Historisches Schönbrunner Affenhaus

Das Affenhaus im Tiergarten Schönbrunn. Foto: Zoo Wien

Das Affenhaus im Tiergarten Schönbrunn. Foto: Zoo Wien

Nach dem Umbau des Affenhauses im Wiener Tiergarten Schönbrunn stehen sich nun Mensch und Tier wieder Auge in Auge gegenüber. Wer aber blickt auf wen, welche Grenze scheidet den Mensch vom Tier? Im Zoo Wien wird man mit der existentiellen Frage nach dem Menschsein konfrontiert und bekommt eine Ahnung von der grandiosen Vielfalt der natürlichen Umwelt. In der Historie der Tiergärten hatten Menschen und Affen immer schon eine ganz besondere Beziehung. Und so verfolgte die nun abgeschlossene Restaurierung des Affenhauses zwei Ziele. Einerseits sollte die neu gestaltete Behausung der Affen das Sozialverhalten der Tiere optimal widerspiegeln und andererseits eine möglichst uneingeschränkte Beobachtung der Tiere durch die Besucher erlauben. Im Planungsprozess konnte die Denkmalpflege Hand in Hand mit der Tiergarten-Direktion die baukünstlerische Qualität des historischen Affenhauses erhalten und darüber hinaus für die Affen einen Lebensraum nach den neuesten Erkenntnissen der Tierpflege schaffen.

Blick in das historische Affenhaus im Tiergarten Schönbrunn anno 1907.

Blick in das historische Affenhaus im Tiergarten Schönbrunn anno 1907.

Das Affenhaus zu Schönbrunn

Das biedermeierliche Affenhaus mit seiner im Jahre 1845 errichteten, frei zugänglichen, oktogonalen Sprungturmanlage war immer schon eine Attraktion des Tiergartens. Vor den Käfigen bildeten sich seit je her Besuchertrauben, die einen Blick auf die Tiere werfen wollten. Da die Gehege jedoch irgendwann überfüllt waren, entschied man sich 1906/07 für einen kompletten Neubau der Anlage, die im Laufe der Geschichte auch für Faultiere, Flughunde oder Gürteltiere genutzt wurde. Im Planungsprozess setzte sich der Hofbaumeister Cajo Perisic gegen die seinerzeitigen Tiergartendirektor Alois Kraus durch. Entstanden ist eine zweigeschossige, rechteckige Anlage mit einem zentralen Besucherraum im Inneren des Gebäudes. Ein großzügiger Dachaufbau mit Fenstern sollte den Lichteinfall sichern. Rund um den Zentralraum gruppierte der Baumeister die Käfige der Affen, die nur noch eine stark verkleinerte Sprungturmanlage außen nutzen konnten.

Aus Alt wurde Neu. Das Affenhaus einst und jetzt.

Aus Alt wurde Neu. Das Affenhaus einst und jetzt.

Diese Konzeption eines geschlossenen Affenhauses erwies sich jedoch bereits nach kurzer Zeit als völlig ungeeignet und so baute man im Jahre 1929 die Anlage artgerecht um. Der Zoo-Direktor Otto Antonius plante rund um das Gebäude Außenkäfige, damit sich die Tiere an der frischen Luft bewegen konnten. Die Rundbogenfenster im Erdgeschoss wurden als Zugänge zu den Außenkäfigen erweitert, die Fenster des Attikageschosses wurden vergrößert. Die Sprungturmanlage vor dem Gebäude bekam – zur Freude der Tiere und der Besucher – wieder die ursprüngliche Größe zurück. Anstelle der abgebauten Skulpturen des Attikageschosses schuf Franz Barwig d.Ä., einer der wichtigsten österreichischen Jugendstilbildhauer, für das Innere des Gebäudes zwei geschnitzte Holzskulpturen eines hockenden Affenpaares und zwei Kupfertreibarbeiten mit Darstellungen männlicher und weiblicher Affen als Bekrönung der Eingänge in das Gebäude.Seit den 1930er Jahren wurde die Anlage Zug um Zug verändert, ehe der Entschluss gefasst wurde, eine Generalsanierung vorzunehmen.

