FAK / Das war und ist der Klub meines Herzens

Mit Herbert Prohaska (links, 34jährig, 583 Pflichtspiele) beendete am 9. Juni 1989 auch Erich Obermayer mit 36 Jahren nach 688 Partien für Violett die aktive Laufbahn. Still, bescheiden und im Schatten des "großen" Prohaska. So, wie es immer die Art von "Sir Erich" war. Foto: privat

Mit Herbert Prohaska (links, 34jährig, 583 Pflichtspiele) beendete am 9.
Juni 1989 auch Erich Obermayer mit 36 Jahren nach 688 Partien für Violett
die aktive Laufbahn. Still, bescheiden und im Schatten des “großen” Prohaska. So, wie es immer die Art vom treuen “Sir Erich” war. Foto: oepb

Österreichs Jahrhundert-Fußballer Herbert „Schneckerl“ Prohaska beging am 8. August 2015 seinen 60. Geburtstag. Zahlreiche Gratulanten aus Kultur, Politik, Sport und Wirtschaft stellten sich dazu ein. Nun widmete ihm allerdings auch sein „absoluter Herzens-Klub“ FK Austria Wien (Zitat: Prohaska) im Austria Museum eine eigene Ausstellung, die an seine wahrhaft einzigartige Karriere als Spieler und Trainer erinnert. Gestern Abend wurde diese im Beisein zahlreicher Journalisten feierlich eröffnet.

Dem AUSTRIA live / Das Stadionmagazin / Ausgabe 02 / 2015/16 gab er im so genannten „Legenden-Talk“ aus gegebenem Anlass das nachstehend angeführte Interview:

Herbert Prohaska über Wünsche zu seinem 60. Geburtstag:
Ich habe eigentlich keine Wünsche, es soll nur alles so bleiben, wie es ist. Alle, die mich kennen, sollen gesund bleiben, es soll ihnen gutgehen – dann bin auch ich zufrieden.“

Der Jubilar Herbert Prohaska in seiner eigenen Museums-Austellung. Foto: oepb

Der Jubilar Herbert Prohaska in seiner eigenen Museums-Austellung. Foto: oepb

… über seine schönsten Stunden in der Austria- Familie:
Wenn man insgesamt 18 Jahre bei einem Verein verbringt, ist es schwierig, einzelne Momente zu nennen. Es war bei der Austria bis auf wenige Ausnahmen von der ersten bis zur letzten Minute immer schön. Das war und ist der Klub meines Herzens, dem ich viel zu verdanken habe. Und ich hoffe und glaube, dass ich auch viel zurückgegeben habe.“

 

… über Erfolge und Erinnerungen mit den Veilchen:

Auch der erste Profi-Vertrag aus dem Jahre 1972 ist ausgestellt. Prohaska verdiente damals bei der Austria 1.500 Schilling (€ 109,-) Foto: oepb

Auch der erste Profi-Vertrag aus dem Jahre 1972 ist ausgestellt. Prohaska
verdiente damals bei der Austria 1.500 Schilling (€ 109,-) Foto: oepb

Wir haben sehr, sehr viele Erfolge gehabt und ich habe mit unzähligen guten Spielern in einer Mannschaft zusammengespielt. Das wird mir ewig in Erinnerung bleiben. Die Austria wird immer mein Klub sein, es geht gar nicht anders.“

… über Mitspieler, die er nie vergessen wird:
„Eigentlich alle. Das Besondere daran war, dass ich eigentlich mit drei Generationen gespielt habe. Die erste war mit Ernst Fiala, Helmut Köglberger, Eduard Krieger usw., die zweite mit Erich Obermayer, den Brüder Robert und Josef Sara, Ernst Baumeister, Felix Gasselich, Karl Daxbacher, Julio Morales, Thomas Parits etc. dauerte sehr lange und umfasste den Einzug ins Europacupendspiel 1978. Und zuletzt spielte ich mit Leuten wie Andreas Ogris, Peter Stöger, Toni Polster und Tibor Nyilasi.“

