Alberto Martinez

Alberto Ariel Martinez

Alberto Ariel Martinez

Alberto Ariel Martinez erblickte am 30. Juli 1950 in Rocha/Uruguay das Licht der Welt. Bereits mit 8 Jahren startete er in der 30.000 Seelen zählenden Heimatgemeinde seine Fußballer-Laufbahn – wie alle Buben Südamerikas – auf der Straße. Ein Nylonstrumpf der Mutter ausgestopft mit Zeitungspapier, das war der Ball. Der Vater war als LKW-Fahrer ständig auf Achse und die Familie hatte nur wenig Geld. Fußball wurde alsbald sein Sport, den er sich leisten konnte, denn beispielsweise Tennis war nur den vermögenden Menschen vorbehalten. Bereits mit 14 Jahren verdiente er sein Taschengeld selbst, in dem er als Getränkelieferant für Restaurants mit einem geborgten Drahtesel, als auch als Autowäscher aktiv wurde.

1973 dann der Sprung über den großen Teich. Die Vereine Club Atletico Penarol und Club Nacional de Football, beide aus Montevideo, waren äußerst geldarm. Kurt Blau, der in Uruguay lebende Cousin des langjährigen verdienstvollen Austria-Sekretärs Norbert Lopper vermeldete dies nach Wien: „Zwei Klassekicker sind kostenlos frei!„ Auf diesem Weg und für kolportierte 1 Million Schilling wechselten die beiden Urus Alberto Martinez und Julio Morales nach Österreich. Ein Glücksgriff für die Austria, wie sich später herausstellen sollte.

Während seiner Zeit bei Austria/WAC 1975.

Während seiner Zeit bei Austria/WAC 1975.

Im Zuge eines Interviews meinte er Jahre später, dass die schönste Zeit seines Lebens mit der Ankunft in Wien-Schwechat am 7. Jänner 1973 begonnen hatte. Und er lernte sofort Deutsch, wenngleich er keinen Kurs besuchte. Es lag ihm vermehrt daran, dies im Training, auf der Gasse, beim Umgang mit Freunden, oder aber in einem der zahlreichen Wiener Cafés zu tun.

Freilich hatte die Austria damals einen so genannten „Jahrhundertsturm„ mit Thomas Parits, Julio Morales und Hans Pirkner, aber Alberto Martinez kam immer wieder zu Einsätzen und trug vermehrt am sportlichen violetten Aufstieg Mitte der 1970er Jahre bei. Seine Sternstunde zweifellos war der 12. April 1978.

Die Austria stand im Halbfinale des Europapokals im Elfmeterschießen gegen Dynamo Moskau. 70.000 Besucher waren im Wiener Stadion schier aus dem Häuschen, als er den entscheidenden Elfmeter zum 5 : 4 in den Maschen versenkte und erstmals ein österreichischer Verein im Finale eines Europapokal-bewerbes stand.

Entscheidender Elfmeter zum 5 : 4 gegen Dynamo Moskau am 12. April 1978. 70.000 Menschen im Wiener Stadion standen Kopf. Die Austria war im Endspiel.

Im Herbst 1979 für den SK VÖEST aktiv.

Beim Endspiel am 3. Mai 1978 in Paris gegen den RSC Anderlecht (0 : 4 aus Sicht der Austria) wurde er in der Schlussphase eingewechselt.

Im Sommer 1978 wechselte Alberto Martinez von den Fußballplätzen im Prater hinaus nach Hernals, der Wiener Sportklub sollte seine neue Heimat werden.

Seine 20 Volltreffer trugen maßgeblich dazu bei, dass die Dornbacher unter Trainer Erich Hof Vizemeister 1978/79 wurden.

Diese Trefferquote blieb freilich den Spähern des SK VÖEST nicht verborgen. In Linz bastelte man um Superstar Willi Kreuz an einer schlagkräftigen Truppe, die den Wiener Violetten von der Austria das sportliche Leben schwer machen sollte.

Im Herbst 1979 für den SK VÖEST aktiv.

Besuch eines Unter 21-Vorspiels des SK VÖEST im Linzer Stadion 1979. Die Ex-Austrianer Thomas Parits (links) und Alberto Martinez (rechts) mit Karl Hodits in der Mitte.

Und so wurde im Sog von Thomas Parits, Fritz Drazan, Herbert Stahl und Manfred Mertel eben auch Alberto Martinez im Sommer 1979 zum SK VÖEST gelotst.

