„Was für ein dreckiges Tor!“ – Erinnerungen von Frank Goosen an seine Volksschulzeit auf dem Bolzplatz. Foto: © Pixabay

Klar, Sie wollen hier nicht schon wieder vom objektiv tollsten Verein der Welt lesen, deshalb soll sein Name gar nicht fallen. Nur so viel: das zweite Tor in Düsseldorf (Anm.: 22.03.2021) war von so reiner Schönheit, dass zum einen die Bayern, Manchester City und PSG anfangen sich zu sorgen, ob ihre Zeit nicht langsam abläuft, nein, es lässt mich auch an einen Treffer denken, den ich Mitte der 1970er Jahre auf den Schmechtingwiesen erzielt habe. Nicht, weil er ein ähnliches Kunstwerk war, sondern das diametrale Gegenteil davon.

Es hatte geregnet. Mein Kumpel Mücke hatte einen Auswärtskick gegen „irgendwelche Spackos“ einer anderen Grundschule ausgemacht. Hinweis für junge Eltern: Ja, wir waren erst zehn, aber ständig unbegleitet in der Stadt unterwegs. Google Maps sagt, von meinem Zuhause an der Alleestraße waren es bis zu den Wiesen 1,8 Kilometer, immer an Hauptstraßen entlang. Wir waren schon komplett durchnässt, als wir ankamen. Vor den Metalltoren, die wie Teppichstangen aussahen, gab es schon lange kein Gras mehr. Es hatten sich tiefe Löcher gebildet, die natürlich längst mit Regenwasser vollgelaufen waren. Also perfekte äußere Bedingungen.

Nach dem Anstoß der Spackos entwickelte sich ein eher kampfbetontes Spiel auf tiefem Boden. Vom System her gaben beide Teams einem klaren 6-0 den Vorzug, das sich in der Defensive bei uns zu einem 5-1 wandelte, da Mücke es unter seiner Würde fand, „gegen den Ball zu arbeiten“, wie man es heute nennen würde. Kurz vor Schluss stand es 13 : 13 und wir bedrängten das Tor der Spackos, es entstand ein unübersichtliches Gewühl, in dessen Verlauf der Keeper der anderen unter dreien seiner eigenen Spieler und vieren von uns begraben wurde. Ich weiß nicht mehr wie oder wieso, jedenfalls klatschte der Ball mit einem Mal in die Lacke vor dem leeren Tor, mir praktisch vor die Füße. Ich holte aus, doch bevor ich die Wuchtel treffen konnte, zog mir einer der Spackos das Standbein weg. Ich klatschte mit dem Gesicht in die Lacke, streifte aber mit der Stirn den Ball, der dadurch den entscheidenden Drall hinter die nicht vorhandene Linie bekam.

Ich sah aus, als sei ich gerade aus einer seit Monaten nicht gereinigten Latrine geborgen worden, hatte aber den Siegestreffer erzielt. Robert Zuljs Ballannahme und -mitnahme mag eleganter sein, aber jeder bedient sich eben der Mittel, die ihm zur Verfügung stehen.   

Über Frank Goosen

Der weit über die Grenzen des deutschen Ruhrgebiets hinausreichend bekannte und beliebte Autor, Kabarettist und Feuilletonist Frank Goosen ist langjähriger, bekennender und leidgeprüfter – ob der schier übermächtigen Konkurrenz aus Dortmund und Schalke – Anhänger des VfL Bochum von 1848. Als solcher steht er nach wie vor treu ergeben zu den einstmals „Unabsteigbaren“, schließlich zählten die Blau-Weißen aus der Herbert Grönemeyer-Stadt Bochum von 1971 bis 1993 ununterbrochen zur höchsten deutschen Spielklasse. Nach Jahren des Paternoster-Daseins – „Wir steigen auf, wir steigen ab – und zwischendurch Europacup“ – in Anlehnung an die Aufstiege, die bis in den UEFA-Cup führten, um sich im Jahr darauf erneut in der 2. Spielklasse wieder zu finden, müsste es nun „Die Unaufsteigbaren“ heißen, denn seit 10 Jahren kennt man an der Castroper Straße die 1. Deutsche Bundesliga nur mehr vom Hörensagen. Aber genau genommen machen gerade solche Vereine mit ihrem treuen Gefolge die Fußballwelt bunt und interessant, denn zu permanent siegreichen Teams zu stehen, das kann doch schließlich jeder.

https://frankgoosen.de

Noch mehr Gedanken und Erzählungen von und über Frank Goosen lesen Sie bei uns bitte hier;

www.vfl-bochum.de

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