Nicht nur, dass die wirtschaftliche Lage in Deutschland angespannt bleibt, ist derzeit auch kein Ende der Krise in Sicht. Sinkende Gewinne, anhaltender Stellenabbau und die immer größer werdende Zurückhaltung der Investoren belasten den Wirtschaftsstandort. Die Wirtschaftsverbände zeichnen für das Jahr 2026 ein düsteres Bild. Im Mittelpunkt stehen der Mittelstand und die Industrie.

Standort verliert an Vertrauen

Wenn es um einen stabilen Produktionsstandort mit hoher Innovationskraft ging, so war Deutschland über Jahrzehnte der verlässliche Anker für Investoren. Doch dieses Bild bekommt immer mehr Risse. Immer mehr internationale Kapitalgeber haben sich zurückgezogen, selbst bei insolventen Traditionsunternehmen finden sich immer seltener Käufer. Die Ursachen sind vielfältig. Einerseits sind es hohe Kosten, andererseits komplexe Regulierung und eine schwächelnde Wettbewerbsfähigkeit.

„Wir bekommen in unseren internationalen M&A-Prozessen mittlerweile sehr häufig die Rückmeldung, dass Investoren ganz grundsätzlich in Deutschland nicht mehr investieren“, berichtete Falkensteg-Partner Jonas Eckhardt. „Deutsche Unternehmen sind in vielen Branchen einfach raus.“

Diese Zurückhaltung spiegelt sich auch in der steigenden Zahl von Unternehmensabwicklungen wider. Namen, die lange Zeit als feste Größen galten, sind vom Markt verschwunden oder ziehen sich langsam aus Deutschland zurück. Einige Branchen sind zudem absolut unattraktiv geworden. Beispielsweise der Online Glücksspielmarkt. Aufgrund der Gesetzgebung gibt es hier kein Interesse mehr, dass Anbieter von Online Casinos ihre Dienste in Deutschland anbieten. Viele neue Online Casinos operieren vom Ausland aus – hier weiterlesen, für mehr Informationen, warum das so ist und wieso das ein Problem für die deutsche Wirtschaft wird.

Insolvenzen erreichen neue Höchststände

Der Blick auf die Insolvenzstatistik verrät, wie tief die Krise bereits reicht. Im Jahr 2024 hat das Statistische Bundesamt 21.812 Unternehmensinsolvenzen gemeldet. So viele wie seit fast einem Jahrzehnt nicht mehr. Der Trend hat sich dann 2025 fortgesetzt: Im August lag die Zahl der Firmenpleiten mehr als 12 Prozent über dem Vorjahreswert.

Branchen mit hoher Kostenbelastung und geringer Preissetzungsmacht sind besonders stark betroffen. Dazu gehören Verkehr und Logistik, Baugewerbe sowie das Gastgewerbe. Hier werden überdurchschnittlich viele Insolvenzen verzeichnet. Während früher noch ein Großteil der betroffenen Unternehmen gerettet werden konnte, gelingt das heute immer seltener.

Umsätze steigen und Gewinne schrumpfen

Auch bei den größten Konzernen des Landes zeigt sich ein paradoxes Bild. Zwar konnten die 100 umsatzstärksten deutschen Unternehmen in den ersten neun Monaten des Jahres 2025 ihre Erlöse leicht steigern. Obwohl der Gesamtumsatz mit rund 1,55 Billionen Euro um 0,6 Prozent über dem Vorjahreswert lag, brach die Profitabilität doch deutlich ein.

Der Gewinn vor Steuern und Zinsen sank nämlich im selben Zeitraum um 15 Prozent auf 102 Milliarden Euro. Das bedeutet, jedes zweite Unternehmen verdiente weniger als im Jahr zuvor. Die Ursachen reichen von gestiegenen Energie- und Personalkosten über eine schwache Nachfrage bis hin zu geopolitischen Unsicherheiten, die vor allem internationale Lieferketten und Exportmärkte belastet haben.

