SV Ried gg. FK Austria Wien 1 : 1 (0 : 1)

Bild 1_GEPAIm Rieder Stadion, gelegen gleich beim Messegelände der Stadt, gesponsert von einer großen Oberösterreichischen Versicherung, musste man sich gestern Nachmittag um den FK Austria Wien lange Zeit keine Sorgen machen, denn das Abwehrbollwerk hielt, zumindest für die Dauer von 90 Spielminuten …

17. Spieltag / 29. November 2014 / tipico-Bundesliga / Keine Sorgen-Arena, 4.000 Besucher

 

Bildtext: In ähnlicher Goalgetter-Manier wie sein Vater Ivica staubte Toni Vastic in der Nachspielzeit gestern Nachmittag überaus abgeklärt und trocken ab. Foto: GEPA Pictures

Die Sportvereinigung Ried im Innkreis von 1912: Kinder wie die Zeit vergeht! Im Sommer 1991 stiegen die Schwarz-Grünen erstmals in die Bundesliga – damals 2. Division – auf. Anhand der Saison-Heimspiel-Premiere gegen den Linzer ASK bevölkerten am 23. Juli 1991 über 7.000 Zuschauer das „Stadion der Stadt Ried“ – heutiges LA-Stadion/Sportzentrum. Bis 1995 blieb man der 2. Division treu und hatte mit dem Abstieg in den OÖ-Landesverband nichts zu tun, ehe im Juni 1995 der ganz große Coup gelang: 2 : 0 in Linz, 1 : 0 beim Rückspiel in Ried im Rahmen der Relegation gegen den FC Linz (vormals SK VÖEST). Die SV Ried stand erstmals in ihrer damals 83jährigen Klubgeschichte in Österreichs höchster Spielklasse. Doch damit nicht genug: Die Auftakt-Ouvertüre im Oberhaus gegen den SK RAPID Wien wollten sich am 2. August 1995 knapp 10.000 Besucher nicht entgehen lassen, Endresultat 2 : 1 für die Heimischen. Von diesem Zeitpunkt an galt man als Fix-Kraft in der Fußball-Beletage in Österreich. Am 29. Mai 2003, dem letzten Spieltag der Saison, musste man nach einem 0 : 3 zu Hause gegen den VfB Admira/Wacker Mödling den bitteren Gang in die Zweitklassigkeit antreten, das 12.000 Einwohner zählenden Städtchen im Innviertel versank jedoch nicht in kollektiver Trauer. Selbst dann nicht, als auch noch der langjährige Fenster & Türen-Sponsor für 2004/05 und einem weiteren Jahr in der zweithöchsten Spielklasse seine im Vereins-Budget fix eingeplanten Tantiemen urplötzlich einstellte. Dank der freundlichen Zuwendung eines großen Innviertler Fleischhauerei-Betriebes ging es im zweiten Jahr der 2. Bundesliga relativ locker vom Damm, am Ende kehrten die Schwarz-Grünen erneut am 27. Mai 2005 ins Oberhaus zurück. Diesem gehört man bis zur Stunde an, in den Jahren 2010 und 2011 ging man sogar als Herbst-Meister in die Annalen der Bundesliga ein. Bei näherer Betrachtung bleibt festzustellen, dass die Innviertler im Laufe ihrer Oberhaus-Jahre nicht nur dem FC Linz, dem 1997 sämtliche Lichter ausgelöscht worden waren, als auch dem SK Vorwärts Steyr den sportlichen Rang in Oberösterreich abgelaufen hatten und auch den selbstherrlich agierenden Platzhirsch LASK konnte man sich stets vom Leibe halten. Quasi zum Drüberstreuen in der Vereins-Historie holte man in den Jahren 1998 und 2011 den ÖFB-Pokal. Und auch auf dem internationalen Parkett wussten sich die Rieder zu behaupten. Soviel zum Thema der Geschichte.

Aktuell kam man in der heurigen Herbst-Saison eher zäh in die Gänge, obgleich man 10 Punkte aus den letzten vier Spielen geholt hatte. Da kam der Gast aus Wien-Favoriten gerade recht, der wiederum seinerseits auch besser da stand nach Erfolgen gegen Stadtrivalen RAPID und Admira/Wacker. Im Vorfeld der Begegnung spuckten Spieler-Vertreter aus beiden Lagern große Töne, man war demnach auf ein spannendes Match gefasst.

Im gemütlichen, aber witterungsbedingten kaltem Lab-Zelt vor den Stadiontoren gab es reichliches für den lukullischen Genuss und das illustre Geplauder mit den bereits sehr zeitig anwesenden “Atzgersdorfern“, sowie “Schwechatern” aus dem Hause FAK wurde durch das jähe und beinahe schon “böse” Eindringen der Perchten und Krampusse unterbrochen. Kein Problem allerdings, denn der Anstoß rückte ohnehin immer näher.

