Die Geschichte des Linzer Stadions auf der Gugl

15. November 2007

Linz verfügte schon zur Zeit der Ersten Republik über ein eigenes Stadion.
Es befand sich im Bereich der Prinz Eugen-Straße und war vor allem dem Einsatz der „Arbeitersportler„ zu verdanken. Der Krieg und die Industrialisierung führten jedoch zum Aus für diesen Standort. Der Zweite Weltkrieg war beendet – am 8. Mai 1945 kapitulierte die Deutsche Wehrmacht – und Linz an der Donau lag als so genannte „Patenstadt des Führers und Reichskanzlers Adolf Hitler„ nach 22 verheerenden Luftangriffen der Alliierten in Schutt und in Trümmern. Doch die emsigen Linzer gingen nicht nur her und bauten binnen kürzester Zeit die ehemaligen „Reichswerke Hermann Göring Oberdonau„ wieder auf und benannten ihr neues Unternehmen „VÖEST„ – was soviel heißt wie „Vereinigte Österreichische Eisen- und Stahlwerke„ – nein, es sollte auch ein neues Stadion entstehen. Bereits 1946 war die Linzer Stadtverwaltung auf der Suche nach einem geeigneten und günstigen Standort. Das war jedoch nicht so einfach, da durch Linz die Demarkationslinie verlief. Die Linzer Innenstadt war beispielsweise amerikanisch, jenseits der Donau im Stadtteil Urfahr, der 1912 an Linz eingemeindet wurde, residierten die Russen. Der damalige Bürgermeister Dr. Ernst Koref begrüßte jedoch diese Maßnahme, da eben das vormalige Arbeiterstadion im Hafengelände zerstört worden war. Es sprach aber auch für die Aufbruchstimmung in der Stadt, in jener harten und entbehrungsreichen Zeit, an den Bau eines Stadions zu denken. Jenes Areal, das 1946 als für den Stadionbau geeignet erachtet wurde, war zerbombt, aus der Lehmgrube der nebenan befindlichen und für den Wiederaufbau so wichtigen Froschbergziegelei ragten noch die Barackenreste des Reichsarbeitsdienstes.
Bei der Bevölkerung fand die Absicht, ein Stadion bauen zu wollen, zunächst wenig Resonanz, mussten sich doch in der Zeit der Not viele Menschen um ihr eigenes Schicksal kümmern. Im Laufe der Jahre änderte sich aber diese Einstellung. Die Schwierigkeiten in den Jahren der Bauzeit der ersten Etappe waren gewaltig. Und so war dann doch auf dem Areal der ehemaligen Froschberg-Ziegelei der geeignete Platz gefunden. An diese Ziegelei erinnert heute noch die Ziegeleistraße, die direkt vom Bahnhof hinauf auf den Froschberg und zum „Stadion der Stadt Linz„ führt. Und nicht zuletzt Dank des persönlichen Einsatzes von Bürgermeister Dr. Ernst Koref, gelang es, die finanziellen Engpässe zu meistern.

Eine Lehmgrube musste also einem Oval weichen und nach einer relativ kurzen Bauzeit, trotz Geldknappheit und ungenügendem Baumaterial, konnte am 28.
Juni 1952 das Linzer Stadion auf der Gugl seiner offiziellen Bestimmung im Rahmen eines großen Schul- und Sportfestes feierlich übergeben werden. Das Stadion bestand damals aus Tribünen und sonstigen Anlagen samt den Verkehrs- und Abstellflächen. Ein Meilenstein in der Geschichte des Linzer Sportstättenbaus war somit gesetzt. Das neue Stadion, welches auf der einen Längsseite eine unüberdachte Sitzplatztribüne für 4.500 Menschen aufwies und eine große Stehterrasse für 21.000 Besucher hatte, beginnend vom Anschluß an die Sitzplatztribüne hinüber die gesamte Gegengerade entlang. Das Areal war jedoch so angelegt, dass eine Seite hinter dem Tor offen blieb. Das Oval sah demnach aus der Vogelperspektive wie ein riesengroßes U aus. Die ursprüngliche Planung sah neben den Tennisanlagen noch die Errichtung eines Schwimmstadions vor. Da bei der Entscheidung zugunsten des Stadionbaus besonders an die Jugend gedacht wurde, sei hier noch ein Zitat erwähnt, anlässlich der Eröffnung 1952:

