Franz Schuh, dieser „geschmeidige Seiltänzer über dem Abgrund zwischen Essayistik und Literatur“ (Zitat Eva Menasse), bedient sich einer Fülle von Textgattungen, um den Zeitgeist, also den Geist der Zeit, auf den Begriff zu bringen: SMS, E-Mail, Telefonat, Statement, Leserbrief, Glosse, Kommentar, Rezension, Interview, Gespräch, Porträt, Polemik, Prosa, Laudatio und Kritik. Bernhard Kraller hat alle diese Fäden, aus denen sich das betanzte Seil zusammensetzt, gesichtet und daraus einen bemerkenswerten Band gemacht: Ein Lesebuch, das ausschließlich Texte Franz Schuhs versammelt, die bisher nicht in Buchform erschienen sind. Der zeitliche Bogen spannt sich von Franz Schuhs Anfängen zu Beginn der 1970er-Jahre bis in die Gegenwart. Auch inhaltlich sind die unterschiedlichsten Themenfelder, auf denen er tätig war und tätig ist, vertreten: Politik, Moral, Religion, Medien, Literatur, Krimis, Film, bildende Kunst, Musik, Liebe, Tod, Erlösung, Glück und Unglück. Komplettiert wird der Band durch ein Glossar mit Textnachweisen.

Vom Guten, Wahren und Schlechten lädt dazu ein, sich der gedanklichen und stilistischen Spannweite Franz Schuhs genussvoll auszusetzen … – so der Hausgeber Bernhard Kraller.

Bernhard Kraller, Studium der Geschichte und Philosophie, Foto-Text-Monografien zu Ernst Jandl, Friederike Mayröcker, Franz Koglmann / Ezra Pound (alle Wespennest); Die Sänger von Wien. Über den Historismus der österreichischen Popmusik; Herausgeber von Adorno/Tobisch: Der private Briefwechsel (Droschl) und Atypical Jazz (Wiener Musik Galerie).

Das oepb hat sich in einigen Muse-Stunden dem neuen Franz Schuh-Buch gewidmet, und meint dazu: 

„Wer sagt, Schreiben sei ein Glückszustand, verharmlost den Exzess des Glückes. Und wer sagt, Schreiben habe mit dem Glück nichts zu tun, unterschätzt die belebende Kraft des Schreibenkönnens, des Gefühls, das richtige Wort gefunden zu haben.“,so der Autor Franz Schuh in einem Zitat.

Franz Schuh ist zweifellos einer der pointiertesten und hintergründigsten Essayisten dieser Republik. Sein Schreibstil sucht in Bezug auf Originalität und Punktgenauigkeit im deutschsprachigen Raum seinesgleichen. Sein Werk erreicht in Fragen des Umfangs und der Vielfältigkeit der Themen eine beeindruckende Breite. Scharfsinnig versiert in den unterschiedlichsten Disziplinen, analysiert und beschreibt er messerscharf die Gegenwart mit ihren Untiefen, Hinfälligkeiten und Heucheleien. Bei aller Erbarmungslosigkeit in der Kritik, ist sein Schreiben stets getragen von einer Gesinnung des Humanismus, der Toleranz, der Weltoffenheit und der Selbstironie.

Anlässlich des 75. Geburtstages von Franz Schuh erscheinen zwei Bücher, die einmal mehr die große Vielfalt seines literarischen Schaffens belegen. Das Lesebuch „Vom Guten, Wahren und Schlechten“ spannt den zeitlichen Bogen von den Anfängen in den 1970er-Jahren bis in die Gegenwart und zeichnet das breite Themenspektrum des Essayisten – von Politik bis Liebe, von Literatur bis Erlösung – nach.

Seine Selbstgespräche sind ein Akt politischer Aufklärung: Ein Band versammelt eigensinnige Texte des österreichischen Schriftstellers und Essayisten Franz Schuh.

Schon in seiner Schulzeit, sagt Franz Schuh, hätten ihm die Dichter die „Gegenwelt“ eines freien Lebens verheißen: „Geblieben ist mir der Hass auf die Macht, die sich nie wirklich legitimieren kann, weil sie ihre Legitimation immer stillschweigend, anonym voraussetzt, aber auch die romantische Hoffnung auf den Sieg der Literatur gegen die mächtigen Lemuren.“ So sei er Kritiker geworden. Dass Franz Schuh viel mehr geworden ist als bloß ein Kritiker, der unverdrossen an seinem Glauben an die „Widersetzlichkeit der Literatur“ festhält, nämlich ein eigensinniger Denker und brillanter Essayist, dazu ein Deklamator und Schauspieler eigener Fasson, hat sich herumgesprochen. 2006 erhielt Schuh den Preis der Leipziger Buchmesse, im Vorjahr den Johann-Heinrich-Merck-Preis der Darmstädter Akademie.

