Österreich gg. Montenegro 1 : 0 (1 : 0)

Bild AUEFA-EM-Qualifikation 2016 / 12. Oktober 2014 / Ernst Happel-Stadion, 44.200 Besucher.

Im siebten Versuch, der erste Tor-Erfolg – Rubin Rafael Okotie trat gestern Abend als Gold-Torschütze in Wien auf, scorte sein erstes Länderspieltor und hievte Österreich damit auf Tabellen-Platz 1 der Gruppe G.

Bildtext: Ein Tor, das 1 : 0, das ist das schönste was es gibt auf der Welt! Rubin Okotie (ganz links) wird von Aleksandar Dragovic, David Alaba und Julian Baumgartlinger zum Jubeln herumgereicht. Dahinter abgeschnitten: Zlatko Junuzovic. Foto: GEPA

Ein ÖFB-Länderspiel im Wiener Prater avanciert immer mehr zu einem kleinen Neujahrs-Konzert. Eine halbe Stunde vor Spielbeginn, das weite Oval ist bereits prächtig gefüllt, bringt Reinhard Fendrichs „I am from Austria!“ die Leute in Stimmung. Tausende und abertausende Fähnchen, gesponsert von einer großen Salzburger Brauerei, werden geschwenkt und dem Gegner somit bereits sehr früh klar gemacht, wer hier der Herr im Hause ist. Als dann beide Teams fünf Minuten vor Spielbeginn den Innenraum zur Aufstellung für die Hymnen betraten, taten sie dies unter den takt- und schwungvollen Klängen des Radetzky-Marsches. Die Kulisse ging artig und aufgestachelt von Stadion-Moderator Andy Marek eifrigst mit und brachte das alte Gemäuer einmal mehr zum Erbeben. Wie formulierte es doch so schön die schwedische Tageszeitung „Dagen“ nach dem 1 : 1 Österreichs gegen das Königreich am 8. September 2014: „All diese Fahnen und die Marschmusik – die Atmosphäre im Ernst Happel-Stadion war für unser Team überaus unangenehm.“

Der Assistgeber zum 1 : 0, Marko Arnautovic, in vorbildlicher Schusshaltung gegen Nemanja Nikolic. Foto: GEPA

Der Assist-Geber zum 1 : 0, Marko Arnautovic, in vorbildlicher Schusshaltung gegen Nemanja Nikolic. Foto: GEPA

Österreich möchte seinen Gegner förmlich den Marsch blasen und das Fürchten lehren. Das Intro dazu war und ist aller Ehren wert und zeigt einmal mehr auf, wie sehr sich die Österreichische Fußball-Nation nach einer Teilnahme anhand eines fußballerischen Groß-Ereignisses sehnt. Die diesbezügliche und aktuelle Qualifikation lässt bereits Gutes erahnen, doch Teamchef Marcel Koller hält den Ball sprichwörtlich flach, tritt auf die Euphorie-Bremse und sieht im Ist-Zustand lediglich eine Momentaufnahme. Und das ist auch gut so, denn es stehen ohnehin noch zahlreiche schwere Qualifikations-Begegnungen bevor.

Zum Spiel:
Der Traumstart in die EM-Qualifikation hätte für die ÖFB-Auswahl perfekter nicht sein können: Rubin Rafael Okotie schoss Österreichs Team gestern Abend mit dem Spiel entscheidenden 1 : 0 in der 24. Minute auf Platz 1 in Gruppe G. Und die Begegnung war, sieht man von dem einen oder anderen Zitter-Moment in der Schluss-Phase ab, herrlich anzusehen. Störend hingegen waren die vielen kleinen versteckten Fouls der Montenegriner, die nicht alle vom holländischen Referee Bas Nijhuis geahndet wurden.

