Der 1. Simmeringer SC in der Saison 1913/14. Im Bild von links: Johann Pacista, Jakob Swatosch, Friedrich Maly, Viktor Götz, Thomas Riedl, Gustav Roscher, Ferdinand Götz, John Hoyeder, Franz „Ferry“ Kürner, Ferdinand Lukesch, Leopold Dworschak. Foto: © oepb

Der 1. Simmeringer SC gehört als typischer Wiener Vorstadt-Verein zweifellos zu den traditionsreichsten Fußballklubs in Österreich. Doch trotz einer nunmehr 120-jährigen Klubgeschichte gilt der 1. SSC seit jeher auch als „Kleiner“ im Kreis der renommierten Fußballvereine, auch und gerade in Wien. Dieser Umstand lässt sich wohl am besten anhand der Tatsache manifestieren, dass die Vereinsverantwortlichen im Sommer 1982 – Simmering war gerade in die höchste österreichische Spielklasse, die 1. Division, aufgestiegen – nichts Besseres zu tun hatten, als öffentlich zu verlautbaren, „dass sie als sechstes Kind im Oberhaus wohl zu viel für die Fußballfan-Gemeinde im Großraum Wien wären.“ Eine unprofessionelle Aussage, die nicht gerade förderlich für eine etwaige Aufstiegseuphorie im 11. Wiener Gemeindebezirk war.

Auf der Simmeringer Had hat´s an Schneider verwaht

Am 18. Februar 1853 unternahm der 21-jährige Ungar János Libényi auf der Bastei oberhalb des Kärntnertores einen Mordanschlag auf Kaiser Franz Joseph I. Dank des raschen und beherzten Eingreifens des Flügeladjutanten Oberst Maximilian Graf O`Donell, der den Kaiser begleitete, gelang es, den Attentäter abzuwehren. Der junge Monarch trug lediglich eine kleine und unbedeutende Stichverletzung davon. Dem zufällig anwesenden Fleischermeister Josef Ettenreich gelang es, den Angreifer zu überwältigen. Zum Gedenken an das missglückte Attentat wurde über Anregung von Erzherzog Ferdinand Maximilian der Bau der Votivkirche beschlossen, die beiden Lebensretter Ettenreich und O´Donell wurden geadelt und geehrt. János Libényi hingegen wurde festgenommen und zum Tode durch den Strang verurteilt. Die Vollstreckung erfolgte am 26. Februar 1853 bei der Spinnerin am Kreuz und nicht, wie immer wieder angenommen, auf der Simmeringer Heide. Es dauerte nicht allzu lange, und ein Spottlied über János Libényi machte die Runde:

Auf der Simmeringer Had’, hat’s an Schneider verwaht, es g’schicht ihm schon recht, warum sticht er so schlecht.
Auf der Simmeringer Had’, hat’s an Schneider verwaht, mit der Nadel samt dem Öhr, samt dem Zwirn und der Scher’.
Auf der Simmeringer Had’, hat’s an Schneider verwaht, allen sei es a Lehr, er lebt nimmermehr.
Und Leut’ln hurcht’s auf, der Wind hört schon auf, gang er allerweil so furt, war ka Schneider mehr durt.

In Simmering gab es, ebenso wie in Favoriten und der Brigittenau auch, sogenannte Armensiedlungen. Die Menschen „hausten“ in unwirklichen Verhältnissen sehr zahlreich auf „Zimmer, Küche, Kabinett“ und die noch Ärmeren unter ihnen „bewohnten“ im sozialen Niemansland angesiedelt diese hier abgebildeten Armenbaracken. 120 Jahre her und heute kaum mehr vorstellbar. Foto: Archiv des oepb

