Die Durchimpfungsrate bei Influenza lag diese Saison zwar weit über dem vorpandemischen Niveau, jedoch deutlich unter jenem des letzten Jahres und weit unter dem für einen Gemeinschaftsschutz notwendigen Wert. Die geringe Inanspruchnahme der Influenza-Impfung könnte aber in den nächsten Jahren problematisch werden, da die Influenza-Saisonen nach Wegfall der pandemischen Kontaktbeschränkungen vermutlich wieder deutlich schwerer ausfallen werden als zuletzt. Der Österreichische Verband der Impfstoffhersteller (ÖVIH) steht daher jederzeit für Gespräche mit der öffentlichen Hand bereit, um Verbesserungen zu erreichen. Auch bei anderen Impfungen wie Masern oder FSME sind die Durchimpfungsraten durch die Pandemie deutlich unter Druck geraten, in vielen Bereichen öffnen sich große Lücken. Eine einfache und rasche individuelle Maßnahme könnte ein Impfpasscheck beim* bei der Ärzt*in oder Apotheker*in sein.

Weniger als 20 Prozent Influenza-Durchimpfungsrate

Während die Angst vor schweren Verläufen und Koinfektionen mit SARS-CoV-2 und Influenza in der Saison 2020/21 eine massive Nachfrage ausgelöst hatte, ist sie diese Saison stark zurückgegangen. Aufgrund der Pandemie und der nur wenigen Gratisangebote beziehungsweise Kassenunterstützungen war die von der WHO geforderte Durchimpfungsrate von 75 Prozent diese Saison außer Reichweite. Sie ist gegenüber letzter Saison sogar noch um mehr als fünf Prozent gesunken und lag diesmal bei rund 17 Prozent. „Zwar ist die Influenza-Saison heuer glimpflich verlaufen“, stellt Dr. Christoph Jandl, Leiter der Arbeitsgruppe Influenza im Österreichischen Verband der Impfstoffhersteller (ÖVIH) fest. „Das hätte aber auch anders ausgehen können und dann wäre auch in der Risikopopulation ein sehr großer Teil nicht vor einem schweren Verlauf geschützt gewesen.“ Expert*innen konnten ja bis zuletzt nicht ausschließen, dass es diesen Winter zu einer Influenza-Welle kommen könnte. Aufgrund der ausgefallenen Influenza-Saison 2020/21 hätte eine solche auch schwerwiegende Folgen haben können – auch durch das gleichzeitige Auftreten mit COVID-19. In den letzten vier Jahren vor dem Auftreten von COVID-19 wurde die Anzahl der Influenza-Todesfälle in Österreich pro Winter auf 834 bis 4.436 geschätzt. Für die Hersteller ist die wechselnde Nachfrage ein Problem: Bei vielen Apotheken und Ärzt*innen liegen noch unverimpfte Bestände, die hohe Vernichtungskosten verursachen. Diese Saison hatte sich nur ein Bundesland zu umfangreicheren Influenzapräventionen entschlossen und ein breit angelegtes kostenloses Impfprogramm angeboten. Aus ÖVIH Sicht wären für die kommenden Saisonen weitere Maßnahmen notwendig, um die Durchimpfungsraten zu erhöhen

Impflücken bei Masern

Impflücken gibt es nicht nur bei Influenza, sondern auch in anderen Indikationen, allerdings ausgehend von einem wesentlich höheren Niveau. Eine davon sind die Masern. Auch hier sah man vor der Pandemie immer wieder Ausbrüche in Österreich, 2019 wurden 151 Masern-Fälle gemeldet. Das Ziel der WHO ist seit Jahren, die Impfungen so weit voranzutreiben, dass die Masern endgültig ausgerottet werden können. Notwendig dafür ist eine Durchimpfungsrate von 95 % mit zwei Dosen eines Lebendimpfstoffes. 2019 hat sich hinsichtlich Erwachsenen-Nachholimpfungen schon einiges getan, 2020 hat sich dieser Trend allerdings nicht mehr fortgesetzt. „Diese Daten zeigen, dass wir auch bei den Masern weiter daran arbeiten müssen, die Durchimpfungsraten sowohl im Kinder- als auch im Erwachsenenbereich zu erhöhen, um das WHO-Ziel und damit eine mögliche Elimination der Masern zu erreichen“, stellt Mag.a Sigrid Haslinger, Vizepräsidentin des ÖVIH, fest.

Bei den wichtigen Basisimpfungen gegen Diphtherie, Tetanus, Poliomyelitis und Keuchhusten sind die Impfraten ebenfalls deutlich gesunken. Die Rückgänge bei den Impfraten und damit dem Schutz liegen klar im zweistelligen Bereich, genaue Zahlen sind hier allerdings nicht bekannt. Besonders problematisch sind die ausgefallenen Schulimpfungen. „Sie werden ohne besondere Anstrengungen nicht aufzuholen sein“, fürchtet Haslinger

Keine Herdenimmunität, wichtiger Individualschutz bei FSME

Gerade jetzt sollten die Menschen neben den Basisimpfungen auch wieder an den Schutz vor FSME denken. In diesem Fall kann aufgrund des Übertragungsweges von Tier zu Mensch zwar keine Herdenimmunität erreicht werden und auch eine Ausrottung ist nicht möglich, ein individueller Schutz durch Grundimmunisierung und regelmäßige Auffrischung dagegen schon. Die Auffrischungen sind notwendig, um weiterhin den hohen Schutz von 97 Prozent zu haben. Leider nehmen viele Menschen in Österreich diese nicht ganz so genau. Gerade jetzt sollte aber jede*r wieder daran denken, wenn die Tage länger und wärmer werden und sich Zecke und Mensch wieder gerne im Freien aufhalten. Wer verpasste Auffrischungen nachholen muss, muss sich übrigens keine Sorgen machen: Auch wenn die letzte Impfung schon zurück liegt, genügt ein Stich, um wieder den vollen Impfschutz zu erreichen.

Über den ÖVIH

Der Österreichische Verband der Impfstoffhersteller ist die Plattform der in Österreich tätigen Unternehmen, die Impfstoffe für alle Altersgruppen herstellen und vertreiben. Der ÖVIH orientiert sich dabei an den Zielen und der Mission des europäischen Dachverbandes Vaccines Europe (eine Working Group der European Federation of Pharmaceutical Industries and Associations / EFPIA). Die Mitglieder des ÖVIH in alphabetischer Reihung: AstraZeneca, Janssen, Moderna, MSD, Pfizer, Sanofi Pasteur, Valneva, Viatris.

Quelle: FINE FACTS Health Communication / Foto: © Pixabay

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