Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten im März 1938 in Österreich wurde auch der grauenhafte Versuch gestartet, das jüdische Leben hierzulande komplett auszurotten. Diffamierungen, Beleidigungen und Kränkungen waren der Anfang, Enteignung, Vertreibung und Ermordung das beinahe völlige Ende der jahrhundertelang angestammten jüdischen Bevölkerung von und in Österreich. Die Stadt Salzburg brüstete sich, als erste österreichische Metropole komplett „judenfrei“ zu sein. Im Bild wird eine jüdische Frau in Wien zum Abwaschen von Parolen für die Schuschnigg-Volksabstimmung gezwungen. Foto: © ÖNB

Nach einem erfolgreichen ersten „Aktionstag“ im Vorjahr weitet das Haus der Geschichte Österreich / hdgö das Programmangebot deutlich aus und startete die „Aktionswoche gegen Antisemitismus“. Workshops, Gespräche, Vorträge, Diskussionen und Führungen gegen Antisemitismus warten bis 11. November 2022 auf Jugendliche und erwachsene Besucher*innen. Eröffnet wurde die Woche durch IKG-Vizepräsidentin Claudia Prutscher und hdgö-Direktorin Monika Sommer. Auch international setzt das hdgö auf aktive Aufklärung zum Holocaust: Die hdgö-Ausstellung „Das Wiener Modell der Radikalisierung. Österreich und die Shoah“ eröffnet am 10. November in London.

Antisemitische Vorfälle, Holocaust-Relativierungen und Verschwörungserzählungen haben im Umfeld der Corona-Proteste Auftrieb erhalten. Das hdgö als Bildungsort setzt ein Zeichen gegen diese Entwicklung und veranstaltet in Zusammenarbeit mit dem OeAD-Programm erinnern.at und LIKRATeine Aktionswoche gegen Antisemitismus, die durch Claudia Prutscher, Vizepräsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde und hdgö-Direktorin Monika Sommer eröffnet wurde. Die verschiedenen Formen und Funktionen von Antisemitismus sowie ihre Auswirkungen für Betroffene zu kennen, ist ein wichtiger Pfeiler in der Prävention. Bis 11. November gibt es daher volles Programm im hdgö.
 
hdgö-Direktorin Monika Sommer erklärt die Motivation, diese Woche zu veranstalten: „Antisemitismus darf in Österreich keinen Platz haben, doch er ist latent – und öfters sogar ganz offensiv – vorhanden. Österreich hat eine historische Verantwortung, dagegen vorzugehen und unser Museum will dazu einen Beitrag leisten: Denn Wissen schafft Bewusstsein, daran arbeiten wir mit unserem Angebot Tag für Tag. Mit dieser Aktionswoche, die rund um das historische Datum der Novemberpogrome 1938 stattfindet, wirken wir aktuellen Verschwörungstheorien entgegen und gehen aktiv gegen Vorurteile vor. Das soll auch alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer ermutigen, zu agieren statt wegzuschauen oder wegzuhören und gegen Antisemitismus Position zu beziehen.“

IKG-Vizepräsidentin Claudia Prutscher (links) und hdgö-Direktorin Monika Sommer eröffneten die „Aktionswoche gegen Antisemitismus“ im Haus der Geschichte Österreich. Foto: © eSeL.at – Lorenz Seidler / hdgö

Die Israelitische Kultusgemeinde ist mit dem LIKRAT-Programm für Jugendliche ein Partner der Aktionswoche gegen Antisemitismus. „Stereotypische Vorurteile abzubauen ist eine wichtige Voraussetzung, um Antisemitismus vorzubeugen. Genau das ist das Ziel von LIKRAT, ein Programm, in dem ausgebildete jüdische Jugendliche den Dialog mit Gleichaltrigen suchen und offen über das Judentum sprechen. Fragen und Diskussionen sind ausdrücklich erwünscht. Wir freuen uns, im Rahmen der Aktionswoche gemeinsam mit dem Haus der Geschichte Österreich neue Einblicke zu geben und den offenen Austausch zu fördern“, sagte IKG-Vizepräsidentin Claudia Prutscher im Rahmen der Eröffnung.

Das Programm im Überblick

Für Schulklassen stehen zwei verschiedene Workshops zur Auswahl: „Fragmente der Erinnerung – Biographische Auseinandersetzungen mit dem Nationalsozialismus“ und der vom hdgö-Vermittlungsteam eigens für die Aktionswoche konzipierte Workshop „Antisemitismus in Geschichte und Gegenwart“. Während der Aktionswoche werden diese mit einer LIKRAT-Begegnung vor oder nach dem Workshop kombiniert. Jeweils zwei ausgebildete jüdische Jugendliche sprechen dabei mit den Jugendgruppen über ihr persönliches Judentum.
 
Weiters stehen Fokus- und Kuratorenführungen, zwei breit besetzte Diskussionsrunden – in Zusammenarbeit mit dem OeAD-Porgramm erinnern.at „Mit Bildung gegen Antisemitismus – aber wie? Strategien und Herausforderungen der antisemitismuskritischen Bildungsarbeit“ am 8. November (Restplätze frei, Anmeldung hier) und in Kooperation mit der IKG „Wie gedenken wir morgen? ZeitzeugInnen und jüdische Jugend- und Studierendenorganisationen im Gespräch“ am 9. November – sowie eine #nachgefragt-Veranstaltung am 10. November auf dem Programm. Details sind auf der hdgö-Webseite abrufbar, wo auch Plätze online reserviert werden können.

Für ein „Niemals wieder“ stellt das hdgö auch viele digitale Inhalte auf seiner Webseite bereit. Auch mit seinen Ausstellungen mobilisiert das hdgö aktiv gegen Antisemitismus – national wie international: Die hochgelobte hdgö-Schau „Das Wiener Modell der Radikalisierung. Österreich und die Shoah“, die in den vergangenen zwölf Monaten am Heldenplatz, in Floridsdorf und zuletzt in Budapest zu sehen war, eröffnet am 10. November in Kooperation mit dem Österreichischen Kulturforum in der Wiener Holocaust Library in London. Nähere Informationen sind bitte hier abrufbar.

www.facebook.com/hdgoe

Quelle: Haus der Geschichte Österreich / HdGÖ

Weitere HdGÖ-Artikel finden Sie bei uns bitte hier;

Das Haus der Geschichte Österreich (HdGÖ)  

Das Haus der Geschichte Österreich ist das erste zeitgeschichtliche Museum der Republik und organisatorisch an die Österreichische Nationalbibliothek angebunden. Angesiedelt am geschichtsträchtigen Heldenplatz in der Neuen Burg, bietet das HdGÖ in seinen Ausstellungen Einblicke in die wichtigsten politischen, gesellschaftlichen, kulturellen und wirtschaftlichen Entwicklungen des letzten Jahrhunderts bis ins Heute. Außergewöhnliche Objekte, teils noch nie gezeigte Dokumente und interaktive Medienstationen machen Zeitgeschichte für Klein und Groß erlebbar – in historischen Räumen mit zeitgemäßer Architektur und Gestaltung.  Viele Fragen und Themen der österreichischen Zeitgeschichte mit Blick auf Gegenwart und Zukunft werden in Themenführungen, Workshops und Veranstaltungen diskutiert. Für alle, die unterwegs oder zu Hause neugierig auf Geschichte sind: Eigene Web-Ausstellungen, aktuelle Schwerpunktthemen und interaktive Bildersammlungen bieten unter www.hdgoe.at immer wieder Neues aus der Vergangenheit.

Back to Top