WIEN im Jahre 1900

Während Simmering, der XI. Hieb, einer der ärmsten Bezirke Wiens war und zahlreiche Menschen dort als Tagelöhner ihren Lebensunterhalt verdienten, pulsierte anderswo in der Stadt das Leben. Am 2. Jänner 1900 erschien beispielsweise die erste Ausgabe der Tageszeitung „Österreichische Kronen-Zeitung“. Am 24. März des gleichen Jahres wurde die Brigittenau vom II. Bezirk abgetrennt und zum eigenständigen XX. Bezirk erhoben. Am 11. August erfolgte die Grundsteinlegung zur zweiten Wiener Hochquellenwasserleitung. Am 30. Oktober spielten die Wiener Symphoniker erstmals unter diesem Namen unter Ferdinand Löwe ihr erstes Konzert und am 15. Dezember wird das von Edmund Hellmer erschaffene Goethe-Denkmal am Opernring enthüllt. Der Wiener Eislaufverein wandelt am 25. Dezember 1900 den großen Platz am Heumarkt zu einem Sportplatz um, auf dem man im Winter Eislaufen und im Sommer Tennisspielen kann. Simmering wies im Gegensatz zu anderen Bezirken den geringsten Anteil an Angestellten und Selbstständigen auf, dafür hatte der Bezirk einen besonders hohen Anteil an Arbeitern, von denen nicht jeder eine geregelte Arbeit hatte. Arbeitslos zu sein, damals, in Wien um 1900 hieß, tatsächlich auch über kein Einkommen zu verfügen. Man war auf die Unterstützungsgunst der Familie und / oder der wohlgesonnenen Nachbarn angewiesen, oder aber brachte sich selbst mehr schlecht als recht als sprichwörtlicher „Hendldieb“ durch.

Fabriken prägten das Bezirks-Bild

Arbeit boten große Fabriken. Die Hefe- und Malzfabrik Mautner-Markhof zum Beispiel, die Apollo Kerzenfabrik ebenso, sowie die Erste Österreichische Seifensieder-Gewerks Gesellschaft und natürlich die Maschinen- und Waggonbau Fabriks AG. Simmering war damals übrigens auch anhand zahlreicher Eingemeindungen hinter der Leopoldstadt und Hietzing der drittgrößte Bezirk von Wien. Es ging zwar um die Jahrhundertwende anhand industrieller Betriebsansiedelungen langsam bergauf, dennoch schufen die neu erschaffenen Industrieanlagen – die zwar zahlreiche Arbeit boten – schlechte Luftqualität. Simmering wurde um 1900 auch an die städtische Wasserversorgung angeschlossen. Mit dem Bau der Städtischen Gaswerke und der Errichtung eines Elektrizitätswerkes stiegen die Arbeitsplatzmöglichkeiten, die wiederum einen personellen Zuzug nach sich zogen. Wies der Bezirk um 1890 etwa 30.000 Einwohner auf, so hatte man um 1910 an die 50.000 Einwohner im 11. Bezirk. Und trotz verbesserter Arbeitsmöglichkeiten war Simmering in der Hierarchie der Wiener Bezirke sprichwörtlich „unten durch“. Simmering galt, genauso wie Favoriten, als Bezirk der armen Leute. Man hörte und las oft von Gewalt und Verbrechen und – frei nach Wolfgang Ambros und seinem „Zentralfriedhof“„…wenn es Nacht wird über Simmering“ traute sich niemand mehr auf die Straße.

Die Simmeringer Heide im XI. Hieb um 1900. Simmering prägte wie kein anderer Flecken Wiens ländliche Vorstadt-Idylle am Rande der Großstadt. Im Hintergrund links die Gasometer, sowie das neu geschaffene Elektrizitätswerk. Foto: Archiv des oepb

