
Die Musiksammlung der Österreichischen Nationalbibliothek feiert 2026 ihr 200-jähriges Bestehen. Sie bewahrt Originalhandschriften von Weltrang, erschließt musikalische Schätze der letzten 900 Jahre und macht Musikgeschichte zugänglich – digital, im Lesesaal des Palais Mollard und bei Jubiläumsmusiksalons im Herbst 2026.
Die Musiksammlung der Österreichischen Nationalbibliothek bewahrt das musikalische Gedächtnis Österreichs. Die Originalhandschriften von Mozarts Requiem, Haydns Kaiserhymne, Beethovens Violinkonzert, die Nachlässe von Anton Bruckner und Alban Berg: Es sind solche bedeutenden Objekte, die den weltweiten Ruf der Musiksammlung der Österreichischen Nationalbibliothek als eine der herausragendsten Sammlungen ihrer Art prägen. Aber sie ist weit mehr als ein „Best of“ der österreichischen Musikgeschichte: Ihre umfangreichen Bestände dokumentieren viele Jahrhunderte des österreichischen Musiklebens auf vielfältige Art – und auch heute noch sammelt sie Musik der Gegenwart für die Generationen von morgen.

© Österreichische Nationalbibliothek (Bildquelle)
Ihre Bestände umfassen rund 60.000 Musikhandschriften, 130.000 Musikdrucke, 80.000 Titel musikwissenschaftlicher Literatur und 22.000 audiovisuelle Medien. Über 400 Nachlässe und Sammlungen von Komponist*innen, Interpret*innen und Wissenschafter*innen dokumentieren darüber hinaus das musikalische Schaffen und Wirken von tragenden Akteur*innen des österreichischen Musiklebens.
200 Jahre Sammlungsgeschichte
Moriz Graf von Dietrichstein, Präfekt der damaligen Hofbibliothek und begeisterter Musikliebhaber, stellte 1826 den Antrag, 47 großformatige Musikhandschriften des Hofmusikarchivs in die Hofbibliothek zu überstellen. Er wollte mit ihnen die Musikbestände der Hofbibliothek ergänzen, um sie für die Öffentlichkeit besser nutzbar zu machen. Dieser Vorgang markiert die Geburtsstunde einer eigenständigen musikalischen Sondersammlung der Hofbibliothek – der Vorgängerin der heutigen Österreichischen Nationalbibliothek.
Neben den von Dietrichstein nicht näher bezeichneten 47 „Folianten“ fordert er in seinem Schreiben auch die Partitur der Oper Giunio Bruto an. Diese Gemeinschaftsarbeit von Carlo Francesco Cesarini, Antonio Caldara und Alessandro Scarlatti aus dem Jahr 1711 ist der einzige Band, den er beim Namen nennt – vielleicht wegen seiner besonderen Schönheit aufgrund der „vielen Handzeichnungen von Decorationen“. Das für Kaiser Joseph I. entstandene Werk wurde zu dessen Lebzeiten nicht aufgeführt. Heute steht es selbst im Mittelpunkt eines besonderen Jubiläumskonzerts.

© Österreichische Nationalbibliothek (Bildquelle)
Ein musikalischer Schatz, der allen offen steht
Die Musiksammlung ist im Palais Mollard in der Wiener Herrengasse beheimatet. Generaldirektorin Mag. Michaela Mayr, MSc: „Die vielfältigen und beeindruckenden Bestände der Musiksammlung stehen allen offen. In einem eigenen Lesesaal können diese Bestände täglich genutzt werden, digital sind große Teile davon weltweit zugänglich. So ermöglichen wir es, Originale zu erforschen, Quellen neu zu erschließen und historische Bestände immer wieder neu für das Musikleben der Gegenwart zu entdecken. Mit unserer Konzertreihe „Musiksalon“ bringen wir dieses musikalische Erbe zudem regelmäßig zum Klingen.“

© Österreichische Nationalbibliothek (Bildquelle)
Jubiläumsmusiksalons machen historische und aktuelle Musikgeschichte hörbar
Mit besonderen Musiksalons im Herbst 2026 feiert die Österreichische Nationalbibliothek das Jubiläum gemeinsam mit renommierten Partnerinstitutionen. Die moderierten Konzerte spannen einen Bogen von der frühen Neuzeit bis zum zeitgenössischen Komponieren.
Die Musiksammlung ist nicht nur ein historisches Archiv, sondern in stetem Austausch mit der zeitgenössischen Musikszene. Daher widmet sich der Musiksalon am 11. November 2026 dem Verhältnis von musikalischem Erbe und Gegenwart. Gemeinsam mit dem Musikverlag Universal Edition hat die Österreichische Nationalbibliothek Komponist*innen eingeladen, neue Werke mit Bezug zu ihren Beständen und Aufgaben einzureichen. Das Chaos String Quartet spielt das entstandene Programm aus Uraufführungen und österreichischen Erstaufführungen als Teil des Festivals „Wien Modern“.
Als Höhepunkt folgen am 9. Dezember 2026 in einem konzertanten Opernabend Auszüge aus der Oper „Giunio Bruto“ in Kooperation mit dem Institut für Alte Musik der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien unter Leitung von Stefan Gottfried. Diese selten gespielte Barockoper, an der unter anderem Antonio Caldara und Alessandro Scarlatti beteiligt waren, führt unmittelbar an den Anfang der Sammlungsgeschichte zurück. Der Abend bietet die seltene Gelegenheit, dieses außergewöhnliche Gemeinschaftswerk kennzulernen und die überaus kunstvoll gestaltete Partitur zu sehen, die Moriz Graf von Dietrichstein 1826 vor dem Verfall bewahren wollte.

© Österreichische Nationalbibliothek (Bildquelle)
Die Musiksalons im Palais Mollard können bei freiem Eintritt besucht werden.
Mit ihrem Jubiläumsprogramm zeigt die Musiksammlung der Österreichischen Nationalbibliothek, wie lebendig 200 Jahre Sammlungsgeschichte sein können: in einzigartigen Originalen, in der wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit ihnen und vor allem in der Musik, die immer wieder neu aus ihnen erklingt.
Die Österreichische Nationalbibliothek – ein lebendiges Gedächtnis der Kultur
Die Österreichische Nationalbibliothek zählt zu den bedeutendsten Gedächtnisinstitutionen des Landes und blickt auf eine jahrhundertelange Geschichte zurück. Als zentrale wissenschaftliche Bibliothek Österreichs bewahrt sie Millionen wertvoller Dokumente, darunter historische Handschriften, Bücher, Karten, Fotografien und musikalische Kostbarkeiten. Ihre Sammlungen spiegeln nicht nur die kulturelle und wissenschaftliche Entwicklung Österreichs wider, sondern dokumentieren auch das geistige Erbe Europas. Durch Ausstellungen, Forschung, Digitalisierung und öffentliche Veranstaltungen macht die Nationalbibliothek ihre einzigartigen Bestände einem breiten Publikum zugänglich. Sie verbindet damit auf eindrucksvolle Weise die Bewahrung historischer Schätze mit dem lebendigen kulturellen Austausch der Gegenwart.
Quelle und Foto: Österreichische Nationalbibliothek / ÖNB
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