Heinz Conrads
Im heurigen Dezember, am 21., wäre Heinz Conrads 95 Jahre alt geworden. Doch was blieb eigentlich an Erinnerung an den vielseitigen Künstler, Kabarettisten, Schauspieler, Interpreten von Wiener Liedern und Conferencier, der am 9. April 1986 nur 73jährig viel zu früh seine große Fangemeinde verlassen hat? Im sehr raschen und zuweilen auch kurzlebigen Medien-Alltag unserer Zeit ist das Bild von Heinz Conrads heute etwas verschwommen. Selbstverständlich ist vielen Menschen hierzulande noch die Erinnerung aus zahlreichen Filmen, Aufzeichnungen aus dem legendären Kabarett Simpl und seine so unnachahmliche Interpretation von Wiener- und Heurigenliedern geblieben, aber auch seine Lesungen mit Mundartgedichten sind dokumentiert. In zahlreichen Büchern versuchte man bisweilen, das Phänomen Heinz Conrads aufzuspüren. Die Gemeinde Wien hat beispielsweise in der Nähe seines langjährigen Zuhauses im 14. Gemeindebezirk Heinz Conrads war bekennender RAPID-Anhänger in Hütteldorf, einen Park nach ihm benannt.
Wie verlief sein Werdegang:
Im Jahre 1946 begann er mit der Sonntags-Rundfunksendung-Matinee ,Was machen wir am Sonntag, wenn es schön ist?´ und blieb damit dem Radio 40 lange Jahre treu. Heinz Conrads gestaltete und interpretierte diese Sendung live, einzig und allein der Sendungstitel ,³Was gibt es Neues hier in Wien?´ bis zum verkürzten ,Was gibt es Neues?´Als Mitte der 50iger Jahre das Fernsehen in die österreichischen Wohnzimmer mehr und mehr Einzug hielt, begann auch für ihn eine einmalige Fernsehkarriere. 1957 wurde erstmals die Sendung ,Was sieht man Neues?´, später unter dem Titel ,Guten Abend am Samstag´ allwöchentlich eben am Samstag Abend ausgestrahlt. Heinz Conrads war somit geladener und gebetener Gast in unzähligen österreichischen Haushalten. Er kam zuverlässiger, treuer und präsenter, als so manches andere eigene Familienmitglied. Seine zu Lebzeiten schon legendär gewordenen
Begrüßungsworte: ,Guten Abend die Damen, guten Abend die Herren, guten Abend die Madl, Servas die Buam!´ avancierten zum Markenzeichen, das selbst in die Generation, die ihn kaum mehr erlebt hat, hineingetragen wurde. Er schaffte es immer wieder, sich direkt in seine Zuhörer und Zuseher hineinzuversetzen, er fand die passende Worte der Anteilnahme und des Trostes, wenn dieser verlangt wurde. Dies war seine Kunst. Für zahlreiche kranke oder einsame Menschen war die Heinz Conrads-Sendung der wichtigste und glücklichste Moment einer ganze Woche. Es gelang ihm mit seiner etwas spitzbübischen, aber doch auch einfühlsamen Art, die Leute aufzurichten und dafür zu sorgen, dass diese ihr Schicksal, und wenn es nur für den Augenblick war, vergessen konnten. Das machte ihn zum wahren Volksliebling, wie es ihn in dieser Form kein zweites mal mehr gibt.
Mit seiner Sendung betrat er aber auch Neuland, kannte man doch damals die Art und Weise einer Moderatorenrolle, wie sie heute gang und gäbe ist, noch nicht. Heinz Conrads führte locker und ungezwungen plaudernd durchs Programm, hatte stets Neuigkeiten parat und brachte auch die Werke und Schicksale längst vergessener Textdichter und Komponisten auf interessante Weise seinem großen Publikum nahe. Er förderte aber auch Mundartdichtertalente wie Trude Marzik oder Georg Strandt. Wenn der ehemalige Polizeipräsident von Wien, Josef ,Joschi´ Holaubek, der selbst auch ein besonders bekannter und beliebter Mann des öffentlichen Lebens in Österreich war, über Heinz Conrads meinte: ,Ich habe selten eine Persönlichkeit erlebt, die mit solcher Regelmäßigkeit solche Erfolge erzielt hat. Er ist ein bisserl ein Zauberer.´ so beschreibt er doch sehr treffend das Phänomen.