Dass mit dem Gold-Torschützen ausgerechnet jener Spieler den Sieg fixierte, der nur aufgrund der Sperre von Marc Janko in die Anfangself gerutscht war, passte perfekt ins Bild. Nach 24 Minuten stand Okotie dort, wo ein echter Torjäger zu stehen hat. Nach einem tollen Querpass von Marko Arnautovic hatte der Gäste-Keeper Vukasin Poleksic absolut keine Abwehr-Chance, als Okotie den Ball aus kurzer Distanz im Fünfmeter-Raum stehend über die Linie ins Netz donnerte. Für Rubin Okotie selbst war dies bis dato der Höhepunkt eines für ihn turbulenten Jahres: Im Winter 2013/14 wurde er beim FK Austria Wien nach nur einem Tor in der Herbst-Saison 2013 (beim 1 : 1 gegen Wacker Innsbruck in der 90. Spielminute) aussortiert. Der folgende Leihbasis-Wechsel zu SønderjyskE nach Dänemark war eher eine Verzweiflungsaktion – doch die sich sich auszahlte. Mit 11 Toren in 15 Spielen schoss er sich zurück ins Rampenlicht. Was folgte war im Sommer der Transfer zum Deutschen Traditionsklub TSV 1860 München. Bei den „Löwen“ schoss er sich mit bisher 6 Volltreffern in 8 Spielen zur „Janko-Alternative“ im ÖFB-Team. Und so gelang ihm gestern im siebten Spiel das erste Tor – sein A-Team-Debüt für Österreich hatte der bereits als „ewiges Talent“ abgestempelte Okotie am 19. November 2008 unter Teamchef Karel Brückner beim 2 : 4 gegen die Türkei in Wien gefeiert.

 Ein Schnappschuss mit Symbolhaftigkeit: Julian Baumgartlinger gegen drei Montenegriner. Nr. 9: Kapitän Mirko Vucinic. Die Gäste waren unangenehm und agierten mit vielen versteckten Fouls. Foto: GEPA

Ein Schnappschuss mit Symbolhaftigkeit: Julian Baumgartlinger gegen drei Montenegriner. Nr. 9: Kapitän Mirko Vucinic. Die Gäste waren unangenehm und
agierten mit vielen versteckten Fouls. Foto: GEPA

Montenegro wurde im Finisch gefährlich
Vom Gegner gab es lange Zeit wenig zu sehen. Der angeschlagene Top-Star Stevan Jovetic, von Manchester City, wurde erst zur Halbzeit gebracht. Aber auch nach dessen Einwechslung hätte Österreich die Partie früh klar machen können, ja sogar müssen. Jedoch Martin Harnik mit einem Kopfball ans Lattenkreuz in der 50. Minute scheiterte ebenso, wie auch der eingewechselte Lukas Hinterseer in der 65. Minute am Tor-Aussennetz. Der bei dieser Aktion mitgeeilte und sehr gut positionierte Okotie rief vergebens, Hinteresser spielte den Ball nicht mehr auf. Und so wäre beinahe alle Siegesmühe umsonst gewesen: Zuerst klärte Florian Klein, als Mirko Vucinic Torhüter Almer schon überwunden hatte, dann hielt Robert Almer mit einem sagenhaften Reflex gegen Vucinic doch noch den Sieg fest. Zu den Klängen der Düsseldorfer Toten HosenAn Tagen wie diesen leerte sich die gute alte Schüssel nur sehr langsam und die Leute zogen fröhlich, heiter und ihre Fähnchen schwingend nach Hause ab. Schließlich passiert es nicht alle Tag, dass eine Österreichische Fußball-Nationalmannschaft eine Qualifikationsgruppe tabellarisch anführt.

Es wäre schön, wenn wir am Schluss oben stehen
Das Spiel im Ernst-Happel-Stadion war längst abgepfiffen, die Spieler hatten bereits die erste Ehrenrunde absolviert – und dennoch wurde noch einmal so laut wie bei Rubin Okoties Tor zum 1 : 0 gejubelt: Nämlich, als das 1 : 1 von Russland gegen Moldawien – und damit Österreichs Sprung auf Platz 1 in EM-Qualifikationsgruppe G – durchgesagt wurde.
ÖFB-Teamchef Marcel Koller bleibt dennoch auf dem Boden. „Das sieht gut aus. Allerdings ist es auch nur ein Zwischenstand. Es wäre schön, wenn wir auch am Schluss ganz oben stehen. Aber jetzt nehmen wir diesen ersten Platz einmal gerne für einen Monat mit.“ Seine Mannschaft blieb somit auch im 10 aufeinanderfolgenden Spiel ungeschlagen. Eine ähnlich gelagerte Serie gelang zuletzt unter Teamchef Karl Stotz, als Österreich von Jänner 1979 bis April 1980 in 8 Auswahlspielen nicht verlor.

