Am Mittwoch, 12. Oktober 1960 begann das Unternehmen Europapokal für den FK Austria Wien (weiße Dress). Zur Premiere empfing man im Wiener Stadion die Wolverhampton Wanderers (schwarze Hosen) aus England und siegte im Hinspiel vor 24.000 Zuschauern mit 2 : 0. Foto: © oepb

„Erste Runde Krankenstand, dann die Oma tot! Überstunden machen wir zur Not! Dann kommt die Kündigung, s*****egal, Austria Wien spielt international! Europapokal …, Europapokal …“

So stimmten sich die Corona-bedingt nur sehr wenig zugelassenen jedoch dafür umso treueren Anhänger und Fans des FK Austria Wien Ende Mai 2021 anhand der beiden gewonnenen Play-Off-Spiele gegen den Wolfsberger AC (3 : 0, 2 : 1) auf das nun neuerlich anstehende Abenteuer Europapokal ein. Und es war oftmals mehr als nur ein Abenteuer, sondern eine illustre Reise durch Europa, die die Austria hier im Laufe ihrer über 110-jährigen Geschichte absolvierte. Und auch, dass es nicht nur eine kurze Rückkehr wird, so wie beispielsweise zuletzt vor zwei Jahren, als man gegen Apollon Limassol zweimal verlor (1 : 2 und 1 : 3) und sofort wieder ausschied, dafür will der FAK morgen, Donnerstag, 22. Juli 2021, 18 Uhr in der heimischen Generali-Arena beim Hinspiel gegen den isländischen Vertreter Breidablik UB Kopavogur sorgen.

Es ist allerdings auch so, dass es in Österreich andere Vereine gibt, deren Europacuptradition länger und regelmäßiger anhält als ebene jene der Austria. Gerade in den letzten Jahren war das Antreten der Veilchen auf Europas Bühne eher sporadisch als beispielsweise noch in den ruhmreichen 1970er und 1980er Jahren bis hinein Mitte der 1990er Jahre, als man regelmäßig international vertreten war. Und dennoch waren die Wiener Violetten in vielerlei Hinsicht Vorreiter in Österreich, was die Vertretung der rot-weiß-roten Farben auf dem internationalen Parkett anlangt.

Ältere Fußballfans werden sich noch mit Freude daran erinnern, wie es war, als Austria Memphis, wie der Klub damals offiziell hieß, in der Saison 1977/78 im Cupsieger-Bewerb mit seinen Primgeigern durch Europa fidelte und erst im Finale am 3. Mai 1978 im Le Parc des Princes zu Paris vom RSC Anderlecht mit 0 : 4 zum Schweigen gebracht wurde. Oder aber im Jahr darauf, als man erneut sehr weit kam und im Semifinale bei Malmö FF mit 0 : 1 ausschied. Ein Tor beim Rückspiel hätte der Austria damals genügt, und man wäre neuerlich im Endspiel, diesmal im Europapokal der Landesmeister – heutige Champions League – gestanden. 1982/83 war eine ähnliche Saison und man musste erst im Halbfinale gegen Real Madrid (2 : 2 und 1 : 3) die Segel streichen, nachdem man in der Runde zuvor den großen CF Barcelona aus dem Bewerb gekickt hatte.

Auch die sehenswerten Auftritte gegen Inter Mailand (1983/84, 2 : 1 und 1 : 1) und gegen englische Teams wie Tottenham Hotspur (1983/84, 0 : 2 und 2 : 2), den FC Liverpool (1984/85, 1 : 1 und 1 : 4) oder Chelsea FC (1994/95, 0 : 0 und 1 : 1) sind in der Erinnerung positiv haften geblieben. Ebenso die Vergleichskämpfe zweimal hintereinander gegen den DDR-Meister Dynamo Berlin (1984/85, 3 : 3 und 2 : 1, sowie 1985/86, 2 : 0 und 2 : 1) und den FC Bayern München (1985/86, 2 : 4 und 3 : 3), sowie 1986/87, 0 : 2 und 1 : 1). Negative Beispiele sind die Matches gegen Bayer 04 Leverkusen (1987/88, 0 : 0 und 1 : 5), den SV Werder Bremen (1989/90, 0 : 5 und 2 : 0), Juventus Turin (1990/91, 0 : 4 und 0 : 4) sowie Arsenal FC (1991/92, 1 : 6 und 1 : 0) anhand dieser Duelle man nicht den Funken einer Chance hatte.

In der jüngeren Geschichte erinnert man sich ebenso gerne an das Spieljahr 2004/05 zurück, als „Die Reise durch Europa“ erst im Viertelfinale gegen den FC Parma „nur“ aufgrund der Auswärtstorregel vorbei war. Oder aber an die Europa-League 2009/10 und 2011/12, anhand dieser die Auftritte im damaligen Franz Horr-Stadion – mit jeweils über 11.000 Besuchern immer restlos ausverkauft – schaurig schön und die Stimmung im engen Rund aus violetter Sicht phänomenal und phantastisch war.