„Die Not des Krieges, Bombardierungen, Hunger und viele andere Erscheinungen unserer jüngsten Vergangenheit haben die Jugend in eine fast nicht zu beruhigende Nervosität hineingesteigert, die sich in ihrem überreizten inneren Verhalten kennzeichnet. Man darf die Jugend heute nicht geistig und nervlich überspannen, sondern muß ihr gerade durch körperliche Übungen einen entsprechenden Ausgleich schaffen.„

Der Linzer nahm dann sein neues Stadion sehr rasch an, wenngleich in den ersten Jahren der „Linzer Athletik Sportklub„ – kurz LASK genannt – gegründet 1908, fortan seine Spiele abwechselnd im Stadion und am LASK-Platz in der Paul Hahn-Straße austrug. Bei Spielen, bei denen Massenbesuch erwartet wurde, ging man eben auf die Gugl und Besucherzahlen von 20.000 Menschen aufwärts, wenn die großen Vereine Austria, RAPID und Sportklub aus Wien kamen, waren damals keine Seltenheit gewesen.

Der LASK näherte sich in diesen Jahren langsam aber sicher seinem sportlichen Zenit und so war es dann auch, dass am 31. März 1962 offiziell 33.000 Besucher Augenzeugen beim Spiel gegen den Wiener Sportklub waren, welches mit einem 3 : 3-Remis geendet hatte. Beide Vereine waren damals Top-Adressen in Österreich und zu diesem Spiel kamen die bis heute meisten Zuschauer ins Linzer Stadion. Bei einem Fußballspiel wohlgemerkt. Am 6.
September 1988 strömten 40.000 Leute in das Areal, als kein Geringerer als Michael Jackson sein Open Air-Konzert zum Besten gab.

Im Laufe der Jahre wurde aber das Stadion auch immer mehr erweitert und umgerüstet. So wurde in den Jahren 1960 bis 1965 zur Schonung des Hauptspielfeldes die drei längst erforderlichen und überfälligen Neben- und Übungsplätze geschaffen – einer davon hinter dem „offenen„ Tor im 90 Grad-Winkel dazu, die zwei weiteren parallel zum Hauptspielfeld, allerdings versetzt und neben dem Stadion angelegt. Im Jahre 1967 wurde mit dem Stahl der VÖEST-Alpine Montan AG die Flutlichtanlage montiert und im Jahre 1971 kam die längst fällige Überdachung durch die VÖEST-Alpine für die 4.500 Sitzplätze auf der Haupttribüne hinzu. Im Sommer 1974 wurde der Zaun im Stehplatzbereich geschaffen, denn als am 1. Juni 1974 der SK VÖEST anlässlich eines 2 : 0-Sieges gegen die VIENNA Österreichischer Fußballmeister wurde, strömten hunderte junge Fans vorzeitig auf den Rasen, was beinahe zu einem Spielabbruch geführt hatte. Im Europapokal zog der SK VÖEST den spanischern Meister und gegen den CF Barcelona pilgerten im September 1974 26.000 Besucher ins Linzer Stadion, welches eben nun eine Umzäunung aufzuweisen hatte. Mit dem Zubau der Linzer Sporthalle vor dem Stadion 1974 und der Tennishallle 1976 war der Ausbau des Sportzentrums auf der Gugl für den damaligen Bürgermeister Franz Hillinger abgeschlossen.