Aber irgendwie kam das Werkel nur sehr schwer in die Gänge, die vielen hervorragenden Einzelspieler wurden keine Mannschaft und nach einem durchwachsenen Herbst 1979, den der SK VÖEST in der Tabellenmitte als 5. abschloss, gab man im Winter Alberto Martinez zum Wiener Sportklub zurück.
Ohne ihn wurde der SK VÖEST 1980 noch Vize-Meister – hinter der Austria.

Martinez spielte bis 1982 in Dornbach, war 1982/83 unter Trainer Walter Skocik bei Las Palmas aktiv, ehe er 1983 bis 1985 beim Favoritner AC angeheuert hatte. Prominente Mitstreiter damals waren die Brüder Robert und Josef Sara, sowie Dietmar Constantini gewesen.

Als Trainer fungierte Adolf Blutsch. Dann ging es auf Drängen der Gattin Mirna in die Heimat zurück.
Diese hatte sich gegenüber Alberto, der 1983 die Staatsbürgerschaft erhielt und auch seinen Präsenzdienst absolvierte, in Österreich nie richtig heimisch gefühlt.

Besuch eines Unter 21-Vorspiels des SK VÖEST im Linzer Stadion 1979. Die Ex-Austrianer Thomas Parits (links) und Alberto Martinez (rechts) mit Karl Hodits in der Mitte

Im Dress (links) des Wiener Sportklubs 1982 gegen RAPID und Hans Krankl.

Zurück in Uruguay ereilte ihn das Schicksal: 1987 Herzinfarkt und 1991 verstarb sein jüngerer Sohn Emanuel an Gehirntumor. Last but not least kam auch noch die Trennung von seiner Gattin.

Seine ehemaligen Mitspieler Herbert Prohaska, Erich Obermayer, Karl Daxbacher (alle Austria) und Dietmar Constantini (FavAC) starteten eine spontane Spendenaktion, um die hohen Spitalskosten in Uruguay für seine Herz-Operation abfedern zu können.

Am 1. Dezember 2009 erlag er jedoch seinem Herzleiden, er wachte aus dem Mittagsschlaf nicht mehr auf.

Äußerst berührend war die Trauerminute, die am 3. Dezember 2009 vor dem EUROPA LEAGUE-Spiel der Austria gegen Athletic Club Bilbao abgehalten wurde – als auf der Video-Wall sein entscheidender Elfmeter von 1978 gegen Moskau gezeigt wurde, stand das gesamte Stadion und spendete spontan tosenden Applaus.

Es bleibt zu erwähnen, dass Alberto Martinez dem österreichischen Fußball viel gegeben hatte. 338 Bundesligaspiele für vier Vereine in der Zeit von 1973 bis 1985 und dabei 84 erzielte Meisterschafts-Tore sprechen eine klare Sprache. Sein Sohn Sebastian ist ebenfalls in Österreich aktiv, er spielte schon für RAPID, in Ried und in Wiener Neustadt. Derzeit ist er bei der Vienna engagiert.

Zeitzeugen des SK VÖEST in Linz erinnern sich:

Erwin Fuchsbichler (Mitspieler):
Der „Uru„ war ein feiner Kerl, wir hatten immer wieder jede Menge Spaß mit ihm. Alberto war stets freundlich, gut gelaunt und hatte immer den Schalk im Nacken. Ich erinnere mich, dass er stets mit einem Zahnstocher im Mund sein Mittagsschläfen im Trainingslager angetreten hatte. Und sein älterer Sohn Sebsatian, damals ein kleiner Putz, zerbombte gerne im VÖEST-Bunker die Garderoben nach dem Training mit der Lederwuchtel.

Ferdinand Milanovich (Trainer):
Mit Alberto Martinez verbinde ich die Erinnerung an einen Mannschaftsspieler von individueller Klasse, der sich untergeordnet und angepasst, aber nie seine Schlitzohrigkeit verloren hatte. Er war südamerikanisch temperamentvoll und ließ seine hervorragende Technik auch am Platz aufblitzen. Er war aber auch ein Spieler, der sich selbst an einem Leithammel orientierte, ohne selbst die Initiative ergreifen zu müssen.

Hans Rinner (Obmann):
Ich bin entsetzt über das plötzliche Ableben dieses wirklich guten Spielers und sympathischen Menschen. Wir mussten ihn seinerzeit zwar wieder zum Sportklub zurückgeben, aber dies kam deswegen zustande, weil wir ein Überangebot an tollen Spielern hatten. Wir wollten mit unserer Mannschaft der Wiener Austria Paroli bieten und wurden in diesem Jahr (1980) Vize-Meister. Er war ein feiner Kerl, technisch versiert und hatte keine Star-Allüren.

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