Simmering liegt nicht in den enteren Gründ`

Simmering, das seinerzeit in den „enteren Gründ`“ und „auf der Had“ lag, war für den Wiener ein Stück Provinz in der Großstadt. Die fleißigen Gärtner sorgten dafür, dass der Bauch der Wiener nicht zu klein wurde und auf dem Zentralfriedhof ist man – selbstverständlich auch heute noch – für einen würdevollen und oftmals sehr kostspieligen Abschied vom Erdendasein bemüht. Doch das trügerische Provinz-Bild von Simmering war damals falsch. Die zahlreichen Industriebetriebe sorgten für Arbeit und auch die bis zu diesem Zeitpunkt größte Schau, die jemals in Österreich stattgefunden hatte, fand in Simmering statt: Am 23. September 1909 zogen über 300.000 Menschen auf „die Had“ – die Simmeringer Heide – um den Flug des damals sehr berühmten Franzosen Blériot zu bestaunen. Anhand dieser Veranstaltung war auch Kaiser Franz Joseph I. und die Regierung vertreten. Der billigste Eintritt kostete 1 Krone, was damals der halbe Tagesverdienst eines einfachen Arbeiters war. Die Simmeringer galten als fleißige Leute und entdeckten sehr bald schon ihre Liebe zum Sport. So wurde bereits 1892 der Erste Simmeringer Amateur-Athleten-Club gegründet. Später kam nach dem Turnen auch noch das Radfahren hinzu. In Simmering waren fünf Radfahrklubs registriert. Und dass irgendwann das Phänomen „Fußballsport“ auch in Simmering populär werden würde, war demnach nur mehr eine Frage der Zeit.

Gründerzeit des 1. SSC

Um 1900 existierten in Wien 45 angemeldete Fußballvereine, von denen sich 15 zu einem Verband namens „Fußball-Union“ zusammenschlossen. Just in diese Zeit hinein begannen auch die größten Wiener Tageszeitungen von Fußballspielen und Endresultaten neu erschaffener Fußballvereine zu berichten. Über die „großen“ Klubs konnte man somit in den Medien lesen, „kleine“ und wild zusammengewürfelte Mannschaften kickten auf irgendwelchen Wiesen noch unter ferner liefen. So war es auch in Simmering. Bis zu jenem Tag, an dem der Caffeesieder Johann Syrowatka, wohnhaft in der Simmeringer Hauptstraße 121 an die „Hohe k.k. nö. Statthalterei“ in Wien den Antrag stellte, ihm als Proponent die Gründung des „Ersten Simmeringer Sport Clubs“ zu genehmigen. Der Eingang des Schriftstücks wird vom Amt am 18. Februar 1901 vermerkt und gleichzeitig mit einer Einspruchsfrist gegen diese Vereinsgründung mit 17. März des gleichen Jahres belegt. Am Freitag, 8. März 1901 wird der Akt jedoch vorzeitig zur Vormerkung im Vereinskataster weitergeleitet. Dieses Datum gilt daher heute als die offizielle Geburtsstunde des 1. Simmeringer SC.

Faksimile des Programms aus Anlass des 1. Gründungsfestes des 1. Simmeringer Sport-Clubs vom 8. März 1902. Sammlung: oepb

Simmeringer Had Hoch 3

Die Simmeringer Heide, in der Wiener Umgangssprache immer schon als „Had“ tituliert, dient dem 1. SSC seit 120 Jahren als Heimspielstätte. Zwischenzeitlich kicken die Rot-Schwarzen zwar auf der III. Had und auch somit natürlich nicht mehr auf der ursprünglichen Wirkungsstätte, dennoch hat man sich den traditionellen Namen der Sportanlage bis in die heutige Zeit hinein bewahrt. Unmittelbar nach der Vereinsgründung im Jahre 1901 fanden sich die Ur-Simmeringer des 1. SSC „auf der Had“ ein, einer brach liegenden Wiese, brachten die Torstangen selbst mit, und kickten munter darauf los. 1906 – mit Begeisterung und steigendem Erfolg – fand man im Bereich Rinnböck- und Zippererstraße ein geeignetes Areal, planierte dieses und erschuf Stehplatzrampen für die Zuschauer, die vermehrt ihr Interesse am 1. SSC fanden. Es gibt heute leider nur ganz wenige Aufnahmen von Spielen, die der 1. SSC in dieser Zeit auf der I. Had austrug, in unmittelbarer Nähe zu den vier Simmeringer Gasometern gelegen. 1910, Simmering fand beim Verband Aufnahme in die Gruppe der erstklassigen Vereine, wurden auch Eintrittsgelder der Zuschauer kassiert. Und so war der 1. Simmeringer SC auch im August 1911 mit von der Partie, als die Österreichische Fußballmeisterschaft – damals nur bestehend aus Wiener Vereinen – zu ihrer Premieren-Saison angepfiffen wurde.

