Wilhelm Willy Kreuz
Willy Kreuz kam am 29. Mai 1949 in Wien als eines von 9 Kindern zur Welt.
Gerade diese schwere Zeit der Nachkriegsgeneration brachte es mit sich, dass „Schmalhans Küchenmeister„ war und die jüngeren Geschwister beispielsweise das Gewand und die Schuhe der Älteren übertragen bekommen hatten. Dennoch hungerte die Familie nicht, wenngleich sie auch nicht vermögend war. Aber der Willy war stolz darauf, wenn er etwas auftragen durfte, das zuvor einem älteren und größeren Bruder gehört hatte. Bereits zu der Zeit, als der kleine Willy Lesen und Schreiben lernte, übte der Fußball eine magische Anziehungskraft auf ihn aus. Mit 7 Jahren dann der erste Kontakt zu einem Verein, zum SV Donau aus Wien-Kaisermühlen. Dort traf er damals auf seine späteren Mitstreiter Ferdinand Milanovich (Trainer und Manager beim SK VÖEST) und Robert Sara (Teamkapitän der ÖFB-Auswahl der 1970er Jahre). SV Donau ist ein Verein, der immer wieder Talente hervorgebracht hatte, aber nie mehr sein konnte, als der Blickpunkt lokal begrenzter Anhängerschaft.
Auch seine Brüder kickten bei Donau und so wurde der Willy 1956 Donauerianer. Mit großen Augen sah er seinen Brüdern zu, wie diese den Ball führten. Für ihn waren sie die besten Kicker der Welt. Nie würde er das können, was sie konnten. Er war der kleinste und schwächste von ihnen und wenn sie ihn zum Spiel mitnahmen, dann wohl eher auch aus Mitleid mit dem Kleinen, der so gerne ein großer Fußballer geworden wäre …
1961 holte ihn Admira in eine ihrer Nachwuchsmannschaften. Admira Wien aus Floridsdorf war eine große Adresse im Fußball hierzulande gewesen und oft wurde über deren sportliche Ruhmestaten im In- und Ausland gesprochen. Auch viele berühmte Spieler gab es bei Admira. An eine große Karriere dachte Willy damals freilich noch nicht. Mit 16 Jahren unterschrieb er seinen ersten Profi-Vertrag. Den erlernten Beruf eines Malers und Anstreichers übte er von nun an nicht mehr aus, er wollte sich ganz und gar dem Fußball-Sport widmen. Als er zum ersten Training der Kampfmannschaft kam, war er sehr eingeschüchtert. Seine Mitspieler duzten ihn, er wiederum sprach alle per „Sie„ an. Admira bot ihm einen Vertrag für zwei Jahre. 500 Schilling (EUR 36,33) Fixum im Monat, 800 Schilling (EUR 58,14) für den Sieg. Für ihn war das eine Menge Geld, denn er wohnte ja noch bei seinen Eltern. Sein Debüt in der Kampfmannschaft Admiras gab er im Herbst 1966 17jährig. 2.500 Besucher waren Augenzeugen am Admira-Platz, als er, der Jung-Spund, in der 47. Minute das 2 : 0 gegen den Kapfenberger SV beim 3 : 0-Sieg erzielte.
Seinen Einstand in der Nationalmannschaft feierte Willy Kreuz am 19. April 1969. Beim 2 : 1-Sieg der ÖFB-Auswahl in Nikosia auf Zypern scorte er das 1: 0. Neuerlich ein Tor beim Debüt also. 147 Bundesliga-Spiele und 69 erzielte Tore für Admira später, darunter 1971 Torschützenkönig mit 26 Volltreffern, nahm er 1972 ein Angebot von Sparta Rotterdam an und wechselte nach Holland. Sparta bot dem Jung-Verheirateten Geld und Wohnung und auch für Admira gab es eine schöne Stange Ablösesumme. Holland war Europas aufstrebendes und am schärfsten kalkulierendes Fußball-Land. Dort lernte er aber auch, dass der Fußballsport nicht nur angenehme Seiten mit sich bringt.
