Fritz Grünbum. Foto: Sammlung Erwin H. Aglas
Fritz Grünbum. Foto: Sammlung Erwin H. Aglas

Franz Friedrich Grünbaum war, so sagt man heute, der Vater des Österreichischen Kabaretts. Er liebte sein Publikum und bescherte diesem viele schöne und ungezwungene Stunden zu einer Zeit, in der es hierzulande wenig zu lachen gab. Die Monarchie war zerfallen und Österreich befand sich nach dem Weltkrieg von 1914 bis 1918 am Boden. Wirtschaftskrise und Schwanengesang prägten das Bild dieser Tage. Und dennoch gelang es ihm, mit seinem Witz, seinem jüdischen Humor und seinen Auftritten die Lacher immer wieder auf seine Seite zu ziehen und dadurch zu sorgen, die Tristesse des grauen Alltages für kurze Zeit vergessen zu machen. Doch wer war er wirklich, dieser nach wie vor unvergessene Fritz Grünbaum?

Fritz Grünbaum wurde am 7. April 1880 in Brünn geborgen, er war Kabarettist, Conférencier, Kabarett-Leiter, Autor von Operetten, Revuen, Singspielen, Chansons, Couplets, Theater- und Filmschauspieler, Regisseur. Er war aber auch der Sohn einer deutsch-jüdischen Kunsthandelsfamilie und verbrachte die Kindheit und die Jugend in Brünn. Mit 18 Jahren, 1898 inskribiert er sich in Wien für ein Jusstudium, beendet auch mit Dr. jur., findet aber seine berufliche Liebe woanders. Schon während der Studienzeit begann er sich der Literatur zu widmen – mit der Organisation von Dichterlesungen in seiner Heimatstadt. Nach Beendigung des Studiums im Jahre 1903 startete er mit dem Verfassen der ersten von in der Folge zahlreichen Operettenlibretti. Bereits sehr frühzeitig angetan vom Bühnenleben, begibt er sich im Laufe der Jahre in allen erdenklichen Rollen auf die Bretter, bevorzugt in Kellerbühnen, Kleinkunst- und Revuetheatern.
Seine Kabarettkarriere begann für ihn 26jährig 1906 mit dem Abstieg in die ,Hölle ´im Souterrain des Theaters an der Wien, wo er zum großen Conférencier seiner Zeit wurde. Er war aber auch in Berlin ein immer wieder enthusiastisch begrüßter Gast – insbesondere auf Rudolf Nelsons Bühnen – und gleichzeitig der in Wien vermisste Star.

Sammlung Erwin H. Aglas
Sammlung Erwin H. Aglas

1914, als die Kriegsbegeisterung noch allgemein ist, hat Fritz Grünbaum seinen ersten Auftritt im Kabarett Simpl an der Wollzeile in Wien, dem er bis zuletzt treu bleiben wird und wo er gemeinsam mit dem ebenso legendären Karl Farkas 1922 die aus Ungarn kommende Doppelconférence etabliert und zur Vollendung führt. Anfang 1915 meldet er sich freiwillig an die Front und kehrt zu Kriegsende als Oberleutnant reichlich dekoriert und desillusioniert – ins Kabarett zurück. Nach seiner ersten Ehe mit Karolina Nagelmüller (1908 bis 1914) heiratet er 1916 seine Kollegin Mizzi Dressl. Von ihr geschieden, heiratet er 1919 die 21jährige Lilly Herzl, seine Gefährtin bis zuletzt, die seit ihrer Deportation nach Minsk 1942 als vermisst galt. Nach Kriegsende pendelt Fritz Grünbaum zwischen Simpl und Ronacher, sowie zwischen Wien und Berlin. Hier wie da setzt man nun auf eskapistisches Unterhaltungstheater mit Revueprogrammen, Schlagern und viel Flitter.

1923 wird er Leiter der ,Hölle´ und 1924 künstlerischer Leiter des ,Pavillon´. Immer wieder gemeinsam mit Karl Farkas entstehen Sketches, Revueprogramme und natürlich die doppelbödigen Doppelconférencen mit den Rollen des ,Gscheiten und des ,Blöden”.´Jahre später verkörperte Ernst Waldbrunn die Rolle des ,Blöden´. Mit dem Aufstieg der Nationalsozialisten und dem wiedererstarkenden Antisemitismus werden auch Fritz Grünbaum und Karl Farkas der Politik gegenüber sensibler, ab 1933 werden die Doppelconférencen dezidiert politischer.
Zwischen 1928 und 1932 ist Fritz Grünbaum häufig in Berlin, spielt und textet für den deutschen Film, tritt in Theater- und Filmnebenrollen auf. Nach 1932 wendet er sich wieder vermehrt dem Kabarett und der Revue zu und arbeitet ab 1935 wieder zusammen mit seinem kongenialen Partner Karl Farkas. Ab 1937 erscheinen ihre Doppelconférencen nun auch in der Wiener Montagszeitung ,Der Morgen´.
Kurz vor dem Einmarsch der deutschen Truppen in Österreich am 10. März 1938, spielen beide ein allerletztes Mal im ,Kabarett Simpl´. Beide dürfen die Bühne danach nicht mehr betreten. Farkas gelingt die Ausreise, Fritz und Lilly Grünbaum missglückt ihre am 11. März versuchte Flucht über die tschechische Grenze. Fritz Grünbaum kann sich eine Weile in Wien versteckt halten, wird jedoch feige verraten und im Mai ins KZ Dachau, anschließend nach Buchenwald und wieder nach Dachau transportiert. Hier sind die Leidensgenossen sein letztes Publikum. Bald nach dem Silvesterabend, wo er totkrank ein letztes Mal conferiert, unternimmt Fritz Grünbaum einen Selbstmordversuch. Gemäß dem Totenschein verstarb er total abgemagert am 14. Jänner 1941 im KZ Dachau bei München.

Sammlung Erwin H. Aglas
Sammlung Erwin H. Aglas

Fritz Grünbaum war aber auch ein namhafter Kunstsammler. Nach der ,Arisierung´ seiner Wohnung 1938 wurden die 453 Werke (Dürer, Rembrandt, Degas, Spitzweg, Kokoschka, 60 Arbeiten von Schiele) sowie seine Bibliothek zwangsverkauft. Verkaufsweg und Verbleib der Grünbaum-Sammlung konnten bis auf Schieles ,Tote Stadt III´ jedoch nicht nachvollzogen werden.

Unvergessen blieb bis heute auch sein Ausspruch in dem von ihm selbst verfaßten ,Arm wie eine Kirchenmaus´-Filmstück: ,Ich bin das ganze Leben am Schreibtisch gesessen, mit meinen Büchern daneben – und habe dabei auf eines vergessen, ich habe vergessen zu leben …´

Geblieben ist von Fritz Grünbaum heute nicht mehr viel. Die wenigsten Menschen kennen noch seinen Namen und bringen damit noch weniger in Verbindung, daß er es gemeinsam mit Karl Farkas war, der das Kabarett Simpl in Wien ,salonfähig´ gemacht hatte und auch dafür sorgte, daß dieses Etablissement einen bis heute hervorragenden Ruf der Kabarett-Szene hierzulande genießt. Fritz Grünbaum ist ein Stern im Walk of Fame des Kabaretts gewidmet, er fand seine letzte Ruhe am Wiener Zentralfriedhof, Israelitischer Alter Teil, Tor 1.

www.simpl.at

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