äußerst sehenswertes Tor. Beim 2 : 0-Hinspiel-Sieg in Wien gegen Panathinaikos Athen hechtete er nach 10 Minuten in eine Flanke und sein wuchtiger Flugkopfball landete scharf und punktgenau in den Maschen der Griechen.

Im Halbfinale zog die Austria wieder Spanien in Form von Real Madrid. In Wien wurden am 6. April 1983 40.000 Zuschauer Zeuge eines sehenswerten 2 : 2-Remis (Toni Polster und Istvan Magyar waren die Torschützen), 14 Tage später, am 20. April 1983, setzte es im Bernabeu-Stadion vor 75.000 Zeitzeugen ein 1 : 3 (Eigentor Juan Jose), wobei der Sieg durch Juan Gomez Gonzales – kurz Juanito – (71. Minute) und Carlos Alonso Gonzales – kurz Santillana – (83. Minute) erst sehr spät sicher gestellt wurde.

Glückwunsch-Telex an die Austria-Klubführung zum Aufstieg in die nächste Europacup-Runde von WFV-Verbands-Präsident Gen.-Dir. Othmar Luczensky. Sammlung: oepb

In der heimischen Meisterschaft gab es 1982/83 ein Kopf an Kopf-Rennen bis zum Schluss, bei dem sich die Austria dem ewigen Rivalen Rapid am letzten Spieltag (Austria gegen SC Neusiedl, 8 : 0), RAPID 4 : 0-Sieger beim SC Eisenstadt um lediglich fehlende läppische 5 Tore bei Punktegleichheit geschlagen geben musste.

Dieser Umstand trieb den Austria-Boss Josef „Joschi” Walter dermaßen auf die Palme, dass er den Verein komplett umkrempelte. Im Sommer 1983 wurde der ungarische Superstar Tibor Nyilasi von Ferencvaros Budapest verpflichtet, ebenso kehrte Herbert Schneckerl” Prohaska als italienischer Meister vom AS Rom zur Austria zurück. Was folgte waren drei gewonnene Meisterschaften in Serie, 1985/86 holte man mit dem Cupsieg sogar das begehrte Double.

Der erfolgreiche FK Austria Wien-Coach Wenzel Halama (rechts) beim Interview mit ORF-Moderator Michael Kuhn (links). Foto: © oepb

Gerhard Steinkogler wurde jedoch – trotz 18 Volltreffer in der Meisterschaft 1982/83 und deren 3 im Europacup – von Josef Walter nach Tirol zum FC Wacker Innsbruck weiter verliehen, im Frühjahr 1984 spielte Copa kurzzeitig für seinen Stammklub, den GAK. Erst im Sommer 1984 kehrte der Steirer wieder zu seiner Austria zurück und blieb den Violetten bis 1986 treu, ehe er im Oktober von Favoriten nach Döbling zum First Vienna FC weitergereicht wurde. Dort gelang ihm bei seinem ersten Auftritt auf der Hohen Warte am 24. Oktober 1986 gleich ein sehenswerter Treffer beim 3 : 1-Erfolg der Blau–Gelben gegen den SK VÖEST Linz.

Gerhard „Copa” Steinkogler heute mit einem Trikot von damals. Foto: © oepb

Heute gehört Gerhard Steinkogler und mit ihm Felix Gasselich, Ernst Baumeister, Alfred Drabits, Erich Obermayer, Robert Sara und dergleichen dem Legendenklub der Wiener Austria an. Bei beinahe jedem Heimspiel ist er anzutreffen, schreibt nach wie vor freundlich und geduldig Autogramme und ist einem Plauscherl über die „gute, alte Zeit“ nie abgeneigt.

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Wenn die Österreichische Fußball-Bundesliga die Saison 2023/24 als 50-jährige Jubiläumssaison ausruft, dann darf dabei nicht vergessen werden, dass in Österreich seit 1911/12 regelmäßig Meisterschaft gespielt wird und es seit 1949/50 eine Gesamt-Österreichische Fußballmeisterschaft gibt. Wir werden hier in regelmäßiger Unregelmäßigkeit an Protagonisten der österreichischen Fußball-Landschaft erinnern, abseits der allseits bekannten Spieler-Größen. An Fußballer, die heute teilweise leider bereits vergessen sind, die aber dennoch der Liga und den Vereinen, für die sie aktiv waren, ihren Stempel aufgedrückt haben.

Quelle: Redaktion www.oepb.at

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