Vor allem die Industrie sei stark unter Druck geraten. In kaum einem anderen Bereich würden Umsatzentwicklung und Gewinn so stark auseinanderklaffen wie in der Automobilbranche. Auch wenn die Erlöse von Volkswagen, BMW und Mercedes-Benz nur moderat gesunken sind, so ist aber das operative Ergebnis um fast die Hälfte eingebrochen.

Noch dramatischer sieht die Lage aus, wenn man einen Blick in die Chemieindustrie wirft. Hier sind die Gewinne um mehr als 70 Prozent eingebrochen. Positive Ausnahmen finden sich lediglich in einzelnen Sektoren. Hier stehen die IT und die Gesundheit ganz oben, die durchaus von der Digitalisierung und demografischem Wandel profitieren konnten.

Arbeitsmarkt im Sinkflug

Die wirtschaftliche Schwäche hat natürlich auch Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt. Allein bei den 100 größten Unternehmen gingen von Januar bis September 2025 rund 17.500 Arbeitsplätze verloren. Seit dem Jahr 2023 hat sich der Stellenabbau auf etwa 100.000 Jobs summiert.

Besonders deutlich zeigt sich der Trend wieder einmal in der Industrie. Innerhalb eines Jahres haben dort mehr als 120.000 Menschen ihren Job verloren. Die Automobilbranche verzeichnete einen Rückgang der Beschäftigtenzahl um über 6 Prozent. Volkswagen plant bis zum Jahr 2030 den Abbau von 35.000 Stellen an deutschen Standorten. Bosch hat bereits angekündigt, man werde in der Mobilitätssparte 22.000 Arbeitsplätze streichen.

Der Ausblick auf das kommende Jahr macht zudem nur wenig Hoffnung. In der jährlichen Verbandsumfrage des Instituts der deutschen Wirtschaft rechnen 22 von 46 Wirtschaftsverbänden mit einem weiteren Abbau von Arbeitsplätzen. Gerade einmal neun Verbände erwarten ein Beschäftigungswachstum, während 15 Verbände von einer stagnierenden Entwicklung ausgehen.

Besonders betroffen sind beschäftigungsintensive Branchen wie Metall, Chemie, Stahl, Automobilbau, Maschinenbau und das Handwerk. „Wer auf ein baldiges und umfassendes Ende der Wirtschaftskrise gehofft hat, wird auch 2026 enttäuscht“, so IW-Direktor Michael Hüther laut einer Pressemitteilung der IW Köln.

Hohe Sozialkosten als Wachstumsbremse

Neben den konjunkturellen Faktoren rücken vor allem auch strukturelle Probleme in den Fokus. DIHK-Präsident Peter Adrian hat zuletzt die stark gestiegenen Sozialabgaben kritisiert, die mittlerweile mehr als 40 Prozent der Lohnkosten ausmachen. „Wer morgens aufsteht und hart arbeitet, ist von unserem System nicht unbedingt begünstigt.“

Auch Rentenexperte Axel Börsch-Supan sieht bereits erhebliche Risiken. Sollte die aktuelle Rentenpolitik fortgeführt werden, so könnten die Sozialausgaben perspektivisch auf rund 50 Prozent steigen. „Wenn wir immer mehr für Soziales ausgeben, schwächen wir das Wachstum“, warnte der Ökonom.

Letztlich weiß man, dass die wirtschaftlichen Probleme Deutschlands nicht kurzfristiger Natur sind. Sinkende Gewinne, steigende Insolvenzen, schwindendes Investorenvertrauen und ein anhaltender Stellenabbau lassen auf eine strukturelle Krise deuten. Ohne tiefgreifende Reformen bei Kosten, Bürokratie und Standortbedingungen droht sich die wirtschaftliche Schwäche zu verfestigen, was dann spürbare Folgen für Unternehmen, Beschäftigte und Wohlstand hätte.

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