Heinz Conrads und Stars der Wiener Eisrevue. Conra Conrads fungierte als Conferencier bei der Überreichung eines Preises an die millionste Besucherin der Wiener Eisrevue.
Doch diese Karriere war Heinz Conrads nicht unbedingt in die Wiege gelegt worden. Auf Vaters Wunsch erlernte er, wie dieser selbst, die Modelltischlerei und legt 1931 die Gesellenprüfung ab. Aufgrund der schlechten wirtschaftlichen Lage entschied er sich jedoch, als Freiwilliger zum Österreichischen Bundesheer zu gehen. Im 2. Weltkrieg nahm er am Polenfeldzug teil, erkrankte jedoch schwer und wurde nach Wien versetzt.
Doch bereits von frühester Jugend an liebte er das Theater und die Musik und zeigte sein großes musikalisches und komödiantisches Talent in vielen Auftritten bei Laiengruppen und Theatervereinen. Zurück in Wien kam seine schauspielerische Begabung dann vollends zum Tragen, er organisierte ,Bunte Kompanie-Abende´ und war Parodist und Conferencier bei zahlreichen Festen und Veranstaltungen. Just in dieser Zeit lernte er auch den Musiker Heinz Sandauer kennen, der ihn förderte und somit auch zu einem wichtigen Ratgeber für seine spätere Karriere wurde.

Ein beeindruckendes Erlebnis für Marina Alsen war das Enagement von Heinz Conrads 1971 in der ,Csardasfürstin´:,Er hat die Massen zum Toben gebracht, wie kein anderer. Mein Vater und er waren in Sopron mit dem Auto unterwegs und mein Vater fühlte sich wie der Lakai oder besser gesagt der Chauffeur vom Prinzen, er ist gefahren und der Heinzi hat den Leuten vom Auto aus gewunken und die sind alle hinterher gelaufen.´
Heinz Conrads nahm Schauspielunterricht, legte die Eignungsprüfung 1942 mit ,sehr gut´ ab und wurde noch im gleichen Jahr ans Wiener Stadttheater engagiert. Nach dem krieg wurde er zum beliebten Chansonnier und Kabarettisten bei Modeschauen, lustigen und bunten Abenden sowie vielen ähnlichen Veranstaltungen. Zwischen 1945 und 1948 trat er im Simpl auf, nach einer kurzen Unterbrechung jedoch holte ihn Karl Farkas erneut an dieses Haus zurück, dem er bis 1955 treu blieb. In der Zwischenzeit wurde er durch seine Radiosendungen bereits so populär und trat auch immer wieder als Schauspieler auf beispielsweise 1952 bei den Salzburger Festspielen als ,Dünner Vetter´, oder an der Josefstadt als ,Liliom´ oder ,Der Brave Soldat Schwejk´. So quasi nebenbei wirkte er in über 30 Filmen mit. In den 70iger Jahren debütierte er als ,Frosch´ in der Feldermaus-Silvestervorstellung in der Wiener Staatsoper, ab 1973 verkörperte er diese Rolle immer wieder an der Wiener Volksoper.
Ans Herz gewachsen ist Heinz Conrads seinem Publikum natürlich vor allem durch sein langjähriges Wirken im Radio und Fernsehen. Seine Lieder, die er darin bot, waren stets gerne gehört und die Hits einer ganzen damaligen Generation. ,A Schneeflockerl und a Ruaßflankerl´, ,Der alte Herr Kanzleirat´, ,Der Schuster Pockerl´, ,Wie der Radetzky noch ein G´freiter war´, oder aber ,Der Wurschtl´ wurden oft gefordert, sowie auch das von Heinz Conrads selbst verfasste Musikstück ,Als meine Tochter Klavier spielen lernte´. Diese Lieder waren damals noch wie heute untrennbar mit seinem Namen verbunden und erinnern an den großen Künstler. Als er am Mittwoch, 9.
April 1986 für immer seine Augen schloß, trauerte ganz Österreich um diesen Volksliebling. In seinen Liedern und Interpretationen wird er aber unvergessen bleiben.
Heinz Conrads wurde auf dem Friedhof in Wien-Hietzing in einem Ehrengrab der Gemeinde Wien bestattet. 2004 wurde er in die Liste der 50 wichtigsten Österreicher der letzten 50 Jahre bei einer Leserumfrage der Tageszeitung KURIER gewählt.
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