Von der Had I zur Had II

Die Begeisterung um den 1. SSC, der sich stets im Tabellenmittelfeld der höchsten Spielklasse Österreichs bewegte, riss nicht mehr ab. Diese helle Begeisterung wurde allerdings auch mehr und mehr von Rohheit abgelöst. Es kam des Öfteren vor, dass der Schiedsrichter mit Fußtritten oder Watschen von der Had verabschiedet wurde. Da auch der Verein nichts gegen dieses unsportliche Verhalten seiner Anhänger unternahm, wurde der Ruf nach einer neuen Sportanlage immer lauter. Erschwerend kam hinzu, dass der Platz, der oftmals von mehr als 5.000 Zuschauern bevölkert wurde, ohnehin bereits zu klein geworden war. Was kam, war Der Große Krieg“, später als Erster Weltkrieg von 1914-1918 bekannt. In der Saison 1919/20 ging Simmering „auf Reisen“, tingelte quer durch Wien und absolvierte die Heimspiele überall, nur eben nicht mehr auf der Had I. Man war als Veranstalter am WAF-Platz zu Gast, oder aber am Herthaplatz, am WAC-Platz, in Rennweg, sogar am Sportclub-Platz und in Floridsdorf, ehe am 30. Mai 1920 endlich die neue Anlage, die Simmeringer Had II eingeweiht wurde. 12.000 Zuschauer freuten sich über ein 1 : 0 über den Wiener Amateur SV (heutiger FK Austria Wien). Die Had II befand sich im Bereich der Leberstraße, die im September des gleichen Jahres auch Schauplatz von einem ÖFB-Länderspiel gegen Deutschland war. Die Had II konnte allerdings ihren in sie gesteckten hohen Erwartungen nie ganz gerecht werden und daran war „die schreibende Zunft“ schuld. Die Tageszeitungen berichteten dahingehend, dass die „neue“ Had bei einer Zuschauerkapazität und Maximalauslastung von bis zu 50.000 Besuchern viel zu klein geraten sei. Der Zuschauer-Boom in Österreich anhand von Länderspielen würde weiter ansteigen und man benötige ein viel größeres Stadion. Die Hohe Warte in Döbling sei so ein Areal. Damit war es vorbei für die Had II. Am 9. November 1924 vergab der ÖFB das letzte von insgesamt sechs Länderspielen nach Simmering, 40.000 Zuschauer sahen ein 1 : 1 gegen Schweden. Die anderen Länderspiele stiegen durchwegs auf der Hohen Warte, denn das Praterstadion gab es noch nicht.

Nicht die Hohe Warte und schon gar nicht das Praterstadion. Diese Zuschauermassen fanden sich auf der Simmeringer Had II in den 1920er Jahren ein. Das einstige Areal in der Nähe des Sankt Marxer Friedhofes dient heute einem Stützpfeiler der Südost-Tangente. Foto: Archiv des oepb