Man musste auf viel verzichten und hart arbeiten. Gerade den Legionären blickte man sehr genau auf die oftmals teuren Wadeln. In diese Zeit fiel auch sein Kontakt und die spätere Freundschaft zu Johan Cruyff, der damals für Ajax Amsterdam stürmte. Cruyff war einer der besten Stürmer weltweit seiner Zeit. 1974 wechselte Willy von Sparta zum Stadtrivalen Feyenoord Rotterdam. Feyenoord stellte ihm zwar keine Wohnung zur Verfügung, aber er verdiente so gut, dass er sich im so genannten „Feyenoord-Dorf„ eine Wohnung kaufen konnte. Außerhalb der Stadt gab es diese Siedlung, in der etliche Feyenoord-Spieler gewohnt hatten. Bis 1978 war Willy Kreuz für Feyenoord aktiv und wurde 1975 und 1976 Vize-Meister. Für ihn waren es wundervolle Jahre, dennoch keimte irgendwann Heimweh auf. Zuerst verstarb seine Mutter, zwei Jahre darauf der Vater. Seine spärlichen Heimatbesuche waren auf Beerdigungen und Länderspiele beschränkt, dies wollte er ändern. Weiters kam seine Tochter Alexandra ins Schulalter und ihm wäre es lieb gewesen, wenn sie in eine deutschsprachige Schule gehen würde. Die jüngere Tochter Olivia hatte zur Schulpflicht noch etwas Zeit.
In diese Zeit der Wechselüberlegungen hinein fiel die Fußball-Weltmeisterschaft 1978 in Argentinien. Österreich qualifizierte sich nach 20 Jahren wieder für solch ein Großereignis. Und nach Siegen gegen Spanien (2 : 1) und Schweden (1 : 0) stand man nach einem 0 : 1 gegen Brasilien als Gruppen-Sieger in der Zwischenrunde. Dort verlor man zwar gegen Italien mit 0 : 1 und Ernst Happel´s Holländer gar mit 1 : 5, doch nach dem 3 : 2-Sieg gegen Deutschland in Cordoba und der Sternstunde Hans Krankl´s kehrte Österreich als Siebenter von diesem Großereignis aus Südamerika nach Hause zurück. In Wien-Schwechat stand nach der Ankunft der Mannschaft Ferdinand Milanovich am Flughafen und empfing seinen alten Mitstreiter aus gemeinsamen Tagen beim SV Donau. Der SK VÖEST wollte in Linz die Gunst der Stunde nützen, um die klare Nummer 1 in der Stadt zu werden.
Der Rivale LASK war eben in die 2. Liga abgestiegen. Willy Kreuz sollte das Zugpferd der jungen VÖEST-Mannschaft werden und die Funktionäre wollten ihn unbedingt verpflichten. Es kursierte damals auch jenes Gerücht, dass sich folgendes abgespielt haben soll, als der SK VÖEST bei Willy Kreuz anrief:

21.000 Besucher verfolgen im Herbst 1979 das Derby VÖEST vs. LASK. Die VÖEST´ler Herbert Stahl und Willy Kreuz gegen Miroslav Vukasinovic vom LASK.
Maria Kreuz (schier aus dem Häuschen): „Willy, Willy, Linz ist am Telefon!„”
Willy Kreuz: „Der LASK? Frag, was sie wollen.”
Maria Kreuz: „Nein, die anderen, die von VÖEST. Sie wollen, dass Du nach Linz kommst, Fußball spielen.”
Willy Kreuz: „Ach so? Gut, frag, was sie zahlen.”
Maria Kreuz: „Sie sagen, nenne eine Summe, der Vertrag liegt bereit …”
Und so wechselte nach sechs Jahren Holland Willy Kreuz im Sommer 1978 nach Österreich zurück, der SK VÖEST ward seine neue Heimat geworden. Und er war der gesuchte und gefundene Leithammel der SK VÖEST-Funktionäre. In seinem Sog wurden Reinhold Hintermaier, Dieter Mirnegg, Max Hagmayr und Helmut Wartinger Team-Spieler. In der Zeit zwischen 1978 und 1980 gab es mehrere Länderspiele mit 3 VÖEST-Fußballern in den Start-Reihen.
In der nationalen Meisterschaft war der SK VÖEST Publikumsmagnet. Bei strömendem Regen – das Linzer Stadion hatte damals kein Dach am Stehplatz – kamen beispielsweise gegen Austria Salzburg 18.000 Besucher.

Zwei Kaisermühlner beim SK VÖEST in Linz wieder vereint. Manager Ferdinand Milanovich und Trainer Willy Kreuz in der Spielzeit 1988/89.