… über Trainer, die ihn und seine Mannschaften zu Erfolgen geführt und geprägt haben:
„Ich war bei der Austria immer sehr verwöhnt. Ich bin immer super behandelt, fast schon verhätschelt worden. Das heißt: Es hat ja nicht viele Jahre gegeben, wo wir gar nichts gewonnen haben. Wir haben fast mit jedem Trainer etwas gewonnen.“

Grelles TV-Scheinwerferlicht, aufgebaut vor der Austria-Kabine im Horrstadion, leuchtete unbarmherzig Prohaskas Gefühle aus. Der ausgekochte Fußballfuchs weinte. Seine Anhänger weinten vor dem Bildschirm mit. Der TV-Moderator fand für die gähnend leeren Ränge - zu seinem letzten Spiel kamen beim 5 : 0 gegen den GAK lediglich 2.500 Besucher - beim Abschied eines der größten Fußballer der Nachkriegszeit die treffenden Worte, garniert mit viel Ironie: "Wahrscheinlich war seinen Fans der Anlass zu traurig, um hinzugehen."

Grelles TV-Scheinwerferlicht, aufgebaut vor der Austria-Kabine im Horrstadion, leuchtete unbarmherzig Prohaskas Gefühle aus. Der ausgekochte Fußballfuchs weinte. Seine Anhänger weinten vor dem Bildschirm mit. Der TV-Moderator fand für die gähnend leeren Ränge – zu seinem letzten Spiel kamen beim 5 : 0 gegen den GAK lediglich 2.500 Besucher – beim Abschied eines der größten Fußballer der Nachkriegszeit die treffenden Worte, garniert mit viel Ironie: “Wahrscheinlich war seinen Fans der Anlass zu traurig, um hinzugehen.”

… über seine zweite Karriere als Trainer und ÖFB-Teamchef:
Ich hatte nie vorgehabt, Trainer zu werden. Solange du spielst, möchtest du gar nicht Trainer sein. Erst wenn man weiß, dass das Ende als Spieler näherrückt, macht man sich schon ein bisschen Gedanken. Ich wollte Sportdirektor werden. Das hat jedoch immer Joschi Walter abgedeckt. So war ich letztlich froh, dass ich Trainer sein durfte.“

… über den Übergang vom Spieler zum Trainer und die damit verbundene Arbeit:
„Wenn du dann Trainer bist, erinnerst du dich immer ein bisserl daran, was habe ich als Spieler gern, was habe ich nicht gern gehabt. Gewisse Dinge, von denen du glaubtest, das ist gut für dein Trainingsprogramm, hast du übernommen und schlechte habe ich eben weggelassen. Im Prinzip haben wir nie einen schlechten Trainer gehabt.“

Ein erfolgreiches Fußballer-Leben findet Anerkennung ... ... und Niederschlag auf 4 Wänden. Beide Fotos: oepb

Ein erfolgreiches Fußballer-Leben findet Anerkennung und Niederschlag auf vier Museums-Wänden. Foto: oepb

… über das Gefühl, 60 Jahre zu sein:
„Beim Sport fühle ich mich wie 60, weil ich alles viel flotter und schneller machen will, aber es nicht geht. Ich beklage mich nicht, ich bin 60 und fühle mich wie 60. Es gibt viele Leute die sagen, ich bin 60, fühle mich aber wie 30.“

… über Sportarten, die er auch jetzt noch betreibt:
Tennis und im Winter Ski fahren. Fußball spiele ich immer seltener. Das liegt aber nicht daran, dass ich nicht mehr will, sondern es ist immer schwieriger, unsere Copa-Pele-Truppe zusammenzubringen. Fast alle aus dieser Mannschaft arbeiten im Profifußball: Der Peter Stöger ist in Köln, Didi Kühbauer in Wolfsberg, Peter Schöttel in Grödig, Andreas Herzog in den USA, Andi Ogris und Franz Wohlfahrt sind bei der Austria. Anfragen gäbe es für unser Antreten.“

Zwei, die sich auf Anhieb blind verstanden und die den Gegnern oftmals das Fürchten lehrten: Herbert Prohaska (oben) und Tibor Nyilasi auf einem Fan-Poster im Sommer 1983. Foto: oepb

Zwei, die sich auf Anhieb blind verstanden und die den Gegnern oftmals das Fürchten lehrten: Herbert Prohaska (oben) und Tibor Nyilasi auf einem Fan-Poster im Sommer 1983. Foto: oepb