Von oben nach unten bis zum Schluss

Während der 1. SSC in der Saison 1925/26 mit dem dritten Tabellenplatz in der Endabrechnung das beste Vereinsergebnis – bis heute – erzielte, ging es in den Jahren darauf immer mehr bergab. 1928 musste man als Tabellenletzter erstmals absteigen und es dauerte bis ins Jahr 1937, ehe der 1. SSC wieder in die damalige Nationalliga aufsteigen konnte. Im Jahr darauf, 1938, ging es als Letzter jedoch schon wieder hinunter. Die Kriegsmeisterschaft im Oberhaus fand ohne das Mitwirken von Simmering statt, ganz im Gegenteil, im Juli 1942 wurde der Spielbetrieb mangels aktivem Fußballer-Personal eingestellt. Simmering nahm nur mehr an der HJ (Hitler-Jugend)-Nachwuchsmeisterschaft teil. Und zu all dem Verdruss: Öl-Borungen der Feuerwehr zerstörten die Zuschauerrampen auf der Had II dermaßen, dass das Areal bis ins Jahr 1948 hinein nicht mehr benutzt werden konnte.

Johann „Hansi“ Horvath (1. SSC, ganz rechts) beim erfolglosen Abschluss gegen Keeper Sandor Fabian. Aus 1. Simmeringer SC gg. Hakoah Wien (2 : 2) vom 6. März 1926 vor 8.000 Zuschauern am WAC-Platz im Prater. Foto: © oepb

Otto Schwarzer und Josef Argauer

Der Zweite Weltkrieg 1939-1945 war beendet und langsam, aber sicher normalisierte sich wieder das Leben auf den Straßen Österreichs und natürlich auch in Wien. Bereits im Sommer 1945 ging man auch im 11. Bezirk her und reaktivierte viele Dinge, so auch den 1. SSC. Als Gründervater nach dem Krieg muss man hier Otto Schwarzer erwähnen, der sich um alles kümmerte und vehement dafür Sorge trug, dass der Verein wieder aktiv am Meisterschaftsbetrieb teilnehmen konnte. Ihm zur Seite stand Josef „Pepi“ Argauer, der zwar verwundet aus dem Krieg nach Wien zurückgekehrt war, gemeinsam mit Schwarzer jedoch maßgeblich am Aufbau und der Neugestaltung, wenn man so will, des 1. SSC nach 1945 beteiligt war. Was nun folgte, waren erfolgreiche Jahre in Rot-Schwarz.

Zwar „nur“ ein Freundschaftsspiel, aber dennoch sehr gut besucht. 7.000 Zuschauer wohnten am 29. Jänner 1950 auf der „Had II“ dem Vergleichskampf Wiener Ligist Simmering (2. Liga) gegen den FK Austria Wien (1. Liga) bei. Die heimischen Rot-Schwarzen zogen mit 2 : 3 denkbar knapp den Kürzeren. Der wuchtige Kopfball von Ernst Stojaspal (Bildmitte, Austria) findet den Weg zum Siegestreffer ins Tor. Foto: © oepb

13 Jahre en suite im Oberhaus

Das, was heute den jungen Anhängern und Fans des 1. SSC schier utopisch erscheinen mag, war vor 70 Jahren eine Selbstverständlichkeit. Der 1. Simmeringer Sport-Club war jahrelang aktives Mitglied der höchsten österreichischen Spielklasse, der Staatsliga A. Auf den Aufstieg im Sommer 1951 folgten 13 Saisonen in ununterbrochener Reihenfolge im Oberhaus. Simmering galt als fixe Adresse und war von den jeweiligen Gegnern immer wieder schwer auszurechnen. Heute kann man zweifelsfrei sagen, dass jene Jahre unter Trainer Hans Hofstätter und dem bereits oben erwähnten Sektionsleiter Josef „Pepi“ Argauer die besten und sportlich erfolgreichsten in der nunmehr 120-jährigen Geschichte dieses sympathischen Wiener Vorstadt-Vereins waren. Simmering wurde damals auch zu zahlreichen Auslandstourneen quer durch Europa eingeladen und die Rot-Schwarzen vertraten dabei die rot-weiß-roten Farben Österreichs immer wieder hervorragend – und nachhaltig (so würde man wohl heute dazu sagen). Und als Ende der 1950er Jahre die Auslandstourneen mehr und mehr aus der Mode kamen, die Vereine sich über die Wintermonate um andere Einnahmequellen umschauen mussten, war der 1. SSC natürlich auch von Anbeginn an mit von der Partie, als Wien sein erstes Hallenfußballturnier in der Wiener Stadthalle veranstaltete. Die sich daraus erzielten lukrativen Erlöse halfen den teilnehmenden Mannschaften durch die kargen Wintermonate, in denen es keinen Meisterschaftsbetrieb und somit auch keine Einnahmen gab.