Tiergartendirektorin Dr. Dagmar Schratter (links), sowie Mag. Elisabeth Udolf-Strobl vom Bundesministerium für Wirtschaft, Familie und Jugend anlässlich der Eröffnung.

Tiergartendirektorin Dr. Dagmar Schratter (links), sowie Mag. Elisabeth Udolf-Strobl vom Bundesministerium für Wirtschaft, Familie und Jugend anlässlich der Eröffnung.

Die Restaurierung des Affenhauses

Anlass der aktuellen Restaurierung und Umgestaltung war die Übersiedlung der Orang-Utans im Mai 2009 in eine neu errichtete Menschenaffenanlage im Alten Palmenhaus des Wiener Tiergartens Schönbrunn. Durch den frei gewordenen Platz konnten die Gehege der Affen völlig neu konzipiert werden. Das Architektenteam Neversal und Hartmann versuchte in der Planung gemeinsam mit der Tiergarten-Leitung und dem Bundesdenkmalamt einen optimalen Lebensraum für die Bewohner der Anlage zu schaffen. Gleichzeitig sollte die baukünstlerische Qualität des Gebäudes aus den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts erneut zur Geltung gebracht werden. Beim Umbau wurden die Käfige von störenden Einbauten befreit, um die Affen in mehreren großen Gehegen und in Gruppen heimisch werden zu lassen.

Die Galerie im Affenhaus ist über eine Stiege und einen Lift erreichbar.

Die Galerie im Affenhaus ist über eine Stiege und einen Lift erreichbar.

Die historischen Fensteröffnungen

im Erdgeschoss und im Galeriebereich wurden nachgebaut, die Außengehege mit einem feinmaschigen, transparenten Gitter neu errichtet. Der große Sprungturm wurde entsprechend dem historischen Entwurf wieder deutlich vom Gebäude abgesetzt und mit einem schmalen Verbindungsgang an die Innenräume angebunden. Im Inneren können die Besucher erstmals die Galerie des zentralen Aufenthaltsraums begehen – über eine Stiege und einen Lift erreichbar – und dort vertiefte Informationen zum Thema „Mensch und Affe“ erhalten. Eine große Herausforderung war die Restaurierung der filigranen Gusseisenkonstruktion des Besucherraums, deren ursprüngliche Farbigkeit hellgrau und blau wiederhergestellt wurde. Die Gitterkonstruktionen vor den Gehegen wurden durch Glasfelder ersetzt, um den Besuchern einen unverstellten Blick in den Lebensraum der Affen zu gewähren. Die Restaurierung des historischen Affenhauses im Wiener Tiergarten Schönbrunn setzte somit einen Brückenschlag zwischen Tierpflege, Denkmalpflege und Weltkulturerbe. Entstanden ist durch dieses gemeinsame Bemühen ein würdevoller Blick auf die nächsten Artgenossen des Menschen im Tierreich.

Bewohner des historischen Affenhauses

Drei Bärenstummelaffen, zehn Erdmännchen, Kaiserschnurrbarttamarin-Paar, sieben Springtamarin, Zwergseidenäffchen-Paar, acht Totenkopfäffchen und fünf Roten Varis.

Die Informationen zu den "Tieren im Affenhaus" finden täglich statt.

Die Informationen zu den "Tieren im Affenhaus" finden täglich statt.

Tägliche Information zu den Bewohnern des Affenhauses

Täglich um 11.30 Uhr informieren die Tiergartenmitarbeiter kostenlos über die Bewohner des Affenhauses. Die Besucher erfahren dabei alles über die Lebensweise und das Sozialverhalten der Tiere und natürlich über die Bemühungen zum Erhalt dieser Arten im Freiland.

www.zoovienna.at

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