Gegen Austria Wien war die Gugl mit 24.000 Zuschauern rappelzappel voll. Und auch in Wien war man wer. Anlässlich einer Doppelveranstaltung im Stadion im September 1978 lautete das Vorspiel Austria vs. Sportklub (3 : 1 vor 15.000 Besuchern). Zum Hauptspiel lud die Vienna gegen den SK VÖEST (1 : 0 vor 17.000 Zuschauern). In diesem Jahr wurde der SK VÖEST mit Willy Kreuz Fünfter, im Jahr darauf holte man hinter Austria Wien die Vize-Meisterschaft und wurde Zweiter noch vor dem LASK, der wiederum in die höchste Spielklasse zurückgekehrt war. Die Stadt-Derbys gegen den Rivalen waren wahre Straßen-Feger und die Linzer Gugl platze oftmals aus allen Nähten.
Im September 1980 dann der Rückschlag. Bei einem Meisterschaftsspiel im damaligen West-Stadion gegen RAPID riss die Achillessehne. Eine schwerwiegende Verletzung in der Karriere des Willy Kreuz. Sehr mühsam und langsam kämpfte er sich zurück, wenngleich ihm auch der ÖFB-Teamchef Karl Stotz eisern die Stange hielt. Im März 1981 gegen Austria Salzburg gab er sein Comeback im Dress des SK VÖEST und wurde langsam wieder der Alte.
Als Österreich ím Juni 1981 das WM-Qualifikations-Spiel gegen Finnland (5 :1) in Linz austrug, streifte er zum letzten Mal den Teamdress über. Tosender Applaus brandete unter den 26.000 Besuchern auf, als er nach 81 Minuten für den zweifachen Torschützen in diesem Spiel, Herbert Prohaska, aufs Feld kam.
Willy Kreuz absolvierte 56 Länderspiele und erzielte dabei 11 Tore für Österreich.

Große Freude beim Wiedersehen: Johann Rinner und Willy Kreuz 2008 im Linzer Schloss. Foto: Michael Hummer
Am 22. Mai 1982 sein letzter großer Auftritt beim SK VÖEST. Die Werksportler schlugen RAPID, die am Weg zum Gewinn der Meisterschaft waren, mit 1 : 0.
Willy und die gesamte VÖEST-Mannschaft bot eine tadellose Leistung. „Ich bin gerne hier in Linz.”, sprach er nach dem Spiel ORF-Mann Manfred Payrhuber ins Mikrophon. Und dennoch war es sein letzter Auftritt nach 112 Spielen und 37 Toren in Linz gewesen. Der SK VÖEST verjüngte das Team und gab Willy Kreuz ab, zum SC Eisenstadt. Für die Burgenländer absolvierte er jedoch nur mehr 3 Bundesliga-Spiele. Am 25. September 1982 beendete Willy Kreuz beim 2:3 im heimischen Lindenstadion gegen Austria Klagenfurt seine Karriere, nach 262 Bundesliga-Spielen und 106 dabei erzielten Toren.
Was nun folgte war die Zeit der Trainer-Tätigkeit. Viele Jahre hindurch war er als Spieler-Trainer in Untersiebenbrunn aktiv, ehe er in den Trainer-Stab bei Admira/Wacker kam. Im Jänner 1987 gewann er mit den Südstädtern das traditionelle Wiener Stadthallenturnier. Dies war insofern bemerkenswert, da die Wiener Austria zuvor achtmal in Serie Turniersieger gewesen war. Im September 1988 kehrte Willy Kreuz erneut nach Linz zurück, als Trainer des SK VÖEST. Mit den Linzern gewann er 1989 das so genannte „Abstiegs-Play-Off” und qualifizierte sich im Jahr darauf für die Aufstiegsrunde, dennoch setzte man ihn im April 1990 erneut vor die Türe. Im Juni 1991 dann der große Coup als Trainer, er gewann mit dem Zweitligisten SV Stockerau den ÖFB-Cup gegen RAPID Wien mit 2 : 1. Die beiden Europa-Pokal-Auftritte gegen Tottenham Hotspurs waren sehenswert, verkauften sich die Stockerauer doch sehr teuer und verloren zweimal denkbar knapp mit 0 : 1.
Heute betreibt Willy Kreuz eine Trafik in Wien-Liesing im Wohnpark Alt-Erlaa. Seit Jänner 2010 ist er als Trainer beim ASK Bad Vöslau in der 1. NÖ-Landesliga aktiv. Willy Kreuz ist zufrieden auf das Erreichte und sein Leben. Er ist bescheiden geblieben und dankbar dafür, was ihm Gutes widerfahren ist. Und doch blieb ihm ein großer Wunsch unerfüllt – er wäre gerne bei Austria Wien untergekommen. Egal ob als Spieler oder später als Trainer. Dieser Verein stand ihm seit jeher nahe und dennoch war er nie für die Veilchen aktiv …
Leave a Response
You must be logged in to post a comment.