Der Sieg des GAK am 1. Oktober 1960 auf der Simmeringer Had II galt als Sensation. Josef Hübler (Bildmitte, Simmering) kann Johannes Jank (GAK) nicht mehr am Torschuss hindern. Aus 1. Simmeringer SC gg. Grazer AK (1 : 3) vor 2.000 Besuchern. Foto: © oepb

Es ging bergauf, es ging bergab

Simmering agierte ab 1964 wie das normale Leben eben so spielt. Auf Tiefen folgten Höhen – und umgekehrt. Nach dem Abstieg 1964, kehrte der 1. SSC 1965 erneut zurück, um im Jahr darauf wieder die Liga zu wechseln. Frei nach dem Motto „Eine neue Liga ist wie ein neues Leben!“ hielt man der Regionalliga Ost vier Jahre lang die Treue und fand sich 1970 für zwei Saisonen wieder ganz oben ein. 1972/73 war man erneut in der Regionalliga Ost am Start, um 1973/74 den 11. Platz von 17 Teams in der Nationalliga zu belegen. Der 1. SSC fiel jedoch der Ligareform zum Opfer und musste „am grünen Tisch“ absteigen, da ab dem Sommer 1974 die heute allseits bekannte Österreichische Fußball-Bundesliga loslegte und im Oberhaus lediglich 10 Vereine anzutreffen waren. Die nun folgenden Jahre in der 2. Division waren für die Simmeringer insofern hart, da man mit dem First Vienna FC und dem Wiener Sport-Club zwei anderen Traditionsvereinen aus der Bundeshauptstadt in Sachen Aufstieg ins Oberhaus den Vortritt lassen musste. Dank einer neuerlichen Reform gelangte der 1. Simmeringer Sport-Club dann allerdings doch noch einmal in die 1. Division. Die höchste Spielklasse wurde 1982 von 10 auf 16 Vereine aufgestockt und Simmering kehrte – zum bisher letzten Mal – ins Oberhaus zurück. Und so ging das Spieljahr 1982/83 als letztes in die Geschichte ein, in dem die Simmeringer Oberhausluft auf der Had geatmet hatten, denn als Tabellenletzter stieg man im Juni 1983 wieder ab … und kehrte – bis heute – nie mehr zurück.

Der Simmeringer Keeper Franz Eigel (rechts) ist machtlos. Fritz Ulmer (Onkel von Andreas Ulmer) erzielt das 0 : 1. Aus 1. Simmeringer SC gg. SK VÖEST Linz (1 : 3) vom 23. April 1972 vor 1.500 Zuschauern auf der „Had III“. Foto: © oepb

