Auf Österreichs Haus- und Immobilieneigentümerinnen und -eigentümer dürfte in den nächsten Jahren je nach Alter und Beschaffenheit des Gebäudes eine massive Kostenlawine zurollen, deren Umfang derzeit noch nicht einmal annähernd abschätzbar ist. Grund dafür ist die geplante Verschärfung der EU-Gebäuderichtlinie (EPBD Energy performance of buildings directive), die im März 2023 vom EU-Parlament mehrheitlich angenommen wurde und sich mit der Energieeffizienz von Gebäuden beschäftigt.

Auch wenn die Verschärfung mit den EU-Mitgliedsländern noch verhandelt werden muss, so steht fest: Gerade die Eigentümerinnen und Eigentümer älterer und nicht wirklich energieeffizienter Gebäude müssen sich auf große finanzielle Investitionen einstellen, damit ihre Gebäude spätestens ab 2033, also in zehn Jahren, den vorgeschlagenen Verschärfungen entsprechen. Bei der EPBD handelt es sich um eine rahmengebende Richtlinie, die den Mitgliedstaaten Spielräume und Fristen bei der Umsetzung in nationales Recht lässt. Wann sie schlussendlich wirklich in Kraft tritt, ist also noch offen.

Im Auge hat die neue EU-Gebäuderichtlinie alle – zumeist älteren – Gebäude mit den schlechten Energieeffizienzklassen F und G, für die de facto verpflichtende Sanierungen vorgesehen sind. Unter die Klassen F und G fallen zum Beispiel viele Gebäude aus den 1980er-Jahren. Die zu novellierende Richtlinie sieht nämlich vor, dass alle Wohngebäude und dazugehörende Gebäudeteile in der EU nach dem 1. Jänner 2030 mindestens die Klasse F und nach dem 1. Jänner 2033 mindestens die Klasse E haben müssen. Ermittelt wird die Energieeffizienzklasse durch die Erstellung eines Energieausweises.

Branchenexperten, wie Markus Hagen von der Vorarlberger Hauseigentümervereinigung VEV, befürchten, dass viele ältere Menschen, die eine betroffene Immobilie ihr Eigen nennen und selbst bewohnen, die vorgeschriebenen Investitionen trotz vorgesehener Förderungen nicht werden stemmen können. „Also entweder verkaufen sie die Immobilie oder aber sie landen in der Armutsfalle, weil Fenster- oder Fassadensanierungen mit 100.000 Euro oder mehr zu Buche schlagen“, warnt Hagen. Das werde zu einer Immobilienschwemme am Markt führen, da sich viele Personen Investitionen in derartiger Höhe innerhalb weniger Jahre nicht leisten können. „Darüber freuen sich finanzkräftige Investoren, die solche Immobilien dann zum Schnäppchenpreis aufkaufen.“

Wer nicht verkaufen wolle, der könne ohne Investitionen aber möglicherweise auch nicht vermieten, da das Gebäude die energetischen Vorgaben nicht erfüllt. Im schlimmsten Fall könnte zukünftig sogar ein Benutzungsverbot für solche Häuser kommen, was wiederum den Leerstand fördern würde. „Hier ist der Gesetzgeber gefordert, Regelungen zu schaffen, dass es keinesfalls soweit kommen darf, nur weil Energiestandards nicht erfüllt werden“, verlangt Markus Hagen.

Foto: © Pixabay

www.energy.ec.europa.eu

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