Ab dem Sommer 1984 ging es mit Erneuerungs- und Renovierungsarbeiten weiter.
Die Tore am Spielfeld wurden erneuert und die alte Aschenbahn wurde gegen eine leichtathletikgerechte Laufbahn ausgetauscht. Diese Arbeiten waren im Sommer 1985 abgeschlossen, im Gleichklang dazu wurden die sichtbehinderten Stützpfeiler der Sitzplatzüberdachung zu zwei Drittel zurückversetzt. Ebenso wurde die alte „Eterna„-Stadionuhr durch eine moderne zeitgemäße Anzeigetafel ausser Betrieb genommen. Die neue Anzeigetafel feierte anlässlich des 46. Linzer Derbys zwischen dem LASK und dem SK VÖEST (1 : 2) am 11. Oktober 1985 inoffizielle Premiere. Die offizielle erfolgte einige Tage später anhand des Länderspieles Österreich vs. Jugoslawien. Im Winter 1986/87 wurde der Zaun im Bereich des Stehplatzes komplett erneuert, ebenso wurden die Wellenbrecher auf der gesamten Stehterrasse ausgewechselt. Im Frühjahr 1988 wurde im Stehplatzbereich zur neuen Anzeigetafel hin ein Sektorzubau vorgenommen und im Gleichklang dessen mit der Überdachung der Gegengeraden im Stehplatzbereich begonnen. Die Fertigstellung erfolgte im Sommer 1988. Weiters wurden in diesem Jahr die alten Holzbänke im Sitzplatzbereich durch moderne orange und gelbe Schalensitze ausgetauscht.
Im Sommer 1994 erfolgte die Restüberdachung im Stehplatzbereich in der Kurve hinter dem Tor, so dass von nun an das gesamte Stadion überdacht war. Im Winter 1994/95 wurde der komplette Stehplatzbereich umgestaltet, die alten Wellenbrecher mussten weichen und ein deutsches Unternehmen montierte eine Bestuhlung für den Stehplatz, der als Klappstuhl normalerweise hochgeklappt ist und von Hand geöffnet werden kann. Jene 21.000 Menschen, die dereinst für den Stehplatzbereich zugelassen waren, konnten in dieser Anzahl nun nicht mehr erscheinen, da eben dort, wo früher zwei Personen stehen konnten, heute nur mehr einer steht oder eben sitzt.

Als in den 70iger Jahren des vorigen Jahrhunderts der LASK und auch der SK VÖEST beide im Gleichklang im Oberhaus quasi Kopf an Kopf sportlich brillierten, war die Gugl stets sehr gut besucht. Legendär klingen heute noch die Aussagen des jeweiligen Stadionsprechers von LASK als auch VÖEST in den Ohren, am Stehplatzbereich nicht oben stehen zu bleiben, sondern doch bitte weiter nach unten zum Zaun hin nachrücken zu wollen, da draussen vor den Toren noch tausende Menschen an den Kassen stehen, die ebenso Einlaß finden möchten. Oft und oft war die Gugl hoffnungsvoll mit Zuschauern vollgepflastert. Weiters war das Linzer Stadion der erste Boden ausserhalb von Wien, auf dem ein offizielles Länderspiel stattfinden sollte, wenngleich es bis zum Jahre 1968 dauern sollte, bis eben der ÖFB den Versuch startete, in die Bundesländer zu gehen.

Und so war eben das Linzer Stadion auf der Gugl Anlaufpunkt und Sammelstelle für viele Fan-Karrieren hierzulande, Egal ob das Schwarz-Weiß des LASK oder das Blau-Weiß der VÖEST – ein Stadionbesuch war zu jeder Zeit ein Erlebnis und eine willkommene Abwechslung im Grau des Scbulalltages gewesen. Man musste sich durch gute Noten diesen aber immer erst auch verdienen. Und da wiederum am allerschönsten waren die Abendspiele, wenn man in vollen O- und Autobussen stand, sich kaum anhalten konnte, ehe man dann endlich an der Haltestelle „Stadion„ hinausspringen durfte. Von weitem schon vernahm man die vier in den dunklen Nachthimmel ragenden hell erleuchtenden Flutlichtmasten, hörte den Stadionsprecher und häkelte am Weg zum Eingang noch einmal rasch seine Mitstreiter, wenn es eben wieder darum ging, die Nummer 1 in der Stahlstadt zu werden, ehe man sich in die diversen Fan-Blöcke 2 (LASK) und 3 (SK VÖEST) mischte. Ein Linzer Derby stand an, von dem es deren 74 an der Zahl in der Zeit von Herbst 1969 bis zum Frühjahr 1997 gab. Der FC Linz (Nachfolgeverein des SK VÖEST) wurde am 21. Mai 1997 aufgelöst. Die als Fusion verkaufte Geschichte war eine Liquidierung des Österreichischen Meisters von 1973/74. Und auch fanmäßig war es viele Jahre eine Novität in Linz gewesen, quasi Block an Block im Linzer Stadion zu stehen. Die Schwarz-Weißen, die fanmäßig immer weniger bestückt waren, als die Blau-Weißen, bezogen im Sektor 2 Quartier. Die „VÖEST´ler„ begannen im 12er-Sektor in der Kurve gleich neben der Sitzplatztribüne, wanderten dann aber, um TV- und mediengerechter platziert zu sein, in den 3er-Sektor auf der Gegengerade in Höhe der Mittelauflage ab. Die Fans, die mit Kutte, Schal, Fahne und Tröten ins Stadion kamen, waren beim SK VÖEST gegenüber dem LASK immer in der Mehrheit, die Zuschauer und „normalen„ Stadiongeher jedoch, fanden eher den Weg zum LASK, ob der Tradition, so hieß es immer.
Und dennoch hatte die Polizei immer alle Hände voll zu tun, wenn eben wieder ein Stadtderby anstand und beide Blöcke nebeneinander platziert waren. Dies ging vom Ende der 70iger Jahre bis zum 6. Oktober 1994 so. Von da an bezogen die „Blauen„ Linzer anhand eines Derbys, bei dem der LASK Veranstalter war, freiwillig im Gästeblock des Linzer Stadions Stellung. Dies wurde so bis zum 31. Mai 1997 und dem letzten Linzer Stadtderby (FC Linz – LASK, 3 : 0) beibehalten. Der Grund für die Abwanderung aus dem angestammten Sektor bei „Derby-Auswärtwsspielen„ wurde von Seiten der VÖEST-Fans so begründet, dass es eben besser wäre, sich nicht nur farblich, sondern auch platzmäßig vom Rivalen abzusondern. Weiters galt es ja, unzählige Transparente und Fahnen am Zaun zu montieren und auch stimmungsmäßig war im Gästesektor bei einem Derby immer die Hölle los.