Von der Had II zur Had III

Und auch die heutige Simmeringer Had ist nicht mehr das, was sie einmal war. Man tut jedoch mit dieser Aussage der Anlage Unrecht, denn die Had III ist heute ein netter und gepflegter kleiner Sportplatz, der am 20. März 1971 und 23. Oktober 1982, jeweils bei Gastspielen des SK Rapid Wien, mit über 8.000 Besuchern gefüllt an die Grenze der Belastbarkeit kam. Was wurde jedoch aus der Had II? Nun, mit dem Aufstieg des 1. SSC – wie weiter oben erwähnt – im Jahre 1951, wurde auch die Had II wieder zum Begriff einer gefürchteten Anlage, da die sportlichen Trauben für die jeweiligen Gegner in Simmering oftmals hoch hingen. Just in diese Jahre hinein geschah auch die bis heute unbezahlbarste Werbe-Durchsage für den 1.SSC; Helmut Qualtingers bereits zu Lebzeiten legendäres Zitat „Simmering gegen Kapfenberg, das ist Brutalität“, ist basierend anhand eines Match-Besuches des damals 40-jährigen Kabarettisten in Simmering am 12. Oktober 1958, als er gemeinsam mit 4.000 Zuschauern Zeuge eines Zusammenpralls zwischen Helmut Hauberger (Kapfenberger SV) und dem Simmeringer Keeper Bruno Engelmeier mit der späteren Diagnose Beinbruch wurde.

Das treue und an Leiden gewöhnte Simmeringer Publikum wurde hier mit Haselnuss-Schnitten aus Ottakring und Gutscheinen eines Möbelhauses für den Had-Besuch belohnt. Aus 1. Simmeringer SC gg. GAK (3 : 1) vom 16. März 1974 vor 4.000 Zuschauern auf der „Had III“.

Immer wieder Geldsorgen

Ein Phänomen, das den 1. SSC durch all die Jahrzehnte hindurch „treu“ begleitete war der Umstand, dass der Verein finanziell nie auf Rosen gebettet war. Immer wieder war das Kapital knapp und die Klubkasse leer. Ein Umstand, der den Verein oftmals sprichwörtlich nur noch aus dem letzten Loch pfeifen ließ. Im Jahre 1966 war so eine Situation. Der Grundstückseigentümer der „Had II“, die Simmering-Graz-Pauker-Werke verlangten das Areal, das ohnehin sanierungsbedürftig war, vom 1. SSC zurück. Es kam zum Prozess, bei dem die Fußballer den Kürzeren zogen. Da Simmering als Prozess-Verlierer auch nicht die Gerichtskosten bezahlen konnte, wurde auf der Had alles gepfändet, was irgendwie wertvoll erschien. Aber die SGP gewährte den Simmeringern auf der Had wenigstens weiter „Unterschlupf“, zumindest so lange, bis ein neuer Platz gefunden werden konnte. Was 1968 auch gelang. Der ASKÖ XI-Platz an der Simmeringer Hauptstraße gelegen wurde auserkoren und dient als „Had III“ seit 1970 als Heimspielstätte des 1. SSC. Simmering wollte auch die feierliche Eröffnung der neuen Anlage mit einem Freundschaftsspiel gegen den FC Bayern München begehen und man freute sich auf ein Wiedersehen der Ex-Simmeringer Peter Pumm und August „Gustl“ Starek in Reihen den Münchner. Das Vorhaben scheiterte jedoch an den zu hohen finanziellen Forderungen der Bayern.

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ABER EINS, DAS BLEIBT BESTEH´N …

Viele Namen prägten in diesen 120 Jahren die Geschicke des 1. Simmeringer Sport-Clubs. Namen, die heute teilweise völlig vergessen sind. Franz Dumser zum Beispiel, der unter Teamchef Hugo Meisl 1925 und 1926 zu ÖFB-Teamberufungen kam. Dumser war ein Aktiver, der alle Positionen bekleiden konnte, auch als Tormann sprang er ein. Oder aber Ferdinand Swatosch, den dreifachen Torschützen auf der „Had II“ gegen Deutschland beim 3 : 2-Erfolg im Jahre 1920. Karl Sesta war ebenso für Simmering aktiv wie Ernst Stojaspal. Rudolf Viertl, der in der Wunderteam-Ära in der Nationalmannschaft auflief beispielsweise, sowie Jahrzehnte später ebenso sein Enkerl Franz Viertl den 1. SSC-Dress trug. Die bereits erwähnten Legionäre in der Deutschen Bundesliga Peter Pumm und August Starek.

