Neue Foyer-Ausstellung im Literaturmuseum

Christine Nöstlinger (1936–2018) läutete in den 1970er-Jahren eine neue, antiautoritäre Bewegung in der österreichischen Kinder- und Jugendliteratur ein. Es folgten über 150 Bücher, die in 45 Sprachen übersetzt, mehrfach verfilmt und erfolgreich für das Theater adaptiert wurden. Bis heute haben ihre Werke nichts an Aktualität eingebüßt: Oft stehen Außenseiter*innen im Mittelpunkt, die die vorherrschenden Machtverhältnisse und traditionellen Rollenbilder in Frage stellen.

Eine neue Foyer-Ausstellung im Literaturmuseum der Österreichischen Nationalbibliothek würdigt diese Pionierin der Kinderliteratur vom 8. Oktober 2026 bis zum 13. Februar 2028 und lädt Interessierte zu einer Reise in die eigene Kindheit ein.



Zur Eröffnung der neuen Schau findet am 8. Oktober 2026 um 19 Uhr ein besonderes Archivgespräch im Literaturmuseum statt: Die Kuratorin der Ausstellung Arnhilt Inguglia-Höfle spricht mit Nöstlingers Tochter Christiana, Mitbegründerin von „Christine Nöstlingers Buchstabenfabrik“, und der Autorin Lilly Axster, Preisträgerin des Christine-Nöstlinger-Preises 2023. Die Theater- und Filmschauspielerin Claudia Kottal liest ausgewählte Texte Nöstlingers.

Der Nachlass Nöstlingers ist seit 2025 Teil der Sammlungen der Österreichischen Nationalbibliothek. Anlässlich ihres 90. Geburtstags präsentiert das Literaturmuseum in einer Foyer-Ausstellung bisher unbekannte Manuskripte, Zeichnungen und Fotografien, die den Schaffensprozess und Werdegang dieser unkonventionellen Autorin sichtbar machen.

Mit ihrem legendären Debüt „Die feuerrote Friederike“ gelang Nöstlinger 1970 der literarische Durchbruch. Darin fliegt Friederike, ein rothaariges Mädchen, das „anders“ ist und gemobbt wird, am Ende mit ihrer Katze davon. Mit ihrem 1973 erschienenen autobiografischen Roman „Maikäfer, flieg!“  führte Nöstlinger als eine der Ersten die Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus in der Kinder- und Jugendliteratur ein. Ihr soziales und politisches Engagement galt stets der Toleranz, Gleichberechtigung und den Rechten von Kindern.

Es folgten über 150 weitere Bücher, die in 45 Sprachen übersetzt, mehrfach verfilmt und erfolgreich für das Theater adaptiert wurden. Ikonische Figuren wie Mini oder Franz begleiten und begeistern junge Leser*innen seit Jahrzehnten. 

Die Vielfalt ihres Werks jenseits der Kinderliteratur wird besonders in Nöstlingers Dialektgedichten deutlich. Zentraler Schauplatz ist nicht selten der Wiener Gemeindebau. Bis zuletzt erwies sie sich als scharfe Beobachterin verschiedener Gesellschaftsschichten, sozialer Konflikte und Missstände. Berührende Briefe von Leser*innen zeugen in der Ausstellung zudem von Christine Nöstlingers Wirken und Nachwirken über Generationen und Altersgrenzen hinweg.

Quelle und Foto: Österreichische Nationalbibliothek / ÖNB

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