Und so dauerte es eben bis zum 27. August 2002, ehe es in Linz wieder ein Stadt-Derby gab. Der FC Blau-weiß Linz, als Nachfolgeverein des FC Linz in der 4. Liga ins Leben gerufen, zog im Österreichischen Fußballcup den großen und für die Fans ewigen Rivalen Linzer ASK. Man fieberte dem Termin entgegen, war dieses Datum doch für viele Linzer nach 5 Jahren wieder einmal einen Besuch im Linzer Stadion wert gewesen. Und so fanden sich an einem lauen Sommerabend knapp 10.000 Besucher in der altehrwürdigen Gugl-Arena ein, um Zeitzeuge eines denkwürdigen Spiels zu werden. Die „Blauen„ Linzer agierten ob ihrer Fans nämlich so, als wären sie nie weg gewesen. Die Längsseite des Stadions war in blau und weiß getaucht und die Stimmung glich einem Europapokal-Spiel. Und als dann der Sieger des Abends anhand eines 3 : 1-Erfolges auch noch FC Blau-weiß Linz hieß, tat dies dem Jubel und der Freude absolut keinen Abbruch. Doch es sollte bis dato das letzte Aufeinandertreffen im Rahmen eines Stadtderbys in Linz gewesen sein.

Der LASK ist im Sommer 2007 nach einer sechsjährigen Abstinenz wieder in die höchste Bundesliga zurückgekehrt und man wird es verstehen, die Gugl wieder füllen zu können. Dennoch verschlief die Stadt Linz, die einmalige Chance, eurofit zu werden und die Europameisterschaft im eigenen Land macht um Linz, immerhin die drittgrößte Stadt in Österreich, einen weiten Bogen. Und darüber hinaus ist das Linzer Stadion ist als Leichtathletik-Ground kein reines Fußball-Stadion. Weiters sind die Adaptierungen der letzten Jahre eher als Flickwerk anzusehen, doch da die Stadt Linz das alljährliche „Gugl-Meeting„ forciert und man den Eindruck gewinnt, eher für ein einmal im Jahr stattfindendes Leichtathletik-Spektakel mehr aufwenden zu wollen, als für Fußballer, bleibt die altehrwürdige Betonschüssel wohl auch in Zukunft so, wie sie derzeit ist. Eine Nostalgie-Schüssel, die von der Vergangenheit lebt und dem Vernehmen nach keine Gegenwart und Zukunft mehr hat.

Gugl

Du bist ja nur (m)ein Stadion
Eine Erzählung vom 27. August 2002 anläßlich des ÖFB-Cup-Derbys FC Blau-Weiß Linz vs. Linzer ASK, 3 : 1.

Da hast Du mich also wieder in Empfang genommen, nachdem Du mich vor über fünf Jahren mit Schimpf und Schande von Deinen Stufen vertrieben hast. Und es war schön, Dich wieder zu sehen. Hast Dich ja auch kaum verändert in der Zwischenzeit. Obwohl – jünger bist auch Du nicht geworden. Aber wer wird das schon? Ich betrat Dich, als wäre ich nie weg gewesen. Und Du hast mich aufgenommen, wie einen guten alten Freund, der nach Jahren des Streites die Hand zur Versöhnung Dir reicht. Wir haben uns sofort wieder verstanden. Du bist ja doch mein alter Kumpel aus noch älteren Tagen.

