Vitrine 1: Über das Ordnen. Foto: © NHM Wien, Christina Rittmannsperger

Seit mehr als 270 Jahren eröffnen die Sammlungen des Naturhistorischen Museums Wien / NHM immer wieder neue Blickwinkel auf die Natur- und Kulturgeschichte. In zwei großräumigen Vitrinen am Stiegenaufgang zum neuen Deck 50 wird ab nun die reichhaltige Geschichte des Museums am Wandel zweier Kernaufgaben des Hauses und anhand der historischen Entwicklung von „Ordnung“ und „Anschauung“ neu erzählt. 

Vitrine 1: Über das Ordnen. Foto: © NHM Wien, Christina Rittmannsperger

Ordnen ist das Grundprinzip des Sammelns. Sammlungen sind die Basis, um unsere Welt einem Ordnungsprinzip zu unterwerfen. Ordnen ist die Voraussetzung für wissenschaftliches Durchdringen der Welt. Identifizieren, Unterscheiden, Vergleichen und In-Beziehung-Setzen sind nicht nur die Methoden unseres Denkens, sondern auch Ordnungsprinzipien musealer Sammlungen. Bedeutungszuweisung schafft Kategorien, die sich im Lauf der Geschichte gewandelt haben. 

Als Bildungs- und Forschungseinrichtung hat sich das NHM Wien der Veranschaulichung von Wissenschaft verschrieben. Schon für die Kunst- und Wunderkammern des 16. Jahrhunderts, auf die einige Objekte des NHM zurückgehen, gingen das Sammeln von Objekten und die Produktion von Bildern Hand in Hand. Ihre Ordnungsprinzipien unterscheiden sich jedoch grundlegend von unserem heutigen wissenschaftlichen Denken. Unter dem Einfluss des schwedischen Naturforschers Carl von Linné wurden ab dem 18. Jahrhundert nicht nur die Sammlungen, sondern auch Darstellungsmittel wie Farbe standardisiert. 

Die Forschungsreisen des 19. Jahrhunderts machten bis dahin unbekannte, als fremd empfundene Welten zugänglich – nicht nur durch Objekte, sondern ebenso durch Bilder. Auch die künstlerische Ausgestaltung des NHM Wien liegt in der „Seh-Sucht“ des 19. Jahrhunderts begründet. Die Gemälde in den Sälen spiegeln das damalige Weltbild wider. Gleichzeitig prägten sie aber auch die Wahrnehmung der Besucher*innen.

Seit Eröffnung des Museums im Jahr 1889 sind die wissenschaftlichen Darstellungsmöglichkeiten rasant vorangeschritten. Heute gestatten moderne Technologien wie 3D-Visualisierungen im Mikrobereich faszinierende Einblicke in Zusammenhänge und Details.

Die beiden neu gestalteten Vitrinen veranschaulichen diese historischen Entwicklungen und präsentieren einige Objekte als Beispiele der verschiedenen Zeitabschnitte des Sammelns und Präsentierens von Natur.

Vitrine 2: Über die Anschauung. Foto: © NHM Wien, Christina Rittmannsperger


Vitrine 1:

„Sammeln ist das ordnende Durchdringen der Welt.“ 

(André Breton 1896-1966, franz. Schriftsteller, Dichter und Sammler)

Themen:

Schönheit als Ordnungsprinzip

Die Kunst- und Wunderkammern des 16. Jahrhunderts waren keineswegs nur Ansammlungen von Kuriositäten. Sie spiegeln die Sehnsucht der damaligen Gelehrten nach einer Ordnung der Natur, der Welt und des Wissens wider.

Die ganze Welt in einer Sammlung

Dies war der Traum vieler Monarchen. Franz I. Stephan von Lothringen kaufte 1748 die Sammlung des Florentiner Gelehrten Johann von Baillou und ließ sie in der Hofburg aufstellen.

Zur Bildung des Volkes

Maria Theresia machte die Sammlungen ihres Gemahls Franz I. Stephans von Lothringen nach dessen Tod 1765 öffentlich zugänglich. Auf diese Weise entstand das erste „staatliche“ Museum in Wien.

Das Ordnen der Welt

Die wissenschaftlichen Expeditionen des 19. Jahrhunderts sollten die letzten weißen Flecken der Erde erforschen und vermessen. Auch die Weltumsegelung der österreichischen Fregatte Novara (1857 -1859) hatte das Ziel, die gesamte Welt zu besammeln und zu dokumentieren.

Evolutionstheorie – eine neue Ordnung

Ferdinand von Hochstetter, der erste Intendant des Naturhistorischen Museums Wien, war einer der frühen Anhänger von Charles Darwin. Er erhob Darwins damals noch umstrittene Evolutionstheorie zum Leitmotiv des neuen Museums.

Gefährliche Irrwege

Das nationalsozialistische Regime verzerrte und missbrauchte die Ordnungssysteme von Forschungsdisziplinen (vor allem der Anthropologie), um die nationalsozialistischen Verbrechen durch scheinbar wissenschaftliche Argumente zu begründen.

Verwandtschaft als Ordnungsprinzip

Die Erkenntnisse der Zell- und Molekularbiologie im 20. Jahrhundert waren die Basis für den Forschungszweig „Evolutionsgenetik“. Ein Meilenstein auf diesem Weg war die Entschlüsselung des genetischen Codes.

Über das Ordnen im Detail. Foto: © NHM Wien, Christina Rittmannsperger

Vitrine 2:

„Die gefährlichste aller Weltanschauungen ist die Weltanschauung der Leute, welche die Welt nicht angeschaut haben.“ 

(Alexander von Humboldt 1769–1859, Forschungsreisender)

Themen:

Das Unbekannte sichtbar machen

Ab dem 14. Jahrhundert ließen Adelige in Europa repräsentative Sammlungen zusammentragen. Diese Sammlungen umfassten neben Naturalien auch Kunstgegenstände und Artefakte.

Echtheit oder Künstlichkeit?

Ab dem 16. Jahrhundert begann sich der Blick für Details zu schärfen. Kleine Lebewesen wie Insekten rückten in den Mittelpunkt des wissenschaftlichen Interesses.

Der „systematische Blick“

Carl von Linnés Werke Species Plantarum und Systema Naturae begründeten 1753/1758 die bis heute verwendete und einzig gültige wissenschaftliche Namensgebung in der Biologie. Damit veränderte sich die Wahrnehmung der Natur völlig.

Unzugängliche Welten

Private Forschungsreisende und offizielle Expeditionen öffneten im 19. Jahrhundert den Blick in bis dahin unbekannte Welten. Daher wuchs der Wunsch, sich neue Bereiche auch bildlich anzueignen.

Ein bebildertes Lehrbuch

Ferdinand von Hochstetter war der erste Intendant des neuen Naturhistorischen Museums an der Ringstraße. Er sah es als eine Art begehbares, reich bebildertes „Lehrbuch“ für alle Interessierten.

Vom Mikro-CT zum 3D-Druck

Seit dem 20. Jahrhundert dringt der forschende Blick bis in die kleinsten Strukturen vor. Diese Strukturen können mit immer feineren Methoden sichtbar gemacht werden.

Über die Anschauung im Detail. Foto: © NHM Wien, Christina Rittmannsperger

www.facebook.com/Naturhistorisches.Museum.Wien

Quelle: NHM / Naturhistorisches Museum Wien

Lesen Sie noch mehr über das Naturhistorische Museum bei uns bitte hier;

www.nhm-wien.ac.at

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