Energiebilanz: Alles muss rein

en12. Jänner 2012

Die Beschlüsse der 17. UN-Klimakonferenz in Durban sind zwar gefasst, jedoch das, was beschlossen wurde, blieb hinsichtlich der Umsetzung unverbindlich. Und dennoch: Jeder Bauherr, Hausbesitzer oder Immobilienbetreiber hat die Verpflichtung, die Gesamtenergiebilanz so niedrig wie möglich zu halten. Das schuldet er letztendlich nicht nur der Umwelt, sondern vor allem auch der eigenen Geldbörse. Denn die Zeiten, in denen Energie günstig und daher der Verbrauch gleichgültig war, sind endgültig vorbei. Die Ressourcen sind enden wollend, die Preise für Öl und Gas werden weiter steigen. Wenn man bedenkt, dass massive Häuser eine Lebensdauer von rund 100 Jahren haben, ist also eine langfristige Planung unumgänglich. Denn nachhaltiges Bauen senkt dauerhaft die Kosten und auch die Abhängigkeiten.

Dazu Ing. Johann Gerstmann, Sprecher des Bundesverbandes Sonnenschutztechnik: „Der richtige Weg wurde gerade in Österreich bereits schon eingeschlagen: Beginnend beim Niedrigenergiegebäude über das Passivhaus führt er hin zum Aktivhaus. Und was dabei besonders zählt: Alle diese Baukonzepte stehen für weniger Energiebedarf bei gleichzeitig hohem Komfortanspruch!“

Und sie stellen eine radikale Trendwende dar: vom Energieverbraucher Nr. 1, der 40 Prozent der gesamten Energie verschlingt, zu einem kleinen Kraftwerk. Denn zum einen gewinnen diese neuen Gebäude Strom und Wärme aus nachhaltigen Energieträgern – vor allem aus der Sonne, der Erdwärme und dem Wind. Und zum anderen werden sie aus hocheffizienten Bauteilen geplant und gebaut. Allerdings stand in den letzten Jahrzehnten lediglich die Reduktion der Heizwärme im Mittelpunkt, ohne darauf zu achten, dass eine Minimierung der U-Werte (Kennzahl für den Wärmeverlust) auch dazu führen kann, dass zu wenig Tageslicht in die Räume dringt oder auch der Kühlbedarf im Sommer steigt. Mit anderen Worten – Energie, die beim Heizen eingespart wird, führt in anderen Bereichen teilweise zu einem Anstieg des Energiebedarfs. So weisen beispielsweise gut gedämmte Gebäude besonders im Winter viele Vorteile auf. Im Sommer jedoch steigt durch die dichte Gebäudehülle das Überwärmungsrisiko, dem wiederum durch erhöhten Lüftungs- und Klimatisierungsaufwand begegnet werden muss. Auch Passivhausfenster wurden in Hinblick auf Heizkosten entwickelt: Die doppelte Isolierverglasung reduziert aber nicht nur die Wärmeverluste, sondern auch den Licht- und Energieeintrag. Das hat höhere Stromkosten für die Beleuchtung zur Folge und eine geringere Nutzung der direkten Sonnenwärme. Die realisierbaren Heizkosteneinsparungen sind jedoch höher als die Mehrkosten durch eine verringerte Nutzung von natürlichem Licht und solarer Energie, womit die Energiebilanz des Passivhausfensters positiv bleibt – allerdings nur dann, wenn es im Sommer mittels Jalousie, Roll-Laden oder Markise beschattet wird. Denn nur so werden die im Winter eingesparten Heizkosten nicht im Sommer durch Klimatisierung wieder wettgemacht.

Foto BVST, Ing. Johann GerstmannOptimierung im Winter und im Sommer – die Gebäudeenergiebilanz zählt
Johann Gerstmann weiter: „Selbstverständlich ist die Heizkosteneinsparung nach wie vor wichtig, aber Gebäude müssen ganzheitlich geplant werden, damit der Energiebedarf nachhaltig sinkt – also für den Winter- und Sommerfall. Der richtige Sonnenschutz spielt dabei eine entscheidende Rolle!“

Unter Energiebilanz versteht man das Erfassen sämtlicher Energieströme, also sowohl der Gewinne als auch der Verluste. Unter Gewinne fallen beispielsweise die Erträge aus Photovoltaik (erneuerbarer Strom) und Solarthermie (erneuerbare Wärmeenergie), aber auch solare Gewinne über Fenster (passive Heizwärme). Unter Verluste fallen Energieströme aus nicht erneuerbaren Quellen für Heizen, Kühlen, Lüften und Beleuchten. Ist die Bilanz negativ, so ist man Energiekonsument, ist sie hingegen positiv, hat man ein Aktivhaus und wird zum Energielieferanten. Für die Planung bedeutet das, dass jeder Bauteil, der für den Energiebedarf des Gebäudes relevant ist, optimiert werden kann und soll. Denn diese ganzheitliche Betrachtung von Gebäuden schafft zusätzlich zur Minimierung des Heizwärmebedarfs Energiesparpotenziale. Die Sonnenschutztechnik ist für eine positive Energiebilanz unverzichtbar: Konnten dichte Roll-Läden im Zeitalter vor dem hochgedämmten Fenster noch wesentlich zur Heizkosteneinsparung beitragen, so sind sie heute zur Nutzung der direkten Sonnenwärme unerlässlich. Denn Passiv- und Aktivhäuser decken ihre Heizwärme zum Großteil durch die Sonne. Im Sommer würden die immer größer werdenden Fensterflächen zur Überwärmung der Gebäude führen, die man durch aktiven Sonnenschutz meist vermeiden kann (aktive Kühlung ist im Wohnbau gemäß Energieausweis bzw. ÖNORM B8110-3 nicht zulässig). So gesehen sind Jalousien, Roll-Läden und Markisen im Winter Teil des Heizungssystems und im Sommer Teil der Gebäudekühlung, die bei richtiger Produktwahl auch für eine optimierte Tageslichtbeleuchtung sorgen.

Johann Gerstmann: „Damit der Wärmeintrag im Winter und im Sommer richtig dosiert wird, empfiehlt es sich, den Sonnenschutz zu automatisieren. Nur so ist gewährleistet, dass Gebäude an 365 Tagen im Jahr nicht zu kühl und nicht zu heiß werden und gleichzeitig auch die Tageslichtversorgung stimmt.“

Ein beweglicher Sonnenschutz ist daher sowohl in der kalten als auch in der heißen Jahreszeit eine Notwendigkeit für die positive Energiebilanz von Fenstern – und damit Grundvoraussetzung für jedes Energiesparhaus, egal ob Neubau oder Sanierung.

www.bvst.at

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