Früher war es einmal, als ich als kleiner Hosenmatz des Abends mit Muttern an Dir vorbeispazierte und Du Deine Tore weit geöffnet hattest. Magisch fühlte ich mich von Dir angezogen. Und ich betrat Deine große Stehplatzkurve, die pompös auf mich Zwerg wirkte. Und schmutzig warst Du, als ob Du nie etwas von Besen, Wasser und Mistkübel gehört hättest. Es muß ein Spiel gewesen sein im Vorfeld. Vermutlich den Klub mit dem Schwarz in seinen Farben hattest Du an diesem Samstag beherbergt. Es mußte so gewesen sein, denn die VÖEST´ler waren ordentlich und hinterließen nicht nur Mist und Dreck in Dir.

Später dann war ich im Rahmen der Faustball-Weltmeisterschaft im September
1974 offiziell das erste Mal auf Deiner Sitzplatz-Tribüne und hernach am Nebenfeld. Mein Onkel war Betreuer der Deutschen Mannschaft und ich durfte auf den geheiligten Rasen. Daß auf eben diesem kurz zuvor der SK VÖEST gegen CF Barcelona zum ballesterischen Tanz lud, wußte ich zu diesem Zeitpunkt natürlich nicht. Und irgendwann kam ich dann öfters zu Dir. Der SK VÖEST war mein Verein geworden und ich pilgerte zu ihm und somit natürlich auch zu Dir. Und es war gut so. „Linzer Stadion auf der Gugl„ so wurdest Du genannt.
Und ich wurde und war ein Teil von Dir und Du natürlich auch von mir. Ich kenne jeden Winkel in Dir, kein Steinchen am Stehplatz war mir fremd und auch Deine Adaptierungen und kosmetischen Eingriffe in all den Jahren habe ich akribisch verfolgt. Stunden, Monate, ja sogar Jahre brachte ich in Dir zu. Und es war schön.

Wir wurden Freunde – fürs Leben. Bis zu jenem Tag im Mai des Jahres 1997, genau genommen war es der 31., an dem ich Dich letztmals betrat. Und es war kein Höflichkeitsbesuch gewesen, wie dereinst, sondern ein äußerst unangenehmer. Für Dich und umso mehr für mich. Und dann war es vorbei. Ich zog von dannen und weinte Dir keine Träne nach. Und Du warst froh, als ich weg war. Und mit mir unzählige, abertausende Fans des SK VÖEST. Der Verein wurde ausgelöscht und somit auch unser Dasein in Dir.

Doch Tränen trocknen schnell und nachtragend sind wir beide nicht. Waren wir auch nie. Wenngleich Du oftmals zugelassen hast, daß unser Verein nicht als Sieger vom Platz ging. Du hättest so viele Möglichkeiten gehabt, ein Spiel umzudrehen, wenn die VÖEST auf der Verliererstraße war. Und Du tatest es nicht. Vermutlich aus sportgeiststrategischen Gründen.

Also reichten wir uns wieder die Hand zur Versöhnung und taten so, als wäre nie etwas gewesen. Wie alte Freunde eben.

Hallo alter Junge. Es war sehr schön, Deinen Atem wieder gespürt zu haben und das ungeheure Flair in Dir zu genießen, die Akustik auszuprobieren und den Torjubel in Deinem Gemäuer zum Erhallen gebracht zu haben. Da wurden viele Erinnerungen an einst geweckt und wach geküßt. So soll es wahrlich noch viele Jahre bleiben, mein alter Freund.

