IMG_2560Das Glück, so sagt man, hat meist der Tüchtige und ein Fußball-Trainer benötigt stets ein gutes Händchen, wenn er seine Schäfchen austauscht, auch das ist nicht neu. Neu hingegen ist jedoch, dass der FK Austria Wien nach einem guten Ergebnis auch ein zweites darauf folgen lassen kann …

16. Spieltag / 22. November 2014 / tipico-Bundesliga / Generali-Arena, 7.064 Besucher

Bildtext: Die neue Videowall in der Generali-Arena konnte gestern Abend gleich positives vermelden. Foto: oepb

Im November dämmert es naturgemäß frühzeitiger und Mutter Natur richtet sich auf den heran nahenden Winter ein. Fußball-Spiele um 18.30 Uhr bringen somit den herrlichen Umstand mit sich, in warm wirkend durch helles Flutlicht erstrahlende Stadien pilgern zu können. Max Merkel proklamierte einst den Ausspruch: „Wenn die in Dortmund das Licht aufdrehen sind 25.000 da.“, um später nachzusetzen, „und wenn der Platzwart auf SCHALKE, die Kalklinien nachzieht schauen über 30.000 zu.“ Fußball-Fieber im Revier eben.

Wien ist da, seit langer Zeit schon, leider ganz anders. Knapp zwei Stunden vor Spielbeginn sammeln sich die ersten Unentwegten im Viola-Pub, um im Kollektiv zuerst Deutsche Bundesliga und später dann den Hütteldorfer Rivalen RAPID im TV zu sehen, um sich naturgemäß an deren Niederlage in Grödig zu ergötzen. Nur sehr zäh füllt sich die gemütliche violette Gastlichkeit im Ost-Tribünen-Bauch der Generali-Arena, darunter auch einige wenige Anhänger der Südstädter. Da gewinnt der FAK nach einer halben Ewigkeit von sechs nicht siegreich beendeten Derbys wieder einem ein Duell gegen den ewig jungen Stadt-Bruder und zwei Wochen später beim nächsten Heimspiel honorieren dies die wenigsten Zuschauer in der gesamten Herbst-Saison. Am Ambiente kann das wohl nicht gelegen haben, denn die Generali-Arena, vormals Franz Horr-Stadion, avanciert immer mehr zu einem anmutenden Schmuckkasterl. Der Zubau samt Schließung der einstmals windigen Stadionecke Süd/West steht vor der Fertigstellung, die feierliche Eröffnung steigt am 6. Dezember 2014 um 16 Uhr gegen den FC Redbull Salzburg. Ticktes und Parkscheine gibt es hier:
https://fkaustria.wien-ticket.at/de/home

Zuvor heißt es allerdings noch in einer Woche im oberösterreichischen Innviertel beim SV Ried, Samstag, 29. November 2014, 16 Uhr zu bestehen. Es wäre löblich, wenn man nach dem zweiten Doppelsieg in diesem Herbst nun erstmals einen Trippel-Triumph folgen lassen könnte, denn dann sollte es für den geneigten violetten Anhänger keine Ausrede mehr geben, nicht zu den letzten beiden Heimspielen gegen Salzburg und SV Grödig, 13. Dezember 2014, 18.30 Uhr zu kommen. Apropos Salzburg: die letzten beiden Spiele gingen mit 3 : 0 und 3 : 2 an Violett, man ist 2014 gegen den regierenden Meister damit noch mit einer schneeweißen Weste bekittelt.

Zum gestrigen Bundesliga-Spiel:
Mit den Südstädtern hatte die Austria noch eine Rechnung offen. Das Hinspiel im August verlor man sang und klanglos nach einem grottenschlechten Kick aus violetter Sicht mit 1 : 2. Sollte der gevifte Trainer-Fuchs Walter Knaller, von 1980 bis 1990 selbst ein gefürchteter und mit 124 Volltreffern erfolgreicher Stürmer von Admira/Wacker, seinen Burschen wieder die richtigen Tipps mitgeben können? Es hatte den Anschein. Die Niederösterreicher standen gut, bauten einen dichten Abwehrriegel vor dem eigenen Strafraum auf und machten es der Austria somit – zumindest in der ersten Halbzeit – schier unmöglich, dieses Bollwerk zu durchbrechen. Man kennt solche Spiele und als regelmäßiger und langjähriger Beobachter der schönsten Nebensache der Welt weiß man, dass hier Geduld gefragt ist. Sollte ein Treffer glücken, kann es dann schon auch passieren, dass der Gegner in sämtliche Einzelteile auseinander fällt. Dies umso mehr, wenn man in der Tabelle hinterher hinkt und lediglich 4 Punkte von 21 möglichen aus den letzten sieben Runden verbuchen konnte. Der Südstadt-Motor war nach einem überaus guten Herbststart gehörig ins Stottern geraten. So mühte sich also der Gastgeber mehr und mehr ab, dem Spiel den violetten Stempel aufzudrücken, die Gäste wiederum hatten keinerlei Gastgeschenke zu verteilen. Was dabei heraus kam war nicht immer sehr schön anzusehen, in Hälfte Eins wohlgemerkt. So gab es vereinzelt Pfiffe nach 45 Minuten der Kulisse zu verbuchen, die Hoffnung auf die zweite Spielhälfte lebte jedoch.

