Nach den Saisonen 1980/81, 1982/83 sowie 1987/88 wechselte der FC Schalke 04 permanent die Liga. Vom Oberhaus ging es stets wieder in die 2. Deutsche Bundesliga zurück. Ab 1991 etablierte sich „S.04“ in der Beletage und konnte mit dem UEFA-Cupsieg von 1997, sowie drei DFB-Cupsiegen und fünf Vizemeisterschaften an alte Erfolge anknüpfen. 2020/21 ist es allerdings um die Knappen sportlich nicht gut bestellt und man taumelt der 2. Liga entgegen. Das Prinzip Hoffnung stirbt allerdings zuletzt und erneut abgestiegen ist der Traditionsklub noch lange nicht. Blick auf die damals, in der Spielzeit 1976/77, moderne Haupttribüne des heute nicht mehr benützten Gelsenkirchener Parkstadions. Foto: © oepb

Wenn Sie wissen wollen, wie die Menschen im Ruhrgebiet gestrickt sind, empfehle ich Ihnen, sich die Reaktionen der Fans jenes Gelsenkirchener Vororteklubs, der neulich zum ersten Mal seit fast einem Jahr wieder ein Bundesligaspiel gewonnen hat, zu Gemüte zu führen. Wir im Ruhrgebiet lassen uns nie eine Gelegenheit entgehen, eine dicke Lippe zu riskieren. Und die steht nicht selten in umgekehrt proportionalem Verhältnis zum Anlass.

Kurz nach dem Schlusspfiff des Spiels, das die Königsblauen gegen Hoffenheim 4 : 0 gewonnen hatten, schrieb ich in die WhatsApp-Gruppe, über die ich in Nicht-Pandemie-Zeiten die Belegung meines Fußballkellers organisiere, an den einen Hardcore-Schalker: „Na, schon besoffen?“ Offenbar ja, denn erst mal antwortete der nicht. Dafür schrieb eine Freundin nur: „Hoppe, Hoppe Reiter!“ Für Ahnungslose: Der 19-jährige Matthew Hoppe hatte mit drei Toren einen nicht unwesentlichen Beitrag zum Sieg geleistet. In die gleiche Kerbe schlug ein anderes Mitglied der Gruppe, welches mutmaßte, dass Erling Haaland vom BVB, wenn er sich richtig Mühe gebe, durchaus Chancen hätte, irgendwann mal so gut zu werden wie Hoppe.

Diese, sagen wir mal sehr optimistische Herangehensweise ist aber keine Gelsenkirchener Besonderheit. Auch der objektiv tollste Verein der Welt, der VfL Bochum, ist derzeit so gut unterwegs, noch allerdings in der falschen Liga. Und da die Bayern sich derzeit die eine oder andere schwächere Phase leisten, postete neulich jemand: „Man kann die Panik der Bayern, nächste Saison gegen uns um Punkte kämpfen zu müssen, mit Händen greifen!“ Wenn Sie das witzig finden, dann habe ich das gepostet. Wenn nicht, dann war es der Schalker! Auch nicht schlecht war der Twitter-User „Hamburger Jung“, der meinte, da habe Schalke mal wieder Angst vor einem Titel gehabt, nämlich dem der Bundesligamannschaft mit der längsten Negativserie. Der gewohnt brillante Cartoonist Oli Hilbring machte Ernst Kuzorras Erben gleich mal zum „Tasmania der Herzen“.

Unser Freund in der WhatsApp-Gruppe reagierte übrigens auch noch. Die Lippe, die er riskierte, war eindrucksvoll: „26 Punkte.“ Das war am 15. Spieltag der Rückstand der Schalker auf die Tabellenspitze. Und da ich selbst aus dem Ruhrgebiet komme weiß ich: Der meint das ernst.

Über Frank Goosen

Der weit über die Grenzen des deutschen Ruhrgebiets hinausreichend bekannte und beliebte Autor, Kabarettist und Feuilletonist Frank Goosen ist langjähriger, bekennender und leidgeprüfter – ob der schier übermächtigen Konkurrenz aus Dortmund und Schalke – Anhänger des VfL Bochum von 1848. Als solcher steht er nach wie vor treu ergeben zu den einstmals „Unabsteigbaren“, schließlich zählten die Blau-Weißen aus der Herbert Grönemeyer-Stadt Bochum von 1971 bis 1993 ununterbrochen zur höchsten deutschen Spielklasse. Nach Jahren des Paternoster-Daseins – „Wir steigen auf, wir steigen ab – und zwischendurch Europacup“ – in Anlehnung an die Aufstiege, die bis in den UEFA-Cup führten, um sich im Jahr darauf erneut in der 2. Spielklasse wieder zu finden, müsste es nun „Die Unaufsteigbaren“ heißen, denn seit 10 Jahren kennt man an der Castroper Straße die 1. Deutsche Bundesliga nur mehr vom Hörensagen. Aber genau genommen machen gerade solche Vereine mit ihrem treuen Gefolge die Fußballwelt bunt und interessant, denn zu permanent siegreichen Teams zu stehen, das kann doch schließlich jeder.

https://frankgoosen.de

Noch mehr Gedanken und Erzählungen von und über Frank Goosen lesen Sie bei uns bitte hier;

www.vfl-bochum.de

www.bundesliga.de

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