Er spielte seinen Part trocken und gekonnt herunter. Aleksandar Dragovic (rechts) gegen Simon Vukcevic. Nr. 17: Florian Klein, dahinter Vladimir Bozovic (Nr. 19) und Julian Baumgartlinger. Foto: GEPA

Er spielte seinen Part trocken und gekonnt herunter. Aleksandar Dragovic (rechts) gegen Simon Vukcevic. Nr. 17: Florian Klein, dahinter Vladimir Bozovic (Nr. 19) und Julian Baumgartlinger. Foto: GEPA

Mit der Chancenauswertung konnte der Teamchef allerdings nicht zufrieden sein. „Es wäre sehr ärgerlich gewesen, mit so vielen Möglichkeiten zum Schluss den Ausgleich zu kassieren.“ Marcel Koller lobte seine Mannschaft, sein besonderer Dank galt aber auch den zahlreichen Zuschauern, die in der zweiten Halbzeit seine Mannschaft antrieben. „Sie haben gespürt, dass wir ihre Unterstützung brauchen.“ 
Für Torschütze Okotie war es ebenfalls ein besonderer Abend. „Es ist unglaublich, wenn man sich die Stimmung im Stadion anschaut. Im Moment gibt es nichts Schöneres. Die Vorarbeit von Marko Arnautovic war großartig, ich musste nur einschieben. Schade, dass wir unsere vielen weiteren Chancen nicht verwertet haben.“ Der Assist-Geber ärgerte sich ebenfalls über die Chancenauswertung. „Wir hätten mit 4 : 0 oder 5 : 0 gewinnen müssen.“ Trotzdem könne man stolz sein. „Aber der stärkste Gegner steht mit Russland noch bevor.“ Der Stoke City-Legionär schied nach der Pause mit einer Hüftverletzung aus. „Ich denke, dass es nicht schlimm ist.“ Auch Zlatko Junuzovic war nach dem Spiel bedient. „Mir tut alles weh, wir haben einiges einstecken müssen. Aber ich liebe es einfach, in diesem Team zu spielen. Der erste Platz ist eine herrliche Momentaufnahme – aber auch nicht mehr.“

Das Match im Zeitraffer:
4. Minute: Harnik nimmt Alabas Pass aus spitzem Winkel direkt, Torhüter Poleksic hält.

15. Minute: Fuchs flankt, Okotie kommt am Fünfer zum Kopfball, Poleksic hält mit einem Reflex.

24. Minute: TOOOR für Österreich, 1 : 0: Arnautovic setzt sich gegen Savic durch, beim Pass ist Okotie vor Volkov am Ball.

41. Minute: Junuzovic schießt aus der Drehung, Poleksic hält.

44. Minute: Nach einem Eckball schießt Hinteregger drüber.

45. Minute: Baumgartlinger erobert den Ball, Harnik scheitert an Poleksic, beim Nachschuss trifft Junuzovic Volkov auf der Linie.

50. Minute: Arnautovic flankt, Harniks Kopfball geht an die Latte.

67. Minute: Baumgartlinger spielt auf Hinterseer, der sich von Poleksic abdrängen lässt und nur das Außennetz trifft.

74. Minute: Vucinic bringt den Ball nach einem Lochpass an Almer vorbei, Klein klärt.

87. Minute: Vucinic nimmt eine Flanke direkt, Almer rettet mit einem starken Reflex.

89. Minute: Harnik umkurvt Poleksic und schießt daneben.

90. Minute: Poleksic hält Harniks Schuss.

Weiter in der Qualifikation geht es nun am 15. November 2014 in Wien gegen Russland. Das Match ist ausverkauft, nicht abgeholte Restkarten könnten noch in den Freien Verkauf gelangen:

www.oefb.at/tickets-pid608

Mit diesen 48.500 Plätzen und jener gleichen Besucher-Anzahl in Wien drei Tage später gegen Brasilien verbucht der ÖFB eine Gesamt-Kulisse von 97.000 Zuschauern und einer Euphorie für die Nationalmannschaft, die lange nicht mehr gegeben war. Diese Begeisterung gilt es zu prolongieren und zu nützen.

www.oefb.at

 

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