Zeittafel:

1952: 28. Juni – Eröffnung des Stadions durch ein Schul- und Sportfest
1962: 31. März – Zuschauerrekord bei einem Fußballspiel. LASK – Wiener Sportklub sehen 33.000 Menschen
1967: Errichtung der Flutlichtanlage
1968: 1. Mai – Länderspiel gegen Rumänien, 1 : 1, 32.000 Besucher
1971: Überdachung im Bereich der Sitzplatztribüne
1971: 10. Oktober – Länderspiel gegen Irland, 6 : 0, 20.000 Besucher
1972: 13. Mai – vermutlicher Derby-Besucher-Rekord für die Ewigkeit. Beim Linzer Bruderkampf zwischen dem LASK und dem SK VÖEST kommen 30.000 Zuschauer
1974: 1. Juni – der SK VÖEST wird vor 5.000 Besuchern im Linzer Stadion am letzten Spieltag mit einem 2 : 0-Sieg gegen die VIENNA Österreichischer Fußballmeister
1974: Im September wird die Stadt- und Sporthalle Linz, unmittelbar vor dem Stadion, eröffnet
1976: 22. September – Länderspiel gegen die Schweiz, 3 : 1, 20.300 Besucher
1981: 17. Juni – Länderspiel gegen Finnland, 5 : 1, 25.700 Besucher
1984: 30. März – die vermutlich spärlichste Kulisse im Linzer Stadion bei einem Fußballspiel. SK VÖEST gegen Admira/Wacker, 1 : 1, verfolgen an jenem Freitag Abend lediglich 300 Unentwegte
1984: Im April gibt der SK VÖEST bekannt, bis zum Saisonfinale seine Heimspiele in Wels am Union-Platz auszutragen, da man sich dort mehr Zuschauerresonanz erwarte. Der LASK war für drei Monate Hausherr im Linzer Stadion und füllte dieses auch mit 15.000 Besuchern gegen FK Austria Wien und 22.000 Besuchern gegen RAPID
1984: Adaptierungsarbeiten am Spielfeld, Austausch der beiden Tore
1985: Umbauarbeiten im Frühjahr und Sommer für ein Leichtathletik-Stadion, neue Laufbahn, Zubau eines Leichtathletik-Büros im Bereich der Spieler-Kabinen, Rückversetzung um zwei Drittel der Stützpfeiler der Sitzplatzüberdachung. Anlässlich eines Länderspieles gegen Jugoslawien am 16. Oktober, 0 : 3, 15.000 Besucher, wird das Stadion mit der neuen Anzeigetafel offiziell nach den Adaptierungen eingeweiht
1986: 30. Mai – der FK Austria Wien wird durch einen 1 : 0-Sieg gegen den LASK vor 12.500 Zuschauern am letzten Spieltag Österreichischer Fußballmeister
1986/87: Im Winter wird ein neuer Zaun im Stehplatzbereich und neue Wellenbrecher errichtet
1988: Im Frühjahr beginnt der Zubau eines neuen Sektors Richtung Stadionuhr im Stehplatzbereich, Beginn der Stehplatzüberdachung, Austausch der Holzbänke gegen Schalensitze im Sitzplatzbereich. Ebenso wird im Herbst dieses Jahres die große Kurve hinter dem Tor beim Eingangsbereich Stehplatz gesperrt. Der Grund: Weder der LASK in der 1. Liga, noch der SK VÖEST in der 2. Liga verfügen in diesem Herbst über viele Zuschauer. Mit dieser Maßnahme wollte man eine gewisse Üppigkeit der spärlichen Besucherzahlen auf der Gegengeraden erreichen, aber auch die Kosten für die Stadionreinigung senken.
1988: 31. August – Länderspiel gegen Ungarn, 0 : 0, 12.000 Besucher
1988: 6. September – absoluter Besucher-Stadionrekord von 40.000 Menschen bei Michael Jacksons Open-Air-Konzert. Ebenso fand 1988 das 1. Linzer Gugl-Meeting statt. Dies ist eine Leichtathletik-Großveranstaltung, die es seit diesem Jahr einmal jährlich gibt. Im Schnitt kommen zu diesem Event zwischen 12. und 17.000 Besuchern.
1992: 2. September – Länderspiel gegen Portugal, 1 : 1, 14.000 Besucher
1994: 23. März – Länderspiel gegen Ungarn, 1 : 1, 15.000 Besucher
1994: Im Sommer wird die Lücke beim Stehplatzeingang ebenso überdacht, das gesamte Oval ist somit „bedacht„.
1994/95: Im Winter wird der Stehplatzbereich umgerüstet und rote Klappstühle ersetzen die alten Wellenbrecher.
1996: Im Sommer wurde eine Rasenheizung installiert. Der LASK, als auch der FC LINZ (Nachfolgeverein des SK VÖEST) trugen die ersten Heimspiele der Saison am Welser Union-Platz aus.
1997: 18. März – Länderspiel gegen Slowenien, 0 : 2, 14.500 Besucher

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