Der höchste Bundesligasieg aller Zeiten ereignete sich am 29. April 1978 im Düsseldorfer Rheinstadion zwischen dem VfL Borussia Mönchengladbach und Borussia Dortmund. Genützt hatte dieser Erfolg nichts, Deutscher Meister 1977/78 wurde der 1. FC Köln. Foto: oepb 

Es gab Saisonen und Spielzeiten, in denen der FC Bayern München nichts mit der Titelvergabe im Deutschen Klubfußball zu tun hatte und – ganz im Gegensatz zu heute – man an der Säbener Straße nur sehr kleinlaut agierte. 1977/78 war so ein Spieljahr, die Deutsche Meisterschaft schnapsten sich andere Vereine aus. Der 1. FC Köln zum Beispiel, den man allerdings vor der Saison nicht zu den Titelfavoriten zählen konnte. Die Rheinländer hatten sich nicht verstärkt und auch der Ausstieg von Vereins-Ikone und Fußball-Weltmeister 1974 Wolfgang Overath, der sich mit seinem Trainer Hennes Weisweiler verworfen hatte, schien nicht gerade förderlich für einen etwaigen sportlichen Erfolg in Müngersdorf zu sein.

Am Niederrhein sah die Sachlage anders aus. Der VfL Borussia Mönchengladbach war nicht nur der Titelverteidiger, man holte zuvor drei Meisterschaften in Serie. Mit gezielten Verstärkungen wie beispielsweise Winfried Schäfer vom Karlsruher SC hatte man das Ziel vor Augen, als erster Verein im Deutschen Profifußball viermal in Serie Deutscher Meister zu werden.

Aber auch in Gelsenkirchen beim Vizemeister 1976/77 FC Schalke 04, bei der Frankfurter Eintracht mit Aushängeschild Jürgen Grabowski und last but not least in Hamburg wurden Titelträume gelebt. Schließlich gelang es den Hanseaten, Kevin Keegan vom FC Liverpool an die Alster zum Hamburger SV zu lotsen. Darüber hinaus kehrte auch Paul Breitner von Real Madrid nach Deutschland zurück. Aber nicht zum FC Bayern, sondern zu Eintracht Braunschweig, dem Bundesliga-Dritten von 1976/77.

Ohne Overath kein Erfolg

Die Kölner Fans jammerten bereits vor dem 1. Spieltag, dass sie ihrem Team in diesem Jahr nichts zutrauen würden. Diese Trübsal-Blaserei wurde nach dem 1. Spieltag und einem 1 : 5 gegen Fortuna Düsseldorf natürlich noch weiter angeheizt. Doch siehe da, am 4. Spieltag und nach einem 3 : 0-Triumph in München steht der FC plötzlich an der Tabellenspitze. Nach dem 5. Spieltag folgte eine Serie von drei Niederlagen und der „Geißbock“ lag am Boden – um alsbald schon wieder aufzustehen.

Favoriten brechen weg

Die Schalker, wochenlang gleichauf mit den Kölnern, brachen ein. Die Bayern agierten in jenem Jahr unterirdisch – wie man heute wohl dazu sagen würde – der HSV mit seinem Superstar Kevin Keegan kam auch nicht so richtig in Fahrt, die Frankfurter dümpelten im Mittelmaß herum, sodass sich summa summarum ein Zweikampf zwischen dem Titelträger aus Gladbach und dem 1. FC Köln herauskristallisierte. Und dieser Zweikampf, an manchen Spieltagen von Fortuna Düsseldorf, Hertha BSC Berlin und dem VfB Stuttgart begleitet, hielt bis zum Schluss an, ehe am 33. und vorletzten Spieltag folgende Konstellation feststand:

Leader waren die Kölner mit 46 : 20 Punkten und einer Tordifferenz von + 40. Dahinter punktegleich der noch immer regierende Deutsche Meister aus Gladbach mit der gleichen Punkteausbeute und einer Tordifferenz von + 30. Die Entscheidung fiel am letzten Spieltag;

