Die Jungs von der Castroper Strasse

Die Geschichte des VfL Bochum

31. 12. 2005

jungsDer Verlag ,Die Werkstatt´ aus dem deutschen Göttingen brachte knapp vor Weihnachten ein weiteres Werk geschichtsträchtiger Provenienz auf den Markt. Die Geschichte des ,Vereins für Leibesübungen Bochum von 1848´ wurde vom Autor Markus Franz peinlichst genau beleuchtet und aufgearbeitet. Die ,Werkstatt-Verlag´-Leutchen sind ja für Penibelität und akribisches Arbeiten bekannt, folglich liegt ein Werk der ehemals als Graue Maus der Deutschen Bundesliga geltenden Truppe vor, die diesen sympathischen Verein dem geneigten Leser und auch Fan näher bringt.

Der VfL Bochum, der von seinen unzähligen Anhängern jahrelang als ,unabsteigbar´ aus der höchsten Deutschen Spielklasse hochgejubelt wurde, mußte dennoch 1993 erstmals nach 22 Jahren ununterbrochener Zugehörigkeit den Gang nach Canossa antreten und in die Niederungen der 2. Liga absteigen. Aus dieser kehrte man freilich 1994 wieder zurück, um 1995 wieder in die 2. Deutsche Bundesliga zu entschwinden. 1996 war man wieder da und aus den ehemals ,Unabsteigbaren´ waren die ,immer wieder aufsteigbaren´ geworden. Der Humor wurde in der Stadt von Herbert Grönemeyer somit nicht verloren, man war stolz auf seine Malocher vom VfL, die trotz der großen Revier-Nachbarn-Konkurrenz von SCHALKE und Dortmund in ihrem schmucken Ruhrstadion immer wieder aufs neue aufblühten. Als Aufsteiger qualifizierte man sich urplötzlich und erstmals in der langen Vereinsgeschichte 1997 für den UEFA-Cup. Ein Raunen ging durch die Stadt und die Begeisterung um den VfL war schier grenzenlos … und dann, und dann, und dann … kam Ajax Amsterdam ins Ruhrstadion. Zuvor eliminierte man Trabzonspor und FC Brügge, ehe das holländische Vorzeigeteam von Ajax die Schwächen des VfL schonungslos aufzeigten. Dennoch war der Trip nach Europa, den der vermeindlich kleine VfL aus Bochum hinlegte, sehenswert.

Nichtsdestotrotz kehrte bald der sportliche Alltag wieder ein und der hieß Abstiegskampf pur, dem man sich 1999 geschlagen geben mußte, der dritte Abstieg in die 2. Liga in sechs Jahren stand an. Aber Bochum wäre nicht Bochum, wenn man nicht auch diesmal nach nur einem Jahr in die Beletage der höchsten deutschen Liga wiederkehren würde. 2000 war man also wieder da, um 2001 wieder weg zu sein. Der VfL avancierte langsam aber sicher zu einem Paternoster-Verein – zu stark für die 2. Liga, dem Vernehmen nach zu schwach für die 1. Liga. Egal, der treue Anhang hielt eisern zu seinen Farben, entzündete oftmals bei den Heimspielen das ,blaue Licht bei der Nacht´ – frei nach dem Motto der Bergleute und Kumpels der Zechen und 2002 hieß der neuerliche Aufsteiger VfL Bochum. Nach zwei Spielzeiten in der 1. Deutschen Bundesliga war man 2004 wieder im UEFA-Cup angelangt, aus dem man sich allerdings gegen Standard Lüttich in der 1. Runde wieder verabschiedete. Und was nun kommt, weiß man ja inzwischen, 2005 folgte der fünfte Abstieg aus dem Oberhaus in nur 12 Jahren. Derzeit liegt der Verein aus dem Herzen des Ruhrgebiets allerdings an zweiter Stelle in der 2. Bundesliga, einem sofortigen und neuerlichen Aufstieg nach dem Abstieg steht somit nichts mehr im Wege.

Der Verein verfügt eben über eine sehr bewegte Geschichte, 1968 Deutsches Pokalfinale, 1971 erstmaliger Aufsteig in die höchste deutsche Spielklasse, 1988 wieder DFB-Pokalfinale, dazwischen jahrelanger Abstiegskampf, garniert mit großen Siegen gegen noch größere Teams, aber eben leider auch bitteren Niederlagen gegen die Konkurrenz aus der Tabellennachbarschaft. Dennoch ist der Klub seiner Linie treu geblieben und bringt immer wieder hoffnungsfrohe Talente heraus, die er dann gewinnbringend weiterverkaufen muß, um wirtschaftlich zu überleben. Dieses System geht seit vielen Jahren so und wird sich vermutlich auch nicht ändern. So bleibt dem Verein nur zu wünschen, daß er schleunigst wieder noch oben kommt und sein 160jähriges Bestehen 2008 im Oberhaus feiern wird. Wer weiß, vielleicht sogar in einem internationalen Wettbewerb. ,Glück auf´, Bochum.

,Die Jungs von der Castroper Straße´ – Die Geschichte des VfL Bochum
370 Seiten, viele Fotos, einem Spielerlexikon , sowie einer ausführlichen Statistik, gebunden
von Markus Franz
ISBN 3-89533-506-1
Verlag Die Werkstatt, Lotzestr. 24a, 37083 Göttingen, Deutschland
Tel.: 0049/551/7700557
e.brand@werkstatt-verlag.de
www.werkstatt-verlag.de
www.vfl-bochum.de

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