Im Bild von links: FAK-Museums-Kurator Gerhard Kaltenbeck, FAK-AG-Vorstand Mag. Markus Kraetschmer und FAK-Legendenklub-Präsident Felix Gasselich, sowie eine Fan-Abordnung der "Viola Fanatics" am Grab Matthias Sindelars. Foto 1 und 2: Bildagentur Zolles
Im Bild von links: FAK-Museums-Kurator Gerhard Kaltenbeck, FAK-AG-Vorstand Mag. Markus Kraetschmer und FAK-Legendenklub-Präsident Felix Gasselich, sowie eine Fan-Abordnung der “Viola Fanatics” am Grab Matthias Sindelars. Foto 1 und 2: Bildagentur Zolles

Es ist ein besonderer Tag in der Geschichte des österreichischen und des europäischen Fußballs. Heute vor 80 Jahren verstarb mit Matthias Sindelar eine der größten Legenden, die die Austria und das rot-weiß-rote Nationalteam (Österreichisches Wunderteam) je hervorgebracht hatte. „Die Wahrheit liegt auf dem Platz!“ Und da prägte das Spiel der Wiener Austria zu damaligen Zeiten keiner so sehr, wie es eben Matthias Sindelar tat. Der Ruf, auf das schöne, technisch versierte und trickreiche Spiel zu setzen – dieser Ruf eilt auch Sindelar voraus.

Sindelar wurde am 10. Februar 1903 in Kozlau (k.u.k. Monarchie Österreich-Ungarn, heutiges Tschechien) geboren. Er war Mittelstürmer und Kapitän des legendären Wunderteams und wurde mehrfach als bester Fußballer Österreichs des 20. Jahrhunderts bezeichnet. Sindelar wuchs in Wien-Favoriten, seit 1973 Heimatbezirk der Austria, auf. Aufgrund seiner schmächtigen Statur erhielt er den Spitznamen „Der Papierene“. Zu den größten Erfolgen mit den Veilchen zählt mit Sicherheit der zweimalige Gewinn des Mitropapokals 1933 und 1936, mit der ÖFB-Auswahl wurde Sindelar bei der Fußball-Weltmeisterschaft 1934 in Italien Vierter.

Heute gedachte der FK Austria Wien im Rahmen einer Kranz-Niederlegung anlässlich des 80. Todestages ebenso an Matthias Sindelar ...
Heute gedachte der FK Austria Wien im Rahmen einer Kranz-Niederlegung anlässlich des 80. Todestages ebenso an Matthias Sindelar …

Der Tod des begnadeten Technikers am 23. Jänner 1939 – 10 Monate nach dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht in Österreich – gibt noch heute Anlass zu Spekulationen.

Fest steht eines jedoch mit Sicherheit: Vor 80 Jahren verlor der FAK (und auch Österreich) den wahrscheinlich Größten, der das Wappenkleid der Austria je getragen hat. Nicht umsonst wird die Austria beim ersten Heimspiel am 3. März 2019 gegen den TSV Hartberg Matthias Sindelar gedenken.

Heute Vormittag besuchten Austrias AG-Vorstand Markus Kraetschmer, Legenden-Vertreter Felix Gasselich und eine Anhänger-Delegation das Sindelar-Grab am Wiener Zentralfriedhof.

Austria-Museumskurator Gerhard Kaltenbeck verlas dabei folgenden Auszug aus dem Buch Ein Fußballverein aus Wien“:

Es war Montag, der 23. Jänner 1939. Eine erschütternde Nachricht durcheilte die Straßen Wiens.

Der Völkische Beobachter, Ausgabe Wien schrieb:

Der populärste Fußballer des Kontinents, der vergötterte Liebling der Wiener, Matthias Sindelar, war in der Wohnung einer bekannten Wiener Gastwirtin tot aufgefunden worden. Liebesdrama, Doppelselbstmord lauteten die ersten Meldungen, eine Annahme, die aber von allen die Sindelar gekannt haben, mit Entrüstung abgelehnt wurde.  –  Zitat Ende.

Das Ende von Matthias Sindelar war ein tragischer Todesfall, der dem NS-Regime jedoch eine gute Gelegenheit zu einer massenwirksamen Inszenierung bot, in deren Mittelpunkt das Begräbnis stand.

Trotz des hässlichen, regnerischen kalten Wetters hatten sich mehr als zehntausend Menschen vor der Dr. Karl-Lueger Kirche, in der die Einsegnung stattfand, eingefunden. Die Gemeinde Wien widmete ihrem verdienstvollen Sohn ein Ehrengrab, der offizielle Repräsentant der Stadt, Vizebürgermeister Thomas Kozich sprach die Abschiedsworte.