Großes Finale am Samstag, 29. April 1978

Der VfL Borussia Mönchengladbach, der 1977/78 bereits ein paar Heimspiele nicht am heimischen Bökelberg sondern im Rheinstadion zu Düsseldorf ausgetragen hatte, lud auch anhand des letzten Heimspieles in die Hauptstadt des Bundeslandes Nordrhein-Westfalen. Gegner war Borussia Dortmund. Und der 1. FC Köln musste im Hamburger Volksparkstadion gegen den FC St. Pauli antreten. „Wir kämpfen auf Biegen und Brechen!“, versprach Dortmunds Trainer Otto Rehagel seinem Lehrherrn Hennes Weisweiler. Doch dies stellte sich als hohle Phrase heraus, denn am 29. April 1978 um 16.15 Uhr stand es in Hamburg „nur“ 1 : 0 für die „Geißböcke“, während die „Fohlen“ aus Gadbach in Düsseldorf gegen den BVB zur Halbzeitpause bereits mit 6 : 0 in Front lagen. Die Tordifferenz spielte in der zweiten Hälfte eine gehörige Rolle in diesem „Grande Finale“. Und die Tormaschinerie der Gladbacher, sie rollte unaufhörlich weiter. Mit sage und schreibe 12 : 0 wurde der Namensvetter Borussia Dortmund in sämtliche Einzelteile zerlegt. Der Sieg in dieser Höhe hätte für die vierte gewonnene Meisterschaft en suite genügt. Doch der FC aus der Domstadt hielt an der Elbe im hohen Norden dagegen. Das Tabellenschlusslicht und bereits feststehende Absteiger FC St. Pauli war keine allzu große Hürde mehr. Vier Treffer gelangen den Kölnern auch noch in Halbzeit Zwei. Am Ende trennten den neuen deutschen Fußballmeister 1. FC Köln und den entthronten Vizemeister Borussia Mönchengladbach lediglich drei Tore.

Schiebungsgerüchte machten sich breit

Der Kölner Herbert Neumann brachte seine Ansicht auf den Punkt: „Der Larifari-Fußball der Dortmunder hätte uns beinahe den Titel gekostet. Bei einem 2 : 0 von uns wäre Gladbach Meister geworden!“ In der Braustadt ließ man diese Kritik nicht auf sich sitzen. Um jedwedem Manipulationsverdacht Einhalt zu gebieten, wurde jeder Akteur zu einer Geldstrafe von 2.000 DM verdonnert, sowie der Coach Otto Rehagel vor die Tür gesetzt. Der unglückliche BVB-Keeper Peter Endrulat bestritt nie mehr wieder ein Bundesligaspiel.

Dortmund und die Torflut

Borussia Dortmund war viermal an derartigen Torfestivals beteiligt. Neben dieser sportlichen Bankrotterklärung am 29. April 1978 gab es bereits zuvor, 1971/72 bei den Bayern ein 1 : 11. Umgekehrt verlief es 1963/64: da gewann der BVB gegen den 1. FC Kaiserslautern mit 9 : 3. Und 1982/83 gab es gegen Arminia Bielefeld ein 11 : 1 aus BVB-Sicht.

So blieb den Gladbachern nur der „Triumph“ des höchsten Bundesligasieges aller Zeiten. Berti Vogts wurde zum Bundesligaspieler der Saison 1977/78 gewählt, nach der DFB-Niederlage in Cordoba gegen Österreich am 21. Juni 1978, bei dem Vogts ein Eigentor „gelang“ war seine Laufbahn in der Nationalmannschaft nach 96 Länderspielen vorbei. Und der fünffache Torschütze an jenem Tag, Jupp Heynckes beendete seine Laufbahn, um fortan Trainer zu werden. Ein sehr erfolgreicher, wie die Geschichte beweisen sollte.

Weder Gladbach noch Köln holten jemals wieder die Deutsche Meisterschaft. Und auch einen 12 : 0-Triumph gab es seit dem 29. April 1978 – bis heute – nie mehr wieder.

Quelle: oepb

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