Franz Schuh, der kürzlich seinen 75. Geburtstag feierte, lebt als Schriftsteller und Essayist in Wien. Zuletzt ist von ihm das Buch „Lachen und Sterben“ (Zsolnay, 2021) erschienen. Im Vorjahr wurde ihm der Johann-Heinrich-Merck-Preis für literarische Kritik und Essay verliehen, heuer erhielt er den Bruno-Kreisky-Preis für das publizistische Gesamtwerk.

„75 ist fast so viel, dass man beinahe nicht mehr da ist“, meint Franz Schuh. Doch der Wiener Kulturpublizist ist noch sehr da. „Bin bald siebzig, und es genügt mir, heute oder morgen nicht auf der Strecke zu bleiben“, hatte Schuh vor fünf Jahren in seinem Buch „Fortuna“ festgehalten. „Lachen und Sterben“ hieß dagegen das vor einem Jahr erschienene bisher letzte Buch von ihm, in dem er davon berichtete, dass bei seiner Einlieferung ins Spital der diensthabende Arzt ihm wenig Überlebenschance gegeben habe. „Der Freundin teilte er mit, dass mein Tod wahrscheinlich wäre, und er fügte hinzu: ‚Er hat sich ja immer für den Tod interessiert.‘ Ja, das stimmt, und auch der Tod hat sich für mich interessiert“, so Schuh.

Franz Schuh wurde am 15. März 1947 geboren. Er studierte Philosophie, Geschichte und Germanistik, war Generalsekretär der Grazer Autorenversammlung (1976-80), Redakteur der Zeitschrift „Wespennest“ und Programmleiter im Deuticke Verlag. Essays, Beiträge und Kritiken erscheinen im Rundfunk und in Zeitungen und Zeitschriften im In- und Ausland, er hatte und hat Lehraufträge an der Universität Klagenfurt, am Mozarteum Salzburg und an der Universität für angewandte Kunst in Wien. Schuh ist ein gefragter Redner und war auch der erste, der im Jahr 2000 zur Eröffnung der „Tage der deutschsprachigen Literatur“ eine „Klagenfurter Rede zur Literatur“ gehalten hat.

Seine Publikationen umfassen u.a. „Das Widersätzliche der Literatur. Kritische Kritiken“ (1981), „Fremdenverkehr. Kritische Texte über den Tourismus“ (Hg., 1984), „Liebe, Macht und Heiterkeit. Essays“ (1985), „Das phantasierte Exil. Essays“ (1991), den Roman „Der Stadtrat. Eine Idylle“ (1995) sowie die Essaybände „Schreibkräfte. Über Literatur, Glück und Unglück“ (2000), „Schwere Vorwürfe, schmutzige Wäsche“ (2006) und „Der Krückenkaktus“ (2011).

2007 veröffentlichte er „Hilfe!“, einen „Versuch zur Güte“, 2008 unter dem Titel „Memoiren“ „ein Interview gegen mich selbst“, 2014 mit „Sämtliche Leidenschaften“ einen Roman, dem er 2017 „Fortuna“ und 2021 „Lachen und Sterben“ folgen ließ. Darin war der Essayist auch als Dramatiker und Lyriker zu entdecken.

Vielfach ausgezeichnet

Als Schreibender und als Radiophilosoph für Ö1 – meist sonntags knapp vor 19 Uhr – ist Schuh einer der bekanntesten und wohl auch am meisten ausgezeichneten Kulturpublizisten Österreichs: Er hat u.a. den Staatspreis für Kulturpublizistik (1985), den Preis der Stadt Wien für Publizistik (1987), den Jean-Amery-Preis (2000), den Medienpreis Davos (2006), den Preis der Leipziger Buchmesse in der Kategorie Sachbuch/Essayistik (2009), den Tractatus-Essaypreis (2009) und 2011 den Österreichischen Kunstpreis erhalten.

„Mit großer Geschicklichkeit verbindet Franz Schuh Privates und Ästhetisches“, rühmte ihn Hubert Christian Ehalt 2009 bei der Verleihung des Goldenen Verdienstzeichen der Stadt Wien. Als „Gebrauchsphilosoph“ trage er dazu bei, „die Dinge in der notwendigen Schwebe zu halten“.

Franz Schuh ist eine wichtige Stimme in Zeiten, da Kommunikation, Medienverfälschung und Sprache nicht mehr differenziert eingesetzt werden und Demokratie gefährdet scheint. Für die Kreisky-Preis-Jury schließlich ist er einer der „pointiertesten und hintergründigsten Essayisten dieser Republik“, dessen Schreiben stets „von einer Gesinnung des Humanismus, der Toleranz, der Weltoffenheit und der Selbstironie“ getragen sei.

Franz Schuh
Vom Guten, Wahren und Schlechten
Ein Lesebuch
Herausgegeben von Bernhard Kraller
Mit Illustrationen von Eva Fenz und Peter H. Schurz
408 Seiten, 13,5 x 21 cm
Klappenbroschur
Erschienen bei Sonderzahl
Zum Preis von € 29,00
ISBN 978-3-85449-597-0

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