Als über die neue Videowall die Führung Wiener Neustadts gegen den Wolfsberger AC aufleuchtete, Bundesliga-Heimkehrer Stefan Maierhofer scorte ganz südamerikanisch mit der Ferse das 1 : 0, ging erstmals ein Raunen durch die Arena. Dieser Treffer sollte aber auch die Austria beflügeln, die sich nun noch vehementer in der Hälfte von Admira/Wacker festsetzte. Als FAK-Trainer und Geburtstagskind Gerald Baumgartner den Doppeltausch – Florian Mader ersetzte den glücklosen Alexander Gründwald und Derby-Torschütze Daniel Royer kam für Marco Meilinger – in der 53. Minute vollzog, sollte dies das eingangs erwähnte glückliche Händchen gewesen sein, denn nur vier Minuten später folgte die ersehnte und verdiente Führung. Admira/Wacker Kapitän Richard Windbichler konnte nach einer Stunde den durchbrechenden Omer Damari nur mit unter zu Hilfenahme seiner Hände bändigen und das noch dazu im Strafraum. Was folgte war der Platzverweis für den Südstädter und ein Strafstoß für Violett. Omer Damari widerlegte das ungeschriebene Gesetz, dass der Gefoulte nie selbst zum Strafstoß antreten sollte. Er ließ sich einfach die Chance auf seinen 8. Saisontreffer nicht entgehen und erzielte gekonnt das 1 : 0 in der 61. Spielminute. Von nun an ging es Schlag auf Schlag. Der eingewechselte Royer setzte sechs Minuten später zu einem sehenswerten Flachschuss an, 2 : 0 in der 68. Minute. Das Spiel war gelaufen und dennoch passierte noch ein Doppelschlag von Alexander Gorgon – 3 : 0 nach 71 Minuten, 4 : 0 in der 82. Minute – der nun auch wieder zu alter Form auflaufen dürfte.

Der höchste Saisonsieg war somit in trockenen Tüchern, die versteinerte Miene der nicht berücksichtigten Akteure Manuel Ortlechner, David de Paula, Ola Kamara und Sascha Horvath auf der Tribüne jedoch allgegenwärtig. Veilchen-Coach Gerald Baumgartner ist in der glücklichen Lage, spielerisch mit den Seinen rotieren zu können, Kampfgeist und Feuereifer im Training ist somit für jeden violetten Kicker angesagt, denn es gibt keinen Aktiven, der heuer noch nicht auf der Tribüne Platz nehmen musste.

Den Anhängern kann es egal sein, sie freuten sich über den Sieg, auch, wenn sich die Mannschaft diesmal nicht vor der Ost-Tribüne von den Treuesten der Treuen verabschiedet hatte. Hier gab es nach den letzten unrühmlichen und dümmlichen Derby-Vorfällen einige Stadionverbote mehr. Traurig, dass man als Fußballverein seine Anhänger derart maßregeln muss, nur, damit diese zur Räson gelangen. Traurig auch, dass man sich als Ultra vom Verein Auswärtsfahrten und Choreografien bezahlen lässt, anstatt selbst dafür Sorge zu tragen, dem geliebten Klub nicht finanziell ständig auf der Tasche zu liegen. Hier wurde sehr viel Staub aufgewirbelt in der letzten Zeit und man darf gespannt sein, inwieweit sich die Wogen glätten und sinnvolle Dialoge geführt werden, von beiden Seiten.

Für Admira/Wacker wiegt diese Pleite doppelt schwer, denn durch den 2 : 0-Erfolg des SC Wiener Neustadt spüren die Südstädter wieder den Atem des Tabellenletzten im Nacken. Und nachdem Ried und Grödig gewonnen hatten, scheint sich auch hier langsam aber sicher die sportliche Spreu vom Weizen zu trennen, auch, wenngleich die Saison natürlich noch lange ist.

www.fk-austria.at
www.bundesliga.at
www.admirawacker.at

Ein Blick in die Geschichte:

Gesamtbilanz: 232 Spiele / 132 Siege / 31 Remis / 69 Niederlagen – Tore: 546 : 344
Heimbilanz: 116 Spiele / 76 Siege / 12 Remis / 28 Niederlagen – Tore: 297 : 160
Erstes Spiel gegeneinander: 28. 9. 1919 (4 : 2)
Höchster Sieg: 9 : 0 (27. 9. 1947)
Höchste Niederlage: 2 : 9 (8. 6. 1947)

Weitere Fotos vom Spiel:

www.austria80.com/Fotos201415MS16AdmiraH.htm

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