Torschütze Alexander Gorgon (links) im Zweikampf gegen Oliver Kragl. Foto: GEPA

Torschütze Alexander Gorgon (links) im Zweikampf gegen Oliver Kragl. Foto: GEPA

Das Wetter war tief novemberlich mieselsüchtig und trüb. Dies ließ jedoch zu Anbeginn die Wiener Violetten erblühen, die entgegen dem Titelseiten-Aufruf des Stadion-Programms „Veilchen pflücken“ sich nicht lumpen ließen und ihren mitgereisten und diesmal wieder überaus lautstark agierenden Anhängern sofort warm ums Herze werden ließen. Vor den Augen des ÖFB-Teamchefs Marcel Koller, der sich eifrig Notizen machte, wurde Alexander Gorgon via geschicktem Lochpass von Namensvetter Grünwald auf die Reise geschickt und der Veilchen-Akteur mit der Rückennummer 20 erzielte trocken das 0 : 1 – nach 7 Spielminuten. Die Austria setzte jedoch nicht nach und ließ sich von den Riedern mehr und mehr die sportliche Schneid abkaufen. Der Ballbesitz beider Parteien war zwar pari, das Corner-Verhältnis bis zum wärmenden Pausentee mit 7 : 0 jedoch überaus eindeutig. Ried setzte der Austria-Abwehr vermehrt zu, die stand jedoch lautstark dirigiert von Torhüter Heinz Lindner und übersichtlich gut gestaffelt von Vanche Shikov überaus sattelfest. Auch die vermehrten und dümmlichen Schimpfkanonanden der heimischen Hardcore-Freaks hinter dem Gehäuse Lindners brachten den trotz seiner erst 24 Jahre bereits als Routinier agierenden Teamkeeper nicht aus der Ruhe. Dieser wusste ob der Anwesenheit des Teamchefs und wollte seine beiden Patzer vom siegreichen Derby gegen RAPID einmal mehr ausmerzen. Was ihm auch immer wieder gelang. So entschärfte er Möglichkeiten von Patrick Möschl (29. Minute), Ex-Austrianer Thomas Murg (30. und 39. Minute), als auch von Denis Streker (35. Minute). Kurz vor der Halbzeit konnte Lindner auch noch einen satten Schuss von Gernot Trauner über die Latte verfrachten.

Nach Wiederbeginn trat die Austria dominanter auf, man wollte die rasche Entscheidung herbeiführen. Da allerdings Omer Damari gut bewacht war und sich mit seinen Aktionen mehr und mehr verzettelte, der FAK nervöser und auch härter ins Spiel ging, was zur Folge hatte, dass es einen Gelbe-Karten-Hattrick für Violett gab – Alexander Grünwald, Thomas Salamon, als auch Lukas Rotpuller erhielten binnen weniger Minuten allesamt den gelben Karton von Schiedsrichter Rene Eisner präsentiert, was im Gegenzug wiederum das rustikale Besucher-Publikum auf den Rängen stimmlich und fäkalsprachlich herausforderte, ließ die Heimischen am Rasen vermehrt angriffslustiger werden.

Die Kulisse gestern Nachmittag in Ried. Foto: oepb

Die Kulisse gestern Nachmittag in Ried. Foto: oepb

Man hatte jedoch nie den Eindruck, dass aus violetter Sicht da heute hinten etwas anbrennen würde, zu undurchdringbar schienen die Wiener Verteidigungs-Reihen. Aber weit gefehlt. In der 82. Spielminute beging Salamon ein überaus blödes Foul in der gegnerischen Spielhälfte, was ihm Gelb-Rot einbrachte. Der nun abhanden gekommene Mann sollte der Austria noch fehlen. Lindner konnte sich in den letzten Minuten noch gegen Stefan Lainer (82.) und den eingetauschten Toni Vastic (87. Minute) auszeichnen. Dann ein längere Verletzungs-Unterbrechung an der Seitenlinie: Mario Leitgeb blieb nach einem Zweikampf liegen und die herbeigedüsten Sanitäter trugen ihn mit der Bahre vom Feld. Kurz darauf kehrte er zurück, der Austria fehlte in der Abwehrschlacht ohnehin bereits ein Mann. Dieser Umstand brachte allerdings eine sechsminütige !!! Nachspielzeit mit sich. Damari und der wiedergenesene Markus Suttner hatten in Co-Produktion das 0 : 2 am Fuß, scheiterten jedoch an Torhüter Thomas Gebauer. Der rasche Gegenangriff der Rieder brachte den Ausgleich. Toni Vastic stand im 5-Meter-Raum goldrichtig und staubte eine Hereingabe von links zum 1 : 1-Endstand trocken ab. Der aufopferungsvoll kämpfende Heinz Lindner lag da bereits geschlagen am Boden.

Und so gab es ein Remis, was dem Spielerlauf zwar gerecht wurde, beiden Vereinen allerdings punktuell in der Liga nicht großartig weiter hilft. Marcel Koller sah den späten Ausgleich in der 3. Minute der Nachspielzeit nicht mehr, er huschte bereits nach 85 Minuten auf und davon.

Weitere Fotos vom Spiel:

www.austria80.com/Fotos201415MS17RiedA.htm

Die SV Ried ist und bleibt für jedes Team ein unangenehmer Gegner, was den Innviertlern als Kompliment dienlich sein sollte. Der Gastgeber ist in der jüngsten Geschichte nun 5 Spiele unbesiegt, die Wiener Violetten verbuchten 7 Zähler aus den letzten drei Begegnungen. Ried fährt nun nach Graz zum SK Sturm und empfängt in der letzten Herbstrunde am 13. Dezember 2014 den SC Wiener Neustadt. Die Austria hat zweimal Heimrecht, am kommenden Samstag (6. Dezember) erwartet man Salzburg, eine Woche später ist der SV Grödig (13. Dezember 2014) zu Gast in der Generali-Arena.

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