... so wie auch im Jahre 1963 aus Anlass des 60. Geburtstages von Matthias Sindelar dies der damalige Austria-Präsident MedRat Dr. Emanuel Schwarz (links) und Austria-Sekretär Norbert Lopper getan hatten. Foto: Lopper / oepb
so wie auch im Jahre 1963 aus Anlass des 60. Geburtstages von Matthias Sindelar dies der damalige Austria-Präsident Med.-Rat Dr. Emanuel Schwarz (links) und Austria-Sekretär Norbert Lopper getan hatten. Foto: Lopper / oepb

Nach der Einsegnung trat der endlose Zug den Weg zum Grabe an. Vorne marschierten die Spieler der Austria in der Dress. An der Spitze Tormann Rudolf Zöhrer, dann folgten Karl Sesta und Karl Andritz, die einen mächtigen Kranz trugen, dann die anderen Spieler in Spielformation – nur der Platz des Mittelstürmers blieb leer. Auf dem Sarg lagen ein Fußball, die große Liebe Sindis und sein Wappenkleid, die Dress der Austria.

Das Genie des Fußballspiels, die Verkörperung der Wiener Schule wurde zu Grabe getragen. Die zentralen Bezugspunkte Sindelars waren Wien, die Austria, das Wunderteam und der Wiener Fußball.

Das Begräbnis bildete zwar den Höhepunkt der Heldeninszenierung Sindelars im Nationalsozialismus, keineswegs aber das Ende. Auch ein Jahr später standen tausende Menschen in stummer Trauer, ergriffen vor einem einfachen Grab. Auch noch 1944 wurde in den Medien verkündet, dass an seinem Todestag wieder zahlreiche Sportfreunde zur Grabstätte Sindelars pilgern werden, natürlich allen anderen voran die Mitglieder der Austria, um welchen Verein er sich besonders verdient gemacht hat.

Neben seiner fußballerischen Größe wird immer wieder auf seine guten menschlichen Eigenschaften, seine Hilfsbereitschaft für Schwächere und die Jugend und seine Treue für Österreich hingewiesen, obgleich es wahrlich nicht an Versuchen gefehlt hat, ihn in die Fremde zu entführen.

Der berühmte österreichische Autor, Schriftsteller und Feuilletonist Friedrich Torberg (aus seiner Feder stammen unter anderem die Werke wie „Die Tante Jolesch“, „Die Mannschaft“, „Kaffeehaus war überall“, „Der Schüler Gerber“, „Auch das war Wien“, „Mein ist die Rache“, etc.) verfasste in Zürich im Schweizer Exil im Frühjahr 1939 sein später berühmt gewordenes Gedicht auf den verstorbenen Fußballer Matthias Sindelar:

AUF DEN TOD EINES FUSSBALLSPIELERS

Er war ein Kind aus Favoriten und hieß Matthias Sindelar.
Er stand auf grünem Platz inmitten, weil er ein Mittelstürmer war.
 
Er spielte Fußball, und er wusste vom Leben außerdem nicht viel.
Er lebte, weil er leben musste – vom Fußballspiel fürs Fußballspiel.
 
Er spielte Fußball wie kein zweiter, er stak voll Witz und Phantasie.
Er spielte lässig, leicht und heiter, er spielte stets, er kämpfte nie.
 
Er warf den blonden Schopf zur Seite, ließ seinen Herrgott gütig sein,
und stürmte durch die grüne Weite und manchmal bis ins Tor hinein.
 
Es jubelte die Hohe Warte, der Prater und das Stadion,
wenn er den Gegner lächelnd narrte und zog ihm flinken Laufs davon.
 
Bis eines Tages ein andrer Gegner ihm jählings in die Quere trat,
ein fremd und furchtbar überlegener, vor dem’s nicht Regel gab noch Rat.
 
Von einem einzigen harten Tritte fand sich der Spieler Sindelar
verstoßen aus des Planes Mitte – weil das die neue Ordnung war.
 
Ein Weilchen stand er noch daneben, bevor er abging und nach Haus.
Im Fußballspiel, ganz wie im Leben, war’s mit der Wiener Schule aus.
 
Er war gewohnt zu kombinieren, und kombinierte manchen Tag.
Sein Überblick ließ ihn erspüren, dass seine Chance im Gashahn lag.
 
Das Tor, durch das er dann geschritten, lag stumm und dunkel ganz und gar.
Er war ein Kind aus Favoriten und hieß Matthias Sindelar!

Quelle: FAK / oepb

www.austria.wien

www.oefb.at

www.bundesliga.at

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