Auch in der Wiener Stadthalle – ins Leben gerufen vom Ur-Simmeringer Josef „Pepi“ Argauer, dem jahrelangen Funktionär der Rot-Schwarzen – gab Simmering stets eine gute Figur ab. Karl Reschützegger beispielsweise avancierte im Dezember 1973 zum Liebling der Stadthalle. Simmering nahm oftmals an diesem Traditionsturnier teil. Hier im Bild im Winter 1982/83. Die Simmeringer Hans Ehrentraut (links) und Peter Handle nehmen Hans Krankl (SK Rapid Wien) in die Mangel.

Ein ganz Großer aus dem XI. Hieb war natürlich Eduard „Edi“ Krieger. Nicht vergessen darf man auch den Spieler und späteren Sektionsleiter Ludwig Wimmer, sowie Ernst Dokupil und Rudolf „Rudi“ Flögel, beide Spieler und später Trainer beim 1. SSC, sowie Torhüter und späterer Manager des Klubs Werner Hebenstreit. Und weitere zahlreiche Aktive wie Gordon Igesund, langjähriger Legionär aus Südafrika bei Admira/Wacker, trug in Österreich zuerst den Dress der Simmeringer, Rudolf „Rudi“ Nuske, Johann Mühlhauser, Hans Ehrentraut, Alois Dötzl, Wolfgang Katzler, Erich Kroboth, Heinrich Strasser, Andreas „Andy“ Ogris – ja, auch der violette Wirbelwind war für den 1. SSC aktiv – …und lust but not least natürlich Anton „Toni“ Polster, der mit seinen Toren im Frühjahr 1982 dazu beitrug, dass der 1. SSC in die 1. Divison aufsteigen konnte. Diese Namen ließen sich fortsetzen. Heute, und damit sind wir bei der Gegenwart, sind es die emsigen MitarbeiterInnen und Funktionäre um Obmann Mirko Sraihans, die den Verein gerade in der schwierigen Corona-Zeit am Laufen halten. Sraihans, der bereits viele Jahre in Simmering aktiv ist, kennt die 5. Liga genauso in und auswendig wie die Regionalliga Ost. Sein Bestreben ist es immer wieder, den Nachwuchs zu fördern und auch in Sachen Frauenfußball tat sich in den letzten Jahren beim 1. SSC sehr viel. Die jungen Damen boten herzerfrischen Angriffs-Fußball, bis … ja bis eben die Pandemie ausbrach.

Der 1. Simmeringer SC in seinem bis heute letzten Oberhaus-Jahr. Im Frühjahr 1983 waren die Tage bis zum Abstieg gezählt und viele Heimspiele gingen stets mit 0 : 1 verloren. So wie hier am 28. Mai 1983. Hans-Peter Buchleitner (Bildmitte, Simmering) nimmt zwar scheinbar die Hürde VÖEST, am Ende stand man auf der „Had III“ allerdings wieder mit leeren Händen da. Im Bild von links: Karl Hodits (VÖEST). Mario Wohlfahrt (Bruder von Franz Wohlfahrt, Simmering), Jürgen Werner (Nr. 10, VÖEST), Hans-Peter Buchleitner (Simmering), sowie die VÖEST-Spieler Siegfried Bauer, Manfred Schill und Kurt Kaiserseder. Aus 1. Simmeringer SC gg. SK VÖEST Linz (0 : 1) vom 28. Mai 1983 vor 800 Besuchern. Foto: © oepb

So bleibt nur zu hoffen, dass die abwechslungsreiche Geschichte eines der ältesten Fußballvereine Österreichs weitergehen wird, dass die Covid-19-Krise gemeinsam gemeistert werden kann und dass der alte Schlachtruf „SI-, SI- SIMMERING!“ auch weiterhin weit über die Bezirks-Grenzen des XI. Hieb´s hinaus hörbar bleiben wird.

… DER ISSC DER SOLL NIE UNTERGEH´N!  

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Quelle: oepb

www.simmeringer-sc.at

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