… über unsere „Austria neu“ unter Thorsten Fink:
„Es wäre nicht professionell, nach nur vier Ligaspielen eine Prognose abzugeben. Auf alle Fälle glaube ich, dass die Austria eine gute Wahl getroffen hat und wir einen sehr guten Trainer haben. Man kann froh sein, einen solchen Mann in Österreich zu haben. Er hat mit dem FC Basel große Erfolge gefeiert und auch in Deutschland bei renommierten Klubs gearbeitet.“

… über Zu- und Abgänge auf dem Spielersektor im Sommer:
„Ich glaube, dass die Spieler, die geholt wurden, einschlagen werden. Wichtig wird sein, dass sich vorne gleich von Beginn weg jemand herauskristallisiert, der 20 Tore für uns schießen kann.“

… über die Generali-Arena, die bis 2018 ausgebaut und modernisiert wird:
„Heutzutage ist das keine Frage mehr, du brauchst dich nur umzuschauen, dort, wo moderne, schöne Stadien stehen, dort gehen die Leute gern hin. Man muss Komfort bieten und wenn das Stadion der Austria fertig ist, dann wird sie sicher davon profitieren. Es muss natürlich eines ins andere gehen, die Austria dann auch Austria-mäßig vorne mitspielen. Dann wird es im Stadion eine Superstimmung geben und das Ganze auch Geld bringen.“

Einem lockeren und – seit dem er nicht mehr als Trainer aktiv ist – gelösten Herbert Prohaska zuzuhören, ist ein Fundus an sprichwörtlich „geführtem Wiener Schmäh“ für das Gehör. Zahllose Anekdoten aus einer endlos langen Fußballer-Karriere werden oftmals pointiert in das Geschehen getragen und in seiner Eigenschaft als ORF-Parade-Analytiker lässt er auch die jüngere Generation mit witzigen Erinnerungen an dieser seiner aktive Zeit teilhaben.

Die Überraschung ward geglückt und perfekt, als urplötzlich aus den Stadion-Katakomben der einigste ungarische Weltklasse-Mann Tibor Nyilasi auftauchte, um seinem alten Kumpel persönlich zum runden Geburtstag zu gratulieren. Foto: oepb

Die Überraschung ward geglückt und perfekt, als urplötzlich aus den Stadion-Katakomben der einstige ungarische Weltklasse-Mann Tibor Nyilasi auftauchte, um seinem alten Kumpel persönlich zum runden Geburtstag auf das Herzlichste zu gratulieren. Foto: oepb

Neben dieser Ausstellung, die derzeit bis mindestens Jahres-Ende im Austria-Museum zu bestaunen sein wird, wurde er gestern vor dem 314. Wiener Fußball-Derby vom ganzen Stadion bejubelt und man ließ ihn mehrmals hochleben. Als sich dann mit Tibor Nyilasi sein jahrelanger Freund und Partner im Dress der Wiener Austria persönlich am Rasen einfand, schien der Abend perfekt zu sein. Der einstige ungarische Weltklasse-Fußballer kam im Sommer 1983 von Ferencvaros Budapest nach Wien und blieb den Veilchen bis 1988 treu. In dieser Zeit kam er auf 218 Pflichtspiele mit sagenhaften 181 Toren. Nyilasi und Prohaska, diese beiden dominierten damals die Österreichische Fußball-Bundesliga nach Belieben.

So ganz und gar nicht in dieses violette Jubel-Bild passte dann das Spiel der aktuellen Austria-Mannschaft. Diese verlor nämlich aufgrund fürchterlicher Eigenfehler das 314. Stadt-Derby gegen RAPID mit 2 : 5. Dennoch lebt die Hoffnung an bessere Zeiten, denn spielerisch bietet dieses Team wieder sehenswerten Offensiv-Fußball und der quirlige nigerianische Neuzugang Olarenwaju Kayode erinnert nicht nur aufgrund der Rückennummer 8 an den Jubilar, sondern auch aufgrund seiner Wendig- und Spritzigkeit. A new Star is born – Herbert Prohaska wird es freuen.

Hier geht es zum FAK-Museum

 

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www.bundesliga.at

 

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