Nicht zu vergessen sind natürlich die drei Heimspiele im Ernst Happel-Stadion in der Champions League-Saison 2013/14 mit dem bis dahin höchsten Sieg eines österreichisches Vertreters in diesem Bewerb, dem 4 : 1 gegen Zenit St. Petersburg.  

In der Trainer-Ära von Thorsten Fink qualifizierte sich der FAK 2015/16 als Dritter und im Jahr darauf als Vize-Meister zweimal in Serie für die Europa-League. Auch hier gab es im Happel-Stadion im Wiener Prater immer wieder sehenswerte Europacup-Abende mit herrlicher Stimmung und guten Auftritten, wenngleich es zweimal nicht zu einem Verbleib über den Winter hinaus in diesem Bewerb gereicht hatte.

Es bleibt also abzuwarten, inwieweit die neue, frische und junge Austria-Mannschaft an diese violette Europacup-Tradition anknüpfen kann. Mit Manfred Schmid steht als Coach jedenfalls ein violettes Urgestein an der Linie, der als Aktiver selbst hautnah miterlebt hat, welche sportlichen Kräfte an magischen Europapokal-Abenden immer wieder freigesetzt werden können.

Violette Europacup-Superlativen

.) FK Austria Wien gg. Benfica Lissabon, (1 : 1), am 31. Oktober 1961

Jene 80.000 Besucher gelten bis heute als die höchste Zuschauerkulisse anhand eines Heimspiels eines österreichischen Vertreters im Europapokal.

.) FK Austria Wien gg. Dynamo Moskau, (2 : 1, 2 : 1 n.V., 5 : 4 Elfmeterschießen) am 12. April 1978

72.000 Zuschauer im ausverkauften Wiener Stadion, nach 1961 stand erstmals wieder ein heimischer Vertreter im Halbfinale des Europacups.

.) FK Austria Wien gg. RSC Anderlecht, (0 : 4) am 3. Mai 1978

Die Wiener Austria stand als erster österreichischer Vertreter in einem Europacup-Finale.

.) FK Austria Wien gg. Malmö FF, (0 : 0), am 11. April 1979

Abermals Europacup-Halbfinale mit violett-weißer Beteiligung. 70.000 Zuschauer im Stadion erleben gute Chancen der Veilchen, aber keine Treffer. Beim Rückspiel (0 : 1) fehlt der Austria ein Tor für das Endspiel.

.) FK Austria Wien gg. Aris Bonneweg, (10 : 0) am 28. September 1983

Dieser Erfolg gilt bis heute als der höchste Sieg einer österreichischen Klubmannschaft im Europapokal, der vielleicht noch höher ausgefallen wäre, hätte Torhüter Friedl Koncilia den verhängten Elfmeter in der 73. Minute beim Stand von 8 : 0 verwandelt. Kollege Claude Birenbaum parierte den Penalty.

.) FC Bayern München gg. FK Austria Wien, (4 : 2) am 23. Oktober 1985

An die 25.000 violette Anhänger begleiteten den FAK-Tross ins Olympiastadion nach München. Nie mehr wieder erfreute sich eine österreichische Mannschaft auswärts an solch einer Unterstützung.

.) FK Austria Wien gg. Dinamo Zagreb, (2 : 3) am 27. August 2013

Eine Niederlage, die Goldes wert war und ein Treffer von Roman Kienast, der Millionen einbrachte und in die Geschichtsbücher einging, denn die Austria qualifizierte sich damit erstmals für die Champions League – Gruppenphase.

.) FAK-Europacup-Bilanz (Stand 21. Juli 2021, gerechnet seit dem ersten Antritt im Herbst 1960)

79 Siege, 62 Unentschieden, 89 Niederlagen. Nicht angeführt in dieser Bilanz ist der Intertoto-Bewerb, der spätere UI-Cup, sowie der Mitropacup, den die Wiener Austria zweimal, nämlich 1933 und 1936 gewonnen hatte.

Der vorerst letzte Heim-Aufritt der Wiener Austria auf der europäischen Bühne datiert vom Donnerstag, 8. August 2019. In der Generali-Arena verlor der FAK vor 8.200 Zuschauern gegen Apollon Limassol mit 1 : 2 und schaffte im Endeffekt die zypriotische Hürde, so wie hier Kapitän Alexander Grünwald anhand dieses Zweikampfes, nicht. Foto: © oepb

Quelle: Redaktion www.oepb.at

Der FK Austria Wien ist Österreichs Rekord-Titelträger.
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